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Veröffentlicht am 23.04.2019

Monatshighlight

Der Horizont der Freiheit
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Ich freue mich jedes Mal, wenn wieder ein neues Buch von Ines Thorn rauskommt. Und als treue Leserin finde ich, dass sie immer wieder noch eine Schippe drauflegen kann. Mit „Der Horizont der Freiheit“ ...

Ich freue mich jedes Mal, wenn wieder ein neues Buch von Ines Thorn rauskommt. Und als treue Leserin finde ich, dass sie immer wieder noch eine Schippe drauflegen kann. Mit „Der Horizont der Freiheit“ hat sie sich erneut und ziemlich heftig in mein Herz geschrieben. Was für ein tolles Buch. Was für ein erfrischend anderer Erzählstil. Charmant, mit einem Augenzwinkern, liebevoll auf die Figuren blickend und klug das Zeitgeschehen reflektierend. Und wieder hat sie eine Frauenfigur ins Leben geschrieben, die ich so schnell nicht vergessen werde. Oder eigentlich sind es ja gleich zwei. Zum einen ist da die Druckersgattin Wilhelmine Pfaff, frisch verwitwet. Zum anderen Henriette Zobel, ihre beste Freundin. Eine Vorkämpferin für die Gleichberechtigung der Frau. Beide mutig und klug. Und dann gibt es noch den netten Nachbarn, den jüdischen Verleger Joseph Rütten, eigentlich ein Hagestolz, der aber schon lange in stürmischer Zuneigung zu Wilhelmine entbrannt ist und der ihr aus einer finanziellen Notlage helfen möchte.

Die Geschichte hat so einige Ebenen. Die der zarten Liebe, die der selbstbewussten Frauen, die ihren Weg in die Selbstbestimmung suchen, die der rebellischen aufklärerischen Autoren, die mutige Verleger und Drucker für ihre Werke brauchen, die der Emanzipation, die Schritt für Schritt voranschreitet.
Ich bin eingetaucht in die Geschichte, wurde berührt von den Charakteren und war fasziniert von den politischen Entwicklungen und historischen Fakten.

Mein Monatshighlight und ein dickes Lob an Ines Thorn. Sie hat mir mit ihrem Buch einige wunderschöne Lesestunden beschwert. Ich lege das Buch jedem wärmstens ans Herzen.

Veröffentlicht am 27.03.2019

Ein Buch wie eine warme Decke

Wir nannten es Freiheit
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Der erste Weltkrieg ist bereits im zweiten Jahr. Immer mehr Männer werden eingezogen und hinterlassen große Lücken in ihren Familien aber auch in der Arbeitswelt. In der Mädchenschule sind bis auf den ...

Der erste Weltkrieg ist bereits im zweiten Jahr. Immer mehr Männer werden eingezogen und hinterlassen große Lücken in ihren Familien aber auch in der Arbeitswelt. In der Mädchenschule sind bis auf den wehruntauglichen Rektor die Lehrer alle an der Front und dadurch werden junge Lehrerinnen wie Lene dringend gebraucht. Umso widersinniger erscheint das Zölibatsgesetz, welches verheirateten Frauen den Lehrberuf verwehrt.

Lene liebt ihren Beruf. Sie möchte den Mädchen das bestmögliche Rüstzeug auf dem Lebensweg mitgeben und ihr Gehalt ist auch dringend nötig, da die Mutter mit ihrem Verdienst als Wäscherin die Mietwohnung und den Unterhalt alleine gar nicht würde bezahlen können. Die junge Frau verliebt sich in Paul, der überraschend als Soldat ins französische Verdun geschickt wird und ihr noch schnell einen Heiratsantrag macht, den sie überglücklich annimmt. Während der Verlobte irgendwo in den Schützengräben liegt, überlegt Lene, was werden soll, wenn Paul zurückkehrt und sie wirklich heiratet. Die Vorstellung, dann nicht mehr Lehrerin sein zu dürfen, behagt ihr ganz und gar nicht und mit ihren Kolleginnen beschließt sie schließlich, dem Oberbürgermeister der Stadt Schwerin einen Brief zu schreiben und diese gesetzliche Regelung neu zu überdenken.

Es war mein erstes Buch von Silke Schütze. Und ich war von der ersten Seite an begeistert. Lene ist eine liebenswerte, kluge und aufmerksame junge Frau und ihr Engagement als Lehrerin aber auch ihr Mut als Mensch nehmen schnell für sie ein. Glaubhaft und facettenreich wird die damalige Zeit geschildert und das Ensemble rund um die Hauptdarstellerin ist interessant und gibt einen hervorragenden Einblick in die Gesellschaft und die Stimmung damals. Neben dem hervorgehobenen Thema von Gleichberechtigung und beginnender Emanzipation bekommt auch der Krieg und vor allem die Kriegstraumata der heimkehrenden Soldaten Raum und Aufmerksamkeit.

Silke Schütze erzählt auf eine sehr warme und einfühlsame Art ohne je ins Seichte oder Kitschige abzurutschen. Gerade die Liebesszenen sind trotz aller Gefühle sehr wahrhaftig und wunderschön. Trotz der Kriegszeiten und der damit verbundenen schweren Töne kommen aber auch der Humor und die Lebensfreude nicht zu kurz. Gibt es nicht den Spruch: Ein Buch wie eine warme Decke? Genauso ist diese Geschichte und ich bin damit zum absoluten Fan dieser Autorin geworden und werde mir jetzt nach und nach alle anderen Bücher von ihr zulegen. Ich fände es außerdem toll, wenn im Lene-Universum vielleicht noch weitere Bücher folgen würden.

Veröffentlicht am 11.03.2019

faszinierender Genremix

Der Honigbus
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Was für ein tolles Buch. Ich bin noch ganz ausgefüllt vom „Honigbus“, mit dem ich eine so intensive Reise in die Kindheit und Jugend der Autorin Meredith May machen durfte. Es handelt sich um eine Autobiographie. ...

Was für ein tolles Buch. Ich bin noch ganz ausgefüllt vom „Honigbus“, mit dem ich eine so intensive Reise in die Kindheit und Jugend der Autorin Meredith May machen durfte. Es handelt sich um eine Autobiographie. Aber darin steckt so viel mehr. Der Titel und das Cover versprechen nicht zu viel, denn es ist auch ein Buch über Bienen. Über diese kleinen gestreiften Insekten, die lange Zeit so unterschätzt und verkannt wurden und die seit einigen Jahren (ungefähr seit der Dokumentarfilm „More than honey“ weltweit für Aufmerksamkeit gesorgt hat) immer mehr Menschen beschäftigen. Erst vor wenigen Wochen ist das Volksbegehren in Bayern „Rettet die Bienen“ mit einem vollen Erfolg zu Ende gegangen.

Die Eltern trennen sich im Streit, als Meredith fünf Jahre ist und mit ihrem jüngeren Bruder und der Mutter zieht sie ins Haus der Großeltern mütterlicherseits. Während die Mutter sich mit einer schweren depressiven Störung die nächsten Jahre in ihrem Schlafzimmer vergräbt und die Kinder in eher ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, wird für die zwei Kinder der Großvater zur wichtigsten Bezugsperson. Der passionierte Hobbyimker erklärt Meredith das Leben durch die Welt der Bienen. Durch ihr emsiges uneigennütziges Streben, ihre Sorge für die Königin und das Überleben des eigenen Bienenstockes, ihr beständiges Wesen und ihre schier unglaublichen Leistungen für sich aber auch für die Pflanzen und die Menschen.

In seinem „ Honigbus“ schleudert er den Honig aus den Bienenwaben und gibt Meredith und ihrem Bruder ein Gefühl von Geborgenheit, welches die psychisch kranke Mutter und die spröde Großmutter ihnen nie geben können. Oberflächlich betrachtet mutet die Kindheit von Meredith traurig und schwer an. Umso faszinierender ist, dass durch die Beschreibungen der Bienenwelt und die daraus resultierenden Erkenntnisse die ganze Geschichte immer einen positiven Grundton beigehält und Meredith eine innere Stärke gewinnt, die auch der Leser spüren kann.

Eine bewegende Familien- und Coming-of-Age-Story und gleichzeitig ein Buch über die Bienen. Man erfährt, wie Bienen duften, wenn sie angreifen, wie sie ihre Brut aufopferungsvoll Pflegen, wie sie als Pfadfinderinnen oder Arbeiterinnen leben. Ein faszinierender Blick in eine Bienenstock und in das Leben von Meredith May.

Veröffentlicht am 04.03.2019

furios

1793
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Der erste auf Deutsch erschienene Krimi von Niklas Natt och Dag spielt im Jahr 1793 in Stockholm. Ein verstümmelter menschlicher Torso wird vom Stadtbüttel Jean Michael Cardell aus dem Kanal gefischt. ...

Der erste auf Deutsch erschienene Krimi von Niklas Natt och Dag spielt im Jahr 1793 in Stockholm. Ein verstümmelter menschlicher Torso wird vom Stadtbüttel Jean Michael Cardell aus dem Kanal gefischt. Die Verletzungen wurden dem Opfer scheinbar über mehrere Monate zugefügt. Der Jurist Cecil Winge beginnt mit Jean Michaels anfangs widerwilliger Hilfe zu ermitteln. Nach und nach wird vor allem in zeitlichen Rückblicken erzählt, wie es zu dem grausamen Mord kam aber auch, wie das zusammengewürfelte Ermittlerduo versucht, den Täter zu fassen.

Ein historischer Krimi muss neben den genreüblichen Bestandteilen immer auch noch ein geschichtlich koloriertes Setting bieten. Gerade diese Vorgabe beherrscht der Autor hervorragend. Ort und Zeit nehmen viel Raum in den Beschreibungen ein und geben ein intensives Bild einer Stadt, die zwischen Dreck und Armut versucht, als Regierungssitz eines Königs und wichtiges Handels- und Machtzentrum der schwedischen Nation Eindruck zu machen. Dabei spiegeln die beiden Ermittler sehr unterschiedliche Gesellschaftsschichten wieder, wodurch der Einblick sowohl in den Adel als auch den Pöbel erleichtert wird.

Ich war fasziniert von Nat och Dags kraftvollem Erzählstil, der gleichermaßen fesselt wie fordert. Und erfreut durfte ich feststellen, dass das kleine Einmaleins des Kriminalromans perfekt inszeniert wurde. Das Buch ist sehr spannend, der Mordfall wird Stück für Stück erzählt und aufgelöst. Die Motive der Akteure sind stimmig und sehr menschlich. Dabei gibt es dramatische Wendungen und ein Finale, welches ich als furios bezeichnen würde. Nach typisch nordischer Manier ist der Roman teilweise sehr brutal und blutig aber diese Szenen werden nie um ihrer selbst Willen sondern immer zur Erklärung der Umstände und Erhöhung des Suspense eingesetzt.

Eine dicke Leseempfehlung und Schweden hat einen neuen Stern am Krimihimmel.

Veröffentlicht am 01.03.2019

sehr schöne Fortsetzung

Das Gutshaus in der Toskana
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Nahtlos wird im zweiten Band der Toskana-Trilogie „Das Gutshaus in der Toskana“ die Geschichte von Antonella und Marco weitererzählt. Für Fans des ersten Teils ein erfreulicher und genüsslicher Einstieg ...

Nahtlos wird im zweiten Band der Toskana-Trilogie „Das Gutshaus in der Toskana“ die Geschichte von Antonella und Marco weitererzählt. Für Fans des ersten Teils ein erfreulicher und genüsslicher Einstieg denn die ersten 100 Seiten entwickelt sich ein beschauliches und zufriedenes Leben auf einem kleinen Hof im schönsten Landstrich Italiens. Marco betätigt sich als Bauer, pflanzt ein wenig Wein an und versucht seine schlimmen Erlebnisse in Gefangenschaft zu verarbeiten. Antonella wird endlich Köchin in einer kleinen Osteria, findet neue Freunde und bald können sich beide auf ihr erstes gemeinsames Kind freuen. Eitel Sonnenschein, der jäh vernichtet wird, als alte Feinde auftauchen und sowohl Antonellas als auch Marcos Leben bedrohen.

In Karin Seemayers Büchern fühle ich mich einfach wohl. Das liegt zum einen am angenehmen Erzählstil und natürlich an Land und Leuten, die ich aus eigenen Erfahrungen persönlich kenne und liebe. Aber es sind auch die sympathischen Charaktere, denen man schnell nahekommt, und der historische Touch, mit dem die Autorin der Geschichte ein durchaus der Realität nachempfundenes Leben einhaucht. Die Menschen essen Chinghiale und trinken Sangivoese. Beim Lesen läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Marco und Antonella halten in allen Lebenslagen unbedingt zusammen. Das hat mir sehr gefallen. Sie wirken authentisch und man fiebert mit, wie ihr Schicksal sich entwickelt.

Sehr interessant sind auch die politischen Kämpfe, die in Italien damals zu diversen Aufständen und Putschversuchen führten. Ein Thema, welches mir vollkommen unbekannt war und welches hier geschickt erzählt wird.

Ich kann diesen zweiten Band wieder sehr empfehlen und freue mich, dass es noch eine Fortsetzung geben wird, die im gleichen Universum spielt.