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Veröffentlicht am 04.03.2019

Negativität überwiegt leider

Café Engel
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Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres ...

Wie sehr hatte ich diesem Buch entgegengefiebert! – Erhoffte ich mir doch eine Familiengeschichte vor dem historischen Hintergrund des Zweiten Weltkriegs; Mutter und Tochter, die um die Existenz ihres kleinen Künstler-Cafés kämpfen und dem Elend die Stirn bieten; eine geheimnisvolle, bildschöne Cousine aus Ostpreußen, die nach ihrer Flucht plötzlich auf der Bildfläche erscheint und für Verwirrung sorgt – all das in Kombination mit dramatischen Kriegserlebnissen, den üblichen Irrungen und Wirrungen der Liebe und möglichst vielen spannenden Hintergrundinformationen dazu, wie die (vom Nazi-Regime verfolgten) Künstler/innen dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte erlebt haben… Leider hat mich dieses Werk relativ enttäuscht zurückgelassen und rein gar nicht fesseln, geschweige denn emotional berühren können. Schlimmer noch, gegen Mitte der Geschichte musste ich mich regelrecht zum Weiterlesen aufraffen (- was bei mir eine absolute Seltenheit ist; ich liebe es, zu lesen und insbesondere das Genre der historischen (Frauen-)Romane ist meine Leidenschaft -). Letztendlich überwogen die Neugier (darauf, wie die bis dahin unbefriedigenden Handlungsstränge wohl aufgelöst werden würden) und die Hoffnung (darauf, dass eine unerwartete Wendung doch noch dazu führen würde, mir die Figuren näherzubringen). Nach Abschluss des Romans musste ich allerdings feststellen, dass mir die Charaktere nach wie vor größtenteils unsympathisch, im Idealfall gleichgültig waren.

Ich horchte also in mich hinein. Was war schiefgelaufen? (Immerhin hatte ich dieses vielversprechende Buch, dessen wunderschönes Cover mich verzaubert hatte, so gerne mögen wollen.) Die Leseprobe hatte mich durch eine einnehmende Leichtigkeit beeindruckt: ein flüssiger Schreibstil, detaillierte, bildreiche Beschreibungen, die gekonnt die Atmosphäre des Café Engel einfangen und Optimismus pur – trotz Vorboten des Krieges. Ein wundervoller Start in die Handlung! Man lernt die sympathische Familie Koch kennen, die das besagte Café - Treffpunkt der Wiesbadener Schickeria – bewirtschaftet und ist gespannt, was das Schicksal für sie und ihre Freunde bereithalten wird. Diese Leichtigkeit ist im Laufe der Geschichte leider völlig abhandengekommen. Natürlich ist mir bewusst, dass während eines Krieges nicht die Glücksgefühle überwiegen, sondern dass sich tragische Szenen abspielen. Jedoch habe ich schon weitaus schwerwiegendere Kriegsberichte gelesen (in denen z.B. der harte Lazarett-Alltag einer Kriegskrankenschwester geschildert wurde; Amputationsbeschreibungen inklusive), die auch von schlimmen Verlusten handelten und dennoch keineswegs gänzlich in Negativität versanken, sondern stets das Gute hervorhoben, die Hoffnung, die Freude am Leben. Hier hingegen hatte ich das Gefühl einer dunklen Wolke, die während des Lesens permanent über meinem Kopf hing.

Viele der Figuren unterlaufen eine Wandlung in ihrem Wesen, die alles andere als positiv ist. Gerade Julia, eine Jüdin, die von der Familie Koch vor den Nazis versteckt wird, hätte ich aufgrund ihrer grenzenlosen Selbstwertunterwanderung und Naivität, die mich kochen hat lassen vor Wut, am liebsten schütteln wollen. Sie ist nicht der einzige Charakter, über den ich mich maßlos aufgeregt habe. Ob unerklärliche und wenig authentische 180-Grad-Wendungen, oder schlichtweg unangenehme Charakterzüge – gegen Ende waren mir die meisten Figuren egal.

Dieser Roman besteht aus unverhältnismäßig vielen verschiedenen Perspektiven, die abwechselnd in Kapitel unterteilt sind. Einerseits erhält man als Leser somit einen Einblick die Gedanken einer Vielzahl von Figuren. Bei mir war es allerdings so, dass ich aufgrund der großen Menge an Erzählperspektiven (- die dazu noch in verschiedene Zeitebenen unterteilt sind, was anfangs ein wenig verwirrend war -) von jeder Figur ein wenig, aber von keiner genügend Tiefe wahrgenommen habe. Dieser Eindruck zog sich durch die gesamte Handlung und so blieb die emotionale Distanz bis zur letzten Seite bestehen, leider. Den krönenden Abschluss bildet dann ein Ausklang, der wie mit dem Vorschlaghammer erzwungen scheint – als müsse man schnell zu einem Rundum-Ende gelangen.

Bleibt der Schreibstil auch weiterhin flüssig, wird er doch seines ursprünglichen Optimismus beraubt und ist bestenfalls als neutral zu beschreiben. Mit dem Wortlaut des Klappentextes, auf den die Autoren oftmals kaum Einfluss haben, bin ich nicht einverstanden, da er meines Erachtens irreführend ist. Die Zeitspanne, in der Hilde und Luisa sich endlich begegnen ist relativ kurz, unmittelbar vor dem Ende des Werkes. Der Roman endet also genau dort, wo er laut Beschreibung seinen Hauptfokus hätte haben sollen. Ehrlich gesagt, werde ich die Folgeromane dieser Trilogie mit ziemlicher Sicherheit nicht lesen.

Fazit: Schade, schade. Dieses Werk hat leider all das, was viele Nicht-Leser von historischen Romanen mit diesem Genre assoziieren: unnahbare Figuren, zu denen man keinen Bezug aufbauen kann, verwirrende Zeitsprünge, und eine ermüdende Langatmigkeit, die das Werk unnötig in die Länge zieht.

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  • Authentizität
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 02.12.2018

Höhen und Tiefen einer Familie zur Wendezeit

Fast schon ein ganzes Leben
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Was bedeutet Glück? - Familie? Wohlstand? Freiheit?

Autorin Rita König beleuchtet in ihrem Roman "Fast schon ein ganzes Leben" die Lebensumstände des jungen Ehepaares Paul und Birgit, deren Familiengründung ...

Was bedeutet Glück? - Familie? Wohlstand? Freiheit?

Autorin Rita König beleuchtet in ihrem Roman "Fast schon ein ganzes Leben" die Lebensumstände des jungen Ehepaares Paul und Birgit, deren Familiengründung - sie bekommen einen Sohn - noch zu Zeiten der DDR stattfindet. Mit dem Fall der Berliner Mauer beginnt eine Epoche des Umbruchs. Plötzlich kann das Paar reisen, Westprodukte kaufen, sich endlich seine Sehnsüchte erfüllen. Alles scheint auf einmal möglich und die Euphorie überkommt Birgit und Paul wie ein Rausch. Besonders für Birgit erfüllt sich ihr größter Traum - schon immer hatte sie von "mehr" geträumt: mehr Perspektive, mehr Freiheit. Doch die Wiedervereinigung Deutschlands bringt auch unvorhergesehene Tiefen und Schicksalsschläge mit sich und es stellt sich die Frage: Ist das Gras auf der anderen Seite wirklich immer grüner?

Bekanntlich heißt es ja: Gegensätze ziehen sich an - kann das auch für die Grundvorstellung vom Glück gelten? Paul und Birgit könnten unterschiedlicher nicht sein. Beide Hauptfiguren polarisieren stark. Wirklich identifizieren konnte ich mich mit keinem von beiden (oder eine emotionale Bindung aufbauen), jedoch waren die Handlungen des Einen eher nachvollziehbar für mich. Mit dem anderen Hauptcharakter habe ich mich allerdings nur schwer anfreunden können - Birgit wäre niemand, den ich im realen Leben gerne kennenlernen würde. Zwar werden ihre Motive nach und nach verdeutlicht, aber sie wirkt auf mich insgesamt kalt, abweisend und egoistisch.

Das Cover finde ich richtig gut gelungen - es trifft die unterschiedlichen Ansichten des jungen Paares auf den Punkt: so nah sie einander sind, so verschieden sind ihre Blickrichtungen, ihre Hoffnungen, ihre Wünsche...und vor allem, ihre charakterlichen Eigenschaften. Leider spiegeln die angenehmen warmen Farben sich nicht in der Stimmung der Geschichte wider, die größtenteils eher unterkühlt wirkt.

Der Sprachstil ist unverblümt und nüchtern, treibt aber die Handlung voran, welche eine Zeitspanne von mehreren Jahren abdeckt. Insgesamt ist das Werk in drei größere Leseabschnitte, die jeweils mehrere Kapitel umfassen, unterteilt. Für meinen Geschmack sind die Übergänge zwischen den Perspektivenwechseln ein klein wenig zu sprunghaft gesetzt; erzählt wird in der 3. Person, wobei die Hauptfiguren Paul und Birgit im Mittelpunkt stehen; einzig für den Nebencharakter Sandra erfolgt die Erzählung in 1. Person.

Viele eingeflochtene DDR-Details wie Liedtexte ostdeutscher Musikgruppen oder Produktbezeichnungen typischer Alltagsgegenstände und Waren erwecken einen authentischen Eindruck; speziell "Kenner" der DDR werden Vieles wiedererkennen. Für Menschen ohne DDR-Bezug könnte es sich teilweise schwer lesen. Ebenso beinhaltet das Buch einige geschichtliche Fakten, insbesondere zum politischen Hintergrund des Alltags in der DDR sowie in den Jahren "danach".

Fazit: Wie im wahren Leben liegen Tragik und Freude nah beieinander. Ich verstehe dieses Buch eher als einen gesellschaftskritischen Roman, nicht als eine Liebesgeschichte. Für Fans von Wohlfühlliteratur ist das Werk nicht geeignet, da es doch trotz diverser Wendungen in der Handlung letztendlich einen recht schwermütigen Eindruck hinterlässt. Interessant könnte das Buch für Menschen mit DDR-Hintergrund sein.

Veröffentlicht am 31.10.2018

Seichte Unterhaltung, kann leider nicht mit dem Vorgänger-Band mithalten

Der Sommer der Wünsche
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Inhaltsangabe (Klappentext):

"Lydia ist glücklich. Jeden Morgen genießt sie es aufs Neue, ihren Wollladen in der Blossom Street zu öffnen. Dann strömt das Aroma der frischen Croissants aus dem Café und ...

Inhaltsangabe (Klappentext):

"Lydia ist glücklich. Jeden Morgen genießt sie es aufs Neue, ihren Wollladen in der Blossom Street zu öffnen. Dann strömt das Aroma der frischen Croissants aus dem Café und der Duft der unterschiedlichsten Blüten aus Suzannahs Blumenladen zu ihr herüber. Sie winkt Anne Marie zu, wenn diese die Tür zu ihrer Buchhandlung öffnet, und fühlt sich zu Hause. Und jetzt endlich wird auch Lydias größter Wunsch in Erfüllung gehen: Sie wird ein Kind bekommen! Sie geht ihren neuen Strickkurs jetzt voller Elan an und hilft ihren Schülern bei ihren Vorhaben: Etwas abzuschließen, um neu zu beginnen."

Als ich das Buch zum ersten Mal aufschlug, hatte ich gerade den Vorgänger-Band der Blossom Street Reihe ("Eine Schachtel voller Glück", der gleichzeitig auch mein erster Band dieser Reihe war) gelesen und war noch ganz beschwipst vom Leserausch - bei so einem tollen Vorgänger konnte es ja auch in "Der Sommer der Wünsche" nur sensationell weitergehen...dachte ich. Am besten lässt es sich, glaube ich, so beschreiben: ich bin froh, dass dieses nicht mein erster Band der Blossom Street Reihe war, sonst hätte ich eher wenig Interesse an den anderen Werken gehabt. Schade!

Es geht um mehrere Charaktere, unter Anderem auch "die üblichen Verdächtigen", die auch in den anderen Werken der Reihe eine Rolle spielen. Ich weiß, dass dies Teil einer Buchreihe ist - wiederkehrende Charaktere - und damit habe ich auch kein Problem; im Gegenteil: im Vorgängerband wird z.B. Lydia nur am Rande erwähnt und ich hatte mich gefreut, nun mehr über sie zu erfahren. Leider wirkt es, als wäre auf Krampf eine neue Geschichte herbeigezogen worden, die eben in der Blossom Street zu spielen hatte. Die Charaktere sind (und es tut mir leid, dass ich mich ständig auf den Vorgängerband beziehen muss, aber der Kontrast ist einfach zu extrem) ungewöhnlich oberflächlich skizziert; trotz teilweise ernster (lebensnaher) Themen wirkt alles sehr oberflächlich runtergeschrieben, man erlebt keinen Tiefgang und lernt die einzelnen Charaktere zwar kennen aber nicht so sehr mögen wie im Vorgängerband. Dass die Entwicklung der Geschichte (gerade bei Lydias Familiensituation oder Anne Maries Bekanntschaft mit einem gutaussehenden Fremden) letztendlich absehbar war, lasse ich mal außen vor - solange etwas mit Herz beschrieben ist, stört mich das offensichtlich zu erwartende Ende überhaupt nicht. Habe ich mir beim Vorgängerband noch gewünscht, der Roman hätte mehr Seiten, weil ich nicht aufhören wollte zu lesen, ertappte ich mich hier, dass ich versucht war, einfach ein paar Seiten zu überfliegen, weil ich nur noch fertig werden wollte. Aus Pflichtbewusstsein und Hoffnung (vielleicht streckte ja genau in diesen Seiten der große Twist, eine unerwartete Offenbahrung etc.) zwang ich mich dann regelrecht zum Weiterlesen.

Der Schreibstil an sich ist okay, aber leidet deutlich an der Oberflächlichkeit der zusammengestückelten Geschichten - in Temperaturangaben würde ich sagen "lau". Ich war alles in allem ein wenig enttäuscht, da die Stories der einzelnen Charaktere wirklich viel Potential gehabt hätten - das kann die Autorin deutlich besser. Vielleicht wäre es nicht schlecht gewesen, das Ganze um eine Storyline zu verringern und sich dann mehr auf die verbleibenden Einzelgeschichten zu konzentrieren. Immerhin sind die Blossom Street und ihre Geschäfte, vor allem das Wollgeschäft, einladend und detailiert beschrieben. Würde diese Straße tatsächlich existieren, wäre ich sicher versucht, dort entlangzubummeln. Das farbenfrohe Cover ist auch schön gelungen und passt gut zum Thema Stricken. Fazit: ganz okay, nicht der beste Blossom Street Band und definitiv nicht als Einstiegswerk in die Reihe geeignet (- der Vorgänger, den ich gar nicht genug preisen kann, allerdings schon -). Ich unterteile meine Bücher immer in die Kategorien "WOW, muss ich unbedingt behalten, werde ich immer wieder lesen" und "War okay, hat man mal gelesen, muss aber nicht wieder sein" - in diesem Fall fällt das Werk in letztere Kategorie. Es war okay, aber ich kann mir nicht vorstellen, es je ein zweites Mal zu lesen.

Veröffentlicht am 01.08.2025

Der Schreibstil war leider nicht mein Fall

Hunt on Dark Waters
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"Mich in Bowen zu verlieben bedeutet, dass […] alles sehr viel schwerer sein wird. Es ist ein törichtes Unterfangen, ein Spiel, bei dem ich nur verlieren kann. Vielleicht habe ich bereits verloren."

Enemies ...

"Mich in Bowen zu verlieben bedeutet, dass […] alles sehr viel schwerer sein wird. Es ist ein törichtes Unterfangen, ein Spiel, bei dem ich nur verlieren kann. Vielleicht habe ich bereits verloren."

Enemies to Lovers auf hoher See? Say no more! Mehr brauchte ich vorab nicht zu wissen - ich war absolut hooked und wollte die Story um Evelyn & Bowen, aus deren beider Perspektive erzählt wird, unbedingt lesen.

On paper hatte das fantastische Abenteuer unheimlich viel Potential. I mean … Piraten, Magie, der unendliche Ozean einer mystischen Zwischenwelt … das nenne ich mal einen höchst außergewöhnlichen Mix!

Aber: Leider ist der Funke bei mir nicht übergesprungen, was ich unfassbar schade fand. - Der Schreibstil war einfach nicht mein Geschmack. Speziell die Wortwahl in manchen Dialogen (oder Spice-Szenen) fühlte sich für mich eher grob als sinnlich an. Und: Es tut mir von Herzen leid … aber die gegenderte Sprache las sich zum Teil einfach anstrengend. - Ist wichtig und richtig, I know - also steinigt mich bitte nicht, aber Fakt ist: für meinen persönlichen Lesegeschmack liest sich das schlichtweg nicht schön.

Ich konnte zu keiner der Figuren eine wirkliche Herzensnähe aufbauen, was mich letztlich immer wieder aus der Geschichte herausgerissen hat, leider. Das erhofft-feurige Prickeln, die Chemistry zwischen den beiden Hauptprotas las sich blass, überhaupt blieben beide farblose Charaktere für mich.

Was ich hingegen gerne mochte:

♡ die kreative Grundidee

♡ den stark ausgeprägten Diversitäts-Aspekt in der Handlung (nicht: Sprache)

♡ Evelyns Erinnerungen an ihre Oma "Bunny"

Bitte beachtet die Triggerwarnung.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Für Fans von modernen, expliziten Romantasy-Werken mit düster-magischem Setting wird dieser Reihenstart gewiss ein unterhaltsamer Read sein. Für mich persönlich war es leider nicht das richtige Buch - manchmal passen Leser:in und Geschichte einfach nicht zusammen. Und auch das darf okay sein.

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Tolle Idee, Umsetzung eher nicht gelungen

Die wilden Robbins (Band 1)
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Sommerrode ist ein schickes Fleckes, in dem auf Sauberkeit und Ordnung geachtet wird … Hübsche Häuschen, kein Vorgarten ohne gestutzte Grashalme, Nachbarn die darauf bedacht sind, dass Hundehinterlassenschaften ...

Sommerrode ist ein schickes Fleckes, in dem auf Sauberkeit und Ordnung geachtet wird … Hübsche Häuschen, kein Vorgarten ohne gestutzte Grashalme, Nachbarn die darauf bedacht sind, dass Hundehinterlassenschaften korrekt entsorgt werden. Für mich als Mama klingt das zugegebenermaßen recht einladend - à la "Ach, das ist aber ein schöner Ort zum Aufwachsen - so idyllisch, so gepflegt … toll!" Aus Kindersicht bedeutet Sommerrode nur eins: Langeweile!

Kein Wunder, dass die Freundesgruppe, die sich 'die wilden Robbins' nennt (orientiert an Robin Hood, das doppelte 'b' blieb aufgrund eines Schreibfehlers) selbst für Action sorgt und sich ein eigenes Spielreich erschaffen will: ein cooles Baumhaus. Wer das weniger cool findet, ist die rivalisierende Kiddie-Gang ('die Ritter auf Rädern'). Und überhaupt scheint die eigentliche Rolle des Feindes in diesem wirklich niedlich illustrierten Werk nur einem zuzukommen: den Erwachsenen, gegen die es sich zu verbünden gilt.

Was mir gefallen hat:

♡ die peppig-süßen Schwarz-Weiß-Zeichnungen von Iris Hardt, die der Geschichte zumindest optisch jene Leichtigkeit verleihen, welche mir inhaltlich abging,

♡ die Grundidee: zwei verfeindete/zerstrittene Kindergruppen schließen sich zusammen, um ein gemeinsames Ziel voranzutreiben,

♡ die Einbindung des Themas Naturschutz,

♡ die fürs Vorlesen sehr angenehme Schriftgröße.

Doch leider gab es auch mehrere Elemente, die mir in diesem frech-kreativen Kinderabenteuer sauer aufgestoßen sind und dafür gesorgt haben, dass das Buch mich letztlich nicht überzeugen konnte:

❏ der Erzählton wirkte zu verkrampft "cool" und war dadurch weder realistisch noch lustig

❏ zwischen vermeintlich clever-ulkigen Plänen und Kinderstreichen, die oft nicht harmlos blieben, ging der liebevolle Kern der Geschichte für mich unter - das Herunterspielen von gefährlichem Verhalten ist aus Mama-Sicht ein absolutes No-Go für mich,

❏ die Wiederholung von körperbezogenen Kommentaren irritierte mich sehr - ich empfand es als grenzwertig, permanent zu betonen, wie "dünn" alles an Bretti war - "sogar seine Haare" (- in Zeiten von Mobbing Kindern solche Vorlagen zu vermitteln, selbst wenn es hier vielleicht harmlos gemeint gewesen ist, geht einfach gar nicht),

❏ das Ende hatte einen schalen Beigeschmack, da es zu keiner wirklichen Versöhnung zwischen den Kindern kommt.

𝗙𝗮𝘇𝗶𝘁:
Jede Menge unkontrolliertes kindliches Chaos und eine zwar gut gemeinte Rebellion, aber viel zu wenig Feingefühl. Für uns war es leider nix - schade.

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