Hat mich nicht überzeugt
Schöneberger SteinigungVicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls ...
Vicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls vor Ort und geben der Polizei nur widerwillig Auskunft. Vicky hat hier weniger Scheu, denn sie kennt den Ermittler, Max Kühn, aus ihrem Schwimmclub.
Vicky kann dann auch noch einen Hinweis auf die Identität des Toten geben. Damit beginnt die schwierige Suche nach dem Täter, denn der Ermordete ist ein schwuler Ex-Priester, der gegen Asylbewerber gehetzt hat.
Wo ist nun der Täter zu finden? Bei den Linken, den Rechten oder den Frommen, denen das Outing des Ex-Priesters die heile Welt zerstört? Oder ist der Mord gar eine Beziehungstat aus Eifersucht? Immerhin hat der Tote seinen Ehemann mehrmals betrogen.
Fragen über Fragen, die sich der Ermittler Max Kühn stellen muss. Wird er die Tat aufklären können?
Meine Meinung:
Als Wienerin bin ich mit den Berliner Verhältnissen ob im Kiez oder der Politik nicht so vertraut. Die vielen unterschiedlichen politischen bzw. weltanschaulichen Gruppierungen, die doch recht militant vorgehen, haben mich ein wenig irritiert. Für Insider ist natürlich alles klar.
Die politische Brisanz ist sehr gut getroffen, das Scheinheilige hier wie dort.
„Ich kämpfe dafür, dass unser Linksstaat wieder ein Rechtsstaat wird, gegen die Islamisierung Europas, gegen den faschistischen Terror der Antifa und gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit, aber wie wird es mir gedankt?“ (Nelly S. 169)
Allerdings ist es mit der Meinungsfreiheit nicht weit her, wenn nur die eigene Meinung als schützenswert gilt.
Interessant ist, wie die verschiedenen Personen miteinander verflochten sind. Da ist zum einen Vicky, die Ehefrau des Arztes Oliver, der durch seine häufige Abwesenheit glänzt, die ehrenamtlich in der Asylunterkunft arbeitet, genauso wie ihre Haushälterin Ingeborg, die plötzlich mit einer Frau zusammenziehen möchte und einen jungen Asylwerber adoptieren will oder die Gruppe rund um Horst Ibarra, dem Ehemann des Ermordeten.
Dann haben wir noch den AfD-Bezirkspolitiker Manni, der nach wie vor bei seiner Mutter lebt und via Social Media gegen Nicht-Deutsche hetzt. Oder Nelly, die auch nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Und nicht zu vergessen, diese Ursula von Übelbach, bei deren Namen schon Argwohn über ihre Gesinnung aufkommt.
Warum allerdings Vickys österreichische Herkunft im Verlagstext so hervorgehoben wird und dann überhaupt keine Rolle spielt, verstehe ich nicht ganz.
Interessant ist auch der Umgang der Ermittler miteinander. Die meisten haben ein recht lockeres Verhältnis zueinander. Das liest man schon aus der manchmal flapsigen Umgangssprache heraus bzw. die Kabbelei zu den täglichen Croissants. Witzig finde ich die Namen für die Vernehmungsräume „Teneriffa“, „La Gomera“ und „Mallorca“ – das gefällt mir!
Der Schreibstil ist gut lesbar. Die Berliner Schnauze von Ingeborg lockert den Krimi auf. Gut auch die Sprüche so mancher Protagonisten „schwuler Homosex“ (S.179/ Ursula beim Verhör) – das ist ein schöner Pleonasmus, schwuler geht’s nimmer.
Ein paar Dinge sind mir ein wenig zu viel: Müssen sich jetzt plötzlich alle als homosexuell outen? Zum einem, Agnes, die Tochter der Übelbach, die vorher kaum in Erscheinung tritt und dann überraschend erscheint, genauso wie Max, der sich mit Felix und Raffael einlässt. Das halte ich für höchst unprofessionell. Immerhin haben beide als Verdächtige in diesem Mordfall gegolten. Nebenbei bemerkt, knutschen die beiden vorher mit Heidi. Und zwischen Max und Vicky hätte ich eigentlich ein leises Knistern verspürt. Hm, das ist mir doch ein bisserl zu viel freie Liebe.
Fazit:
Ein rasanter Krimi, der innerhalb einer Woche spielt und das Leben so mancher Person auf den Kopf stellt. Trotzdem hat mich die Geschichte nicht überzeugt, daher nur 3 Sterne.