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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.08.2018

Spannung pur

Das Haus der Mädchen
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Inhalt: Wegen eines Praktikums mietet Leni sich in Hamburg in einer Villa ein und lernt dort die lebensfrohe Vivien kennen. Doch diese verschwindet ganz plötzlich über Nacht. Leni wird stutzig und begibt ...

Inhalt: Wegen eines Praktikums mietet Leni sich in Hamburg in einer Villa ein und lernt dort die lebensfrohe Vivien kennen. Doch diese verschwindet ganz plötzlich über Nacht. Leni wird stutzig und begibt sich auf die Suche nach ihr.

Der Krankenpfleger Oliver ist nach seiner Spätschicht auf dem Heimweg. An einer roten Ampel steht vor ihm ein weißer Kastenwagen. Plötzlich klatscht dort eine blutige Hand an die Heckscheibe. Der Schock sitzt tief. Oliver folgt dem Wagen und das hat Folgen.

Freddy war einst ein erfolgreicher Geschäftsmann. Nun lebt er auf der Straße und wird von einem Mörder verfolgt, der ihm bestimmt nichts Gutes will. Aber Freddy hat das Verstecken satt und dreht den Spieß um. Doch seine Entdeckungen gehören zu einem größeren Ganzen.

Wertung: Andreas Winkelmann hat hier mal wieder eine spannungsgeladene Geschichte geliefert. Besonders beeindruckend war die Zusammenführung mehrerer Personen, die wenig oder gar nichts miteinander zu tun hatten. Das Schicksal eines jeden Einzelnen ist eine Geschichte für sich mit dramatischen Zügen. Den Bösewicht hat Winkelmann, wie gewohnt, psychologisch hervorgehoben. Krank, brutal und abweichend von jeglicher Norm und Richtlinie.

Von der ersten Seite an kam Spannung auf, die selten abebbte. Zum Ende hin erhöhte Winkelmann die Schlagzahl, sodass einem die Luft wegbleiben kann beim Lesen. Der Schreibstil ist einfach und schnörkellos. Also ein richtiger Pageturner.

Doch hat mir in diesem Werk der Grusel- und Ekelfaktor, den ich sonst bei Winkelmanns Büchern gewohnt bin und liebe, gefehlt. Auch gab es zwei Szenen die so vorhersehbar waren, dass ich regelrecht geschockt war. Dass Herr Winkelmann es besser kann hat er ja bereits mehrfach bewiesen. Von daher gibt es von mir „nur“ ein „sehr gut“ und kein „ausgezeichnet“.

Fazit: Es ist mir immer wieder eine Freude Bücher von diesem Autor zu lesen. Auch dieses Buch hat es wieder geschafft mich zu fesseln. Es ist nicht nur was für Hartgesottene, sondern für alle Liebhaber der Spannungsliteratur. Außerdem für alle Hamburg-Liebhaber. Man erfährt so einiges über die Stadt, Leute und Wasserläufe.

Veröffentlicht am 17.04.2019

intelligent und emanzipiert

Golden Cage. Trau ihm nicht. Trau niemandem. (Golden Cage 1)
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Faye ist eine glücklich verheiratete Frau, deren Mann ein sehr erfolgreiches Unternehmen führt und deren Ehe mit der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Julienne gekrönt wurde. Doch der Schein trügt. Jack ...

Faye ist eine glücklich verheiratete Frau, deren Mann ein sehr erfolgreiches Unternehmen führt und deren Ehe mit der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Julienne gekrönt wurde. Doch der Schein trügt. Jack scheint nur noch für die Firma zu leben und alle Bemühungen von Fayes Seite, ein wenig Aufmerksamkeit von ihm zu bekommen, verlaufen im Sand. Eines Tages erwischt sie ihn mit einer anderen in ihrem Schlafzimmer und wird kurzerhand vor die Tür gesetzt. Nun ist sie absolut mittellos und allein. All ihre Träume und Ziele sind dahin.
Aber ihre enorme Wut verleiht ihr Flügel. Und so erarbeitet sie sich einen absolut vernichtenden Rauchefeldzug gegen Jack und seiner Neuen.

"Golden Cage" befasst sich mit dem Leben reicher Frauen, die von ihren Männern als Vorzeigepüppchen präsentiert werden und zu funktionieren haben. Sie sind eingesperrt in diesem Leben und haben nicht wirklich eine eigene Meinung zu haben. Ihre Verdienste stehen weit hinter dem Licht des Erfolges ihrer Männer und nach einer Trennung gehen sie meist leer aus. Sie werden ausrangiert wie alte Züge und gegen junges Blut ersetzt. Camilla Läckberg verleiht in diesem Roman all diesen Frauen den Mut sich selbst zu gestalten und aus dem Schatten ihrer Männer herauszutreten, den goldenen Käfig zu verlassen.

Das Buch ist in drei Zeitebenen aufgeteilt. Den Rahmen bildet die Gegenwart, in der Faye Gespräche mit einer Polizistin führt. Die erste Unterebene bildet die Zeit ihrer Kindheit. Hier werden die dramatischen Geschehnisse in ihrem Elternhaus dargelegt. In der zweiten Unterebene wird die Zeit vom Umzug nach Stockholm bis hin zur Gegenwart geschildert. Hier geht es hauptsächlich um ihre und Jacks Geschichte.
Die einzelnen Abschnitte haben eine angenehme Länge und der Schreibstil ist einfach und flüssig. Die Spannungskurve baut sich recht langsam auf, aber steigt zum Ende hin extrem an. Gerade das Rahmengeschehen hält die Neugier aufrecht.
Die Figur der Faye wirft öfters Skepsis auf. Verhält sie sich doch recht eigenartig. Und die Äußerungen, dass sie die Dunkelheit hinter sich gelassen hat und jetzt eine Andere sei, lässt einen vermuten, dass sie psychopathisch veranlagt sei. Ursachen für ihr Wesen werden im Laufe des Buches gut nachvollziehbar beschrieben. Schließlich hält man die Protagonisten für eine sehr intelligente und starke Persönlichkeit. Um Faye herum sind starke und schwache Frauen aufgestellt und somit wird jede gesellschaftliche Position dieser beleuchtet. Auch die Wirkung von erfolgreichen und reichen Männern wird glaubhaft realistisch dargestellt. Man erhält beim Lesen den vollen Einblick in das Leben der oberen Gesellschaftsschichten und ist geneigt den Kopf zu schütteln.

Dieses Buch spricht hauptsächlich die weibliche Leserschaft an und fordert zur Emanzipation auf. Es ist erfrischend und intelligent. Also ihr Lieben, Zeigt den Männern, was ne Harke ist!

Veröffentlicht am 14.04.2019

Realitätsbezogene Gruselgeschichte

Nachtangst
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Hexen und Dämonen, gibt es sie wirklich?
Emely scheint an sie zu glauben, denn seit ihr religiös fanatischer Vater ihr immer und immer wieder von ihrer Existenz erzählte als sie klein war, verfolgen diese ...

Hexen und Dämonen, gibt es sie wirklich?
Emely scheint an sie zu glauben, denn seit ihr religiös fanatischer Vater ihr immer und immer wieder von ihrer Existenz erzählte als sie klein war, verfolgen diese sie in ihren Träumen. Auch jetzt noch als erwachsene junge Frau. Nicht nur Nachts fallen diese Träume über sie her und rauben ihr den Schlaf. Nein, als sie nach einem Traumhaften Sommer ihrer Jugend einen harten Schicksalsschlag erlitt, fiel sie in ein tiefes Loch, in dem sich Realität und Traum miteinander vermischten.
Ihr größter Wunsch ist die Stille. Es soll endlich aufhören. Sie möchte endlich "normal" sein. Ihre Suche danach ließ in den Abgrund steigen.

Emely Dark arbeitet in ihrem Debütroman ihre eigene Kindheit und Jugend auf und zeigt dem Leser ihre grausame Vergangenheit. Sie verlieh der Protagonisten ihren Namen. Angefangen von Geschichten aus ihrer Kindheit, als ihre Mutter und sie noch mit ihrem Vater zusammenwohnten, beschreibt sie den Werdegang ihrer Jugend nach der Trennung der Eltern, bis hin zu ihrem 18. Geburtstag. Dabei erzählt sie sehr bildhaft und schaurig die Geschehnisse und Träume, sodass einem beim Lesen eine Gänsehaut nach der anderen jagt. Teilweise sind sie so schaurig, das man innehalten muss und, weil es sich ja auf wahre Begebenheiten bezieht, die Fiktion herausfiltern, was nicht wirklich gelingt. Jemand, der in einem zufriedenen und glücklichen Elternhaus aufgewachsen ist, kann sich diesen Horror, den Emely Dark beschreibt, kaum vorstellen. Höchstens aus einem King-Film.
In dem Buch finden viele Personen einen Platz. Viele sind sehr gut integriert. Aber einige sind recht schwammig und man kann mit ihnen nicht recht was anfangen.
Die Mutter-Kind-Beziehung wirft auch einige Fragen auf, allerdings nahm die Autorin in einer Leserunde zu diesem Buch Stellung, und erklärte, das sie tatsächlich mit ihrer Mutter über einige Dinge nicht reden konnte, da diese selbst negativ geprägt sei in manchen Dingen. Gerade durch diese Erklärung wird einem die Liebe zwischen Mutter und Tochter noch mehr bewusst, als sie eh schon im Roman deutlich wird.
Nicht nur Schrecken und Grusel spielen in dem Buch eine Rolle. Es geht hier auch um Freundschaft, Liebe, exzessives Verhalten, Randgänger, Mobbing und das gesellschaftliche Gebärden. Erschreckend, wo einem ein Riss in der Seele doch hinführen kann und wie Selbstzweifel groß werden. Auch die Gesellschaft ist so geprägt, dass sie sich nur um sich kümmert und lieber als Zuschauer fungiert statt als Retter. Diese Begebenheiten hat die Autorin sehr gut eingebracht.
Zum Spannungsaufbau und zum Schreibstil gibt es nicht viel zu sagen. Die Autorin kann sehr gut mit Wörtern umgehen und das Erzählte zum Leben erwecken. Von der ersten Seite an fesselt das Buch. Es gibt nur minimale Längen, die nicht groß erwähnenswert sind. Das Buch ist in recht kurze Kapitel aufgeteilt, die den Spannungsaufbau noch unterstützen. Dazu hat sie den Verlauf in drei Teile aufgeteilt: "Die Unschuld", "Die Flucht" und "Die Rückkehr". Auch hier ist eine Steigerung erkennbar.

Derzeit schreibt die Autorin bereits an einem neuen, rein fiktionalen Roman. Ich bin schon sehr gespannt, wie tief die Abgründe in dem dann sind. "Nachtangst" ist ein Buch, welches nicht wirklich einem Genre zuzuordnen ist und mag von daher dem einen oder andern Leser eher mit Skepsis versehen. Aber ich rate dieses Buch jedem, der Horror, Thriller, Drama und Young Adult mag. Auch ist es ein wenig schwere Lektüre, die lange .... , sehr lange nachhallt.

Veröffentlicht am 13.04.2019

Sexhotline mal anders

Kaschmirgefühl
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Inhalt: Gottlieb ist einsam und sucht sich Unterhaltung mit einem Anruf bei einer Sexhotline. Dort hat er dann Marie an der Strippe. Gottlieb will keinen Dirtytalk, sondern nur reden. Marie lässt sich ...

Inhalt: Gottlieb ist einsam und sucht sich Unterhaltung mit einem Anruf bei einer Sexhotline. Dort hat er dann Marie an der Strippe. Gottlieb will keinen Dirtytalk, sondern nur reden. Marie lässt sich darauf ein und beide erzählen sich Geschichten aus ihrem Leben Was aber davon ist wahr? Kann man überhaupt etwas von all dem glauben? Und, wo führt das alles hin?

Wertung: Bernhard Aichner versucht sich hier an einer romantischen Liebesgeschichte. Eigentlich ist er ja bekannt für seine spannenden Thriller. Das Buch stellt einen Dialog am Telefon dar und hat auch nur 180 Seiten. Somit ist es eher eine Kurzgeschichte als ein Roman. Seine wunderschöne Aufmachung in Pink und Türkis spricht vor allem das weibliche Publikum an, was wohl auch beabsichtigt war.
Die Geschichte selbst hat einen seichten Spannungsbogen und ist recht humorvoll. Gottlieb ist ein introvertierter Mann, der noch in der elterlichen Wohnung lebt, und Marie ist aufgeweckt und schlagfertig. Eigentlich scheint die Konstellation nicht wirklich zu passen. Auch die Geschichte, die Gottlieb zum Besten gibt scheint absolut überdreht und ihm nicht wirklich zugehörig. Aber am Telefon ist alles erlaubt. Auch flunkern. Das macht Gottlieb nicht gerade sympathisch. Auch Marie bleibt nicht bei der Wahrheit. Doch ihr Auftreten ist selbstbewusst und dominant, sodass man gewillt ist alles zu glauben, was sie sagt.
Der Schreibstil und Aufbau ist wiedermal Aichner typisch. Einfache Sprache, viele leere Seiten, farblich untermalt mit türkisfarbenden Seitenzahlen, großer Zeilenabstand,... Alles, damit der Leser nur so hypnotisiert und mitgerissen wird. Einmal aufgeschlagen, ist es auch schon durchgelesen. Man kann gar nicht anders.

Fazit: Es war eine interessante und lustige Abwechslung. Ein Buch für Zwischendurch. Doch bevorzuge ich seine Thriller. Die sind spannender.

Veröffentlicht am 28.03.2019

Trau dich, es lohnt sich !

Hüter der Angst
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Inhalt: Stell dir vor, du hast ganz arg mit einer Phobie zu kämpfen, die du in einer Therapiegruppe endlich besiegen willst. Dein Therapeut gibt sich alle Mühe dir zu helfen. Doch irgendetwas läuft schief. ...

Inhalt: Stell dir vor, du hast ganz arg mit einer Phobie zu kämpfen, die du in einer Therapiegruppe endlich besiegen willst. Dein Therapeut gibt sich alle Mühe dir zu helfen. Doch irgendetwas läuft schief. Die Gruppe schrumpft zusehends. Es ist die Rede von Selbstmord. Aber warum, im Gottes Namen, nehmen sich die Leute das Leben, indem sie sich ausgerechnet mit ihren Ängsten konfrontieren? Da ist doch was faul! Schon bald wird von Mord geredet. Es gibt Zeugen. Aber auch die sterben plötzlich eigenartige Tode. Schnell steht fest, es muss jemand aus der Gruppe oder aus dem näheren Umfeld sein, der da sein Unwesen treibt. Jeder verdächtigt jeden. Kannst du dich deiner Phobie und der neu hinzugekommenen Angst stellen? Bist du stark genug für dieses Buch?

Wertung: Wieder einmal ist es H.C. Scherf gelungen von der ersten bis zur letzten Seite Spannung aufzubauen und auch zu halten. Mit rasanten Tempo stapeln sich die Opfer und auch die Fragen nach dem Wer und Warum. Hauptkommissar Liebig steht voll unter Strom. Seine Praktikantin Rita hilft mit ihrer Intelligenz und ihrem Ehrgeiz dem doch schon in die Jahre gekommenen Ermittler. Die Kommunikationen zwischen den beiden geben der ganzen Geschichte durch ihren Humoranteil noch einen gewissen Pepp. Ist doch die Aufklärungsarbeit eine ernste und strapaziöse Angelegenheit, so haben sie aber über dies nicht vergessen zu Leben. Rita scheint Liebig ein wenig von ihrer Vitalität zu schenken. Ein tolles Ermittlerpaar. Ich kann mir durchaus weitere Bücher mit den beiden vorstellen.
Der Schreibstil ist sehr angenehm und flüssig. Die Dialoge weisen anfangs eine Disharmonie in der Länge auf, die unrealistisch erscheint, aber das verläuft sich im weiteren Verlauf. Sie werden dynamischer und vitaler. Auch die Kapitellängen sind angenehm und unterstützen den Spannungsaufbau. Durch die kleinen Cliffhanger am Ende eines Kapitels, kommt man gar nicht dazu das Buch aus der Hand zu legen. Man will unbedingt wissen, was dieser zu bedeuten hat. Raffinierte, angewandte Psychologie.
Auch das Thema der Phobien ist ausgesprochen interessant. Man merkt, dass der Autor sich intensiv mit dem Thema beschäftigt hat. Es gibt Phobien in diesem Buch und deren Auswirkungen, von denen ich noch nie gehört habe. So hat mich die eine oder andere Situation echt geschockt und sprachlos gemacht.
Auch das Thema der Transsexualität und ihre gesellschaftliche Stellung wird angesprochen. Auch ein sehr interessantes Thema über das man durchaus diskutieren kann, nachdem man das Buch gelesen hat.

Fazit: Es ist nicht nur ein Buch zum Abtauchen in eine andere Welt, sondern auch zum Nachdenken. Eine Rakete, bepackt mit Spannung und Grauen, die uns entgegengeschickt wird. Also nichts für Softies und Angsthasen.
Ich für meinen Teil, freue mich schon sehr auf das nächste Werk des Autors.