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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.02.2019

Vor und hinter der Mauer

Die Mauer
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10000 Kilometer ist die Mauer lang, die nach dem Großbritanniens Bevölkerung vor den Anderen schützen soll. Innerhalb gibt es ein funktionierendes Gemeinwesen, Essen, Verkehrsmittel, Wärme kurz, alles, ...

10000 Kilometer ist die Mauer lang, die nach dem Großbritanniens Bevölkerung vor den Anderen schützen soll. Innerhalb gibt es ein funktionierendes Gemeinwesen, Essen, Verkehrsmittel, Wärme kurz, alles, was man zum Leben braucht. Die Ressourcen sind begrenzt, deshalb darf niemand von außen herein. Ab einem bestimmten Alter muss man als Verteidiger auf die Mauer, zwei Jahre ableisten und Angriffe abwehren. Im Wechsel 12 Stunden am Tag und in der Nacht. Gelingt es den Anderen durchzubrechen, gilt: „Einer rein, Einer raus“, und der Betreffende wird auf dem freien Meer ausgesetzt. Der Andere darf wählen: Tod, Aussetzung oder Dienstling, eine Art Sklavendasein, stehen zur Wahl.
In diese Welt mag man keine Kinder setzen, wer sich doch dafür entscheidet, bekommt Privilegien.
Yeti, die Hauptfigur des Buches, beschreibt Situation und Gefühle der Mauerwachen. Die Ausbildung, die Dienste sind hart, die Einsätze gefährlich. Überfälle der Anderen erfolgen, auch Verwundungen, Liebe kommt dazu. Yeti und Hifa beschließen, Fortpflanzler zu werden. Dann kommt ein Überfall, der alles verändert.
Viel Raum nimmt die Beschreibung der Mauer ein. Verständlich, beeinflusst sie doch das gesamte Geschehen. Die Anderen müssen abgewehrt werden - aber wer sind die anderen? Der erwähnte Zusammenbruch - was geschah, welche Auswirkungen gab es ? Einige kurze Hinweise hätten die Gleichgültigkeit der jungen Generation und den Hass auf die Eltern nachvollziehbar gemacht.
John Lanchester hat sehr genau beschrieben, welche Emotionen und Gedanken seinem Protagonisten durch den Kopf gehen. Die Situation wird nur aus dessen Warte geschildert. Ich hätte mir wenigstens noch Hifas Überlegungen gewünscht, besonders im zweiten Teil des Buches.
Das Buch gibt Mahnungen, wie die Welt aussehen kann, ein deutlicher Bezug zum hier und heute ist erkennbar. Die Botschaft: „Macht euch mal mehr Gedanken über das Morgen“ kommt an.
Klett-Cotta Verlag. Aus dem Englischen von D. Merkel.

Veröffentlicht am 21.12.2018

Wer hasst Paddington-Bär?

Der Verfolger
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Eine irrige Einschätzung der Notlage einer Mutter von drei Kindern, die diese zu Waisen machte. Dr. Starks, Psychoanalytiker, machte am Anfang seiner Laufbahn diesen Fehler. Dafür wurde er von diesen, ...

Eine irrige Einschätzung der Notlage einer Mutter von drei Kindern, die diese zu Waisen machte. Dr. Starks, Psychoanalytiker, machte am Anfang seiner Laufbahn diesen Fehler. Dafür wurde er von diesen, jetzt erwachsenen,
Kindern gejagt, aus seinem Leben gerissen, ruiniert und beinahe getötet. Seitdem plagen ihn Albträume und die Frage: hatte er den Verfolger getötet? Nein, denn der taucht wieder auf und erpresst Hilfe, weil er und seine Geschwister von einem Psychopathen bedroht werden.
Eine spannende Jagd beginnt. Viele Spuren müssen verfolgt werden, wer ist so voller Hass, dass er unbedingt töten will? Pikant, dass eines der damaligen Kinder jetzt ein erfolgreicher, aber skrupelloser Anwalt ist, der viele potenzielle Feinde hat. Eine erfolgversprechende Fährte führt zu einem Mädchenmörder, der dank des Anwaltes freigesprochen wurde und dem der Hass einer ganzen Stadt gilt. Aber der ist jetzt auch tot. Wer ist noch verdächtig? Der aufopferungsvolle Lehrer? Ricky Starks gerät immer mehr in Schwierigkeiten.
John Katzenbach ist es wieder gelungen, einen packenden Thriller mit überraschenden Wendungen zu verfassen. Sehr engagiert verfolgt seine Hauptfigur die Spur von Jack, dem Paddington-Ripper. Der ist allerdings etwas grob gezeichnet, auch Ricky ist mir etwas zu heldenhaft. Trotzdem: spannend und gut zu lesen.

Veröffentlicht am 18.10.2018

So romantisch

Cinder & Ella
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Ella liebt Bücher, besonders ein ganz spezielles. Sie führt einen Blog, rezensiert Bücher und Filme und freundet sich mit einem ebenso großen Fan ihres Lieblingsbuches, Nickname Cinder ( wie die Hauptfigur) ...

Ella liebt Bücher, besonders ein ganz spezielles. Sie führt einen Blog, rezensiert Bücher und Filme und freundet sich mit einem ebenso großen Fan ihres Lieblingsbuches, Nickname Cinder ( wie die Hauptfigur) an.
Ein Autounfall ändert alles. Ihre Mutter stirbt. Mit schwersten Verletzungen und Verbrennungen verbringt sie acht Monate in Kliniken. Danach muss sie zu ihrem geschiedenen Vater ziehen. Der hat eine neue Familie, Frau und zwei Töchter. Ihre Halbschwestern sind so gar nicht begeistert. Nicht nur sie, auch Mitschüler in der neuen Schule schikanieren Ella nach Kräften. Einzig Cinder, ihr Onlinefreund, ermutigt sie und gibt ihr Halt in dieser Zeit. Was sie nicht weiß: Cinder ist ein bekannter Schauspieler und Teenieschwarm.
Eine Romanze, eine gefühlvolle Geschichte über eine Liebe, die allen widrigen Umständen zum Trotz eine Chance hat. Werden Cinder und Ella sie nutzen?
Kelly Oram trifft den genau richtigen Ton für diese Story. Gut zu lesen, gute Lektüre, nicht nur für young adults, auch für alle, die romantische Geschichten lieben.
Ein Pageturner aus dem Bastei Entertainment Verlag, übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von Fabienne Pfeiffer.

Veröffentlicht am 18.10.2018

Berühmte Weihnachtsbriefe

Habt alle ein schönes Fest und einen warmen Ofen!
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Petra Müller und Rainer Wieland haben schönste Briefe berühmter Männer und Frauen zusammengetragen. Egal, ob diese an Verwandte, Geliebte, Freunde oder Bekannte geschrieben wurden: sie sind wunderbarer ...

Petra Müller und Rainer Wieland haben schönste Briefe berühmter Männer und Frauen zusammengetragen. Egal, ob diese an Verwandte, Geliebte, Freunde oder Bekannte geschrieben wurden: sie sind wunderbarer Lesestoff, für den man sich Zeit nehmen sollte. Zu Wort kommen u.a. Thomas Mann, Mark Twain, Hans Christian Andersen, Oscar Maria Remarque, Rosa Luxemburg und viele andere.
Eingeleitet wird das Buch mit Zitaten aus den darauffolgenden Briefen, eine gute Einstimmung auf das Thema Weihnachten. Die Briefe selbst sind liebevoll, ironisch, heiter, melancholisch, erwartungsvoll und spiegeln das Leben der Verfasser wieder, sind ein Stück Zeitgeschichte.
Vervollständigt wird jedes Schriftstück durch die Anmerkungen der Autoren zur Biographie der Briefverfasser, dadurch kommt man den Personen viel näher und sieht Hintergründe zum Geschriebenen.
Dieses Buch aus dem Propyläen Verlag eignet sich besonders in der Adventszeit als besinnliche Lektüre.

Veröffentlicht am 15.10.2018

Scarlett O´Hara ist ihr Vorbild

Verschieben wir es auf morgen
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Miriam Maertens, 1970 geboren, hat Mukoviszidose. Kaum erforscht, falsch behandelt, Lebenserwartung fünf Jahre. Weder die Mutter noch sie selbst können und wollen das akzeptieren. Atemübungen und Vorsicht ...

Miriam Maertens, 1970 geboren, hat Mukoviszidose. Kaum erforscht, falsch behandelt, Lebenserwartung fünf Jahre. Weder die Mutter noch sie selbst können und wollen das akzeptieren. Atemübungen und Vorsicht vor Keimen werden selbstverständlich. Auch der Vater und beide Brüder tun alles, um Miri zu unterstützen. Aber die Krankheit schreitet voran. Mit 11 Jahren lernt sie endlich auf Mukoviszidose spezialisierte und sehr engagierte Ärzte kennen. Anstrengende Behandlungen und Torturen folgen und erweisen sich als richtig. Mit eiserner Disziplin und halsstarrig kämpft Miri um ein selbstbestimmtes Leben. Sie möchte eine anerkannte Schauspielerin sein, ein Kind haben und die Liebe erleben. Was sie nicht möchte: eine lebensrettende Lungentransplantation.
Sehr beeindruckend, wie sachlich sie über ihre Krankheit berichtet. Kein Gejammer, kein Lamentieren, kein „Warum gerade ich?“ Im Gegenteil, zäh und ausdauernd werden Therapien absolviert. Gut, dass ihr Familie, Freunde und einige Ärzte stets unterstützend zur Seite stehen.
Miriam Maertens zeigt, was erreicht werden kann, wenn Kopf und Körper gehört werden und sich die Kämpfernatur durchsetzt.