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Veröffentlicht am 15.02.2019

Unfertig

Frühling in Utrecht
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ist der Charakter und somit auch das Leben von Klara, einer Mittdreißigerin, die es von Berlin ins niederländische Utrecht verschlägt. Ja, "verschlägt" ist genau das richtige Wort, denn Klara ist eine ...

ist der Charakter und somit auch das Leben von Klara, einer Mittdreißigerin, die es von Berlin ins niederländische Utrecht verschlägt. Ja, "verschlägt" ist genau das richtige Wort, denn Klara ist eine Meisterin darin, die Dinge einfach mit sich geschehen zu lassen.

Das bedeutet: sie gerät in ein gewisses Setting, zunächst in Berlin, nun in Utrecht, und lässt sich dort gewissermaßen treiben, wobei sie mit diesem Merkmal mehr oder weniger für eine ganze Generation steht. Eine Generation, die abwartet, was ihr so geboten wird.

In Berlin war das eine frustrierende Beziehung zu Hauke, mit dem sie mehrere Jahre eine Kneipe betrieben hat. In Utrecht schaut sie erstmal, gerät durch Zufall an einen ganz netten Kneipenjob und darüber, nicht minder zufällig an einen ebenso entten Mann, nämlich Thijs, gut und gerne zehn Jahre jünger als sie, ganz der protestantisch-lutherische Typ. Was das heißen soll? Nun, um das zu erfahren, sollten Sie sich mit den Darstellungen der Autorin Julia Trompeter, bzw. den Gedanken, die sie Klara so in den Mund, vielmehr in den Kopf legt, befassen.

Intelligente Gedanken, die so einiges aus der europäischen und amerikanischen Kultur, vor allem auf die Literatur bezogen, beinhalten.

Wenn sie ein Problem mit Hektik haben: Klara ist keienswegs ein Typ, der in sich ruht. Dessen sollten Sie sich während, am besten bereits vor der Lektüre, im Klaren sein.

Für mich ist dieser Roman die lterarische Antwort auf den Film "Frances Ha" mit Greta Gerwig. Ein Auszug aus einem Leben eben. Nichts Tollkühnes, nichts Aberwitziges, aber dennoch: das pralle Leben. In Utrecht. Welches durchaus (auch) seinen Charme hat!

Veröffentlicht am 15.02.2019

Gebundenes Leben

Die verborgenen Stimmen der Bücher
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Die britische Autorin Bridget Collins entführt ihre Leser mit ihrem Roman "Die verborgenen Stimmen der Bücher" in eine fremde, gewissermaßen ursprüngliche Welt, in der die Bücher eine andere Bedeutung ...

Die britische Autorin Bridget Collins entführt ihre Leser mit ihrem Roman "Die verborgenen Stimmen der Bücher" in eine fremde, gewissermaßen ursprüngliche Welt, in der die Bücher eine andere Bedeutung hatten als diejenige, die uns bekannt ist.

Was für eine genau, das offenbart sich dem Leser erst peu à peu. Der junge Emmett Farmer, ein - Nomen est Omen - junger Farmer, erkrankt eines Tages unheilbar am Buchbinderfieber und muss den Beruf wechseln. Seine Familie schickt ihn weit fort zu einer alten Frau, nämlich Seredith. Dort soll er die Buchbinderkunst erlernen und das in einer Zeit, in alle Menschen - auch seine Eltern - Bücher aus ihrem Leben verbannt haben.

Er lernt schnell, dass Menschen gebunden werden können, doch was bedeutet das genau? Denn sie exisitieren auch danach noch und sehen genauso aus wie vorher. Aber irgend etwas ist anders an ihnen.

In Serediths Haus begegnet Emmett merkwürdigen Menschen, so auch dem ebenfalls jungen Lucien Darnay, der eine gewisse Faszination auf ihn ausübt, aber auch eine bestimmte, nicht näher definierbare Gefahr ausstrahlt - was hat es mit ihm wohl auf sich?

Schneller als gedacht, lange vor Ende seiner Ausbildung, muss Emmett Serediths Haus verlassen und begegnet einem ganz anderen, ausgesprochen befremdlichen Leben, in dem ihm klar wird, dass er sich auf niemanden verlassen kann.

Die Welt der Autorin Bridget Collins ist rund, sie ist aber auch bedrohlich und in eher dunkle Farben gewandet. Es ist spannend, sie zu erobern, doch sie beinhaltet eine ganze Menge roher Gewalt - für meinen Geschmack zu viel davon. Ein komplexes, stellenweise grausames Werk, an dessen Ende Emmett schließlich sich selbst findet.

Empfehlenswert für Leser, die gerne neue Welten kennenlernen, in denen die Uhren ganz anders ticken als in unserem "normalen" Alltag!

Veröffentlicht am 11.02.2019

Ein gewiefter Schachspieler

Das Echo der Wahrheit
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Das ist der Autor Eugene Chirovici - als virtuoser Stratege auf dem Papier, wohlgemerkt. Er spielt allerdings seine Figuren so gegeneinander aus, dass der Leser zunächst immer wieder auf das falsche Pferd ...

Das ist der Autor Eugene Chirovici - als virtuoser Stratege auf dem Papier, wohlgemerkt. Er spielt allerdings seine Figuren so gegeneinander aus, dass der Leser zunächst immer wieder auf das falsche Pferd - oder auf den falschen Buben? - setzt .

Denn Buben sind es, die im Mittelpunkt der Geschichte stehen und zwar deren zwei - nämlich der Psychiater Dr. Cobb, der auch als Erzähler fungiert und auf der anderen Seite der unendlich reiche Joshua Fleischer, der Cobb für ein paar Tage zu sich einlädt und ihm - unter anderem - seine Geschichte erzählt.

Seit vielen Jahren lastet ihm etwas auf der Seele und Cobb, der vor einigen Jahren ein Erlebnis hatte, das ähnliche Empfindungen in ihm evoziert, lässt nicht locker, bis er es herausfindet. Obwohl es eigentlich gar nicht mehr nötig ist...

Eugene Chirovici spielt nicht nur mit den Rollen seiner Protagonisten (und auch der Nebendarsteller, soviel kann bereits verraten werden), sondern auch mit der Realität bzw. der Wahrheit. Denn diese ist nicht in Stein gemeißelt, sondern durchaus beweglich.

Wie sehr, das zeigt sich in diesem spannend, wenn auch stellenweise ein wenig langatmig geschriebenen Roman, der mit ebensolchem Fug und Recht auch als Krimi tituliert werden könnte. Denn es geht ganz schön zur Sache - und, nebenbei erwähnt, geographisch gesehen um die Welt bzw. zumindet über den Ozean.

Auch wenn man meint, man wäre dem Autor auf die Schliche gekommen, ist man das noch lange nicht und es macht Spaß, sich wieder und wieder neu überraschen zu lassen. Eine Empfehlung für alle Liebhaber von Spannungsromanen!

Veröffentlicht am 07.02.2019

Woher komme ich wirklich?

Die verlorene Schwester
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Das fragt sich die Züricherin Anna 2008, nachdem sie durch einen Zufall erfährt, dass sie adoptiert ist. Im Nachhinein wird ihr so einiges klar, vor allem im Hinblick auf ihre so kühle, lieblos wirkende ...

Das fragt sich die Züricherin Anna 2008, nachdem sie durch einen Zufall erfährt, dass sie adoptiert ist. Im Nachhinein wird ihr so einiges klar, vor allem im Hinblick auf ihre so kühle, lieblos wirkende Mutter.

Eines weiß sie sofort - obwohl ihre Adoptivmutter nichts über ihre wirkliche Mutter weiß bzw. dies zumindest behauptet, will sie alles daran setzen, diese zu finden.

In ihren Recherchen stößt sie auf die sogenannten Verdingkinder: eines der dunkelsten Kapitel der Schweizer Geschichte. Dort nämlich wurden Kinder, die zu Waisen geworden waren oder aus anderen Gründen aus ihren Familien genommen wurden, als Arbeitskräfte "verschachert", oft als Magd oder Knecht auf einem Bauernhof. War dies auch das Schicksal von Annas Mutter?

Etwas fürs Herz ist dieser Roman, denn es geht viel um Leidenschaften und Sehnsüchte, wobei aber die historischen Ereignisse an keiner Stelle außer Acht gelassen werden. Keine Frage, bei der Recherche hat Linda Winterberg - wie eigentlich immer - ganze Arbeit geleistet und die Geschehnisse gelungen in ihre Geschichte eingearbeitet, wenn es auch an manchen Stellen einfach zu viele sind.

Doch das ist Kritik auf hohem Niveau, denn dies ist ein überaus lesens- und empfehlenswerter Roman, einer der besten der Autorin. Ich konnte ihn nicht aus der Hand legen und empfehle ihn jedem, der Interesse hat an einem eher unbekannten schwarzen Fleck in der Geschichte Europas!

Veröffentlicht am 30.01.2019

Jeder gegen jeden

Der Patriot
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Auch in diesem Teil haben mir die Beschreibungen von Oxford am besten gefallen, obwohl es für mich durchaus noch ein paar mehr hätten sein dürfen! Der Pub "Eagle and Child" ist steinalt und deswegen (natürlich ...

Auch in diesem Teil haben mir die Beschreibungen von Oxford am besten gefallen, obwohl es für mich durchaus noch ein paar mehr hätten sein dürfen! Der Pub "Eagle and Child" ist steinalt und deswegen (natürlich auch wegen der illustren Gäste) eine Sehenswürdigkeit. Sehr große Menschen würden es sich dort allerdings schwer tun, denn die Decken sind sehr niedrig - wer weiß, wie oft sich Tolkien & Co. dort schon die Köpfe gestoßen haben. Ich habe nur einmal dort drin einen Tisch ergattern können.

Dieser Ian ist ja ein unangenehmer Typ, irgendwie erfüllt er so jedes Klischee eines sauffreudigen Engländers. Und ich kann Ella sehr gut verstehen, dass es ihr irgendwann zu viel ist.

In dem Pub mit Jamie fand ich die "Klause" sehr interessant, sowas kenne ich bisher noch nicht und will es bei meinem nächsten England-Besuch unbedingt mal erleben!