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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.04.2019

Herausragend - auch der vierte und leider letzte Teil ganz stark

Die Geschichte des verlorenen Kindes
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Vor der Lektüre dieses Buches waren ja so einige Fragen offen: wie entscheidet sich Elena/Lenu bezüglich der Männer und damit der Umgebung sozialen Schicht, in der ihre Töchter aufwachsen? Wir nähern Sie ...

Vor der Lektüre dieses Buches waren ja so einige Fragen offen: wie entscheidet sich Elena/Lenu bezüglich der Männer und damit der Umgebung sozialen Schicht, in der ihre Töchter aufwachsen? Wir nähern Sie und Lila sich wiederan? Was bedeutet der Titel "das verlorene Kind"? Und wie verschwindet Lila, siehe Prolog des ersten Bandes?
Nachdem der dritte Teil ja sehr (mir persönlich zu) politisch war, geht es hier wieder vorderrangig um zwischenmenschliche Beziehungen. Zunächst zwischen Lenu und ihrem Partner, dann Lenu und ihrer Mutter und schließlich Lenu und Lila. Politik und Weltgeschehen (wie zB der technologische Fortschritt der Computer) werden aufgenommen, doch nicht so zentral. Fast alle Figuren, die die beiden Hauptpersonen seit so viele Seiten bzw Jahren begleiten, tauchen wieder auf - ohne dass es gekünstelt wirkt; Respekt bei dieser Masse an Menschen. (An alle neuen #FerranteFever-Leser: es lohnt sich, sich die Personen und ihre Beziehungen zueinander zu merken) In den über 600 Seiten fand ich so gut wie keine Längen; einige Zeitsprünge hätten für mich wegfallen und die Geschichte gern noch tiefergehende erzählt werden können.
Mich hat wieder der Schreibstil sehr gefallen - mit der Zeit gehend (sowohl im Jahrhundert als auch bezüglich Lenus Alter), auch wenn ich mich mich mit keiner der beiden Hauptpersonen so sehr identifizieren könnte - als Mutter macht man in 2018 wohl einiges anders... dennoch absolut empfehlenswert für alle, die mal wieder ein außergewöhnlich geschriebenes Buch (bzw gleich vier davon) über noch speziellere Freundinnen lesen wollen und dabei auch noch etwas über Neapel und den gesellschaftlichen sowie politischen Wandel in Italien erfahren. Danke an die Autorin sowie die Übersetzerin für die Stunden des Lesevergnügens!

Veröffentlicht am 26.04.2019

Altes Begehren

Alles Begehren
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Mich hat das Buch bereits vor dem Lesen sehr angesprochen, da ich das Cover sehr gelungen finde - und den von mir zuerst falsch gelesenen Titel "Altes Begehren" finde ich nach dem Lesen gar nicht so unpassend... ...

Mich hat das Buch bereits vor dem Lesen sehr angesprochen, da ich das Cover sehr gelungen finde - und den von mir zuerst falsch gelesenen Titel "Altes Begehren" finde ich nach dem Lesen gar nicht so unpassend...

Auch 17Jahre nach ihrer ersten leidenschaftlichen Affäre, die beinahe Cullums Ehe zerstört hätte, hält das Begehren zwischen ihm und Kate an. Aller Vernunft, allen Vorsätzen zum Trotz geben beide ihrem Verlangen nach und können im wahrsten Sinne des Wortes kaum die Finger voneinander lassen. Was hier zunächst nach einer simplen Handlung klingt, wie sie sich auch ein Nicholas Sparks hätte vornehmen können, wird jedoch komplett anders dargestellt und ausgebaut. Im Focus stehen zwar die beiden genannten Personen, aber auch ihr familiäres Umfeld wird bedacht und ich konnte mich meist deutlich besser mit deren Gefühlen und Gedanken identifizieren als denen von Kate, mit der ich immerhin Geschlecht, Alter + Familienstand teile und von daher ja eigentlich ihre Perspektive eher verstehen müsste als die der anderen Personen.

Mir persönlich hat der Schreibstil sehr gefallen und ich war schnell an dem Punkt, an dem ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht und welche Details aus den 17 Jahren noch mit der Zeit preisgegeben werden. Wenn es bei mir beim Lesen unvernünftig spät wird, ist das immer ein Zeichen für ein gutes Buch - und dieses hatte ich an 2-3 Abenden (bzw. Nächten) verschlungen :)

Als lockere Strandlektüre halte ich dieses Buch nicht geeignet, aber für längere Leseabende auf der Couch, wenn man sich wirklich nur für das Buch Zeit nimmt, absolut toll!

Veröffentlicht am 26.04.2019

Roman? Psychothriller? beides!

Der Abgrund in dir
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Ich hab dieses Buch und seinen Inhalt nun ein paar Tage sacken lassen - das Ende (welches ich hier gewiss nicht verraten werde!) musste verdaut werden :) und gewinnt im Nachhinein noch mal, da ich wirklich ...

Ich hab dieses Buch und seinen Inhalt nun ein paar Tage sacken lassen - das Ende (welches ich hier gewiss nicht verraten werde!) musste verdaut werden :) und gewinnt im Nachhinein noch mal, da ich wirklich öfter daran denke; und manchmal sehe ich Parallelen zu dem Verwirr-Spiel in Shutter Island.....

Zum Buch: zuerst geht es gar nicht, wie im Klappentext geschrieben, um Rachel und ihren Mann; sondern um Rachel und ihren Vater. Die Suche nach ihrer Herkunft wirkt eher wie ein Roman. Erst als Brian ein fester Bestandteil ihres Lebens wird, nimmt die Handlung rasant an Fahrt auf plötzlich weiß man so manches Mal gar nicht, was wahr ist und was nicht. Rachel zeigt plötzlich ganz andere Fähigkeiten als man ihr nach der Charakterbeschreibung im ersten Teil zugeschrieben hätte.
Diese Zweiteilung ist für manchen Leser vielleicht schwierig - wer einen Roman erwartet, mag Probleme mit der zweiten Hälfte haben; wer einen (PsychTheiller erwartet, kann sicher mit dem Beginn wenig anfangen... mir hat es, ohne konkrete Erwartungen im Vorhinein, in dieser Mischung gut gefallen.
Ich denke bestimmt noch öfter an dieses Buch!

Veröffentlicht am 26.04.2019

Schleppender Start, dann fesselnd

Worauf wir hoffen
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Die Geschichte und die Konflikte innerhalb einer indisch-stämmigen, muslimischen Familie, die in Kalifornien lebt, werden hier auf eine besondere Art erzählt - die mich nach erst 150 Seiten so richtig ...

Die Geschichte und die Konflikte innerhalb einer indisch-stämmigen, muslimischen Familie, die in Kalifornien lebt, werden hier auf eine besondere Art erzählt - die mich nach erst 150 Seiten so richtig gepackt hat.
Das Ehepaar Laila und Rafik siedelt kurz nach der arrangierten Hochzeit aus dem indischen Hyderabad nach Kalifornien um, wo sie drei Kinder bekommen: Hadia, Huda und Amar. Amars Schwestern sind 3 bzw 4 Jahre älter als er. Die Kinder werden streng nach dem schiitischen Glauben erzogen - eine wirkliche Wahl hat ein 9-jährigem Mädchen ja nicht, wenn es gefragt wird, ob es ein Kopftuch tragen und den Eltern gefallen will oder nicht... entsprechend schwer habe ich mich am Anfang des Buches getan, da mir diese tiefe Gläubigkeit recht fremd ist und ich die diversen spezifischen Begriffe im Buch, die es rund um die Rituale nicht gibt, nicht kenne und hier leider auch keine Erklärungen in Fußnoten oder einem Glossar geliefert wurden.
Dann wird im zweiten der vier Teile des Buches auch noch immer wieder erheblich in den Zeiten gesprungen, was ich zunächst absolut irritierend und unnötig fand - mal war ein Freund gestorben, dann lebte er wieder usw. Doch mit der Zeit kam ich rein und war dann plötzlich sehr gefangen von dem Buch, als die engen Geschwisterbeziehungen differenziert wurden. Die Kinder leben ja im Kalifornien des 21. Jahrhunderts, aber gleichzeitig in der von den Eltern gewählten traditionellen Glaubensgemeinschaft, bei der zB Jungen und Mädchen ab einem gewissen Alter strikt getrennt werden. Entsprechend nah sind sich die drei, aber doch nicht zu 100% loyal - was fatale Auswirkungen hat, wie man erst später erkennt. Die Sicht auf den Vater -und auch auf die Mutter- ändert sich nach dem Lesen des letzten Kapitels und es lässt mich, ebenfalls Mutter, mit einigen Gedanken zurück - denn solch ein „trotz aller Tragik versöhnliches Ende“, wie es im Klappentext heißt, wünscht man sich nicht.
Allen Interessenten an diesem Buch: haltet etwas durch, dann geht es auch bald um die aufgeworfenen Fragen zur Familienkonstellation!

Veröffentlicht am 26.04.2019

600 Seiten purer Lesegenuss

ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL
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Ein beeindruckendes Buch, nicht nur wegen der stolzen Seitenanzahl, sondern vor allem wegen des Inhaltes!!
Ohne die Handlung vorwegzunehmen (denn ich kann jedem nur raten, diesen Roman zu lesen!): der ...

Ein beeindruckendes Buch, nicht nur wegen der stolzen Seitenanzahl, sondern vor allem wegen des Inhaltes!!
Ohne die Handlung vorwegzunehmen (denn ich kann jedem nur raten, diesen Roman zu lesen!): der erfolgreiche Schriftsteller Manuel Ortigosa erfährt kurz vor Vollendung eines Romans vom Tod seines Mannes Álvaro. Der Autounfall soll jedoch nicht Barcelona, wohin Álvaro seiner Aussage nach geschäftlich verreisen musste, stattgefunden haben, sondern in der Nähe seiner Familie, mit der er (angeblich) vor einigen Jahren gebrochen hat. Manuel trauert, ist schockiert, wütend - und will die Wahrheit wissen, da Zweifel an einem unglücklichen Unfall bestehen. Schon diese Beschreibung des emotionalen Wandels -durch die Trauerphasen und beim Aufdecken von Álvaros Geheimnissen- ist bemerkenswert, da man sehr genau mitfühlen kann. Auch die weiteren Hauptpersonen - ein Polizist, ein Pfarrer sowie im weiteren noch die Mitglieder von Álvaros Familie bzw. deren Angestellten- sind sehr gut und vielschichtig charakterisiert und mehr als eine wandelt und entwickelt sich im Laufe des Buches.
Galicien als Handlungsort wird dezent eingeflochten, zB „Seine Augen waren trüb wie der galicische Morgenhimmel. Eine Patina aus matter Traurigkeit nahm Ihnen jeglichen Glanz“
Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und der Spannungsbogen ist perfekt gespannt von der ersten bis zur letzten Zeile - die Wendungen sind nicht vorhersehbar, aber auch nicht absurd konstruiert.
Es ist eines dieser Bücher, bei denen man auf der einen Seite nicht aufhören kann zu lesen, weil sie so gut sind; man aber auf der anderen Seite nicht weiterlesen will, weil das ja zur Folge hat, dass das Buch bald vorbei ist...