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Veröffentlicht am 07.03.2019

Düster und grausam, aber genial!

1793
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"1793" ist ein historischer Roman von Niklas Natt och Dag, der am 01.03.2018 im Piper Verlag erschienen ist und im Jahr 2018 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet wurde.

Auf dem Cover sieht man ...

"1793" ist ein historischer Roman von Niklas Natt och Dag, der am 01.03.2018 im Piper Verlag erschienen ist und im Jahr 2018 mit dem Schwedischen Krimipreis ausgezeichnet wurde.

Auf dem Cover sieht man den Titel, also die Jahreszahl in goldenen Ziffern auf schwarzem Grund, was sehr edel wirkt. Durch das Bild des historisch Stockholm auf den Ziffern, zieht es den Blick des Betrachters auf sich. Als Farbtupfer lassen sich Blutstropfen erkennen, die erahnen lassen, dass hier nicht unbedingt eine schöne Geschichte erzählt wird.

Im Herbst 1793 findet der Häscher Jean Michael Cardell, herbeigerufen von zwei Kindern, in der Stadtkloake Stockholms eine Leiche, die bis zur Unkenntlichkeit entstellt wurde. Mit der Aufklärung dieses Verbrechens wird der an Tuberkulose erkrankte Jurist Cecil Winge beauftragt, ein gerechter, gradliniger Mann der stets der Vernunft folgt. Doch auch Michael Cardell lässt der Fall nicht los und so nehmen die beiden gemeinsam die Ermittlungen auf. Was sie dabei herausfinden, lässt den Leser in die Abgründe der menschlichen Seele schauen.

Ich habe gut 150 Seiten gebraucht, um mich in das Buch einzulesen. Das lag einerseits an den vielen schwedischen Namen und Begriffen, über die mein Augen immer wieder stolperten, aber auch am anspruchsvollen Schreibstil, an den ich mich erst einmal gewöhnen musste. Außerdem lese ich eher selten historische Romane und musste mich auch mit der altertümliche Sprache anfreunden.

Die Aufteilung in vier große Einheiten -Herbst 1793, Sommer 1793, Frühling 1793 und Winter 1793- fand ich ausgezeichnet gewählt, so erfährt der Leser nach und nach was in der Vergangenheit passiert ist und es klärt sich langsam auf, wie alles zusammnehängt. Die Länge der einzelnen Kapitel habe ich anfangs als zu lang empfunden, entweder ist sie im Laufe de Buches kürzer geworden oder ich habe mich daran gewöhnt

Ich habe das Buch über lange Strecken als düster, bedrückend, brutal und zum Teil sogar eckelerregend empfunden. Auf der anderen Seite sind die Beschreibungen so detailreich und genial, dass man als Leser das Gefühl hat, in diese Zeit katapultiert worden zu sein. Die Schilderungen haben mich abgestoßen und zugleich fasziniert. Dem Autor ist es außerdem gelungen jeden Protagonisten mit einem einzigartigen Charakter auszustatten.
Ich fand besonders Cecil Winge einfach genial. Sein damals scheinbar einzigartiges Festhalten an der Gerechtigkeit und der bedingungslosen Anhörung eines Täters vor der Verurteilung, die Liebe zu seiner Frau und sein Opfer für sie, außerdem die Selbstreflexion in den letzten Kapiteln. Sein Ehrgeiz, trotz seiner fortschreitenden Krankheit Gerechtigkeit für das Opfer zu erlangen, diese Konsequenz mit der er arbeitet. Das alles hat ihn für mich zu einer unvergesslichen Figur gemacht. Ihn erwähne ich besonders, aber auch alle anderen Charaktere sind sehr gut beschrieben und waren für mich gut vorstellbar.

Niklas Natt och Dag richtet seinen Fokus nicht nur auf die Klärung des Verbrechens sondern lässt in seinem Buch auch viel Raum für die Schilderungen der Lebensbedinungen von bitterer Not und sozialer Ungerechtigkeit über absolute Willkür bis hin zu gnadenloser Brutalität.

Die Auflösung des Falls hat mich schwer beeindruckt, nach und nach kamen die Motive ans Tageslicht und man erhielt Einblick in die Seele des Täters -fast, aber nur fast, hätte ich Mitleid empfunden. Ein grandioses Finale, das mich völlig überzeugt hat. Danke für dieses Meisterwerk!

Veröffentlicht am 27.11.2018

Komm mit ins Bösland

Bösland
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"Bösland" von Bernhard Aichner ist ein spanndender Psychothriller, der mit einigen unerwarteten Wendungen überrascht und den Leser bis zum Schluß fesselt.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Schlicht, aber ...

"Bösland" von Bernhard Aichner ist ein spanndender Psychothriller, der mit einigen unerwarteten Wendungen überrascht und den Leser bis zum Schluß fesselt.

Das Cover gefällt mir sehr gut. Schlicht, aber ausdrucksstark durch die rote Aufschrift in Druckbuchstaben. Das Buch hätte ich in der Buchhandlung sicher auch zur Hand genommen.

Als kleiner Junge wird Ben regelmäßig von seinem Vater im "Bösland", dem Dachboden des Elternhauses", mißhandelt. Die Mutter duldet das tatenlos. Nachdem der Vater Selbstmord begangen hat, kann Ben Luft holen, er freundet sich mit Kux und der Klassenkameradin Mathilda an. Da geschieht das unfassbare, die 13jährige Mathilda wird im Bösland erschlagen und Ben, der Mörderjunge, wandert für lange Jahre in die Psychatrie. Jahre später, als Ben sich vorsichtig ein leben aufgebaut hat, kreuzen sich die Wege von Ben und Kux erneut....

Bernhard Eichinger hat einen angenehmen Schreibstil. Die Sätze sind kurz und nicht zu verschachtelt, so dass man sehr gut in einen zügingen Lesefluß kommt. Er schafft es hervorragend eine beklemmende Stimmung heraufzubeschwören, die einem wirklich Gänsehaut bereitet. Man verspürt Mitleid mit dem mißhandelten Jungen, um kurz später Entsetzen darüber zu empfinden, wie er unschuldige Tiere quält. Es ist ein Wechselbad der Gefühle.
Die Kapitellänge ist angenehm kurz, so daß ich immer wieder dachte "Ach, ein Kapitel lese ich noch" ... und schwups, war ich schon wieder 50 Seiten weiter.
Dialoge in dieser stichpunktartigen Weise wiederzugeben, fand ich sehr interessant. Man muss sich zwar konzentrieren, um immer zu erfassen, wer da spricht, dennoch ließ es sich super lesen.

Die Personen sind sehr gut charakterisiert, besonders Bens Empfindungen und Gedankengänge ließen sich für mich nachvollziehbar.

Der Spannungsbogen ist konstant hoch und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mit dem Ende bin ich zwar zufrieden, konnte hier aber die Handlungsweise der Protagonisten nicht 100%ig verstehen.

Abschließend kann ich dieses Buch allen Fans von psychologischen Thrillern empfehlen.

Veröffentlicht am 17.10.2018

Gelungener Abschluss

Die Vereinten
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Die Vereinten ist der zweite Band einer dystopischen Dilogie von Caroline Brinkmann.

Inhalt (Spoiler zu Band 1!)
Sie ist Rain. Der Regen. Der Neuanfang. Er ist Lark. Der Verräter. Das Ende.
Gemeinsam ...

Die Vereinten ist der zweite Band einer dystopischen Dilogie von Caroline Brinkmann.

Inhalt (Spoiler zu Band 1!)
Sie ist Rain. Der Regen. Der Neuanfang. Er ist Lark. Der Verräter. Das Ende.
Gemeinsam werden sie dem Land Hope Frieden bringen - oder seinen Untergang besiegeln.

Rain und Lark haben während der Rebellion schwere Verluste erlitten, doch der Kampf um die Vorherrschaft in Hope ist noch nicht vorbei. Ein Kampf, bei dem sie auf unterschiedlichen Seiten stehen. Und ausgerechnet Lark, der sie damals an die Spines verraten hat, ist der Einzige, dem Rain jetzt trauen kann. Aber wird er wirklich hinter ihr stehen, wenn es darauf ankommt? (Klappentext)

Erneut lässt Caroline Brinkmann mit ihrem detailreichen Schreibstil das Land Hope mit seinen verschiedenen Zirkeln vor meinem inneren Auge entstehen. Ich habe mich gefreut, die Charaktere bei ihren weiteren Abenteuern zu begleiten. Besonders die kleine Rose ist mir sehr ans Herz gewachsen und es hat mich berührt, wie wichtig sie auch für Rain war. Rain ist nicht mehr sie selbst, der Tod ihrer Mutter hat sie völlig aus der Bahn geworfen und ihre Mut- und Hoffnungslosigkeit war für mich richtig greifbar. Zum Glück hat sie im Laufe der Handlung zu ihrer alten Stärke und ihrem Kampfeswillen zurückgefunden.
Lark möchte, wie auch in "Die Perdekten" nur das Richtige tun, ist aber durch seine Familie und die Krankheit seiner Schwester Rose, nach wie vor erpressbar. Und es gibt natürlich Menschen, die das ausnutzen.
Ich habe mich auch gefreut neue Charaktere kennenzulernen. Während der neue, schillernde Cabman Eros mich eher amüsiert hat, fand ich Cassian und auch Wren äußerst interessant!

Toll fand ich auch, wie die Autorin unsere politische Situation in die Geschichte mit hat einfließen lassen und die Leser somit zum Nachdenken über z.B. die aktuelle Flüchtlingssituation anfegt.

Das Buch ließ sich, ebenso wie Band 1 sehr flüssig lesen und hatte eine hohe Spannung, eine Vielzahl von Wendungen konnte mich immer wieder überraschen.
Meine Fragen wurden am Ende fast alle aufgeklärt und ich muss sagen, die Handlung war für mich nachvollziehbar, schlüssig und gut durchdacht. Lediglich am Ende ging es etwas zu schnell, da hätte ich mir einen ausführlicheren Abschluss gewünscht.

Alles in allem kann ich dem zweiten Teil der Dilogie fünf Sterne geben, mir hat dieser Teil noch besser gefallen als Band 1!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Abenteuer
  • Geschichte
Veröffentlicht am 30.07.2018

Turbulentes Abenteuer

Zurück auf Gestern
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"Zurück auf Gestern" von Kathrin Lankers ist ein tolles Jugendbuch über die Freundschaft, das erste Verliebt-sein! Humorvoll und lebendig geschrieben, dazu mit einer Prise Magie und einer großen Portion ...

"Zurück auf Gestern" von Kathrin Lankers ist ein tolles Jugendbuch über die Freundschaft, das erste Verliebt-sein! Humorvoll und lebendig geschrieben, dazu mit einer Prise Magie und einer großen Portion Spannung.

Das Cover hat mich direkt angezogen. Eine tolle Farbe, dieses helle Türkis, dazu der goldene Schriftzug und die Uhrenzeiger. Ein absoluter Hingucker!

Claire und Lulu sind beste Freundinnen, seit Lulu vor einem Jahr an Claires Schule kam. Beide haben am gleichen Tag Geburtstag und Claire erhält zu ihrem 15. Geburtstag ein Erbstück ihrer verstorbenen Großmutter. Diese Schmuckstück stellt sich als Zeitumkehrer heraus und beschert den Mädchen eine Reihe turbulenter Ereignisse. Allerdings birgt das Zurückspringen in der Zeit auch Gefahren, wie die beiden mit der Zeit feststellen müssen und dann müssen sie nicht nur um ihre Freundschaft kämpfen.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, flüssig, lebendig und witzig! Ich kam sehr gut in die Geschichte hinein und habe beide Protagonistinnen direkt in mein Herz geschlossen. Die Gedanken und Gefühle sind absolut authentisch und auch die Dialoge klangen für mich immer sehr realistisch. Auch die Schilderungen der Familiensituationen und das Verhältnis zwischen den Geschwistern bzw. Patchworkgeschwistern kommt der Realität echt nah!

In der Geschichte ging es aber nicht nur um die Freundschaft von Lulu und Claire, sie wurde durch einen weiteren Erzählstrang auch noch richtig spannend, so dass es zum Schluß noch zu einem furiosen Showdown kommt.

Ich bin wirklich durch die Seiten geflogen und habe mich super unterhalten gefühlt. Ein tolles Buch für junge Mädchen, das auch mich als Erwachsene begeistern konnte!

Veröffentlicht am 16.07.2018

Suzy und Franny

Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren
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"Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren" ist ein Jugendbuch von Ali Benjamin, in dem die Geschichte von Suzy erzählt wird, die den frühen Tod ihrer Freundin Franny nur schwer akzeptieren kann.

Das ...

"Die Wahrheit über Dinge, die einfach passieren" ist ein Jugendbuch von Ali Benjamin, in dem die Geschichte von Suzy erzählt wird, die den frühen Tod ihrer Freundin Franny nur schwer akzeptieren kann.

Das Cover ist einfach ein Traum, ein junges Mädchen, dass die Tentakeln einer Qualle, wie eine Drachenschnur hält. Es sieht aus, als wäre sie gleichzeitig unter Wasser und an Land, sehr phantasievoll. Auch die Farbkombination zwischen dem blauen Bild und der gelben Schrift hat mir sehr gut gefallen.

Suzy ist ein besonderes Kind, sie denkt viel nach und interessiert sich für ausgefallene Themen, die nicht unbedingt alterstypisch sind. Nach dem Badeunglück ihrer Freundin Franny kann sie nicht akzeptieren, dass diese "einfach so" ertrunken ist, sondern versucht für sich selbst eine Erklärung zu finden.

Das Buch ist in sieben Teile gegliedert, wobei jeder Teil aus mehreren Kapiteln besteht, die jeweils mit einer Überschrift versehen sind. Dabei wird die Geschichte aus Suzys Sicht in der Ich-Perspektive erzählt. Durch Rückblenden in kursiver Schrift, erfährt der Leser wie die Freundschaft von Suzy und Franny begann und wie ihre Beziehung zueinander vor dem Unfall war. Gut gefallen haben mir auch die Anweisungen der Biologie-Lehrerin vor den einzelnen Teilen und die Illustrationen im Buch. Einfach sehr liebevoll gestaltet.

Suzys Geschichte hat mich sehr berührt. Man spürt ihre Verzweiflung und bemerkt, dass dahinter mehr steckt, als "nur" der Unfalltod ihrer Freundin, wie man dann ja auch nach und nach erfährt. Die Autorin hat Suzys Gedanken und Gefühle sehr gut beschrieben und transportiert. Auch dieses "Festbeissen" in ein Thema, einer Sache auf den Grund zu gehen ist so typisch für Suzys Charakter und mir hat sehr gut gefallen, wie das Thema mit den Quallen beleuchtet wurde. Hier könnte ich mir allerdings vorstellen, dass dies jüngeren Lesern eventuell zu detailliert behandelt wurde.
Nicht nur Suzy wurde sehr gut beschrieben, auch die anderen Personen hatte ich richtig gut vor meinem inneren Auge. Allen voran Mrs Turton, die mir sehr sympathisch war und auch Justin Maloney, der eine positive rolle in der geschichte erhält. Und trotz all der traurigen Momente im Buch, endet es positiv und ich kann das Buch mit einem Lächeln auf den Lippen und mit Zuversicht für Suzys Zukunft schließen.

Ein sehr gefühlvolles Buch über das Erwachsen werden, die Entwicklung von Freunschaften und das Abschied nehmen mit einer außergewöhnlichen Protagonistin. Ganz klare Leseempfehlung, nicht nur für Jugendliche.