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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.01.2020

Vorurteile können gefährlich sein

Die Suche nach dem Augenblick
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Vordergründig geht es darum, wie Menschen nach ihrem Äußeren, ihrer Herkunft oder ihren Neigungen bewertet und behandelt werden.
Schnell wird jemand in eine Schublade gesteckt oder er wird aufgrund von ...

Vordergründig geht es darum, wie Menschen nach ihrem Äußeren, ihrer Herkunft oder ihren Neigungen bewertet und behandelt werden.
Schnell wird jemand in eine Schublade gesteckt oder er wird aufgrund von Vermutungen beurteilt.
In diesem Fall hat dies fatale Folgen.

Und genau das ist für Raymond das Besondere an Millie. Bei ihr hat er das erste Mal das Gefühl als Mensch wahrgenommen und akzeptiert zu werden. Aufgrund ihres Alters hat sie eine enorme Lebenserfahrung und eine ganz eigene Sicht auf die Dinge, was Raymond schwer beeindruckt. Was am Anfang als Nachbarschaftshilfe beginnt, wächst zu einer engen Freundschaft, die nicht jeder nachvollziehen kann, denn schließlich ist Millie 92 und Raymond gerade mal 16 Jahre alt.

Doch Raymond sammelt noch mehr Erfahrungen, als er sich auf die Suche nach Luis Velez macht. Da es einige Männer mit diesem Namen gibt, begegnet er den unterschiedlichsten Menschen. Dieser Abschnitt der Geschichte hat mir besonders gut gefallen.

Mehr als einmal habe ich mich gefragt, was jetzt noch kommt, weil ich eigentlich das Gefühl hatte, dass die Geschichte zu Ende erzählt ist. Doch es waren noch so viele Seiten übrig. Und Catherine Ryan Hyde hat mir gezeigt, dass es doch noch einiges zu erzählen gibt.

Die Story ist abwechslungsreich, tiefgründig und warmherzig und die Autorin hat einige interessante und bewegende Themen eingebunden. Ich habe diese ruhige Geschichte sehr gerne gelesen und ich werde sicher weitere Bücher der Autorin lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2019

Wer bin ich mit meinem Gesicht und meinem Herzen voller Narben?

Sieh mich an
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Die Geschichte der 16jährigen Ava hat mich im ersten Moment an „Wunder“ von Palacio erinnert und doch gibt es einen gravierenden Unterschied, denn Ava war bis vor einem Jahr ein ganz normaler gutaussehender ...

Die Geschichte der 16jährigen Ava hat mich im ersten Moment an „Wunder“ von Palacio erinnert und doch gibt es einen gravierenden Unterschied, denn Ava war bis vor einem Jahr ein ganz normaler gutaussehender Teenager, der mit seiner Familie zusammengelebt hat.

Doch dann gab es ein dramatisches Ereignis, durch welches Ava nicht nur ihr Zuhause und ihre Eltern verloren hat. Ein Großteil Ihrer Haut hat so starke Verbrennungen erlitten, dass ihr Gesicht derart entstellt ist, dass sie ihr eigenes Spiegelbild kaum erträgt.

Die Geschichte beginnt ein Jahr nach dem Unglück, als Avas Haut so weit wiederhergestellt ist, dass sie wieder zur Schule gehen kann. Für sie ist das eine fürchterliche Vorstellung. Wie soll sie mit ihrem Aussehen dort bestehen, wo es von Teenagern nur so wimmelt, die sich selbst und andere hauptsächlich über ihr Aussehen definieren?

Viele von Avas Ängsten sollen sich bewahrheiten, denn wie man sich vorstellen kann, erregt ihre Entstellung Aufsehen und sorgt für Ausgrenzung und Hänseleien. Es ist berührend zu lesen, wie die ersten Tage für sie sind. Wie sollen andere sie akzeptieren, wenn sie sich selbst kaum akzeptieren kann?

Das ganze Ausmaß ihrer Tragödie wird nach und nach in Rückblicken und Erinnerungen klar. Es wird deutlich was für ein starker Mensch Ava ist und wieviel Kraft es sie gekostet hat, ihr Leben trotz all ihrer Verluste weiterzuleben.

Das Erstaunliche ist, dass es mir viel Spaß gemacht hat, diese traurige und berührende Geschichte zu lesen, denn die Autorin schafft es vieles in einem lockeren und fast schon schwarzhumorigen Ton zu schildern, ohne dass die Geschichte dabei ins Lächerliche gezogen wird. Besonders die Dialoge mit Avas neuen Freunden haben mir oft ein Grinsen ins Gesicht gezaubert.

Das Buch ist in genau dem richtigen Ton für Jugendliche geschrieben. Man liest es einfach gerne, weil es gut unterhält, berührt und weil es um ein für Teenager wichtiges Thema geht.

Veröffentlicht am 02.11.2019

Zutiefst menschliche Betrachtung einer Kleinstadt

Wir gegen euch
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In Band 1 war das zentrale Thema die Vergewaltigung eines Mädchens und wie die Bewohner des kleinen Ortes Björnstadt darauf reagiert haben.
Nun geht es damit weiter, was danach geschah in Björnstadt und ...

In Band 1 war das zentrale Thema die Vergewaltigung eines Mädchens und wie die Bewohner des kleinen Ortes Björnstadt darauf reagiert haben.
Nun geht es damit weiter, was danach geschah in Björnstadt und dem Nachbarort Hed und wie sich die Rivalität zwischen zwei Eishockeymannschaften zu einem erbitterten Kampf um Geld, Macht und ums Überleben auswachsen können. Es geht um Eishockey und um die Menschen, deren Herz für diesen Sport schlägt, denn er lässt sie die eigenen Probleme und Existenzängste für die Dauer eines Matches vergessen.

Auch dieses Mal spielt Maya wieder eine Rolle und es wird deutlich, dass manche Verletzungen niemals ganz heilen werden. Man kann nur versuchen sie nicht das ganze Leben bestimmen zu lassen. Und dann ist da natürlich noch der Eishockeyspieler Benji mit dem rebellischen Auftreten und dem verletzlichen Herz. Bisher konnte er erfolgreich verheimlichen, dass er schwul ist, doch es wird schnell klar, dass das nicht mehr lange so bleiben wird und damit werden er und sein Team erneut auf einer unsportlichen Ebene angreifbar.

Fredrik Backman schaut den Menschen direkt ins Herz. Er legt Schicht für Schicht frei und bei jedem kommt das gleiche zum Vorschein, ein Herz, das für etwas schlägt, nur dass es oft ganz unterschiedliche Dinge sind. Es sind viele gute Herzen dabei, doch so manches schlägt neben Eishockey für Gewalt, Macht oder nur für sich selbst und diese machen das Leben in Björnstadt und der Nachbarstadt Hed zu einem gefährlichen Pflaster, besonders für Menschen, die angreifbar und verletzlich sind.
Und so ist Björnstadt zeitweise wie ein Pulverfass, an dem gleich mehrere Lunten brennen und der Autor zeigt schonungslos, wie gemein, hinterhältig und brutal die Menschen sein können und wie gekonnt Politiker mit diesen Stimmungen spielen und dadurch die Wahrnehmung vieler steuern.

Es geht um Freundschaft, Loyalität, Kleinbürgertum, politische Machtspielchen und so einiges mehr, was das Leben in einer Kleinstadt bestimmt, wo jeder jeden kennt und am Ende muss sich so mancher die Frage stellen „Wer bin ich und was ist mir wichtig?“.

Backman beginnt die Geschichte ruhig und lässt sie langsam Fahrt aufnehmen, bis ich mich ihrem Sog nicht mehr entziehen konnte. Die Handlung spitzt sich zu und ich bekam beim Lesen ein ganz mulmiges Gefühl, denn er spielt gekonnt mit den Gefühlen seiner Leser und seiner Figuren.

Nachdem mich Band 1 total begeistert hat, waren die Erwartungen an den Nachfolger natürlich hoch.
„Wir gegen euch“ konnte diese nicht durchgehend erfüllen und es gab ein paar Längen, wenn der Autor ausführlich die Menschen und ihr Handeln seziert. Trotzdem war es wieder ein ganz besonderesLeseerlebnis, das mich berührt und nachdenklich gestimmt hat.

Veröffentlicht am 19.03.2019

Eine dramatische Liebesgeschichte in einer Welt mit besonderen Büchern

Die verborgenen Stimmen der Bücher
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An dieses Buch darf man nicht mit den falschen Erwartungen rangehen. Es hat zwar ein fantastisches Element (das Binden der Bücher) ist aber in meinen Augen eher ein Liebesroman.

Die Geschichte spielt ...

An dieses Buch darf man nicht mit den falschen Erwartungen rangehen. Es hat zwar ein fantastisches Element (das Binden der Bücher) ist aber in meinen Augen eher ein Liebesroman.

Die Geschichte spielt in einer Welt, in der es besondere Bücher gibt, die von vielen Menschen als böse betrachtet werden. Bücher, die echte Erinnerungen von Menschen beinhalten, wozu nur besondere Buchbinder die Fähigkeit haben. Emmett wächst zwar in einfachen Verhältnissen auf dem Land auf, trägt aber diese Fähigkeit in sich und tritt eine Lehre bei der Buchbinderin Seredith an. Ihm ist nicht bewusst, was für ein besonderer Mensch sie ist, bis es zu spät ist und sein Leben erneut komplett auf den Kopf gestellt wird, indem er auf andere Buchbinder und deren Kunden trifft.

Schon nach ein paar Seiten war ich fasziniert von dieser Geschichte und wollte unbedingt mehr erfahren, über diese Welt, in der Bücher böse sein sollen und Buchbinder die Macht haben, Lehrlinge einzufordern.
Ich gehe bewusst nicht näher auf das Binden dieser besonderen Bücher ein, denn das macht einen Teil des Reizes der Geschichte aus, nach und nach zu entdecken, was das genau bedeutet und welche Auswirkungen und Auswüchse dies nach sich zieht.

Immer wenn ein neues ungeheuerliches Detail aufgedeckt wird, ist das Buch sehr spannend. Dann ist die Atmosphäre oft geheimnisvoll und manchmal richtig düster, dramatisch und bedrückend, vor allem wenn es darum geht wie verdorben und grausam ein skrupelloser Mensch sein kann. Hier hat mich die Autorin oft mit ihren tollen Ideen und unerwarteten Wendungen überrascht.

Daneben nimmt die Liebesgeschichte einen Großteil der Handlung ein. Die Autorin gibt ihr die Zeit, sich langsam zu entwickeln. Dadurch gibt es immer wieder sehr ruhige Abschnitte. Doch wer mich kennt, weiß, dass ich ruhige und besondere Geschichten mag, wenn sie gut erzählt sind und es schaffen, mich in ihren Bann zu ziehen. Diesem Roman ist das voll und ganz gelungen.

Fazit: Eine dramatische Liebesgeschichte in einer Welt, in der Erinnerungen in Bücher gebannt werden können.

Veröffentlicht am 15.02.2019

Packende und berührende Geschichte

Sadie
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Die packende Geschichte und der ungewöhnliche Erzählstil haben mich in ihren Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

Es beginnt mit dem Podcast, der nach und nach schildert, wie der Reporter ...

Die packende Geschichte und der ungewöhnliche Erzählstil haben mich in ihren Bann gezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

Es beginnt mit dem Podcast, der nach und nach schildert, wie der Reporter West McCray von Sadies Geschichte und ihrem spurlosen Verschwinden erfährt. Er folgt Sadies Spuren und trifft unterwegs Menschen, die ihr begegnet sind. Diese Gespräche werden im Interview-Stil geschildert, so wie sie später als Podcast gesendet werden.

Parallel dazu springt die Handlung immer wieder direkt zu Sadie und man erfährt aus ihrer Sicht, wie sie sich auf die Suche nach Keith, dem Mörder ihrer 13jährigen Schwester Mattie macht. Mattie war Sadies Lebensinhalt und sie lässt keine Zweifel offen, dass sie Keith töten wird, wenn sie ihn gefunden hat.

Und so steuern die beiden Handlungsebenen im zeitlichen Abstand von fünf Monaten auf das gleiche Ziel zu – jemanden zu finden, der spurlos verschwunden ist.

Die Geschichte, die sich nach und nach vor dem Leser ausbreitet, erzählt u.a. von Sadies schwieriger Kindheit. Sadie wirkt auf den ersten Blick recht rau und ruppig, doch die Liebe zu ihrer Schwester und ihr Stottern lassen sie weicher wirken, als sie selbst zugeben würde.

Immer wieder gibt es Andeutungen, die auf bedrückende und schlimme Geschehen in der Vergangenheit und der Gegenwart hinweisen und die Autorin schafft es spielend, dass diese Andeutungen reichen um in mir die gleiche Wut zu schüren, die auch in Sadie schwelt.

Obwohl mich das Ende überrascht hat und ich zuerst nicht wusste, wie ich damit umgehen soll, finde ich es sehr passend, denn es gibt einfach Themen, zu denen ein weichgespültes Ende nicht passt.

Diese spannende und mitreißende Geschichte hat mich berührt und gefesselt und ich werde sie so schnell nicht vergessen.