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Veröffentlicht am 05.04.2019

Weil es Missverständnisse gibt...

Weil es Liebe ist
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Holland ist nicht wirklich glücklich mit ihrem Job, wird von ihren Onkels unterstützt und erwartet eigentlich mehr vom Leben. Einziger Lichtblick ist Calvin, wie sie einen Straßenmusiker getauft hat, der ...

Holland ist nicht wirklich glücklich mit ihrem Job, wird von ihren Onkels unterstützt und erwartet eigentlich mehr vom Leben. Einziger Lichtblick ist Calvin, wie sie einen Straßenmusiker getauft hat, der in ihrer Nähe an mehreren Tagen in der Woche in der U-Bahn spielt. Um ihn spielen zu hören, fährt sie extra einen Umweg. Eines Tages unterhält sie sich sogar mit ihm – wird dann von einem anscheinend Obdachlosen angegriffen – und Calvin tut nichts. Er meldet sich nicht mal als Zeuge bei der Polizei, die Holland für selbstmordgefährdet halten. Irgendwas ist faul. Versteckt er sich vor der Polizei? Aber warum? Und dann – so steht es ja schon im Klappentext – ziehen die beiden auch noch zusammen – aber aus völlig unromantischen Gründen.

Natürlich klärt sich recht schnell auf, warum „Calvin“ sich vor der Polizei versteckt und dem kann geholfen werden. Und dass das Zusammenleben zwischen Holland und Calvin sich nicht ganz einfach gestaltet, ist wohl auch allen klar, die wissen, wie solche Geschichten sich entwickeln. Natürlich kommt es später zu romantischen Verwicklungen und natürlich auch zu Missverständnissen und schlussendlich zum erwartbaren Happy End.

Aber bis dahin bleibt es turbulent und unbedingt unterhaltsam.

Das Buch ist wunderbar geschrieben, absolut unterhaltsam und sehr gut zu lesen. Auch wenn natürlich allen klar sein muss, dass sich die beiden am Ende kriegen, ist es keine 08/15-Geschichte.

Ich habe die Lektüre sehr genossen und kann sie weiter empfehlen. Es gab ein paar kleine Fehlerchen, die mir beim Lesen aufgefallen sind und die den Fluss ein klein wenig gestört haben, aber nichts gravierendes.

Das Buch schafft es sicher nicht auf meine Top-10-Liste, aber es war sehr unterhaltsam und als Mal-eben-zwischendurch-lesen-Lektüre unbedingt empfehlenswert.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Von der Sucht nach dem Happy End

Wir sehen uns beim Happy End
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Emilia/ Ella lebt glücklich mit ihrem Verlobten in einem kleinen gemütlichen Haus in Hamburg. Sie managt sein Leben und seinen Haushalt und ist für ihn da. Nebenbei hat sie einen Blog, „Better Endings“, ...

Emilia/ Ella lebt glücklich mit ihrem Verlobten in einem kleinen gemütlichen Haus in Hamburg. Sie managt sein Leben und seinen Haushalt und ist für ihn da. Nebenbei hat sie einen Blog, „Better Endings“, auf dem sie unter anderem alternative Enden für Filme, Bücher und Geschichten postet – alle mit einem Happy End. Sie ist der Überzeugung: „Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.“

Eigentlich eine schöne Vorstellung. Nur leider ist das Leben eben kein Wunschkonzert und es spielt sich nicht nach einem vorgefertigten Skript ab. Das muss auch Ella feststellen, als sie in einem Mantel einen Brief findet, aus dem hervor geht, dass ihr geliebter Verlobter offensichtlich mit einer anderen Frau geschlafen hat und dieser auch noch erzählt hat, dass ihn Ellas Träumereien eigentlich stören. Sie rät ihm, die Hochzeit abzusagen.

Spontan beschließt Ella, das Haus zu verlassen und ihrem Traumprinzen etwas Zeit zu geben, sich zu besinnen, so dass sie doch am Ende ihr Happy End mit ihm bekommen kann. Zuerst kommt die Prüfung, dann das Happy End. Und so nehmen die Dinge ihren Lauf.

Ella ist ein interessanter Charakter. Früh stellt sich heraus, dass sie ihre Happy-End-Sucht irgendwie von ihrer Mutter hat. Wie das genau zusammen hängt, erklärt sich allerdings erst recht spät. Und das finde ich auch gut so. Ella verhält sich manchmal so total daneben, schwindelt, ist übergriffig, bevormundet, hängt sich in Sachen rein, die sie so gar nichts angehen… Das macht sie sogar fast ein bisschen unsympathisch, wenngleich sie das alles gut meint. Aber gut gemeint ist eben selten gut gemacht. Ich fand ihre Handlungen dennoch immer nachvollziehbar und zu Ellas verkorkster Art passend.

Die Geschichte ist in sich stimmig, Ellas Entwicklung gut erzählt, ihre Beweggründe ausreichend spät erklärt und auch die Wendungen, die das Schicksal nimmt, fand ich genau richtig. Ich habe das Buch wirklich gern gelesen und hatte eine schöne Zeit damit. Besonders die Blogeinträge, die immer wieder im Buch auftauchen, haben das ganze sehr schön aufgelockert und Einblick in Ellas Innerstes gegeben.

Fazit: Ein sehr schönes Buch nicht nur für Fans von Happy Ends.

Veröffentlicht am 29.08.2018

Max Heller lässt nicht locker

Tausend Teufel
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Der Krieg ist vorbei, Dresden ist von Sowjets besetzt und es ist mal wieder Winter. Die Verhältnisse haben sich unter der Besatzungsmacht nicht wesentlich verbessert. Ein paar haben von allem zu viel, ...

Der Krieg ist vorbei, Dresden ist von Sowjets besetzt und es ist mal wieder Winter. Die Verhältnisse haben sich unter der Besatzungsmacht nicht wesentlich verbessert. Ein paar haben von allem zu viel, viele haben von allem zu wenig. Und so ist es kein Wunder, dass es zu Verbrechen kommt. Und auch diesmal wird es Max Heller nicht leicht gemacht, in „seinem“ Mordfall zu ermitteln, denn die Sowjets haben die Leichen gleich erst mal abtransportiert und lassen ihn nicht ran. Und dann taucht der Kopf einer noch unbekannten Person auf. Hängen die Morde zusammen? Wer ist der Unbekannte? Wie kann Heller ermitteln, wenn ihm die Hände gebunden sind?

Auch in diesem zweiten Fall bleibt Max Heller sich treu und tritt nicht der Partei bei, sei es um weiter zu kommen, mehr zu essen zu haben oder irgendjemandem damit einen Gefallen zu tun. Die Entnazifizierung geht leider nicht so vonstatten, wie man sich es hätte erhoffen können. Genau, wie erwartet, behaupten die meisten, ja gar keine richtigen Nazis gewesen zu sein, sondern nur aus Bequemlichkeit der Partei beigetreten zu sein und außerdem gibt es zu wenig Leute, um alle Stellen zu besetzen. Und so hat es Max als bekennender Nicht-Nazi und bekennender Nicht-Kommunist wirklich schwer. Außerdem ist seine Vermieterin krank und es gibt keine Antibiotika. Somit hat er auf mehreren Fronten zu kämpfen.

Dem Autor ist es aus meiner Sicht hervorragend gelungen, die Stimmung zu beschreiben. Beim Lesen habe ich förmlich mit gefroren. Kleine Gesten haben es geschafft, die Stimmung noch authentischer zu machen – zum Beispiel wenn Max es kaum schafft, die Augen von einer warmen Tasse Tee seines Gegenübers zu lösen. Der Autor musste nicht schreiben, dass es dem Protagonisten extrem kalt war, er hat es geschafft, das auf einem indirekten Weg deutlich zu machen.

Und trotz aller Umstände hält sich Max nicht für etwas besseres, er schenkt sich nichts, geht sogar mit auf Streife, obwohl ihm sicher die Zehen abfrieren. Gegen alle Widerstände und Knüppel, die ihm in den Weg geworfen werden, versucht er die Morde und die scheinbare Verschwörung dahinter aufzuklären. Er bleibt sich treu und lässt nicht locker. So, wie ich es aus seinem ersten Fall schon kenne.

Fortsetzungen haben es häufig schwer, mit dem Debüt mitzuhalten. Aber aus meiner Sicht ist dem Autor hier wieder ein sehr gutes Buch gelungen. Der Protagonist ist aus dem ersten Teil wieder zu erkennen, die Umstände haben sich geändert, aber er ist, wer er ist, mit allen Konsequenzen. Das mag ihm nicht immer zum Vorteil sein, aber ich hoffe, dass seine Vorgesetzten das in den nächsten Büchern noch zu schätzen lernen.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie es weiter geht und freue mich auf den nächsten Roman von Frank Goldammer über Max Heller.

Kleines Manko: Ein Glossar wäre manchmal hilfreich gewesen.

Veröffentlicht am 01.08.2018

Netter Krimi mit überraschender Auflösung

Die edle Kunst des Mordens
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Clara Annerson ist eine von der Liebe enttäuschte Liebesromanautorin, die sich jetzt umorientieren möchte und jetzt gern Kriminalromane schreiben möchte. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für „ihren“ ...

Clara Annerson ist eine von der Liebe enttäuschte Liebesromanautorin, die sich jetzt umorientieren möchte und jetzt gern Kriminalromane schreiben möchte. Auf der Suche nach einem geeigneten Ort für „ihren“ Mord stolpert sie unverhofft selbst über eine Leiche und wird zu einer modernen und jungen Version von Miss Marple.

Das Buch ist in einem angenehm lockeren Stil geschrieben. Die Figuren sind hübsch gezeichnet und zum Teil ziemlich skurril, aber nicht übertrieben. Leider haben nicht alle Figuren gleich viel Tiefe und ein paar Figuren sind bloße Randerscheinungen, obwohl sie eine größere Rolle zu spielen scheinen.

Clara geht zwar in ihrer Ermittlerrolle auf und findet auch Unterstützung von unerwarteter Seite, aber sie geht zum Teil auch sehr naiv an ihre Ermittlung heran. Wenngleich das zum Teil nachvollziehbar ist, konnte ich manche ihrer Entscheidungen nicht wirklich nachvollziehen. Die vollständige Auflösung des Falls kam für mich ziemlich überraschend, wobei ich einen Teil davon schon sehr früh vermutet hatte. Ganz toll fand ich, wie Clara tatsächlich auf die Lösung des Falls gestoßen ist.

Am Ende blieben leider noch einige Fragen ungeklärt und Randfiguren schienen zum Teil völlig überflüssig eingeführt worden zu sein. Außerdem gab es eine Liebesgeschichte, die nicht unbedingt notwendig gewesen wäre. Ich kann allerdings auch nachvollziehen, dass die Autorin ihrer von der Liebe enttäuschten Protagonistin eine positive Erfahrung beibringen möchte. Hoffentlich gewinnt diese Liebschaft in den nächsten Fällen noch an Bedeutung.

Alles in Allem ein angenehm zu lesender Krimi, der ein wenig an den Stil von Agatha Christie erinnert. Angenehm leicht zu lesen. Hat mich gut unterhalten und passt total in das Genre Cosy Crime.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Charaktere
  • Atmosphäre
  • Lesespaß
Veröffentlicht am 29.10.2017

Glück an Regentagen? - Unglück im Winter

Das Glück an Regentagen
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Das Buch hat seinen Titel von einer Liste, die Maes Mutter gemacht hat, über Sachen, die man an Regentagen machen kann. Diese Tipps sind zu Beginn jedes Kapitels zu lesen und gar nicht mal schlecht. Mae ...

Das Buch hat seinen Titel von einer Liste, die Maes Mutter gemacht hat, über Sachen, die man an Regentagen machen kann. Diese Tipps sind zu Beginn jedes Kapitels zu lesen und gar nicht mal schlecht. Mae hat eine Kopie dieser Liste in ihrem Zuhause hängen, das Original hängt im Inn ihrer Großeltern in Alexandria Bay, bei denen sie aufgewachsen ist, nachdem ihre Eltern bei einem Unglück im Winter/ beginnenden Frühling ums Leben gekommen waren.
Doch das ist nicht der einzige Verlust, den Mae verkraften muss. Auch ihr Jugendfreund/ ihre Jugendliebe Gabe ist damals einfach irgendwann wortlos verschwunden. Und jetzt, im Erwachsenenalter, flieht ihr Verlobter vor ihr bzw. der Polizei, weil er sein eigenes Unternehmen betrogen und Gelder veruntreut hat.
Auch Gabe muss gleich zu Beginn des Buches eine Trennung erleben. Seine Frau behauptet, er habe sowieso immer nur Mae geliebt und verlässt ihn deshalb.
Und so kommen beide wieder zurück nach Alexandria Bay. Doch Alexandria Bay ist nicht mehr das, was Mae erwartet hat, wo sie sich immer geborgen gefühlt hat. Geheimnisse treten ans Licht, die die Vergangenheit in ein neues Licht rücken und die Zukunft für immer verändern.

Das Cover hatte mich sofort angesprochen. Titel und Klappentext fand ich super. Das Titelbild ist superromantisch und passte toll in die Zeit, in der ich das Buch gelesen habe – goldener Herbst. Nur Regen gibt es auf dem Titelbild keinen. Das fand ich irgendwie etwas irritierend – aber das ist wohl Geschmackssache.
Der Schreibstil ist super. Das Buch las sich unglaublich gut, ich war ziemlich schnell damit durch. Die Geschichte hat ein paar Überraschungen und an ein paar Stellen ein paar Logiklücken und lässt leider auch noch Fragen offen. Das Ende – in Form eines Epilogs – gefällt mir richtig gut und ist irgendwie genau der richtige Abschluss für diese Geschichte.

Irgendwie hat es mir in dem Buch an dem Regen gefehlt, den der Titel vermuten lässt, auch hat es mich ein wenig gestört, dass das Buch eigentlich im Winter spielt, obwohl das Titelbild auf einen Roman im Herbst hindeutet. Trotzdem war es ein gelungener Roman mit ein paar Schwächen.

Fazit: Ein schönes Buch für entspannte Lesestunden, das sich wirklich gut liest, aber nichts, was mir wirklich dauerhaft in Erinnerung bleiben wird.