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Veröffentlicht am 05.03.2019

Vom Rebell zum Terroristen ...

Die Akte Baader
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"Die Akte Baader" ist ein biografischer Roman von Stefan Schweizer über den Terroristen Andreas Baader. Dieser war einer der führenden Mitglieder und Mitbegründer der ersten Generation der linksextremen ...

"Die Akte Baader" ist ein biografischer Roman von Stefan Schweizer über den Terroristen Andreas Baader. Dieser war einer der führenden Mitglieder und Mitbegründer der ersten Generation der linksextremen Terrororganisation "Rote Armee Fraktion" (kurz RAF). Dieses Buch interessierte mich besonders, denn die Verbrechen und die zugehörigen Nachrichten erlebte ich selbst als kleiner Junge in den siebziger Jahren. Noch heute als Erwachsener sind mir diese Bilder aus den Nachrichten und Berichterstattungen präsent im Kopf. Stefan Schweizer konzentriert sich in diesem Roman auf die Person Baader, aber natürlich kommen darin auch die Taten der RAF vor, sowie seine Gesinnungsgenossen - allen voran Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof. Einigen dürfte daher auch noch der Begriff "Baader Meinhof Bande" in Erinnerung sein. Aber wer steckte hinter diesem Mann und wie wurde er zum Terroristen? Beginnend in der Kindheit wuchs Baader ohne Vater, der im Krieg verschollen war, in Bayern auf. Schon früh zeigte er seine Auflehnung gegen Autoritäten und ein ausgeprägtes Ego. Diese Wesenszüge, sowie sein späteres Ringen um die alleinige Chefrolle innerhalb der RAF stellt dabei Stefan Schweizer sehr gut heraus. Auch diese Welt aus Rebellion und Drogenkonsum, die sich dann in schrecklicher Gewalt entlädt ist für den Leser greifbar. Viele damalige schrecklichen Ereignisse wurden mir beim Lesen wieder total in Erinnerung gerufen, noch heute habe ich dabei diese Bilder im Kopf. Ein Helmut Schmidt, der mit aller Härte den Rechtsstaat vertreten musste und andererseits Opfer wie Buback, Ponto und Schleyer. Dieser sogenannte "Deutsche Herbst" war beim Lesen dieses Roman für mich wieder total in greifbare Nähe gerückt. Das dieses Buch als biografischer Roman ausgelegt ist und nicht als reines Sachbuch hat mir gut gefallen. Andreas Baaders Leben gepackt in einen Kriminalroman, der die Fakten erzählt aber auch mit Fiktion arbeitet. Für mich ein sehr lesenswertes Buch und eine Erinnerung an die schlimmen Verbrechen in einer Zeit meiner Kindheit.

Veröffentlicht am 19.02.2019

Ein neuer Kaiser, ein neuer Feldzug

Vespasian: Der gefallene Adler
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"Der gefallene Adler" ist der vierte Band aus der Vespasian-Reihe von Robert Fabbri. Der kurze Prinzipat des Caligula endet nach vier Jahren mit dessen Ermordung im Jahr 41 a.D.. Im folgt Claudius als ...

"Der gefallene Adler" ist der vierte Band aus der Vespasian-Reihe von Robert Fabbri. Der kurze Prinzipat des Caligula endet nach vier Jahren mit dessen Ermordung im Jahr 41 a.D.. Im folgt Claudius als neuer Kaiser von Rom. Doch Claudius erscheint schwach und so spinnen seine drei "Freigelassenen" im Hintergrund die Machtfäden. Vespasian und sein Bruder Sabinus sollen den gefallenen Adler der 17. Legion zurück ins römische Reich bringen. Dieser ist seit der römischen Niederlage in Germanien verschollen. Dieses Symbol würde Claudius beim römischen Militär Anerkennung bringen und er könnte damit die Legionen hinter sich vereinen um seinen Feldzug nach Britannien zu beginnen. Damit würde er als starker Kaiser für das römische Volk gelten. Dieser vierte Band umfasst diesmal den Machtwechsel im Jahr 41 bis hin zur Invasion Britanniens im Jahr 43 a.D.. Immer wieder wird Vespasian in die Intrigen der Mächtigen Roms verwickelt und mehr als einmal gilt es sehr vorsichtig zu sein um sein Leben zu verteidigen. Manchmal erscheint es einem als Leser das es gefährlicher ist in diesen Intrigen sein Leben zu lassen, als auf dem Schlachtfeld. Aber unter dem Oberkommando von Aulus Plautius während des Feldzug nach Britannien erzielt er entscheidende Erfolge, so dass für Claudius der triumphale Einzug nach Camulodunum (dem heutigen Colchester) möglich wurde. Auch in diesem vierten Band verwebt Robert Fabbri historische Fakten und schriftstellerische Romanfreiheiten sehr geschickt. Diese Reihe gefällt mir mit jedem Band etwas mehr und es macht Spaß Vespasians Werdegang als Leser zu begleiten. Wie gewohnt gibt es auch am Ende wieder vom Autor im Nachwort die Erklärungen, was im Roman Fiktion und was historisch belegt ist. Dies rundet jeden Band dieser Reihe ab, die ich aber empfehle in den Bandreihenfolge zu lesen. In Summe für mich ein weiterer gelungener Roman aus der Vespasian-Reihe und ich bin sehr gespannt wie es weitergehen wird.

Veröffentlicht am 31.01.2019

Herbert und der steinige Weg zum Eigenheim

Profipfuscher
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"Profipfuscher" ist der sechste Band aus der Herbert-Reihe von Friedrich Kalpenstein. Herbert steht in diesem Band vor neuen Aufgaben. Raus aus der Schwabinger Mietwohnung in das Eigenheim nähe Hirschgarten, ...

"Profipfuscher" ist der sechste Band aus der Herbert-Reihe von Friedrich Kalpenstein. Herbert steht in diesem Band vor neuen Aufgaben. Raus aus der Schwabinger Mietwohnung in das Eigenheim nähe Hirschgarten, das mit finanzieller Unterstützung der Eltern seiner Lebensgefährtin gekauft wurde. Aber der Altbau benötigt erst noch einige Umbauten und gute Handwerker sind rar gesät beim derzeitigen Bauboom in München. Aber mit Unterstützung seines Freund Hans versucht Herbert die Herausforderung als Bauherr anzunehmen. Aber nicht nur diese, sondern sein Foodtruck muss weiterlaufen und in der Kita seines Sohnes muss er als Helfer beim Kinderfest einspringen. Probleme mit den Handwerkern, Einmischungen der Familie, neue Nachbarn und Festorganisation für Kita-Eltern und ihre Zöglinge - all das gilt es für Herbert zu meistern in diesem Band. Wer selbst schon mal einen Altbau renoviert oder ein Eigenheim bezogen hat, dem sind die Probleme mit denen Herbert kämpft absolut nicht fremd. Mir trieb es diesmal total oft vor lauter Lachen die Tränen in die Augen. Mein letzter eigener Hausbau liegt jetzt knapp zehn Jahre zurück und daher konnte ich mich über Herberts Sorgen köstlich amüsieren. Friedrich Kalpenstein beschreibt all diese Vorgänge mit einem besonderen Humor, teilweise einer Situationskomik wo man als Leser sofort eigene Bilder im Kopf hat. Sein Protagonist Herbert versucht mit viel Herz, Verstand und Humor den Ansprüchen seiner Umwelt gerecht zu werden, ohne sich dabei selber zu vergessen. Natürlich gelingt ihm das nicht immer und so warten ein paar Fettnäpfchen zur Freude des Leser auf ihn. Die Kombination mit seinem Harley Davidson fahrenden Freund Hans ist dabei wieder voll gelungen. "Profipfuscher" ist für mich eine kurzweilige, absolut humorige Lektüre gewesen, die doch so viele kleine Wahrheiten aus dem Leben enthielt. Für mich ein Volltreffer und ich bin gespannt wie es in Herberts Leben weitergeht.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Mordet der Spielmann erneut?

Leid und letzter Tag
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"Leid und letzter Tag" ist der sechste Band aus der Erik-Donner-Reihe von Elias Haller und zugleich mein erstes gelesenes Buch des Autors. Dabei müssen die Ermittler einen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen, ...

"Leid und letzter Tag" ist der sechste Band aus der Erik-Donner-Reihe von Elias Haller und zugleich mein erstes gelesenes Buch des Autors. Dabei müssen die Ermittler einen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen, um einen Serienkiller zu stoppen. Über eine Handy-App werden sie als fünf Mitspieler dirigiert, um das jeweilige Opfer zu retten. Erik Donner selbst, Kriminalhauptkommissar beim Leipziger K11, ist um es gelinde auszudrücken ein schwieriger Typ. Er hat den Spitznamen "Monster" unter den Kollegen aufgrund von Narben, aber bestimmt auch wegen seiner abweisenden Art. Nur Annegret, die K11-Leiterin und seine Freundin, durchdringt diesen Panzer. Sie und ihren Sohn Malte liebt er und sehnt sich nach ihrer Heirat. Doch die Vergangenheit und der inhaftierte Serienkiller Herzig, genannt der "Spielmann", scheint wieder aktiv zu sein. Aber wie geht das, sitzt er doch in der JVA ein? Kann der Killer rechtzeitig gestoppt werden, denn er bedroht auch Erik und seine Lieben? Elias Haller konstruiert hier ein brutalen, aber extrem spannenden Thriller. Von der ersten Seite weg zog er mich in seinen Bann, der mich bis zum Schluss fesselte. Man spürt richtig diesen Wettlauf gegen die Zeit, fühlt wie die Uhr herunterzählt im Handydisplay, um den Ermittlern so gut wie keine Chance zu geben die Opfer zu retten. Zeitgleich erfährt der Leser häppchenweise durch Rückblenden in die Vergangenheit, was es mit dem Spielmann und der Historie auf sich hat. Immer mehr werden Motiv klar, trotzdem bleibt der wahre Täter sehr lange verborgen. Der Spannungsbogen ist extrem gut, atemlos hetzt man auch als Leser von Seite zu Seite. Leid, Trauer, Schockmomente, all dies bietet dieser Thriller. Und wenn ich Erik Donner jetzt auch nicht unbedingt als einen sympathischen Ermittler bezeichnen kann, war dieser Thriller für mich dennoch ein Volltreffer, ein Spannungsfeuerwerk.

Veröffentlicht am 22.12.2018

Die Hansen-Saga schreibt das nächste Kapitel ...

Eine neue Zeit
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"Eine neue Zeit" ist der zweite Teil der Hansen-Saga von Ellin Carsta. Drei Jahre sind vergangen seit die junge Luise aus Kamerun von der Kakaoplantage nach Hamburg zurückgekehrt ist. Im Kontor ihres Vaters ...

"Eine neue Zeit" ist der zweite Teil der Hansen-Saga von Ellin Carsta. Drei Jahre sind vergangen seit die junge Luise aus Kamerun von der Kakaoplantage nach Hamburg zurückgekehrt ist. Im Kontor ihres Vaters ist sie seit dieser Zeit zu einer festen verlässlichen Größe herangewachsen. Standen im ersten Band noch viel die Geschehnisse in Kamerun im Vordergrund, so verlagert sich dies im zweiten Teil sehr auf Hamburg und Wien, teilweise natürlich bedingt durch die Entwicklungen der Familienmitglieder. Die Vorgänge in Kamerun erfährt der Leser dabei durch den Briefverkehr zwischen den Hansens und dem Verwalter auf der Plantage. Dies ist aber kein Problem, denn für den Leser ist es spannend zu erfahren, wie sich das Leben der Hansen weiterentwickelt. Und hier hat die Autorin einiges ins Spiel gebracht, dass es weiter sehr interessant macht. Luise würde alles für ihre Position im Kontor tun und beschreitet einen Weg, den man ihr so im ersten Band noch nicht zugetraut hätte. Ebenso lassen die Entwicklungen in Wien nichts Gutes ahnen für die Zukunft. Als auch noch am Ende dieses Bandes bedeutende Dinge geschehen, lässt dies für den Abschluss der Saga so einige spannende und interessante Fragen offen. Die Weiterentwicklung der Figuren im Leben der Familie Hansen hat mir auch in diesem Band sehr gut gefallen. Obwohl man als Leser mit dem Handeln einzelner Protagonisten manchmal hadert, ist man gefangen von den Geheimnissen, Intrigen und Verwirrungen die diese Hamburger Familie umgibt. Ellin Carsta konnte mich auch mit diesem zweiten Teil der Saga fesseln und ich bin sehr gespannt, wie es mit Luise weitergeht, gerade auch im Hinblick auf die damalige Zeit. Der Vollständigkeit halber empfehle ich aber die Hansen-Saga unbedingt von Beginn an mit Band 1 "Die ferne Hoffnung" zu lesen um die Zusammenhänge zu verstehen.