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Veröffentlicht am 16.03.2019

Moderne Entgiftungsdiät

Auf dich war ich nicht vorbereitet
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Die Londoner Großstadtpflanze Daisy ist leicht verpeilt. Das hängt unter anderem mit ihrer Sucht nach ständiger Präsenz in den Social-Media-Kanälen zusammen. Andauernd zückt sie ihr Smartphone, checkt ...

Die Londoner Großstadtpflanze Daisy ist leicht verpeilt. Das hängt unter anderem mit ihrer Sucht nach ständiger Präsenz in den Social-Media-Kanälen zusammen. Andauernd zückt sie ihr Smartphone, checkt Twitter, Facebook, Instagram u.a., setzt neue Tweets, Hashtags oder Fotos ab. Da bleibt ihr wenig Zeit für das reale Leben. Daher ist es nicht verwunderlich, dass ihr Kleiderschrank keine sauberen Kleidungsstücke mehr ausweist, Männerverabredungen über Tinder laufen und sie bei einer Freundin wohnt, da sie ihre Wohnung verloren hat. Als sie dann ein heißes Posting aus Versehen über den Firmenaccount online stellt, steht Daisy plötzlich auf der Straße. Ernüchtert, aber noch lange nicht geheilt.

Ihre Schwester Rosie nutzt die Chance und spannt Daisy für ihre eigenen Zwecke ein. Eine digitale Entgiftungsdiät, weit weg von allem, in einem Funkloch, soll Daisy kurieren und Gras über die Sache wachsen lassen. Widerstrebend lässt sich Daisy auf das Experiment ein und erkennt bald, es gibt auch ein analoges Leben und es hat durchaus seine Reize …

Die Idee einer digitalen Entgiftungdsdiät fand ich sehr reizvoll. Immerhin ist das Thema sehr aktuell und allgegenwärtig. Wo man im Alltag auch hinsieht, starren die Menschen auf ihr Smartphone, widmen sich ihren Tablets, haben Angst, etwas zu verpassen und nehmen gar nicht mehr so recht am hier und jetzt teil.

Die Autorin Anna Bell hat ihre Protagonistin Daisy in dieser Hinsicht sehr authentisch beschrieben. Daisy ist ein liebenswerter, wenn auch recht chaotischer Charakter. Das Leben in der realen Welt fällt ihr zunächst recht schwer und fernab von WLAN, Clouds und mobilem Datenvolumen, tritt Daisy in so manches Fettnäpfchen. Da Anna Bell Daisy und ihre Schwester in einen kleinen Ort schickt, bekommt man auch ein wenig typisches Dorffeeling mit. Daisy entwickelt sich langsam aber stetig weiter, was mir sehr gut gefallen hat. Leider bleiben dafür alle anderen in ihrer Umgebung recht blass und unscheinbar. Hier hätte ich mir doch etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Die Geschichte selbst ist gut konstruiert, flüssig geschrieben und perfekt zum Abschalten und Entspannen geeignet. Für eine humorvolle Unterhaltung sorgen nicht nur Situationskomik, zahlreiche Fettnäpfchen, sondern auch eine kleine Liebesromanze.

Fazit:
Mir hat das Buch gut gefallen. Die gewählte Thematik wurde gut verarbeitet, lediglich die Nebenfiguren könnten etwas besser herausgearbeitet werden. Dennoch ist es ein schöner Schmöker zum Abschalten und Eintauchen mit einem humorvollen Unterhaltungsfaktor.

Veröffentlicht am 16.03.2019

Geistseher und andere

Black Forest High
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Nach dem Tod ihrer Schwester Nova lebt Seven bei ihrer Tante. Ihre Mutter sitzt im Gefängnis, da sie den Mörder von Nova bei einer Gerichtsverhandlung erschossen hat. Doch Seven ist kein normales Mädchen. ...

Nach dem Tod ihrer Schwester Nova lebt Seven bei ihrer Tante. Ihre Mutter sitzt im Gefängnis, da sie den Mörder von Nova bei einer Gerichtsverhandlung erschossen hat. Doch Seven ist kein normales Mädchen. Natürlich ist sie nach dem Tod ihrer Schwester traurig, leicht depressiv und melancholisch, jedoch zeichnet Seven noch eine andere Eigenschaft aus, die nicht ganz so normal wirkt.

Seven ist geistbegabt und kann Geister sehen. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass ihr bester Freund ein Geisterjunge namens Remi ist, auch kann sie Poltergeister und andere Arten sehen. Remi möchte Seven an eine besondere Schule für geistbegabte Kinder in Deutschland bringen. Doch Seven will ihren Freund Darcy nicht verlieren. Als sie dann aber eine schlimme Entdeckung macht, hält sie nichts mehr auf und sie reist, mit einem Kunststipendium im Gepäck, nach Deutschland und in ein neues Leben.

Das Buch ist sehr leicht und spannend geschrieben. Seven muss sich in einem neuen Leben zurechtfinden, gleichzeitig gibt es sehr viel zu lernen. Über Geister, Schüler und das Leben an sich. Viele, teils sogar ziemlich traurige Einzelschicksale trüben immer wieder den Lesegenuss und legen einen recht betrübten Schleier über die Geschichte, jedoch gibt es auch witzige und heitere Szenen und nicht zuletzt reizt der Schauplatz im Schwarzwald.

Fazit:

Eine spannende, wenn auch teils recht traurige, Fantasygeschichte, die nicht nur junge Leser begeistern dürfte und bei der man auf eine baldige Fortsetzung wartet.

Veröffentlicht am 10.03.2019

Wer ist hier böse?

Böse Jungs (Band 1)
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Was haben ein Wolf, ein Piranha, eine Schlange und ein Hai gemeinsam? Die sind durchweg als böse verschrien. Sieht man sich ihre Polizeiakten an, stellt man fest – zurecht!

Doch plötzlich mochte der Wolf ...

Was haben ein Wolf, ein Piranha, eine Schlange und ein Hai gemeinsam? Die sind durchweg als böse verschrien. Sieht man sich ihre Polizeiakten an, stellt man fest – zurecht!

Doch plötzlich mochte der Wolf nicht mehr böse sein und dem Klischee entsprechen. Also überredet er die anderen zu guten Taten. Aber kann das wirklich gut gehen?

Das Buch zeichnet sich durch viel Bildmaterial im Comicstil mit wenig Text aus. Der vorhandene Text ist kurz gefasst, recht platt und einfach in Satzbau und Wortschatz. So gesehen würde ich das Buch nicht wirklich anrühren.

Interessant wird es allerdings, wenn man sich die Reaktion von lesefaulen Leseanfängern ansieht. Für diese ist das Buch, gerade wegen seines Aufbaus, sehr interessant. Die Thematik spricht wohl mehr die Jungs an, wobei es auch meine 7jährige Tochter in seinen Bann schlagen konnte. Die Zeichnungen sich sehr aussagekräftig, so dass der Text mehr eine nette Ergänzung ist.

Auch wenn ich als Elternteil mehr skeptisch dem Buch gegenüberstehe, freut mich doch die Reaktion meiner Tochter auf dieses. Immerhin schmökerte sie freiwillig in dem Buch, lachte über die Situationskomik, die Reaktionen der bösen Jungs und flog von einer zur nächsten Seite.

Fazit:
Ein wenig Skepsis bleibt, jedoch werden lesefaule Leseanfänger durchaus motiviert, sich mit dem Buch und dem Lesen zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 09.02.2019

Todesengel in Ostfriesland

Tödliches Pilsum. Ostfrieslandkrimi
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Im Ems-Jade-Kanal wird ein Auto geborgen. Es gehört dem seit bereits fünf Jahren verschwundenen Biochemiker Robert Gerber. Richard Faber und Rike Waatstedt von der Kripo Emden/Leer ist klar, dass sie einen ...

Im Ems-Jade-Kanal wird ein Auto geborgen. Es gehört dem seit bereits fünf Jahren verschwundenen Biochemiker Robert Gerber. Richard Faber und Rike Waatstedt von der Kripo Emden/Leer ist klar, dass sie einen alten Fall wiederbeleben müssen. Dabei erkennen die beiden, dass bei diesem Cold Case nicht alles optimal gelaufen ist und sie viele Spuren noch einmal neu auswerten müssen. Immer wieder stoßen die Ermittler auf tote Kinder. Gibt es einen Todesengel, der vielleicht von Robert Gerber aufgestöbert wurde? Ist deswegen verschwunden? Doch dann taucht die Leiche einer Frau auf…

Tödliches Pilsum ist bereits der 4 Fall für die Kommissare Richard Faber und Rike Waatstedt. Für mich war es der mit dem Ermittlerduo. Vielleicht war daher auch der Einstieg nicht ganz so leicht und einfach. Ich merkte schon bald, dass die beiden Kommissare sehr vertraut miteinander sind, ein eingespieltes Team darstellen, auf eine gemeinsame Vergangenheit zurückblicken und so sich viele Bälle und Seitenhiebe verpassen konnten, deren Bedeutung mir unklar blieb.
Der Fall an sich ist in sich abgeschlossen und schlüssig. Nachdem die Einstiegshürde überwunden wurde und ich mich mehr und mehr auf den eigentlichen Fall konzentrieren konnte, baute sich ein Spannungsbogen auf. Das Ermittlerduogeht akribisch an den Cold Case heran, arbeitet ihn auf und ich durfte den beiden dabei über die Schulter blicken.
Zwar folgt die Handlung einem roten Faden, jedoch wird man als Leser auch immer wieder von plötzlichen Wendungen überrascht.
Die Thematik ist ernst und brisant, dennoch hatte ich so manches Mal ein Lächeln auf den Lippen, das ich vor allem Opa Knut und den Frotzeleien zwischen dem Ermittlerduo zu verdanken habe.

Fazit:
Ein spannender Krimi zu einem aktuellen und brisanten Thema, das den Leser sowohl fesselt, unterhält, aber auch nachdenklich zurück lässt.

Veröffentlicht am 31.01.2019

Das Leben auf Mure

Begegnung in der kleinen Sommerküche am Meer
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Saif ist Arzt und auf der Flucht. Von seiner Familie wurde er getrennt und nach all dem Leid, das er gesehen hat, möchte er einfach nur zur Ruhe kommen und seine Familie wiederfinden. Als er nach der Behandlung ...

Saif ist Arzt und auf der Flucht. Von seiner Familie wurde er getrennt und nach all dem Leid, das er gesehen hat, möchte er einfach nur zur Ruhe kommen und seine Familie wiederfinden. Als er nach der Behandlung eines verletzten Jungen eine Stelle als Arzt angeboten bekommt, nimmt er die Chance auf ein neues Leben an.

Lorna lebt und arbeitet auf Mure, eine kleine schottische Insel, die über eine überschaubare Anzahl an Einwohnern verfügt. Als Rektorin der Grundschule, macht ihr die sinkende Schüleranzahl Sorgen. Vielmehr sorgt sie sich aber noch um ihren Vater, dem es in letzter Zeit nicht gut geht. Der einzige Arzt auf Mure ist gnadenlos überfordert und eigentlich schon im Ruhestand. Dringend wird Ersatz benötigt, doch wer will schon in der Abgeschiedenheit als Hausarzt arbeiten?

Doch dann erhält sie die Nachricht, dass ein neuer Arzt auf dem Weg ist …

Das Ebook ist nicht sehr groß, sondern umfasst gerade mal rund 100 Seiten. Es stellt eine Zwischengeschichte zwischen dem ersten und dem zweiten Teil dar. Die Geschichte selbst lässt einige Fragen offen, die, wie ich hoffe, im zweiten Buch geklärt werden. Ansonsten lässt sich die Geschichte sehr gut und vor allem schnell lesen. Kurze Kapitel und ein flüssiger Schreibstil heizen den Lesefluss an. Der ständige Wechsel zwischen Saif und Lorna sorgt dafür, dass man als Leser einen umfassenden Überblick bekommt.

Auch wenn das Ebook nur eine Zwischengeschichte darstellt, kommt sie mir an manchen Stellen arg gerafft vor. Manche Passagen hätte ich gerne etwas ausformulierter gesehen, um auch das Tempo des Buches konstant zu halten. So geriet man etwas ins Stolpern und schon war die Geschichte zu Ende.

Fazit:
Ich freue mich jetzt schon auf den zweiten Teil der kleinen Sommerküche am Meer und hoffe, dort nicht nur Flora, sondern auch Saif und Lorna wiederzusehen.