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Veröffentlicht am 12.03.2019

Wieder ein undurchsichtiger, spannender und interessanter Fall für David Hunter

Die ewigen Toten
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Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Wunderlich; Auflage: 1. (12. Februar 2019)
ISBN-13: 978-3805250023
Originaltitel: The Scent of Death
Übersetzung: Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Preis: 22,95 ...

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: Wunderlich; Auflage: 1. (12. Februar 2019)
ISBN-13: 978-3805250023
Originaltitel: The Scent of Death
Übersetzung: Karen Witthuhn und Sabine Längsfeld
Preis: 22,95 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Wieder ein undurchsichtiger, spannender und interessanter Fall für David Hunter

Inhalt:
Das seit Jahren stillgelegte Krankenhaus St. Jude im Norden Londons soll endlich abgerissen werden. Doch da wird auf dem Dachboden eine mumifizierte Leiche gefunden, die offensichtlich schon länger dort liegt. Als der Boden am Fundort einbricht, stoßen die Ermittler auf ein Krankenzimmer, das nicht in den Plänen verzeichnet ist und weder Tür noch Fenster hat. Und die Betten sind nicht leer …

Meine Meinung:
Ich habe alle bisherigen Bände dieser Reihe mit Begeisterung gelesen. Auch der aktuelle Fall hat mir von Anfang bis Ende sehr gut gefallen. Obwohl es eine kleine Rahmenhandlung gibt, die über die einzelnen Teile der Serie eine Rolle spielt, kann man ohne jegliche Vorkenntnisse hier einsteigen, da alles Wichtige noch einmal gesagt wird.

Simon Beckett versteht es, mit einfachen Worten, aber auch Fachbegriffen, den geneigten Leser in die Welt der forensischen Anthropologie einzuführen. Ich finde es immer wieder sehr spannend, mich mit den chemischen und biologischen Vorgängen eines Todes zu befassen und Hunter dabei über die Schulter zu sehen, wie er aus den kleinsten Details seine Schlüsse zieht.

Doch natürlich ist der charismatische Arzt mit traumatischer Vergangenheit nicht der Einzige, der mit den Ermittlungen zu tun hat. Die Kollegen von der Polizei, DCI Ward und DI Whelan, sind fast ebenso tiefgründige und interessante Figuren wie Hunter, die den Fall aber ganz anders angehen als der Anthropologe. So erhält man als Leser*in ein umfassendes Bild der Polizeiarbeit.

Dabei erweisen sich die Todesfälle als ziemlich verzwickt. Ob und wie sie zusammenhängen, bleibt lange Zeit in der Schwebe. Welche Rolle ein aktivistischer Anwalt und ein Abrissunternehmer spielen, gibt Rätsel auf. Beckett schafft es dabei, die Lesenden durchgehend zu fesseln und ihre Neugier aufrechtzuerhalten, sodass man unbedingt immer weiter lesen will.

Am Ende wird alles zufriedenstellend aufgeklärt.

Die David Hunter-Reihe:
1. Die Chemie des Todes
2. Kalte Asche
3. Leichenblässe
4. Verwesung
5. Totenfang
6. Die ewigen Toten

★★★★★

Veröffentlicht am 05.03.2019

Berührend, bedrückend, gewaltig

Ein wenig Leben
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Taschenbuch: 958 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (4. September 2018)
ISBN-13: 978-3492308700
Originaltitel: A Little Life
Übersetzung: Stephan Kleiner
Preis: 16,00 €
auch als Hardcover, als E-Book und ...

Taschenbuch: 958 Seiten
Verlag: Piper Taschenbuch (4. September 2018)
ISBN-13: 978-3492308700
Originaltitel: A Little Life
Übersetzung: Stephan Kleiner
Preis: 16,00 €
auch als Hardcover, als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Berührend, bedrückend, gewaltig

Inhalt:
Jude, Willem, Malcolm und JB - vier Jungs, die sich in New York auf dem College kennenlernen und ein Leben lang befreundet bleiben. Den Mittelpunkt der Gruppe bildet Jude, dessen Vergangenheit ihm schwer zu schaffen macht, was auch die Interaktionen in der Gruppe beeinflusst.

Meine Meinung:
Selten fiel es mir so schwer, etwas über einen Roman zu schreiben. Ähnlich wie der Protagonist Jude bin ich nach der Lektüre innerlich zerrissen. Zu nah habe ich das beschriebene Leid an mich herankommen lassen.

Die Geschichte von Jude, Willem und den anderen hat mich auf eine Achterbahn der Gefühle geschickt, bei der es allerdings mehr abwärts als aufwärts geht. Was Jude in seiner Kindheit und Jugend passiert ist, ist mehr, als ein Mensch ertragen kann. So ist es kein Wunder, dass Jude alles andere als psychisch gesund ist. Ohne seine Freunde, die bedingungslos für ihn da sind, wäre er von Anfang an verloren gewesen. Die wunderschönen Szenen der Freundschaft und Liebe holen die Lesenden immer wieder aus dem tiefen Loch hoch, doch hält dieser Zustand nie lange an.

Hanya Yanagiharas Schreibstil fand ich sehr ansprechend, bildhaft, eindringlich, wortgewaltig, dabei aber locker zu lesen. Mich konnte sie damit tief in die Geschichte hineinziehen. Auch wenn manche Handlungsweisen bei Außenstehenden nur ein Kopfschütteln bewirken, war es für mich doch stets nachvollziehbar, warum die Leute so und nicht anders handeln.

Dieses Buch ist keine leichte Kost, aber absolut lesenswert. Jede einzelne der 958 Seiten hat ihre Berechtigung, trägt zur Handlung bei, beleuchtet Hintergründe, schafft Verständnis.

Die Erzählung erstreckt sich dabei über einen Zeitraum von über fünfzig Jahren. In Rückblenden wird nach und nach der Panzer, den Jude um sich geschaffen hat, aufgebrochen und die brutalen Verletzungen der Kinderseele und des Kinderkörpers kommen immer mehr zum Vorschein. Für zartbesaitete Leser*innen ist das nichts. Alle anderen sollten Taschentücher bereitlegen.

★★★★★

Veröffentlicht am 13.02.2019

Der wohl nervenaufreibendste Fall für Max Bischoff

Im Kopf des Mörders - Toter Schrei
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Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (23. Januar 2019)
ISBN-13: 978-3596702060
Preis: 10,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Der wohl nervenaufreibendste Fall für Max Bischoff

Inhalt:
Max ...

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch (23. Januar 2019)
ISBN-13: 978-3596702060
Preis: 10,99 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Der wohl nervenaufreibendste Fall für Max Bischoff

Inhalt:
Max Bischoffs Schwester Kirsten wurde entführt. Der Täter erpresst Max. Sollte er nicht tun, was der Entführer verlangt, bekommt er Kirsten in Einzelteilen zurück. Um zu unterstreichen, dass er es ernst meint, schickt er Max als Erstes Kirstens kleinen Finger. Im Bestreben, seine Schwester zu retten, tappt Max alsbald in eine Falle, wodurch er selbst zum Gejagten wird und ohne die Hilfe seiner Kollegen auskommen muss.

Meine Meinung:
Dies ist der 3. Teil der Trilogie um den Düsseldorfer Kommissar Max Bischoff. Man muss die ersten beiden Teile nicht unbedingt kennen, aber sie lohnen sich und geringe Teile der Handlung bauen auch aufeinander auf. Haben mir Band 1 und 2 schon gut gefallen, so hat Arno Strobel sich mit dem Abschlussband der Trilogie noch einmal selbst übertroffen. Wenn es einen nicht stört, dass es kein klassischer Ermittlungskrimi ist.

Max muss ziemlich viel im Alleingang erledigen, muss sich ständig fragen, wem er noch trauen kann, wer auf seiner Seite steht. Und immer ist da im Hinterkopf die Angst um Kirsten, die vom Entführer verstümmelt oder gar getötet wird, wenn Max seinen absurden Wünschen nicht nachkommt. Ich habe sehr mit ihm gelitten und konnte dabei das Buch praktisch nicht aus der Hand legen, so gefesselt war ich von diesem Plot. Der Autor baut eine ganze Menge Spannung auf und schont seinen Protagonisten dabei nicht.

Etliche unerwartete Wendungen sorgen dafür, dass nichts vorhersehbar ist und die Spannung auf einem hohen Niveau gehalten wird. Mich konnte Arno Strobel mit diesem Band komplett überzeugen.

Die Im-Kopf-des-Mörders-Reihe:
1. Tiefe Narbe
2. Kalte Angst
3. Toter Schrei

★★★★★

Veröffentlicht am 21.01.2019

Fesselnde Dystopie

Davor und Danach
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Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Dressler (21. Januar 2019)
ISBN-13: 978-3791501000
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Originaltitel: The Survival Game
Übersetzung: Birgit Salzmann
auch als E-Book erhältlich

Fesselnde ...

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Dressler (21. Januar 2019)
ISBN-13: 978-3791501000
empfohlenes Alter: ab 14 Jahren
Originaltitel: The Survival Game
Übersetzung: Birgit Salzmann
auch als E-Book erhältlich

Fesselnde Dystopie

Inhalt:
Durch den Klimawandel ist Wasser knapp geworden. Nur im Norden gibt es noch genug. Die vierzehnjährige Mhairi, die einige Jahre mit ihren Eltern im Sudan gelebt hat, ist auf der Flucht nach Schottland, nach Hause zu ihrer Großmutter. Unterwegs trifft sie auf einen kleinen Jungen. Nimmt sie ihn mit, kommt sie langsamer voran. Lässt sie ihn allein zurück, wird er wohl sterben. Eine von vielen schweren Entscheidungen, die das Mädchen treffen muss, nur um am Ende festzustellen, dass auch in Schottland nicht mehr alles so ist, wie es mal war …

Meine Meinung:
Schon äußerlich ist dieses Buch ein Kleinod: ein wunderschönes Cover, bei dem die hintere Klappe so gearbeitet ist, dass sie um die Seiten herumliegt und diese schützt. Außerdem ist hier die Hälfte des Titels aufgedruckt, während auf dem eigentlichen Buchrücken die andere Hälfte steht. Dadurch kann man das Buch entweder mit dem „Davor“ oder mit dem „Danach“ ins Regal stellen.

Auch inhaltlich lässt das Buch kaum etwas zu wünschen übrig. Die Geschichte einer Flucht wird aus Mhairis Perspektive in der Ich-Form erzählt, und zwar sehr authentisch. Man ist ganz nah an Mhairis Gedanken und Gefühlen dran, zumindest an denen, die sie nicht tief in sich, in der FESTUNG, eingeschlossen hat. Dort sind die Erlebnisse, die einfach zu schlimm sind, um sie herauszulassen, begraben. Aber nach und nach kommen sie natürlich ans Licht.

Mir gefiel Mhairis Entwicklung sehr gut. Was sie auf ihrer beschwerlichen Reise erlebt, ähnelt stark dem, was auch die realen Flüchtlinge bei uns mitmachen müssen, Schikanen, Übergriffe, Diebstähle und vieles mehr. Es prägt sie in besonderer Weise. Immer wieder stellt sich die Frage, was Menschlichkeit ausmacht, ob man es sich leisten kann, Mitgefühl zu zeigen und zu helfen, oder ob man besser nur an sich denken sollte.

Nicky Singers Schreibstil mit den recht kurzen, klaren Sätzen spiegelt Mhairis Zerrissenheit und Verzweiflung perfekt wider. So kommen die Emotionen direkt beim Leser an und man kann sich problemlos in die Protagonistin hineinversetzen.

Fazit:
„Davor und danach“ ist eine fesselnde Dystopie, die leider gar nicht so weit von unserer heutigen Welt entfernt erscheint. Das Buch gibt eine Menge Denkanstöße, lässt sich dabei aber locker lesen.

★★★★★

Veröffentlicht am 12.01.2019

Authentisch, spannend, beeindruckend

Darktown (Darktown 1)
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Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag (12. November 2018)
ISBN-13: 978-3832183530
Originaltitel: Darktown
Übersetzung: Berni Mayer
Preis: 24,00 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Authentisch, ...

Gebundene Ausgabe: 480 Seiten
Verlag: DuMont Buchverlag (12. November 2018)
ISBN-13: 978-3832183530
Originaltitel: Darktown
Übersetzung: Berni Mayer
Preis: 24,00 €
auch als E-Book und als Hörbuch erhältlich

Authentisch, spannend, beeindruckend

Inhalt:
Atlanta, Georgia, 1948. Auf Druck von oben werden die ersten acht farbigen Polizisten in den Dienst genommen. Sie sollen für Recht und Ordnung in den farbigen Vierteln der Stadt sorgen, haben aber weit weniger Befugnisse als ihre weißen Kollegen, von denen sie zudem schikaniert werden. Weder die weiße noch die schwarze Bevölkerung nimmt sie ernst.

Als eine farbige junge Frau ermordet wird, haben die weißen Cops kein Interesse zu ermitteln. Den schwarzen ist es untersagt. Doch zwei von ihnen wollen das nicht einfach hinnehmen und machen sich heimlich auf die Suche nach dem Mörder. Dabei mischen sie den korrupten Polizeiapparat gehörig auf.

Meine Meinung:
Thomas Mullen hat einen großartigen Gesellschafts- und Kriminalroman geschrieben. Er konnte mich von Anfang an fesseln und wurde von Seite zu Seite spannender. Mein Kopfkino lief zur Höchstleistung auf. Auf mich wirkte die Erzählung sehr authentisch - kein Wunder, beruht sie doch zum Teil auf wahren Begebenheiten. Zum Beispiel war es den farbigen Polizisten nicht erlaubt, das Polizeihauptquartier zu betreten. Sie mussten aus einem Kellerraum des Y.M.C.A. heraus agieren. Um Weiße zu verhaften, mussten sie ihre weißen Kollegen rufen, die oft genug nichts unternahmen.

Besonders gelungen fand ich die Charakterisierung der verschiedenen Protagonisten, zwischen denen die Erzählperspektive wechselt. Da gibt es den Sohn des Reverends, der eher sanft und absolut gesetzestreu ist. Sein Kollege scheut sich nicht, auch mal hart zuzupacken und eine Schlägerei zu riskieren. Auf der anderen Seite haben wir den korrupten Cop, der keine Gelegenheit auslässt, die Farbigen zu demütigen und zu schikanieren, aber auch den jungen Weißen, der sich der Ungerechtigkeit sehr wohl bewusst ist und versucht zu helfen.

Durch die Ermittlungen stochern die Beamten in einem üblen Nest der Korruption, das weitläufiger ist, als man vermutet. Dadurch erhält der Kriminalfall eine ungeahnte Spannung.

Es ist schockierend, über den blinden Hass zwischen den Rassen zu lesen. Und noch schockierender ist es, dass dieser Hass auch heute noch in manchen Köpfen existiert.

Fazit:
Thomas Mullen zeichnet ein authentisches Bild der Südstaaten-Gesellschaft in den 1940er Jahren, verknüpft mit einem spannenden Kriminalfall. Für mich ein absolutes Lese-Highlight. Ich kann nur eins empfehlen: Lesen!

★★★★★