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Veröffentlicht am 15.04.2019

Einmal Hölle und zurück

Nur wer die Hölle kennt
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Nachdem mir schon der dritte Band der Martinsfehn Krimireihe von Barbara Wendelken wirklich sehr gut gefallen hat, war ich auf den neuen Krimi sehr gespannt - und er hat mich nicht enttäuscht!
Quereinsteiger ...

Nachdem mir schon der dritte Band der Martinsfehn Krimireihe von Barbara Wendelken wirklich sehr gut gefallen hat, war ich auf den neuen Krimi sehr gespannt - und er hat mich nicht enttäuscht!
Quereinsteiger der Reihe sollten kein großes Problem haben. Ich bin selbst erst bei Band 3 eingestiegen und hatte keinerlei Schwierigkeiten.

Die Autorin erzählt die Geschichte auf zwei Zeitebenen. In Rückblenden erfahren wir mehr über die Geschehnisse im Jahre 1997, als sich die 15jährige Melody Matzke heimlich auf die Geburtstagsfeier ihrer Freundin Simone schleicht. Ihre Mutter hat ihr aus einer Laune heraus plötzlich die Teilnahme kurzfristig verweigert. Melody ist sauer und tönt auf der Party mit dem Satz: "Ich wünschte meine Mutter wäre tot" herum. Als sie sich später ziemlich alkoholisiert auf dem Heimweg macht, steht sie vor dem in Vollbrand stehenden Elternhaus. Ihre Mutter und ihr kleiner Halbbruder Michael kommen in den Flammen um, ebenso wie die gleichaltrige Auszubildende Daniela Finke. Ihr Stiefvater Wulf gibt Melody die Schuld und richtet seinen ganzen Hass gegen die ungeliebte Stieftochter, die von der Fürsorge ins Heim gesteckt wird.

Melody ist alleinerziehende Mutter und ist sprichwörtlich - passend zum Buchtitel - durch die Hölle gegangen. Nach 20 Jahren kehrt sie auf Anraten ihrer Psychologin in ihr Heimatdorf Martinsfehn zurück. Doch noch immer schlägt ihr Misstrauen und Hass entgegen und die Gerüchte, dass Melody das Gestüt angezündet hat, halten sich noch immer hartnäckig. Einzig Simone, die in der Zwischenzeit eine erfolgreiche Fotografin geworden ist, heißtihre damalige Schulfreundin willkommen. Sie veranstaltet eine kleine Willkommensparty zu ihrem Geburtstag, bei der sie alle Freunde von früher einlädt. Auch Melodys damaliger Freund Thore Bremer erscheint mit seiner Ehefrau Julia, die alles andere als begeistert ist, dass Melody wieder zurück ist. Während der Feier spricht Simone von einem Enthüllungsroman an dem sie gerade schreibt und der den wahren Brandstifter entlarven soll. Doch dazu kommt es nicht mehr, denn kurz darauf brennt auch Simones Haus bis auf die Grundmauern nieder....
Der Fall von damals wird neu aufgerollt, doch die ermittelnden Polizisten aus dem Jahre 1997 sind bereits in Rente oder haben den Beruf gewechselt. Nola van Heerden und Renke Nordmann werden daraufhin auf den Fall angesetzt...

Der rote Faden des Krimis ist die Brandnacht vor 20 Jahren, die Ausgangspunkt für alle weiteren Verbrechen ist. Die einzelnen Charaktere werden sehr lebendig und mit viel Liebe zum Detail dargestellt. Melody ist auch nach zwanzig Jahre noch immer tief traumatisiert und wünscht sich nichts mehr, als endlich Ruhe und ein normales Leben mit ihrem kleinen Sohn Linus. Simone ist eine egoistische Frau, die gerne im Mittelpunkt steht; Torben ein Mann, der sich seiner Austrahlung bewusst ist und erfolgreich als IT-Fachmann arbeitet; die Eifersucht seiner Frau Julia auf Melody nimmt bald zerstörerische Züge an. Sein Bruder Henning ist manipulativ und Wulf noch immer voller Hass und völlig unbeherrscht. Rosi, die noch immer am Gestüt arbeitet, das neu aufgebaut wurde, ist eine undurchsichtiges "Mannweib", das viel von Pferden, aber nichts von Menschen hält. Nolas Kollege Conrad trinkt zu viel und steht kurz vor dem Zusammenbruch und Renke ist sich seinen Gefühlen gegenüber Nola nicht wirklich sicher. Die privaten Probleme der beiden Ermittler sind ebenfalls Teil des Krimis, nehmen aber nicht zu viel Raum ein.

Voller Spannung und mit immer neuen Wendungen, die mich aufs Glatteis führten, bin ich durch diesen Krimi gerast. Puzzlestück um Puzzlestück wird aufgeklappt, bis man kurz vor dem Ende noch immer nicht wirklich weiß, wer nun hinter allem steckt. Die stetig ansteigende Spannungskurve und die temporeiche Erzählweise tut ihr übriges. Mit einem kleinen Showdown am Schluss und einem stimmigen Ende wollte ich das Buch schon zuklappen....doch ein wirklich grausamer Cliffhanger auf den letzten Seiten hat mich voller Entsetzen zurückgelassen! Ich kann nicht glauben, dass ich nun nicht erfahre was hier weiter passiert (keine Angst der Fall ist abgeschlossen!) und eine halbe Ewigkeit auf den nächsten Band warten muss....Barbara Wendelken, wie konnten sie uns Lesern das nur antun?

Schreibstil:
Der Schreibstil ist rasant und der dichte Plot lädt zu Miträtseln ein. Die kurzen Kapitel lassen einem noch schneller durch das Buch fliegen. Die Spannungskurve steigt stetig an. Die charismatischen Figuren und ihre Emotionen sind großartig und sehr bildhaft dargestellt.

Fazit:
Ein packende Kriminalroman, der mir eine spannende Lesezeit beschert hat. Charismatische Figuren, ein mitreißender und ein dichter Plot, sowie zahlreiche überraschende Wendungen haben mich abolut überzeugt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

Veröffentlicht am 14.04.2019

Die Geschichte eines mutigen Jungen

Niemand weiß, dass du hier bist
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Obwohl ich schon wahnsinnig viel Literatur zum Thema Zweiter Weltkrieg gelesen habe, fehlt mir eindeutig noch viel Wissen, was sich außerhalb Deutschlands und Österreichs zugetragen hat. Deshalb hatte ...

Obwohl ich schon wahnsinnig viel Literatur zum Thema Zweiter Weltkrieg gelesen habe, fehlt mir eindeutig noch viel Wissen, was sich außerhalb Deutschlands und Österreichs zugetragen hat. Deshalb hatte auch "Niemand weiß, dass du hier bist" von Nicoletta Giampietro, ein Roman der in Italien 1942 spielt, viel zu bieten. Obwohl unsere Hauptprotagonist Lorenzo noch ein Junge von anfangs 12 Jahren ist, ist das Buch in meinen Augen kein Jugendbuch.

Lorenzo wächst in Tripolis auf. Libyen ist zu dieser Zeit eine italienische Kolonie. Aufgewachsen unter Anhänger von Mussolini, ist er stolzer Faschist. Als Lorenzo 1942 von seiner Mutter aus Sicherheitsgründen nach Siena zu seinem Nonno und seiner Tante Chiara geschickt wird, denkt er noch an einige Wochen Ferien in der Toskana. Mit der Zeit vermisst Lorenzo seine Heimat und Freunde sehr, vorallem als ihm klar wird, dass seine Mutter ohne ihn nach Tripolis zurückgekehrt ist. Während sein Vater, trotz einer Kriegsverletzung, wieder an der Front kämpfen muss, versucht seine Mutter über einen Verwandten, ihn von dort abzuziehen.
Lorenzo freundet sich mit dem Nachbarjungen Franco an, dessen Familie überzeugte Mussolini-Anhänger sind. Und auch Francos Kusine Ilaria lässt sein Herz schneller schlagen. Doch ein Vorfall in der Schule und die beginnende Freundschaft zum jüdischen Jungen Daniele Neri lassen Lorenzo langsam nachdenklich werden. Als die Deutschen Italien besetzen und in Siena die Juden deportieren, überdenkt Lorenzo seine Einstellung und fällt eine Entscheidung....

Die italienisch-französische Autorin lebt seit 1986 in Deutschland und vermittelt in ihrem tiefgründigen Debütroman viel italienische Zeitgeschichte. Ihr Protagonist Lorenzo muss in den beiden Kriegsjahren schnell erwachsen werden. Seine widerstreitenden Gefühle werden von Nicoletta Giampietro sehr authentisch dargestellt. Der Wandel vom naiven und unbeschwerten Jungen zum Jugendlichen, der der Erwachsenenwelt mit Unglauben gegenübersteht, ist großartig gelungen.

In der Villa kann er sich keinem Menschen anvertrauen. Mit Franco verbindet ihn zwar eine lose Freundschaft, aber das faschistische Elternhaus, besonders Francos Onkel, stehen seiner Familie eher feindlich gegenüber. Einzig die Hausangestellte Cesarina gibt ihm etwas Herzenswärme und Geborgenheit. Seine Tante Chiara beachtet Lorenzo anfangs etwas skeptisch, denn er merkt bald, dass sie nicht auf der Seite von Mussolini steht und immer wieder Heimlichkeiten vor ihm hat. Mit dem jüdischen Arzt Matteo findet Lorenzo eine Männerfigur, zu der er aufschauen und bewundern kann, während sein Nonno eher wortkarg an den ersten großen Krieg zurückdenkt, in dem er mitgekämpft hat. All diese Charaktere sind sehr liebevoll gezeichnet und detailliert beschrieben. Ich hatte alle vor Augen und fieberte mit ihnen mit.

Die Geschichte lässt sich trotz des ernsten Themas leicht lesen. Die Autorin spielt gekonnt mit den Gefühlen der Leser und zeigt auf, wie fanatisch Menschen sein können, ohne näher über die Hintergründe nachzudenken. Gut aufgezeigt wurde auch, wie Kinder schon von klein auf manipuliert und auf "die richtige Spur" gebracht werden. Der Faschismus wird gehuldigt, denn der Duce hat wieder Wohlstand ins Land gebracht. Doch auch Mussolini und seine Anhänger werden zur Marionette und von Hitler regelrecht überrannt. Besonders gut hat mir ein Gedanke von Lorenzo gefallen: "Man kann doch seine Werte nicht wie seine Unterhose wechseln". Dieser Satz spiegelt die Zeit der Kriegsjahre (nicht nur) in Italien wider. Und Lorenzo begibt sich daraufhin selbst in große Gefahr, als er sich vornimmt zu seiner Überzeugung zu stehen und das menschlich Richtige zu tun.

Schreibstil:
Die Autorin schreibt sehr lebendig, berührend und voller Atmosphäre. Die bildhaften Beschreibungen von Siena, das sich als Lazarettstadt bewirbt, um nicht bombardiert zu werden, um nicht nur seine Einwohner, sondern auch die mittelalterlichen Bauten zu schützen, wird authentisch dargestellt.
Das italienische Lebensgefühl ist spürbar, die Zerissenheit von Lorenzo mehr als greifbar.

Fazit:
Die Geschichte eines Jungen, der in Zeiten des Krieges das menschlich Richtige tun will. Ein tiefgründiger Roman, der mich sehr berührt hat und der die Wankelmütigkeit und den Fanatismus der Menschen aufzeigt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 08.04.2019

Für mich das bisher neste Buch der Reihe

Die Salbenmacherin und der Engel des Todes
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Wer bereits die Bücher rund um die Salbenmacherin Olivera kennt, der weiß, dass es sicherlich auch im vieren Band wieder spannend weitergeht. Und wie immer fesselt einem bereits der Prolog von Anfang an ...

Wer bereits die Bücher rund um die Salbenmacherin Olivera kennt, der weiß, dass es sicherlich auch im vieren Band wieder spannend weitergeht. Und wie immer fesselt einem bereits der Prolog von Anfang an an die Seiten.

Wir sind in Nürnberg im Jahre 1409. Olivera ist hochschwanger und trauert um ihre geliebte Großmutter in Konstantinopel. Um sich abzulenken, arbeitet sie noch mehr als zuvor im Heilig-Geist-Spital. Hier kümmert sie sich nicht nur um reiche Kranke, sondern vorallem um die Armen in der Siechenstube. Gerlind ist in der Zwischenzeit zu ihrer Freundin geworden und geht ihr im Spital zur Hand. Das Mädchen beobachtet während der Nacht einige seltsame Vorgänge, traut sich aber nicht ihre Beobachtungen kundzutun. Götz versucht in der Zwischenzeit um ein Aufnahme in den Größeren Rat. Doch zu seinen Mitbewerbern gehört auch der Medicus. Olivera ist ihm schon lange ein Dorn im Auge. Der ehemalige Straßenjunge Jona arbeitet in der Apotheke mit, doch Knecht Mathis traut ihm nicht über dem Weg. Als in den Offizien von Olivera eingebrochen wird, fällt der Verdacht sofort auf ihn. Im Heilig-Geist-Spital sterben unterdessen kurz hintereinander ein alter Mann, den Olivera erst behandelt hat, und eine Wöchnerin. Als aufkommt, dass in der letzten Zeit mehrere Frauen, die erst entbunden haben, gestorben sind, wird Olivera vom Spitalmeister als Giftmischerin verdächtigt....

Gewohnt temporeich liest man sich durch die Abenteuer, die Salbenmacherin Olivera zu bestehen hat. Hochschwanger ist sie auf der Flucht, während Götz versucht sie zu entlasten und dabei sich und seine Frau noch tiefer in den Schlamassel zieht. Aber auch Jona und Gerlind sind nicht untätig. Doch wer glaubt schon einer ehemaligen Hure und einem Straßenjungen?

Silvia Stolzenburg nimmt den Leser wieder direkt mit ins Mittelalter, samt dazugehörigen Aberglauben. Besonders interessant waren für mich wieder die damaligen Behandlungsmethoden von allerlei Wehwechen (auch zu dieser Zeit wurde schon nach Mittelchen zur Stärkung der Manneskraft gefragt) oder schweren Verletzungen und Krankheiten. Neben den gewohnten Themen wie Neid, Missgunst, Hab- und Machtgier, nimmt sich die Autorin auch vermehrt um den Wert von Freundschaft und Loyalität an, die besonders Jona und Casper betrifft.

Ich liebe diese Reihe um die Salbenmacherin Olivera und habe das Gefühl, dass sie von Band um Band noch besser wird. Ich freue mich schon auf den kommenden Band.

Schreibstil:
Die lebendige und bildreiche Schreibweise lässt mich jedes Mal wieder im Buch versinken und die Zeit rund um mich herum vergessen. Die Figuren sind lebendig, facettenreich und mit viel Liebe gezeichnet. Die Charaktere sind nicht einfach schwarz-weiß, sondern mitten aus dem Leben gegriffen - mit Ecken und Kanten. Die Kapitel sind eher kurz gehalten. Der Spannungsbogen baut sich laufend auf und bleibt auf einem hohem Niveau. Die historischen Hintergründe sind wie gewohnt sehr gut recherchiert.

Fazit:
Für mich ist "Die Salbenmacherin und der Engel der Todes" der bis jetzt beste Band der Reihe! Spannung von Beginn an, überraschende Wendungen und ein überaus lebendiges Bild dieser Zeit verbinden den Plot zu einem wahren Pageturner! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung! (mit dem Hinweis die Reihe mit Band 1 zu beginnen)

Veröffentlicht am 03.04.2019

Komplexer und sehr spannender Krimi in den Schweizer Alpen

Blutlauenen
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Christof Gasser ist in den letzten zwei Jahren zu meinem Lieblingsautor, wenn es um Krimis geht, avanciert. Der Schweizer Autor schreibt spannend und sehr ausdrucksstark. Sein neuer Krimi ist eindeutig ...

Christof Gasser ist in den letzten zwei Jahren zu meinem Lieblingsautor, wenn es um Krimis geht, avanciert. Der Schweizer Autor schreibt spannend und sehr ausdrucksstark. Sein neuer Krimi ist eindeutig eine große Leseempfehlung!

Cora Johannis, freischaffende Journalistin und alleinerziehende Mutter, die ich bereits in "Schwarzbubenland" kennenlernen durfte, hat ein langes Wochenende nur für sich in Aussicht. Tochter Mila besucht ihren Vater in Argentinien und Sohn Julian lebt großteils schon bei seiner Freundin. Deshalb nimmt sich Cora etwas Recherchearbeit mit nach Hause. Sie soll Informationen über verschwundenes Nazigold einholen. Doch bei einem gemütlichen Kaffee trifft sie zufällig auf ihre ehemalige Jugendfreundin Ludivine. Cora und sie gehörten einst zu einer eingeschworenen Clique und Ludivine möchte genau an diesem Wochenende ihre alten Freunde in das Jagdhaus ihrer Eltern einladen, bevor sie es verkauft. "Lüdi", wie sie damals genannt wurde, konnte Cora nicht ausfindig machen und überredet sie nun spontan mitzukommen, um die alte Clique vollzählig zu machen. Warum also nicht? Cora hat ausnahmweise keine Verpflichtungen und ein bisschen für den Chefredakteur recherchieren wird sicherlich auch möglich sein. Mit dem Heli werden die Wochenendgäste zur Almhütte Blutlauenen geflogen, die sich eher als kleines Chalet erweist. Dem gemütlichen Wochenende und dem Wiedersehen nach Jahrzehnten steht also nichts im Wege. Doch bereits beim Abendessen kommt es zu einer Tragödie und einer der Freunde verstirbt an einem Herzinfarkt. Durch den aufziehenden Schneesturm kann die ehemalige Clique weder Arzt noch Polizei verständigen. Als sich das Wetter immer mehr verschlechtert und der Strom ausfällt, bricht die Verbindung zur Außenwelt total zusammen....und der nächste Tote wird gefunden. Erinnerungen an Agathe Christies "Zehn kleine Negerlein" werden wach....

Bereits im Prologist man völlig gefangen von der Szene, bei der sich eine Frau, die sich in größter Not und in Lebensgefahr befindet und lässt einem sofort in der Geschichte versinken. Danach der Schwenk zum Treffen von Cora und Ludivine und der Beschreibung der einzelnen Figuren. Jeder Gast trägt eine alte Schuld mit sich herum und so richtig sympathisch erscheint hier keiner. Als der zweite Tote zu beklagen ist, beginnen die gegenseitigen Verdächtigungen und Beschuldigungen. Die düstere Atmosphäre in der Jagdhütte, der heulenden Schneesturm und keinerlei Kommunikation zur Außenwelt tun ihr Übriges. Ist der Mörder unter ihnen? Ist es jemand aus der Clique oder der anwesenden Dienstboten? Oder ist es der in der Nähe lebende Einsiedler, der vor Jahren Frau und Kind ermordet hat, und der nun wieder in seiner einsamen Hütte wohnt? Doch wo ist das Motiv?

Der Krimi enthält wahnsinnig viele Spannungsmomente und hat eine beklemmende und sehr düstere Atmosphäre. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Der Autor hat neben den Hauptstrang in der Jagdhütte, noch einen Vergangenheitsstrang eingebaut und stellt zusätzlich dem Leser jedes einzelne Mitglied der damaligen Clique genau vor. So bekommt man einen sehr guten Einblick in die facettenreichen und authentischen Charaktere.
Einzelne Abschnitte, die in kursiver Schrift gehalten sind, blenden zurück in die Vergangenheit und eröffnen so den einen oder anderen Einblick in längst vergessene Zeiten und Taten. Major Spiegelberg, Ludivines Vater, war einst einer der Offiziere, der den Goldtransport begleitet hat, der in den letzten Kriegstagen verschwunden ist. Cora wittert nun doch mehr Stoff für ihre Recherche und begibt sich damit in große Gefahr.

Der Krimi ist vielschichtig und dicht. Der Autor setzt sich auch mit der gar nicht so "neutralen" Schweiz auseinander, wenn es um Geldgeschäfte ging. Genommen wird alles, egal ob von Nazibonzen oder aus dem ehemaligen Besitztümern der Juden. Im Nachwort wird dazu noch etwas mehr über die Rolle der Schweiz während des Krieges erzählt.
Geschickt setzt der Autor falsche Spuren und überrascht am Ende - trotz vieler Spekulationen - mit einem außergewöhnlichem, aber logischen Ende.

Schreibstil:
Christof Gasser schreibt rasant und fesselnd. Der Spannungsbogen ist konstant hoch und der Autor lässt so einiges an Lokalkolorit einfließen. Die detaillierte Beschreibung der Schweizer Landschaft und die bedrohliche Atmosphäre in der Hütte sind großartig dargestellt. Die Charaktere sind vielschichtig und lebendig.

Fazit:
Und wieder hat mich ein Schweizer Krimi absolut überzeugt! "Blutlauenen" ist ein atmosphärischer und komplexer Kriminalroman, der an Spannung so einigen Thriller absolut das Wasser reichen kann. Die facettenreichen Figuren, die düstere und unheimliche Stimmung in der einsamen Jagdhütte, abgeschnitten von der Außenwelt, ließen mich das Buch kaum aus der Hand legen. Ein absoluter Pageturner und eine Empfehlung für jeden Krimileser!

Veröffentlicht am 06.03.2019

Tolles Finale der großartigen Trilogie

Gut Greifenau - Morgenröte
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Der dritte und letzte Band, rund um die Grafenfamilie von Auwitz-Aaarhayn und ihren Dienstboten, ist der krönende Abschluss einer Trilogie, die mich absolut überzeugen konnte!
Nachdem der zweite Band am ...

Der dritte und letzte Band, rund um die Grafenfamilie von Auwitz-Aaarhayn und ihren Dienstboten, ist der krönende Abschluss einer Trilogie, die mich absolut überzeugen konnte!
Nachdem der zweite Band am Ende einen schlimmen Cliffhanger hatte, war ich mehr als gespannt, wie es weitergehen wird. Gott sei Dank hat uns die Autorin nicht so lange mit den Folgebänden warten lassen, wie es sonst meistens üblich ist.

Der Krieg neigt sich langsam dem Ende zu. Die Menschen hungern und die Revolution in Russland scheint auch auf Deutschland überzuschwappen. Die Grafenfamilie verliert, langsam aber sicher, immer mehr an Einfluss. Die noch vorhandenen Pächter und die Zwangsarbeiter am Gut beginnen zu revoltieren. Die deutschen Soldaten können nicht glauben, dass Deutschland den Krieg verlieren wird. Als auch noch die Spanische Grippe ausbricht, befindet sich Gut Greifenau im Ausnahmezustand. Nur Gräfin Feodora denkt, alles bleibt beim Alten und jeder muss weiterhin nach ihrer Pfeife tanzen. Sie bangt mehr um die Zarenfamilie, als um ihre eigenen Kinder und das Gut, das die Schuldenlast kaum mehr tragen kann. Das neue Gesetz, den 8 Stunden Tag für alle Bediensteten und Arbeitnehmer einzuführen, lässt Grafin Feodora Gift und Galle spucken. Ebenso die Handlungsweisen ihrer beiden "Sorgenkinder" Konstantin und Katharina. Die Ereignisse überschlagen sich und es scheint als würde nach diesem Krieg kein Stein auf den anderen bleiben....

Ich war wieder so intensiv in der Geschichte, dass man alles andere um einem herum vergisst und ausblendet. Verschiedene Perspektiven und Schauplätze lassen die wieder fast 600 Seiten nur so an einem vorbeifliegen. Ich litt und bangte mit den Figuren, egal ob im Parterre bei den Dienstboten oder mit den Grafenkindern. Vorallem Katharina macht in diesem letzten Band eine unglaubliche Wandlung durch. Sie wird erwachsen und weiß, was sie will. Ihre Durchhaltekraft beeindruckte mich vollkommen. Werden Konstatin und Rebecca das Glück finden? Wer wird von den Dienstboten aus dem Krieg zurückkehren? Wird Albert sich zu erkennen geben? Und wird sich das Gut halten können? All das fragt man sich während der spannenden Lektüre und erhält am Ende Antworten auf alle offenen Fragen.

Fazit:
Ich war traurig die liebgewonnenen Figuren nun nach dem Finalband verlassen zu müssen. Selten findet man eine Trilogie, bei der alle drei Bände gleich spannend und hervorragend recherchiert sind. Diese Reihe gehört definitiv zu meinen absoluten Lese-Highlights ever! Absolute Leseempfehlung für alle drei Romane der Trilogie!