Das Schicksal hält sich nicht an Ordnung
Prophezeiungen für JedermannZacharias Easts Leben ist so geordnet und durchstrukturiert, dass man es fast als langweilig bezeichnen könnte. Allerdings mag Zacharias es genau so. Mit seiner Freundin ist von Verlobung bis Bildungsabschlüsse ...
Zacharias Easts Leben ist so geordnet und durchstrukturiert, dass man es fast als langweilig bezeichnen könnte. Allerdings mag Zacharias es genau so. Mit seiner Freundin ist von Verlobung bis Bildungsabschlüsse und späterem Arbeitgeber alles durchgeplant. Bis ihm ein Brief in die Quere kommt. Das Komitee für Prophezeiungen für Jedermann hat ihn auserwählt zum Orakel zu Reisen, seine Prophezeiung zu erhalten und im Anschluss zu erfüllen. Allzu schwer sollte das nicht sein, schließlich sind die Prophezeiungen für Jedermann, können also ohne Magie erfüllt werden. Nur, dass auch Menschen ohne Magie vor echte Herausforderungen gestellt werden können. Und noch bevor Zacharias sich versieht, ist sein wohlgeordnetes Leben einmal auf den Kopf gestellt worden.
Eigentlich fürchten sich Menschen nur vor der Zukunft, weil sie nicht wissen, was sie erwarten wird. Protagonist Zacharias braucht sich vor der Zukunft nicht fürchten, er hat sein Leben bereits genau geplant. Umso ängstlicher reagiert er daher auf die Prophezeiung, die ihn dazu zwingt, anfangs nur stückweise, vom vorgezeichneten Weg abzuweichen. Im Laufe der Geschichte wächst Zacharias allerdings immer mehr an der ihm gestellten Aufgabe, hinterfragt sich und die Gesellschaft und begreift, dass es sich lohnt hinter die Fassade zu schauen. Eigentlich eine klassische Coming-Of-Age Geschichte mit einem Helden, der erst noch einer werden muss. Allerdings sind mit der Erfüllung der Queste noch einige weitere Aspekte verbunden. Das Zusammenleben von Menschen und Magischen, welches nicht wirklich funktioniert, wird ebenso thematisiert, wie Familie, Liebe, Vertrauen und Schicksal, was wiederum mit dem Aspekt der Zeit verknüpft wird.
In Nicole Gozdeks Roman „Prophezeiungen für Jedermann“ ist die Erfüllung der Prophezeiung, auch eine Erfüllung des eigenen Schicksals, wobei die einzelnen Prophezeiungen sich auch gegenseitig kreuzen und beeinflussen können. Die Autorin lässt die Geschichte dabei aus der Sicht eines sympathischen, wenn auch etwas konfusen Hauptcharakters geschehen, dessen Liebenswürdigkeit aber auch seiner Schusseligkeit und tollpatschigem Verhalten zu verdanken ist. Ob Zacharias am Ende zum Helden wird, muss dabei jeder Leser wohl selbst für sich entscheiden. Eines ist der Roman aber definitiv nicht, nämlich vorhersehbar. Obwohl man durchaus Bezüge zum Neuen Testament finden kann, die sich allerdings erst am Ende offenbaren. So oder so steht die Geschichte für gegenseitige Toleranz und macht deutlich, dass man auf das Schicksal keinen Einfluss nehmen kann.