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Veröffentlicht am 11.03.2019

Besser kann man das nicht erzählen!

Ein perfider Plan
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Und wieder stehe ich vor der unfassbar schwierigen Aufgabe, nach Beenden dieses Buches, eine objektive Bewertung trotz Befangenheit abzugeben, denn eines lässt sich einfach nicht verbergen: Ich liebe die ...

Und wieder stehe ich vor der unfassbar schwierigen Aufgabe, nach Beenden dieses Buches, eine objektive Bewertung trotz Befangenheit abzugeben, denn eines lässt sich einfach nicht verbergen: Ich liebe die Geschichten von Anthony Horowitz.

Er ist nicht nur ein unglaublich talentierter, sprachlich versierter Literat, der es punktgenau versteht, einer gängigen (Krimi)Handlung, auf unterhaltsamen Wege, qualitatives Leben einzuhauchen, er ist ebenso bemüht, das oftmals festgefahrene Krimigenre immer wieder aufs Neue zu definieren,...UND er ist zudem der einzige Autor, der es meiner Meinung nach erfolgreich geschafft hat, eine Legende von den Toten auferstehen zu lassen und in die Fußstapfen eines - auf Papier - unsterblichen Schriftstellers zu treten. (Arthur Conan Doyle) Aber nicht nur seine lebhafte Sherlock Holmes Hommage weiß zu überzeugen, auch sein im März 2018 veröffentlichtes Krimi-Doppelspiel „Die Morde von Pye Hall“ hat auf ganzer Länge überzeugen können. Ein Meilenstein, ein moderner Klassiker, kurz: Ein absoluter Volltreffer.


„Der neue Roman von Anthony Horowitz hat (beinahe) ALLES, was man sich von einem rätselhaften Kriminalroman erwarten darf: Eine stilvolle, bedachte, ambitionierte Sprache, eigenwillige, attitüdenhafte Charaktere und eine besondere Handlung, die aufgrund ihrer Ausführung und Komplexität, viele lobende Worte verdient hat. Sehr viele lobende Worte! [...] So wurde hier nicht bloß ein oft kopierter Krimi-Nonsens zwischen zwei Buchdeckel gepresst, sondern zwei grundverschiedene, intelligente Handlungsstränge äußerst smart miteinander verwoben, deren Lösungen sich übrigens erst ganz am Ende entfaltet haben. Man hat in diesem britischen Horowitz-Konglomerat aus Verbrecherjagd und Vornehmheit ständig das Gefühl, mit Jane Marple, Paul Temple, Hercule Poirot und Sherlock Holmes in der Baker Street 221b zu sitzen und über geistig minderwertige Mörder zu schwadronieren. Es gibt im Genre ja unterschiedliche Auffasungen, aber meiner Meinung nach hat ein innovativer, klischeefreier Kriminalroman GENAU SO auszusehen!“ (Auszug aus der Rezension zu „Die Morde von Pye Hall“)


Doch wenn wir die schwärmerischen Loblieder beiseite schieben, bleibt am Ende dennoch die Frage übrig: Hat er das Niveau, den Einfallsreichtum und diese spezielle Finesse auf seinen neuen Krimiauftakt - „Ein perfider Plan“ - übertragen können? Die Antwort lautet ganz klar: JA!


Es ist fanszinierend, ja geradezu verblüffend, dass seine Imaginationskraft förmlich vor Energie zu strotzen scheint. So hat Anthony Horowitz nicht einfach nur willkürliche Figuren entworfen, die ihren Platz in dieser Handlung einnehmen, sondern sich derart leidenschaftlich in das Geschehen eingefühlt, dass sogar seine ganz eigene Persönlichkeit einen Platz in diesem Mordfall findet. Er hat tatsächlich einen literarischen Protagonisten kreiert, der nicht nur seinen Namen trägt, aussieht wie er selbst, sondern auch Horowitz’ Wesen verkörpert. Kurz: Er hat sich ganz dreist selbstinsziniert und in die Story miteinbezogen! Somit sprechen wir nicht mehr von einem standardisierten Kriminalroman in Erzählform, sondern von einem biografischen, ich-bezogenen Auftritt Horowitz (der ganz nebenbei,...sinnbildlich für Dr. Watson stehen soll!), der in Zusammenspiel mit dem fiktiven, exzentrischen, jähzornigen Hawthorne (Klingelts? DAS ist die Verkörperung von Sherlock Holmes) einen Mordfall zu lösen hat. Ein kongenialer Schachzug, der nicht nur Einblicke in das höchst interessante Autorenleben von Horowitz gewährt, sondern die Distanz zwischen Leser und Autor um ein Vielfaches verkürzt! Sensationell!
Außerdem besitzt Anthony Horowitz die besondere Gabe, Sätze/Handlungsteile im Raum stehen lassen zu können, die das Gehirn des Lesers prompt zum Weiterdenken und zum Befüllen des dadurch entstandenen Leerraumes animieren sollen. So lässt er genügend Interpretationsspielraum bei den Annäherungsversuchen der Charaktere und überlässt die Meinungsbildung für zwischenmenschliche Beziehungen der Leserschafft.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt seines Storytellings, ist die Tatsache, dass sich seine Konzepte über die Maßen „very british“ anfühlen. Das mag einigen von euch möglicherweise sauer aufstoßen, ich hingegen begrüße diese attitüdenhafte Art der Erzählung durchaus, da sie sich stets positiv auf die literarische/sprachliche Entwicklung der Geschichte auswirken kann. Bei Anthony Horowitz ist dies - ganz klar! - auf der lobenswerten Seite der „Pro & Contra-Liste“ anzumerken. Aber auch die Protagonisten profitieren in punkto Alleinstellungsmerkmale und Eigenständigkeit davon, obwohl sie im Kern ihres Daseins dennoch gleich sind. (Sie verfolgen stets dieselbe Art und Weise sich zu positionieren.)

Ich wiederhole mich ja äußerst ungern, aber:

„Ich liebe die Geschichten von Anthony Horowitz.“

Veröffentlicht am 21.11.2019

Perfekter Genremix

Die Ewigkeit in einem Glas
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Bitte verzeiht mir den etwas prompten Einstieg in die Buchbesprechung, aber ich muss gleich zu Beginn etwas loswerden: Jess Kidd könnte man auf literarischer Ebene, hinsichtlich der Art und Weise des Storytellings, ...

Bitte verzeiht mir den etwas prompten Einstieg in die Buchbesprechung, aber ich muss gleich zu Beginn etwas loswerden: Jess Kidd könnte man auf literarischer Ebene, hinsichtlich der Art und Weise des Storytellings, als vollkommen durchgeknallt bezeichnen, denn ihre Romane sind nichts anderes als ausdrucksstarke, eigenwillige, unvergleichliche (Genre-)Grenzgänger.
Ich bin immer wieder verwundert/erstaunt, wie scheinbar mühelos sie die Komponenten und Strukturen einzelner Gattungen zusammenfügt, ihrer Linie treu bleibt, den Leser mit inhaltlicher und vor allem sprachlicher Finesse überzeugt und zu alldem, auch noch in höchstem Maße unterhaltsam ist. Um eine derart außergewöhnliche, vielseitige Autorin vor die Linse zu bekommen, muss man - aus Erfahrungswerten - verdammt lange suchen. Kein Wunder, dass ihre Werke seitens der Presse/Literaturkritiker viel Zuspruch und Anerkennung erleben.

Dieser Sachverhalt trifft nicht nur auf jeglichen Vorgänger der Autorin, sondern auch auf ihren neuesten Geniestreich - „Die Ewigkeit in einem Glas“ - zu: Abermals reißt sie sprachliche Barrieren ein, definiert ihren Sound neu und balanciert auf dem äußerst schmalen Grat der (Sub-)Genres. Nicht nur das: Sie springt regelrecht zwischen den Klassifizierungen. Ihre Story ist eine ausgewogene Mischung aus History-Crime, Thriller, Horror, Ghost-Story, Steam-Punk und Dramaturgie, gepaart mit einem kräftigen Schuss Mystery!
Sie ist außerdem brutal, dennoch zärtlich im Audruck, anspruchsvoll und simple gleichermaßen, schlicht und hochkomplex.
Ein gewaltiges Feuerwerk aus gegensätzlichen Komponenten, in bester Manier vereint. Eine regelrechte Oxymeron-Schlacht!

Das Ganze hat sie aber nicht nur ihrer schriftstellerischen Qualität, bzw. ihrer enormen Auffasungsgabe zu verdanken, sondern auch der hervorragenden Zeichnung der Charaktere, der Dialoggestaltung, sowie der authentischen Darstellung ihrer viktorianisch-angehauchten Atmosphäre.

Willkommen im versifften 19. Jahrhundert Londons, dort, wo die Rinn- und Bordsteine gut gefüllt sind, bestialische Gerüche durch die Seitenstraßen wehen, wo Marktschreier laut werden, wo der Genuss von Tabak und das Anstecken einer fein geputzten Pfeife noch zum guten Ton gehört, wo Tavernenlichter die Nacht lang brennen, wo sich die feine Gesellschaft zur Korruption verleiten lässt, wo Gold- und Silbermünzen den Besitzer wechseln, bemannte Kutschen durch die Gegend ziehen, wo sich Unwahrheiten wie ein heimlich gelegtes Lauffeuer verbreiten, wo Dreck und Blut an den Sohlen klebt, wo tote Babys in Einmachgläser wohnen, für die Ewigkeit konserviert werden, genau dort, wo sich choleraverseuchte Leichen stapeln, wo Aussteiger, Bestien und Mörder umherstreifen, wo Kreaturen sich zum „Showdown“ treffen.

„London ist wie ein schwieriger OP-Patient; so vorsichtig das Skalpell auch angesetzt wird, es kann Gott weiß was hervorbrechen. Gräbt man zu tief, gibt es Überschwemmungen oder es kommen Leichen ans Licht, ganz zu schweigen von tödlichen Miasmen und augenlosen Ratten mit ellenlangen Zähnen.“ (Die Ewigkeit in einem Glas - Buchseite 26/27)

Inmitten dieser (gut) betuchten Gemeinschaft, befindet sich außerdem Jess Kidds Protagonistin: Bridie Devine. Der charakteristische Geist der Erzählung, Dreh- und Angelpunkt der Erzählung, Kopf der Geschichte. Rauchend. Vorlaut. Charmant. Höchst eigenwillig. Unverwechselbar.
Die Gute muss über diesem Entwurf eine halbe Ewigkeit gebrütet haben, so ausgefeilt, kompakt und manifest fühlt sie sich an, so phantastisch und überaus einzigartig scheint diese Figur in ihrer Gesamtheit konstruiert worden zu sein. DAS ist aber nur der kleiner Teil einer ganz großen, hervorragenden Konstellation.

Es lässt sich außerdem beobachten, dass die Autorin einen starken Hang dazu hat, Protagonisten mit bereits verstorbenen Charakteren kommunizieren zu lassen. (Dies ist auch bei den beiden Vorgängern der Fall!) Auch hier wieder deutlich erkennbar. Was es damit auf sich haben könnte, lässt sich höchstens erahnen (Möglicherweise ist es auf die spirituelle Neigung der Autorin zurückzuführen?!); die amüsanten Aspekte dieser Form des Austausches sind aber kaum zu übersehen/leugnen!

Fazit:

„London wird überflutet mit frisch Ermordeten. Stündlich tauchen Leichen auf, hocken mit durchgeschnittener Kehle in Hauseingängen, liegen mit eingeschlagenem Schädel in Gassen. Halb verbrannt in Kaminen und erdrosselt auf Dachböden. In Koffer gestopft oder scharenweise in der Themse treibend, mit aufgeblähten Leibern“ (Textauszug)

Man möchte am liebsten zum Markierstift greifen und jede erdenkliche Stelle in Jess Kidds Roman hervorheben, derart sensationell sind die Sätze gebaut; bedacht in der Wortwahl, äußerst charmant in der Ausführung. Ein Text, vor dem man allemal den sprichwörtlichen Hut ziehen müsste!? (Und das ist in diesem Segment überaus selten der Fall!) Aber nicht nur die inhaltlichen, gut strukturierten Komponenten können sich mehr als sehen lassen, auch die Cleverness, mit der die Erzählung aufgebaut und transportiert wurde, ist in der gehobenen Klasse anzusiedeln: Eine sprachlich hervorragende, perfekt getimt Story eben.

Zusammenfassend: Jess Kidd lässt sich weder inhaltlich, sprachlich, noch stilistisch, mit irgendeiner anderen Autorin vergleichen.
Ihre Erzählungen sind außergewöhnlich, klug konzipiert, wahnsinnig atmosphärisch und mit einem stets wachsamen Blick für Charakterentwicklungen ausgestattet.

Was gibt es da noch zu verlauten?

Ich bin von dieser Story wahrlich begeistert!!!

Inhaltsangabe:

Alles an Bridie Devines neuem Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zu finden, ist beängstigend seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft, der windige Hausarzt. Allen voran aber die verschwundene Christabel, die kaum einer je gesehen hat. Doch zunächst ist die energische Bridie ganz in ihrem Element, denn sie liebt vertrackte Fälle. Zudem fühlt sie sich beschützt von ihrem neuen Begleiter, Ruby – der ist zwar tot, aber wen stört das schon. Als sich Bridie jedoch Zugang zu Christabels Räumen verschafft, begreift sie, was das Besondere an dem Mädchen ist und dass dieses in großer Gefahr schwebt. Und noch etwas ahnt sie: Ihr größter Widersacher aus der Vergangenheit, ein herzloser und grausamer Sammler menschlicher Kuriositäten, von dem Bridie gehofft hatte, dass er tot sei, ist wieder aufgetaucht, und er wird zu ihrem gefährlichsten Gegner bei der Suche nach Christabel.

Außenseiter, Schurken und seltsame Wesen bevölkern den spannenden Roman von Jess Kidd, in dem sie ein lebendiges Bild der englischen Gesellschaft zwischen Aberglaube und Fortschritt zeichnet.

»Man möchte sich verneigen vor Jess Kidd.« (Susanne Mayer, DIE ZEIT)

»Ihre Sprache und ihr Gespür für Atmosphäre erinnern an einige der großen Autoren von Ghost Stories des 19. Jahrhunderts – würde sich Jess Kidd für dieses Genre entscheiden, würde sie alle in den Schatten stellen.« (John Boyne, Autor von ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹)

»Jess Kidds Geschichten sind so zauberhaft, dass sie ein eigenes Genre bilden sollten. ›Die Ewigkeit in einem Glas‹ ist exquisit. Perfektes Geschichtenerzählen.« (Joanna Cannon, Autorin von ›Der Sommer der schwarzen Schafe‹)

»Das Düster-Groteske des viktorianischen Londons. Die Außenseiter, Schurken und Monster. Die Zärtlichkeit, die an unerwarteten Orten zu finden ist. Ich habe jede Seite von ›Die Ewigkeit in einem Glas‹ genossen.«
(Claire McGlasson, Autorin von ›The Rapture‹)

Veröffentlicht am 16.07.2019

Wunderbarer Titel!

Licht und Schatten
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Über Zoran Drvenkar lässt sich eines mit Bestimmtheit sagen: Er gehört mit Sicherheit zu den eigenwilligsten und außergewöhnlichsten Thrillerautoren die es in der heutigen Zeit gibt. Diese Tatsachenfeststellung ...

Über Zoran Drvenkar lässt sich eines mit Bestimmtheit sagen: Er gehört mit Sicherheit zu den eigenwilligsten und außergewöhnlichsten Thrillerautoren die es in der heutigen Zeit gibt. Diese Tatsachenfeststellung lässt sich nicht nur an der Art und Weise wie er seinen Erzählungen aufbaut beobachten, sondern ist auch in seiner Ausdrucksweise deutlich spürbar.

Denn Zoran Drvenkar ist und bleibt ein Fanatiker, wenn es um die Nutzung veralteter Konjunktionen geht. So verbannt er häufig das „ss“ (Doppel-S) und holt das uralte (Scharfes-S) „ß“ aus dem Sprach-Nirvana zurück. Aber auch das permanente „in Erscheinung treten“ einer fallbezogenen zweiten/dritten Person (Singular/Plural) ist ein absolutes Indiz dafür, dass hier Drvenkar am Werk gewesen sein könnte.
Das mag jetzt zwar etwas seltsam klingen, aber das sind genau jene Elemente, die ihm den Sonderstatus im Genre verleihen, die ihm die Rolle des Merkwürdigen zuschanzen, die ihm zum völlig eigenständigen Autor avancieren lassen. (Zu meiner Verwunderung gab es im neuen Roman - „Licht und Schatten“ nichts davon!)
Diese mühevolle, akribische Herangehensweise in der Konezption seiner Geschichten findet schließlich Anklang und hat ihm - unter anderem - den Friedrich-Glauser-Preis, den Hansjörg-Martin Preis, sowie den Deutschen Jugendliteraturpreis beschert.

Sein Titel „Still“ ist dafür ein ganz wunderbares Beispiel: Zurückhaltendes, altertümliches Schriftbild und ein vorzeigbares Settingkonstrukt trifft auf überzeichnete Charaktersitik in der Figurenausarbeitung.
Nun meldet er sich mit einer Story zurück, die einen etwas jugendlicheren Auftritt hinlegt: Der Plot wirft uns in die Kälte des 18. Jahrhunderts zurück, in der sich Figuren bewegen, die über kurze Stecken - völlig beabsichtigt - unnahbar, etwas distanziert bleiben. Das Setting ist wie gewohnt authentisch, überaus reichhaltig und mit atmosphärischem Leben gefüllt, Drvenkar hat es eben der Zeit angepasst.
Vor allem ist es aber immer wieder auffällig, dass er seine Formulierungen, seine Satzbildungen äußerst bedächtig, fast schon poetisch vorträgt, seine Texte somit nicht mehr dem Mainstream unterliegen und es dadurch aber auch ziemlich schwierig wird, das Geschriebene einer einzelnen Genre-Gattung zugeordnen.

Klar ist auch: Drvenkar schreibt seine Gedankengänge, seine Inhalte nicht einfach nur auf, er geht mit sich selbst eine dauerhafte Abmachung/Verpflichtung ein, dem Leser, über den Unterhaltungswert hinaus, auch eine klare Botschaft mit auf den Weg zu geben.
Dies lässt sich beispielsweise an der Nurzung von klug in Szene gesetzten Metaphern festmachen. Ein weiteres Markenzeichner seiner Art.

In „Licht und Schatten“ treffen gleich mehrerer Sparten aufeinander: Eine Mixtur aus Fantasy- und Abenteuerroman, Familiendrama, Coming-of-Age Story, und Märchenadaption.
Und wieder hat es Drvenkar geschafft, sich ein Alleinstellungsmerkmal zu erarbeiten, sich an die Pole-Position zu kämpfen und eine Story zu kreieren, die es mit Sicherheit kein zweites Mal gibt.

Um es kurz zu machen: Es handelt sich hierbei nicht bloß um eine simple, harmlos gestrickte Erzählung, sondern um eine ernstzunehmende Parabel, die das (über-)irdische Dasein und den ewigen Kampf zwischen Gut und Böse auf magische Weise analysiert. Äußerst firsch konzipiert, und meilenweit von einem klassischen Jugendroman entfernt.

Schlichtweg großartig!

Veröffentlicht am 18.03.2019

Der etwas andere Liebesroman!

Kaschmirgefühl
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Nach Rachebraut Brünhilde Blum und Leichenbuddler Max Broll, hat Bernhard Aichner es abermals geschafft, Protagonisten zu entwerfen, die nicht an jeder x-beliebigen Straßenecke anzutreffen sind, mit ihrem ...

Nach Rachebraut Brünhilde Blum und Leichenbuddler Max Broll, hat Bernhard Aichner es abermals geschafft, Protagonisten zu entwerfen, die nicht an jeder x-beliebigen Straßenecke anzutreffen sind, mit ihrem einzigartigen Wesen zu glänzen wissen und in Kombination mit der für sie vorgesehenen Geschichte einen hohen Unterhaltungswert zu bieten haben.
Aichner hat ihnen nicht nur die essentiellen „Ecken und Kanten“ verpasst, er hat sie zudem auch noch - im wahrsten Sinne des Wortes - „zu Wort kommen lassen“, denn der Tiroler-Ausnahmeschriftsteller bedient sich in „Kaschmirgefühl“ - zur Gänze - DER sinnhaftesten, ausdrucksstärksten und zugleich intimsten Methode der Charakterisierung: Dem Dialog.
Ein Instrument, das er beherrscht, wie kaum ein anderer Autor. Empfindsam, prägnant, manchmal forsch, leicht kitschig lässt er seine beiden Figuren - in bester Manier - aus dem Nähkästchen plaudern und sich Hals über Kopf ineinander verlieben. Das kann doch schon mal passieren, wenn man völlig verzweifelt zum Hörer greift und die Nummer der Sexhotline wählt, oder? Frei nach dem Motto: Tausche Verzweiflung und Sexentzug gegen Seelenverwandschaft!

Aber jetzt mal ehrlich: Einen Roman in dieser Gangart zu präsentieren, gleicht im Normalfall, einem literarischen Himmelfahrtskommando. Im Normalfall! Aber was ist bei Bernhard Aichner auch schon „normal“?
Denn lässt man seine knappen, stark reduzierten, stakkatoartigen (Einwort-)Sätze erst mal auf sich wirken, wird man überrascht sein, wie warmherzig, eingehend und vor allem klug konzipiert sie sich anfühlen können.

Ich muss mich wieder einmal selbst zitieren:

„Ich kenne keinen einzigen (Thriller-)Autor, den man auf literarischer Ebene mit Bernhard Aichner vergleichen könnte. Sein unverwechselbarer, reduzierter Schreibstil, seine Dialog-Punktlandungen, seine perfekt ausgearbeitete Protagonisten, sind nur ein paar wenige Beispiele, die seine unfassbare Stärke unter Beweis stellen. Zudem bleib er seinem Konzept stets treu (ganz, ganz wichtig!!), schafft es anhand weniger Worte, Tiefgang enstehen zu lassen und konzentriert sich vor allem immer wieder auf das Wesentliche: Das Schreiben. Und das merkt man.“

Fazit:

Ganz im Stile eines Daniel Glattauer in Bestform („Gut gegen Nordwind“), bloß verruchter, plastischer, lakonischer, bewegt sich Bernhard Aichner in seinem neuen (Kurz-)Roman - „Kaschmirgefühl“ - zwischen triefender Romantik, Sarkasmus, Selbstironie und zynischem Humor. Genau so, wie ich es mir im Vorfeld erwartet hatte. FALSCH! Denn am Beginn des zweiten Drittel kommt es zur schockierenden, dramaturgischen Kehrtwende, die Aichners Erzählung in eine - für mich - völlig neue Bahn befördert, denn eines ist fortan klar: Die anfängliche Lovestory hat plötzlich ausgedient, kleine Lügen und Ansätze von boshaften Sticheleien halten Einzug. Könnte DAS der Todesstoß für die Geschichte sein? Ganz klares „Nein“, denn um ehrlich zu sein, bin ich überaus froh, dass sich die Handlung derart „unromantisch“ (weiter)entwickelt hat, so hebt sie sich ganz wunderbar vom oftmals festgefahrenem Genre-Mainstream ab.

Am Ende lässt sich jedenfalls festhalten: Bernhard Aichner kann über jedes erdenkliche Thema schreiben, ohne dabei aber platt, kopiert, oder gar kaputt zu wirken. Ganz im Gegenteil. Die Idee, seine 180-seitige Geschichte derart dialoglastig aufzustellen spielt Aichner zu 100% in die Karten, da er die Szenerie eines simulierten Gespräches äußerst charmant umzusetzen weiß, eine Aufgabe, an der bereits viele Schriftsteller vor ihm kläglichst gescheitert sind.

Inhaltsangabe:

Gottliebs Tage sind nicht gerade von Leidenschaft erfüllt. Als Krankenpfleger im Hospiz ist er täglich mit dem Tod konfrontiert, Romantik im Privatleben: Fehlanzeige. Von Einsamkeit getrieben ruft er eines Nachts bei einer Sexhotline an. Marie und Gottlieb reden miteinander, anstatt Telefonsex zu haben. Zum ersten Mal hört er Maries Stimme – und mit einem Schlag verändert sich alles.
Krimistar Bernhard Aichner hat große Emotionen, viel Humor und Spannung in seine Geschichte gelegt. Die Sehnsucht nach einem besseren Leben ist es, die Gottlieb und Marie immer weitertreibt – mit Wucht in die offenen Arme des Anderen.

Veröffentlicht am 12.03.2019

Ein richtig starkes Debüt!

Liebes Kind
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Da ist diese stickige, fensterlose Hütte im Wald, diese eigenartige Familie, dieser geisteskranke Mann, diese Bestie, diese Angst vor dem gewalttätigen Vater,...da ist dieses aufkeimende Stockholm-Syndrom,...der ...

Da ist diese stickige, fensterlose Hütte im Wald, diese eigenartige Familie, dieser geisteskranke Mann, diese Bestie, diese Angst vor dem gewalttätigen Vater,...da ist dieses aufkeimende Stockholm-Syndrom,...der Sauerstoffmangel, der „Zirkulationsapparat“, dieses kleine, selstame dreizehnjährige Mädchen, das klug ist wie eine Erwachsene, spricht aber wie eine Siebenjährige,...da ist diese entflohene Frau, die eigentlich eine andere sein sollte,...da ist dieser Unfall und alle daraus resultierenden Konsequenzen. Und da ist auch noch dieses alte Ehepaar, das auf der Suche nach Antoworten ist und sich verzweifelt an den letzten Keim der Hoffnung klammert.

All diese Story-Komponenten miteinander zu verbinden scheint ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, und dennoch hat es Romy Hausmann irgendwie geschafft, sie zu einem nachvollziehbaren Konstrukt umzubauen,...sie hat diese vielen kleinen gut geölten Zahnräder gut ineinader greifen und zu einem harmonischen Pakt zwischen Handlungsablauf und Protagonistenzeichnung werden lassen. Stets rätselhaft und unterhaltsam.

Außerdem hat sie dieses augenscheinlich-simple Storykonzept sehr ernst genommen und für das Genre untypisch ausführlich und eigenwillig umgesetzt, sodass schlussendlich eine sehr dicht erzählte Geschichte übrig bleibt.

Auch für die notwendige Entgegenwirkung der Eintönigkeit ist gesorgt: So lässt sie ihre Protagonisten (kapitelweise) abwechselnd aus der Ich-Perspekte erzählen, teilweise auch monologisieren, und liefert somit viele unterschiedliche Blickwinkel, die sich immer wieder auf den Kern des Geschehens konzentrieren.


Mit ihrem Debüt - „Liebes Kind“ - gelingt es der Autorin prompt, das oftmals festgefahrene „Thriller“-Genre neu zu definieren und dem Mainstream klar den Kampf anzusagen, denn eines ist klar: Diese Handlung findet man nicht an jeder x-beliebigen Straßenecke. Auch wenn sich zugegebenermaßen einige der Leser erst an diesen etwas eigenwilligen Schreibstil der Autorin gewöhnen werden müssen, so ist es genau diese spezielle Eigenheit, die mir unfassbar gut gefallen hat.

Wer jetzt allerdings glaubt, Romy Hausmann hätte es sich beim Schreiben ihres „Thriller-Debüts“ einfach gemacht und sämtliche protzigen Cliffhanger als Stilmittel missbraucht, nur um den Leser bei Laune zu halten, der irrt ganz gewaltig. Vielmehr hat sie darauf geachtet, dass die Geschichte ihren eigenen unkonventionellen Weg gehen kann, dass die unterschiedlichen Perspektiven schlussendlich kompakt zueinander passen/finden, dass sie dem Leser nicht zu viele inhaltliche Brotkrumen vor die Füße wirft, dass sie in ihrer Schreibe Authentizität walten lässt, Aufschneiderei und Großspurigkeit ausgrenzt, Emotionalität miteinfließen lässt und dass sie bei der Leserschaft einen bleibenden Eindruck hinterlässt, ohne auf den Einsatz prägnanter Effekte zurückgreifen zu müssen. Das ist ihr mit Sicherheit gelungen. Wie sie es also fertig gebracht hat, ihren eigenen Sound zu finden, ihn knallhart durchzuziehen, und über lange Strecken unterhaltsam zu bleiben, das wird wohl ihr ganz persönliches Geheimnis bleiben.


Ganz ehrlich: Für mich ist „Liebes Kind“ kein typischer Thriller, sondern eher ein fein gesponnenes Familiendrama, das viel Wert auf die emotionalen Beziehungen der Charaktere legt. „Technische Mittel“ zur Spannungserzeugung wurden eher zweitrangig behandelt. Dies hat zugegebenermaßen leider aber auch zur Folge, dass sich - vor allem im Mittelteil - ein paar langatmigere Passagen finden lassen, die wiederrum dazu beitragen, dass die Handlung gegen Ende hin sehr detailreich wurde.


Noch etwas: Nach knapp 420 gelesenen Seiten kann ich bestätigen, dass es sich NICHT bloß um eine leere Floskel handelt, wenn es im Einband heißt: „DIESER THRILLER BEGINNT, WO ANDERE ENDEN“.

Denn Romy Hausmann platziert ihre Geschichte genau dort, wo andere Autoren das schweißgebadete, blutgetränkte Handtuch werfen und schlichtweg den Kopf einziehen, weil sie mit der Geschichte fertig sind, mit ihr abgerechnet haben, sich nicht trauten, weiterzugehen. Genau an dieser Stelle fängt für die Autorin der „Spaß“ erst richtig an. Genau an dieser Stelle beginnt die emotionale Ebene des Romans zu wirken. Genau an dieser Stelle gelingt es der Handlung, sich in dein Gehirn und in dein Herz zu fressen. Nun weiß ich ganz genau, was sich hinter dieser getarnten Warnung des dtv-Verlags zu verbergen versucht.


Von meiner Seite gibt es eine ganz klare Empfehlung!


„[...]Liebes Kind“ ist ein extrem gut komponierter Thriller mit hervorragend herausgearbeiteten Charakteren. Man ist sich zwischendrin sicher, die Dimension des Geschehens erfasst zu haben. Und dann reißt Romy Hausmann das Kartenhaus wieder ein. Ein brillantes Thriller-Debüt“ (Christin Dwertmann, Hörbuch Hamburg)