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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.04.2019

Hat mich nicht überzeugt

Schöneberger Steinigung
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Vicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls ...

Vicky entdeckt beim Joggen die Leiche eines vorerst unbekannten Mannes. Doch sie ist nicht alleine am Tatort. Mehrere Personen, darunter Hundebesitzer, Asylbewerber und kiffende Jugendliche, sind ebenfalls vor Ort und geben der Polizei nur widerwillig Auskunft. Vicky hat hier weniger Scheu, denn sie kennt den Ermittler, Max Kühn, aus ihrem Schwimmclub.

Vicky kann dann auch noch einen Hinweis auf die Identität des Toten geben. Damit beginnt die schwierige Suche nach dem Täter, denn der Ermordete ist ein schwuler Ex-Priester, der gegen Asylbewerber gehetzt hat.

Wo ist nun der Täter zu finden? Bei den Linken, den Rechten oder den Frommen, denen das Outing des Ex-Priesters die heile Welt zerstört? Oder ist der Mord gar eine Beziehungstat aus Eifersucht? Immerhin hat der Tote seinen Ehemann mehrmals betrogen.

Fragen über Fragen, die sich der Ermittler Max Kühn stellen muss. Wird er die Tat aufklären können?

Meine Meinung:

Als Wienerin bin ich mit den Berliner Verhältnissen ob im Kiez oder der Politik nicht so vertraut. Die vielen unterschiedlichen politischen bzw. weltanschaulichen Gruppierungen, die doch recht militant vorgehen, haben mich ein wenig irritiert. Für Insider ist natürlich alles klar.

Die politische Brisanz ist sehr gut getroffen, das Scheinheilige hier wie dort.

„Ich kämpfe dafür, dass unser Linksstaat wieder ein Rechtsstaat wird, gegen die Islamisierung Europas, gegen den faschistischen Terror der Antifa und gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit, aber wie wird es mir gedankt?“ (Nelly S. 169)

Allerdings ist es mit der Meinungsfreiheit nicht weit her, wenn nur die eigene Meinung als schützenswert gilt.

Interessant ist, wie die verschiedenen Personen miteinander verflochten sind. Da ist zum einen Vicky, die Ehefrau des Arztes Oliver, der durch seine häufige Abwesenheit glänzt, die ehrenamtlich in der Asylunterkunft arbeitet, genauso wie ihre Haushälterin Ingeborg, die plötzlich mit einer Frau zusammenziehen möchte und einen jungen Asylwerber adoptieren will oder die Gruppe rund um Horst Ibarra, dem Ehemann des Ermordeten.

Dann haben wir noch den AfD-Bezirkspolitiker Manni, der nach wie vor bei seiner Mutter lebt und via Social Media gegen Nicht-Deutsche hetzt. Oder Nelly, die auch nicht das ist, was sie vorgibt zu sein. Und nicht zu vergessen, diese Ursula von Übelbach, bei deren Namen schon Argwohn über ihre Gesinnung aufkommt.

Warum allerdings Vickys österreichische Herkunft im Verlagstext so hervorgehoben wird und dann überhaupt keine Rolle spielt, verstehe ich nicht ganz.

Interessant ist auch der Umgang der Ermittler miteinander. Die meisten haben ein recht lockeres Verhältnis zueinander. Das liest man schon aus der manchmal flapsigen Umgangssprache heraus bzw. die Kabbelei zu den täglichen Croissants. Witzig finde ich die Namen für die Vernehmungsräume „Teneriffa“, „La Gomera“ und „Mallorca“ – das gefällt mir!

Der Schreibstil ist gut lesbar. Die Berliner Schnauze von Ingeborg lockert den Krimi auf. Gut auch die Sprüche so mancher Protagonisten „schwuler Homosex“ (S.179/ Ursula beim Verhör) – das ist ein schöner Pleonasmus, schwuler geht’s nimmer.

Ein paar Dinge sind mir ein wenig zu viel: Müssen sich jetzt plötzlich alle als homosexuell outen? Zum einem, Agnes, die Tochter der Übelbach, die vorher kaum in Erscheinung tritt und dann überraschend erscheint, genauso wie Max, der sich mit Felix und Raffael einlässt. Das halte ich für höchst unprofessionell. Immerhin haben beide als Verdächtige in diesem Mordfall gegolten. Nebenbei bemerkt, knutschen die beiden vorher mit Heidi. Und zwischen Max und Vicky hätte ich eigentlich ein leises Knistern verspürt. Hm, das ist mir doch ein bisserl zu viel freie Liebe.

Fazit:

Ein rasanter Krimi, der innerhalb einer Woche spielt und das Leben so mancher Person auf den Kopf stellt. Trotzdem hat mich die Geschichte nicht überzeugt, daher nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 16.04.2019

Hat mich nicht vollends überzeugt

Der Untergang der Welt von gestern
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Anhand von Arthur Schnitzlers Werken und Tagebüchern zeigt Autor Arne Karsten seinen Lesern die letzten Jahre der Donaumonarchie zwischen 1911 und 1919.

Neben Schnitzler steht immer wieder die junge ...

Anhand von Arthur Schnitzlers Werken und Tagebüchern zeigt Autor Arne Karsten seinen Lesern die letzten Jahre der Donaumonarchie zwischen 1911 und 1919.

Neben Schnitzler steht immer wieder die junge Stephanie Bachrach im Fokus des Buches. Wer ist sie nun, die Frau, die Schnitzler viele Zeilen in seinen Tagebüchern wert ist und als Vorlage für einen Charakter in seinen Stücken dient? Eine weitere Liebschaft? Das bleibt ein wenig der Fantasie des Lesers überlassen. Stephanie, Tochter des jüdischen Unternehmers Julius Bachrach und seiner Frau Eugenie, ist zunächst eine reiche Erbin. Nach der Pleite und dem Selbstmord des Vaters 1912, ist sie nun keine gute Partie mehr. Sie versucht ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. Im Ersten Weltkrieg wird sie, so wie viel andere Frauen, eine Krankenschwesternausbildung absolvieren. Anders als viele ihrer gutbürgerlichen bzw. adeligen Kolleginnen wird sie direkt in ein Frontspital verlegt und erlebt dort die Grausamkeit des Krieges. Als sie 1916 notgedrungen den Dienst quittiert, ist sie körperlich und seelisch ein Wrack. 1917 begeht sie Selbstmord.


Meine Meinung:

Leider hat mich dieses Buch nicht vollends überzeugt. Der Titel erinnert deutlich an Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ bzw. an Oswald Spenglers „Untergang des Abendlandes“.

Über die letzten Jahre der Habsburgermonarchie gibt es deutlich profundere Bücher (u.a. z.B. Hannes Leidinger „Untergang der Habsburgermonarchie“). Und über Arthur Schnitzler gibt es mehrere Biografien, die sich mal gut mal besser mit dem Schriftsteller und Lebemann auseinandersetzen („Arthur Schnitzler. Anatom des Fin de Siècles“/Max Haberich oder „Die Schnitzlers“/Jutta Jacobi).

Arne Karsten verzweigt sich, ausgehend von der Person Schnitzler, weit in die politischen und gesellschaftlichen Bereiche des Fin de Siècles. Er beleuchtet die erhitzte Situation am Balkan, die Begehrlichkeiten des Zarenreiches ebendort mehr Einfluss zu gewinnen nachdem das Osmanische Reich dahinschwächelt. Wir begegnen den unterschiedlichen Personen und Persönlichkeiten. Vom ermordeten Thronfolger Franz Ferdinand bis hin zu den Kriegstreibern im Generalstab wie Franz Conrad von Hötzendorf oder schriftstellerischen Weggefährten Schnitzlers. Karsten kommt allerdings immer wieder auf Schnitzler und seine Tagebücher zurück, die so etwas wie den „roten Faden“ dieses Buches bilden.

Der Autor lässt Zeitgenossen Freunde Schnitzlers zu Wort kommen und fügt reichlich Zitate aus Schnitzlers Werken ein. Manchmal sind mir die detaillierte Schilderung der Genese eines Werkes und die abgedruckten Auszüge ein wenig zu viel. Da hätte ich mir mehr Zeitgeschichtliches erhofft. Der Antisemitismus, der in Wien zu jener Zeit herrscht, ist gut herausgearbeitet.

Eine angenehme Ergänzung sind die im Anhang aufgeführte Zeittafel und das ausführliche Literaturverzeichnis sowie die teilweisen bislang unbekannten Fotos aus dem Nachlass bzw. Archiv Schnitzlers.

Fazit:

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Autor sich zwischen den beiden Themenwelten „Schnitzler und sein Werk“ und „Ende der Donaumonarchie“ nicht ganz entscheiden konnte und so erweckt der Inhalt das Gefühl „nicht Fisch, nicht Fleisch“ zu sein.
Leider kann ich hier nicht viel mehr wie 3 Sterne vergeben, schade.

Veröffentlicht am 23.03.2019

Hat mich nicht überzeugt

Das kleine Buch: Räuchern mit Kräutern und Harzen
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Klappentext:

Die geheimnisvollen Nächte um den Jahreswechsel heißen tatsächlich Rauchnächte und nicht Raunächte. Denn in diesen Nächten ist es in den ländlichen Gegenden noch Brauch, die Häuser und Wohnungen ...


Klappentext:

Die geheimnisvollen Nächte um den Jahreswechsel heißen tatsächlich Rauchnächte und nicht Raunächte. Denn in diesen Nächten ist es in den ländlichen Gegenden noch Brauch, die Häuser und Wohnungen mit duftenden Kräutern und Harzen auszuräuchern, um Glück und Segen für das kommende Jahr zu erbitten. Die Räucherexperten und Biobauern Barbara und Hans Haider gewähren in diesem Buch Einblicke in dieses uralte, bis heute praktizierte Brauchtum.

Das Autorenpaar weiß, worüber es schreibt, wohnen sie ja mit ihren Kindern auf einem Bauernhof. Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Anbau und Verarbeitung von Kräutern.

Das vorliegende Buch aus der Serie „Das kleine Buch“ beginnt mit der Geschichte des Räucherns, welche Unterschiede es zwischen „damals“ und „heute“ gibt.
Neben einer kleinen Kräuterkunde erfährt der Leser einiges über die Besonderheiten von Harzen und deren Verarbeitung.

Allerdings haben die Autoren übersehen, dass der gewöhnliche Leser nicht über das umfassende Wissen verfügt, um diesem Buch wirklich folgen zu können. Warum auch heute noch mit Wacholder geräuchert werden soll, der doch als Abwehr gegen die Pest gilt, verstehe ich nicht ganz. Ein lieb gewonnener Brauch?
Zugegeben, ich habe das Räuchern noch nie erlebt. Vielleicht fehlt mir schlicht und einfach dieses Erlebnis.

Fazit:

Für mich als Großstadtpflanze ist es interessant, über ländliche Bräuche zu lesen. Dennoch hat mich das Buch ein wenig ratlos zurückgelassen. Leider kann ich hier nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 15.03.2019

Mölltaler Kurzgeschichten - eine Anthologie

Mölltaler Geschichten Festival: Begegnungen
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In dieser Anthologie ist das Ergebnis aus dem Mölltaler Geschichten-Festival, das 2018 zum dritten Mal stattgefunden hat, zusammengefasst. Zum Motto „Begeg-nungen“ sind eine Vielzahl von Beiträgen eingesendet ...

In dieser Anthologie ist das Ergebnis aus dem Mölltaler Geschichten-Festival, das 2018 zum dritten Mal stattgefunden hat, zusammengefasst. Zum Motto „Begeg-nungen“ sind eine Vielzahl von Beiträgen eingesendet worden.

In diesen vier Kategorien sind Preise vergeben worden :

• Fachjury-Preis
• Publikums-Jury-Preis
• Mölltaler Preis
• NachwuchsautorInnen Preis

Interessant, wie die Meinungen hier auseinanderklaffen. Zwei Teilnehmer können in zwei (von drei) Kategorien punkten. Zum einen Wolfgang Machreich mit seinem Beitrag „Herr Krickerl trimmt“ und zum anderen Elfriede Rojacher mit „Gefährli-che Begegnungen“.

So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich die Qualität der Beiträge.

Meine Meinung:

Das Spektrum der Einsendungen ist breit gefächert: Vom Schreibanfänger bis hin zum Journalisten.
Ich habe mich mit nur wenigen Beiträgen so richtig anfreunden können. Kurzge-schichten sind irgendwie nicht meins.
Am witzigsten finde ich „Scharmützel in da Mölltalleitn“ von Helmut-Michael Kem-mer. Hier wird die Mentalität der Mölltaler beschrieben, die gerne auf fremde Hilfe verzichten und alles selbst regeln möchten. Auch, wenn es beinahe ins ei-gene oder fremde Auge geht.

Trotzdem halte ich diesen Wettbewerb für eine großartige Idee. Vielleicht entwi-ckelt sich ja doch ein neuer Bestsellerautor aus der Gruppe.


Fazit:

Gut, dass es solche Schreibwettbewerbe gibt. Gerne gebe ich hier 3 Sterne.

Veröffentlicht am 06.03.2019

Hat mich diesmal nicht überzeugt

Mord braucht keine Bühne
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Kate Shakleton wird von einem Pfandleiher, der beraubt wurde, beauftragt, die gestohlenen Pfandstücke wieder zu beschaffen, bzw. den Pfandgebern, mitzuteilen, dass sie ihre Schmuckstücke verspätet auslösen ...

Kate Shakleton wird von einem Pfandleiher, der beraubt wurde, beauftragt, die gestohlenen Pfandstücke wieder zu beschaffen, bzw. den Pfandgebern, mitzuteilen, dass sie ihre Schmuckstücke verspätet auslösen können. Der Auftrag führt sie und den ehemaligen Polizisten Sykes, der nun für sie arbeitet, nach Harrogate. Dort stolpert sie gleich einmal über eine Leiche. Doch damit nicht genug. So wird dann Lucy, die Hauptdarstellerin des örtlichen Theaters entführt. Lucys Großvater, ein Veteran des Burenkrieges bittet Kate, dezente Nachforschungen anzustellen, um seine Enkeltochter wohlbehalten wieder zu bekommen. Was sowohl Sykes als auch Kate stutzig macht: Das Mordopfer ist Sponsor des Theaters und scheint Lucys Großvater von früher her zu kennen.


Meine Meinung:

Diesmal bin ich ein wenig zwiegespalten, was die Auflösung des Krimis betrifft. Gleich mehrere Verdächtige ungeschoren davon kommen zu lassen? Da hapert es ein wenig mit meinem Verständnis von Recht und Unrecht.
Die unterschiedlichen Erzählstränge werden zum Schluss gut zusammengeführt. Dennoch bleibt bei mir ein schaler Nachgeschmack zurück.
Gut gefallen haben mir die Schilderungen der historischen Zusam-menhänge in Südafrika. Über die Burenkriege weiß ich einfach zu wenig. Da werde ich ein bisserl recherchieren. Das gefällt mir, dass sich neue interessante Themen eröffnen.

Der Schreibstil ist wieder leicht und locker. Die eine oder andere Schilderung hätte durchaus gestrafft werden können.

Das Auftauchen von Kates Mutter zum Beispiel, wäre meiner Ansicht nach nicht nötig gewesen. Der bringt den Kriminalfall überhaupt nicht weiter.
Das berufliche Zusammenspiel mit Inspektor Charles entwickelt sich recht gut. Hier profitieren beide vom Austausch. Sie kommen sich näher. Dann geht es mir ein wenig zu schnell, obwohl ich es gut finde, dass Kate sich gedanklich langsam von ihrem, im Ersten Weltkrieg verschollenen Ehemann löst.

Fazit:

Dieses zweite Fall von Kate Shakleton hat mich nicht restlos überzeugt, daher kann ich diesmal nur 3 Sterne vergeben.

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