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Veröffentlicht am 15.10.2016

Für mich ein Lesehighlight in diesem Jahr

Tage zum Sternepflücken
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Inhalt
Layla absolviert ein Musikstudium und finanziert ihren Lebensunterhalt durch einen HiWi-Job und Musikunterricht. Zeit für die Liebe hat sie nicht, denn auch ihre Familie braucht sie und ihre Unterstützung. ...

Inhalt
Layla absolviert ein Musikstudium und finanziert ihren Lebensunterhalt durch einen HiWi-Job und Musikunterricht. Zeit für die Liebe hat sie nicht, denn auch ihre Familie braucht sie und ihre Unterstützung. Als sie ihren Professor bei der Organisation eines Uni-Musicals behilflich ist, begegnet sie Julius und landet kurz darauf mit ihm im Bett. Am nächsten Morgen eröffnet Julius ihr, dass er eine Freundin hat, doch Gefühle lassen sich nicht einfach so ausschalten.

Protagonisten
Layla hat sich einer privaten Hochschule für Musik für das Fach Saxofon eingeschrieben. Zeitlich ist sie sehr eingespannt, sowohl ihre Jobs, als auch ihre Familie nehmen sie in Anspruch. Sie hatte nie das Bedürfnis, sich im Orchester in den Vordergrund zu drängen und sagt von sich selbst, dass sie dafür zu wenig Rampensau ist. Da sie etwas mollig ist, empfindet sie es als etwas Besonderes, wenn ein Mann sich für sie interessiert. Von Julius ist sie vom ersten Moment an fasziniert.

Julius ist ein gut aussehender Gitarrist, Sänger und Songwriter mit einem eigenen YouTube-Channel. Sein Beziehungsstatus: Es ist kompliziert.

Meine Gedanken zum Buch
Layla strotzt nicht vor Selbstbewusstsein und zweifelt aufgrund einer früheren Beziehung auch an sich selbst. Als Leser müsste man Julius ab dem Moment verachten, in dem er Layla eröffnet, dass er eine Freundin hat. Allerdings hat Kyra Groh ihren Protagonisten auf eine Art in die Geschichte eingeführt, dass mir das sehr schwer gefallen ist. Die Komplikationen, die Julius in seiner Beziehung durchlebt, haben ihr übriges dazu beigetragen, dass er mir sehr sympathisch war. Layla und Julius durchleben ein Wechselbad der Gefühle und die Autorin hat es geschafft, mich emotional mitzunehmen.

Aber die Autorin hat nicht nur die beiden Protagonisten wunderbar herausgearbeitet, sie hat auch allen Nebenfiguren einen ganz eigenen Charakter eingehaucht. Als ich beispielsweise im Klappentext gelesen habe, dass Laylas Mutter Glücksseminare gibt, hatte ich bereits die Schublade „durchgeknallt“ geöffnet, aber hinter dieser Frau steckt so viel, dass ich meine Meinung wieder überdenken musste. Von den Nebendarstellern ist mir besonders Laylas Bruder Nick, ein pubertierender Teenie, ans Herz gewachsen. Da Kyra Groh dieses Buch ihre Bruder gewidmet hat, habe ich mich mehr als einmal gefragt, wie viel von ihrem Bruder in Nick steckt.

Der Schreibstil der Autorin hat mir schon in ihrem Buch „Pinguine leben nur einmal“ sehr gut gefallen, das war auch hier wieder der Fall. Die Geschichte ist humorvoll und unterhaltsam und ist natürlich mit einer ordentlichen Portion Romantik versehen, doch sie regt auch mehr als einmal zum nachdenken an. Das i-Tüpfelchen ist die Musik, die eine nicht unerhebliche Rolle in diesem Roman einnimmt, weil sie im Buch, wie im echten Leben Gefühle und Stimmungen transportiert.

Es gab keinen Zeitpunkt, zu dem ich das Buch freiwillig aus der Hand gelegt hätte. Als ich das Buch beedent habe, habe ich bei Instagram geschrieben, dass ich genau so aufgedreht wie übermüdet die letzte Seite umgeblättert habe und mit einem seeligen Lächeln ins Kopfkissen sinke. Das sagt - denke ich - alles.

Veröffentlicht am 15.10.2016

Das könnte genau so passiert sein

Liebe auf den ersten Chat
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Inhalt
LadyChatterly und MrNiceGuy haben sich über ihre Leidenschaft für Bücher und Filme in einem Internetforum kennengelernt und chatten seither mehr oder weniger regelmäßig miteinander. Aus einer stillen ...

Inhalt
LadyChatterly und MrNiceGuy haben sich über ihre Leidenschaft für Bücher und Filme in einem Internetforum kennengelernt und chatten seither mehr oder weniger regelmäßig miteinander. Aus einer stillen Übereinkunft heraus geben beide nur so viel von sich preis, wie es für ihre tiefe, aber eben virtuelle Freundschaft notwendig ist.

Charlotte, wie LadyChatterly im echten Leben heißt, erhält durch Zufall die Chance, ihren Lieblingsschauspieler Jonas Förster kennenzulernen und stellt fest, dass er trotz seiner Prominenz auf dem Boden geblieben ist und sehr gut auf den Rummel um seine Person verzichten könnte. Die beiden verbringen einen ganzen Tag miteinander und am Ende ist Charlotte sich sicher, dass sie sich verliebt hat, doch was will ein Mann wie Jonas mit einer grauen Maus wie ihr.

Also kehrt sie dorthin zurück, wo sie sich sicher fühlt, in den Chat mit MrNiceGuy, wo die beiden Glück und Leid teilen. Und dann wäre da immer noch das Versprechen „Wenn wir uns jemals richtig verabreden, dann in Paris bei Nacht und im Regen“.

Protagonisten
Charlotte liebt Bücher, sie arbeitet in einer Buchhandlung in München und in ihrer Freizeit liest sie Manuskripte ihrer Kunden, die sie um ihre Meinung bitten. Ihr Bruder ist Autor und ausgestiegen, um unter Obdachlosen für sein neuestes Projekt zu recherchieren. Sie mag die Serien und auch die meisten Filme, die Jonas Förster gedreht hat und gehört seinem Münchner Fanclub an. Im Gegensatz zu den anderen Mitgliedern des Fanclubs ist das für sie aber keine Schwärmerei für den Mann, sondern nur Interesse an dem Schauspieler.

Jonas Förster ist gerne Schauspieler. Aber rote Teppiche sind ihm zu wider und PR-Termine nimmt er nur wahr, weil seine Managerin ihm keine Wahl lässt. Er hat seinen Freundeskreis, trifft sich auch gerne mit diesen Menschen, kämpft aber ständig darum, in der Öffentlichkeit nicht erkannt zu werden. Unter seiner Prominenz leider er eher, als dass sie ihm gut tut. Während seine Eltern nur erahnen, was da in ihm vorgeht, steht seine wesentlich jüngere Schwester ihm zur Seite und begleitet ihn auch zu öffentlichen Auftritten. Jonas Förster ist MrNicyGuy und damit verrate ich kein Geheimnis, denn das erfährt der Leser bereits auf den ersten Seiten. Im Chat kann er er selbst sein und muss sich vor niemandem verstecken, er muss lediglich aufpassen, nicht zuviel über sich zu verraten, damit seine Chatpartnerin nicht doch herausfindet, wer er ist.

Meine Gedanken zum Buch
Wieder einmal konnte mich Barbara Leciejewski überzeugen. Sie hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich auch in diesem Buch in den Bann gezogen hat. Die Autorin hat mich zum Schmunzeln gebracht und mich emotional angesprochen, ich habe in Szenen der Annäherung ein Kribbeln verspürt, genau so wie ich mit Charlotte in einer schlimmen Stunde gelitten habe.

Die beiden Protagonisten konnte ich mir gut vorstellen und die Schauplätze, an denen die beiden sich bewegen, habe ich bildlich vor mir gesehen. Sie konnten mich überzeugen, ihre Handlungen waren authentisch, so dass ich das Gefühl hatte, dass die Geschichte genau so abgelaufen sein könnte

Wenn ich ehrlich bin, hatte ich mit einem anderen Ende gerechnet, Stichwort „Paris bei Nacht und Regen“, doch auch dieses Ende hat mich absolut befriedigt zurück gelassen.

Veröffentlicht am 15.10.2016

Ein wunderbares Buch, das ich nicht aus der Hand legen wollte

Sehnsucht nach Zimtsternen
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Reihe
„Sehnsucht nach Zimtsternen“ ist das dritte Buch aus der „Sternschnuppen“-Reihe von Katrin Koppold, die von den vier Schwestern Mia, Fee, Helga und Lilly handelt. Die Bücher sind in sich abgeschlossen ...

Reihe
„Sehnsucht nach Zimtsternen“ ist das dritte Buch aus der „Sternschnuppen“-Reihe von Katrin Koppold, die von den vier Schwestern Mia, Fee, Helga und Lilly handelt. Die Bücher sind in sich abgeschlossen und können unabhängig voneinander gelesen werden.

Inhalt
Lilly ist glücklich mit Torsten verheiratet, bis der ihr eröffnet, dass er eine Andere hat. Sie igelt sich zuhause ein und ernährt sich zunächst von Süßkram, um anschließend ihrer Backwut zu fröhnen. Beim Essen wird sie gelegentlich von ihrem Untermieter Jakob unterstützt, allerdings nur, wenn er gerade keine Frau zum Vernaschen in Reichweite hat. Ausgerechnet jetzt plant ihre Schwester Helga auch noch ihre Hochzeit, zu der Anton eingeladen sein wird – der Anton, der Lilly mit 15 Jahren das Herz gebrochen hat. Als ob das nicht ausreicht, fällt ihr Vater die Treppe herunter und wird mitsamt Opa bei ihr einquartiert. Nur Günter, der neue Nachbar, bringt etwas Ruhe und Wärme in Lillys Herz.

Protagonistin
Lilly war für mich zunächst nicht die liebenswerte Protagonistin. Auf mich machte sie eher einen negativen Eindruck: eine Frau, die ihren Job aufgibt, um für Mann und Heim da zu sein, die dem Leser gedanklich auch klar mitteilt, dass sie keine Lust auf frühes Aufstehen, nervige Kollegen und unfreundliche Kunden hat, die vom Geld ihres Mannes und in der Wohnung ihrer Schwiegermutter lebt und im Grunde eher ein unzufriedener Mensch ist. Das war Lilly, wie ich sie nach den ersten Seiten gesehen habe.

Doch tatsächlich ist Lilly ein herzensguter Mensch, der für die Familie alles geben würde. Sie wurde vom Schicksal bereits mehr als einmal gebeutelt und steht nach der Trennung von Torsten vor einem Trümmerhaufen. Doch da gibt es auch noch den Spruch ihrer Großmutter, an dem sie sich immer wieder aufrichtet; Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.

Meine Gedanken zur Geschichte
„Sehnsucht nach Zimtsternen“ war für mich ein Wechselbad der Gefühle. Einige Momente haben ein Kribbeln im Bauch verursacht, andere haben mich zum Schmunzeln und Lachen gebracht und wieder andere haben mir die Tränen in die Augen getrieben. Denn Katrin Koppold ist nicht nur eine Meisterin der Romantik und des Wortwitzes, sie bedient sich auch tiefgründiger Themen wie Alkohol- und Tablettenabhängigkeit, Fehlgeburten, Alzheimer und Tod.

Was mir besonders gut gefallen hat war ein Satz von Lilly: Vielleicht braucht man gar nicht immer ein Ziel im Leben. Vielleicht genügt es manchmal einfach nur, den nächsten Schritt zu kennen. (S. 238)

Katrin Koppold lässt in diesem Buch sehr viel Nebenhandlung in den eigentlichen Plot einfließen. Lilly hat mit vier Männern zu kämpfen, mit ihrer eigenen und der Schwieger-Familie, mit dem Versuch, beruflich Fuß zu fassen und wie oben schon beschrieben auch mit Alzheimer und Tod. Nun ist Katrin Koppold aber für mich eine Autorin, deren Bücher ich lese, wenn mir nach einem Happy End ist. Und auch wenn diese Themen nicht nach Happy End klingen, kann ich bestätigen, dadurch, dass Lilly alles Schritt für Schritt angeht, wird jedes einzelne Thema zu einem befriedigenden Ende geführt, was das Buch natürlich viel realistischer wirken lässt, als wenn sich alles in einer rosaroten Wolke auflösen würde.

Was mir nicht so gut gefallen hat!
Es gibt auch einige kritische Punkte, die ich anbringen möchte:

Wenn Lilly und Torsten im real existierenden Bio- und Wellnesshotel Stanglwirt Urlaub machen, dann sollte dieses bitte nicht „in Kitzbühel“ stehen, sondern „in Going“ oder gerne auch „bei Kitzbühel“. Da ich die Region aus Urlauben kenne, bin ich an dieser Kleinigkeit genau so hängen geblieben wie an der Postleitzahl von Starnberg auf der Einladung zur Hochzeit. Die beginnt nämlich mit einer 4 und würde somit nach NRW gehören. Über eine Postleitzahl, die mit einer 8 beginnt, hätte ich einfach weg gelesen, denn die 8 gehört für mich nach Bayern.

Auf der Einladungskarte steht nur Lillys Handynummer, die Rückmeldungen erhält sie aber per eMail und nicht über Handy. Und dann wäre da noch Jakob, der denkt, Lilly wäre nicht bei Facebook angemeldet, obwohl er einen Tag zuvor ihre Freundschaftsanfrage angenommen hat.

Das allerdings ist Kritik auf hohem Niveau, denn es sind nur Kleinigkeiten, über die ich beim Lesen gestolpert bin und die durch viele wundervolle Zitate und Sprüche, wie z.B.

Das wunderbarste Märchen ist das Leben selbst (Hans Christian Andersen)

Niemals an die nächste Straße denken, sondern immer nur an den nächsten Schritt. (Momo, Michael Ende)

Das größte Vermächtnis, das wir unseren Kindern hinterlassen können, sind glückliche Erinnerungen. (aus einer Grußkarte)

längst wett gemacht sind.

Fazit
„Sehnsucht nach Zimtsternen“ ist ein wunderbares Buch, dass ich nicht mehr aus der Hand legen wollte und eines der wenigen Bücher, die ich innerhalb weniger Wochen gleich noch einmal gelesen habe – in diesem Fall zwei Mal innerhalb von drei Wochen .

Veröffentlicht am 13.10.2016

Mehr kann man nicht erwarten

In all den Jahren
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Inhalt
Die Geschichte beginnt im Jahr 1990 als Elsa und Finn sich im Treppenhaus kennen lernen. Nach und nach werden sie zu besten Freunden und verbringen die nächsten zwanzig Jahre miteinander. Manchmal ...

Inhalt
Die Geschichte beginnt im Jahr 1990 als Elsa und Finn sich im Treppenhaus kennen lernen. Nach und nach werden sie zu besten Freunden und verbringen die nächsten zwanzig Jahre miteinander. Manchmal sehen sie sich öfter, manchmal weniger oft, manchmal sind sie Single, manchmal liiert, manchmal wohnen sie Tür an Tür, manchmal sind sie durch einen Ozean getrennt, meist sind sie ein Herz und eine Seele, manchmal zoffen sie sich aber auch ordentlich.

Sie lieben sich – als Freunde – und nicht einmal die eine Nacht, die sie in all den Jahren miteinander verbringen, kann das zerstören, denn als sie am Morgen aufwachen, steht fest, es soll alles bleiben, wie es ist. Aber wie viel Liebe verträgt eine Freundschaft?

Protagonisten
Als Elsa und Finn sich kennenlernen, ist Elsa Mitte 20 und Finn fast 30. Sie ist eine recht unbekannte Synchronsprecherin mit Schauspielausbildung, Finn hat sich als Künstler einen kleinen Namen gemacht.

Ich mochte die beiden vom ersten Moment an sehr gerne, weil sie als absolut liebenswerte Menschen gezeichnet sind. Da die beide eine Entwicklung über einen Zeitraum von zwanzig Jahren durchmachen und über der Leser sie begleitet, hatte ich am Ende das Gefühl, dass nicht nur die beiden Protagonisten sich in- und auswendig kennen, sondern dass sie auch mir sehr vertraut sind

Das Buch lebt natürlich auch von den unterschiedlichen Nebenfiguren: den Freunden David und Maria, Finns Mutter und seinem Bruder mit Familie, Edda, die ältere Dame, die so gern aus ihrem Leben erzählt, Norbert, Elsas väterlicher Freund, aber auch von Elsas Eltern, die sich schon seit Jahren mehr für Freunde und Reisen begeistern können, als für das Leben ihrer Kinder.

Zur Handlung
Der Leser begleitet die beiden Protagonisten über einen Zeitraum von 1990 bis 2010. Das Buch ist so aufgebaut, dass jedes Kapitel einen Zeitraum von einem Jahr einnimmt. Es gibt Jahre, in denen passiert viel, dann sind die Kapitel etwas länger, oder es passiert weniger, dann sind die Kapitel ein wenig kürzer und die Handlung etwas komprimierter.

Im Laufe der zwanzig Jahre lernt der Leser Finns Familie und seine Freunde genauso kennen wie Elsas Familie und Freunde und natürlich erleben wir mit, wie die beiden sich einen gemeinsamen Freundeskreis aufbauen, neue Leute kennen lernen, in Beziehungen hinein- und auch wieder hinausschlittern. Elsa und Finn verstehen sich blind und wissen, was der andere denkt und begleiten sich gegenseitig durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens.

Die Geschichte spielt hauptsächlich in München, aber Elsas Wurzeln liegen in Mannheim, Finns in Schottland und beruflich verschlägt es Elsa durch Deutschland und Finn bis in die USA, so dass auch andere Schauplätze eine Rolle in diesem Buch spielen.

Was mir besonders gut gefallen hat ist, dass die Autorin „echte“ Geschehnisse aus diesen zwanzig Jahren hat in die Geschichte einfließen lassen. Dies fällt gleich zu Beginn auf, als Elsa ihren Lohn in DM berechnet oder als Deutschland 1990 Fußballweltmeister wird, behandelt aber beispielsweise auch den Brandanschlag von Solingen in den 90er Jahren und die Terroranschläge von 2001, sowie weitere Erlebnisse, wie z.B. die WM 2006 in Deutschland.

Meine Meinung zum Buch
Barbara Leciejewski hat mich mitgenommen auf eine Reise, die nicht nur für die Protagonisten eine Berg- und Talfahrt war, sondern auch für mich als Leser. Ich habe mich über so viele wunderbare Momente im Leben von Finn und Elsa gefreut, hatte Tränen in den Augen als jemand starb, der Elsa so wichtig war und habe gelitten, wann immer die beiden Protagonisten sich gestritten haben.

Die Autorin hat es geschafft, ihre beiden Hauptfiguren getreu ihrem Alter weiterzuentwickeln, hat Zeiten übersprungen, wann immer es notwendig war und hat wichtige Zeitpunkte in beider Leben ausführlich beschrieben, ohne, dass ich je das Gefühl hatte, dass die Geschichte langatmig wird.

Ich habe einige Seiten gebraucht, bis ich mich in die Geschichte eingelesen habe, aber danach konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, bis ich um 2 Uhr morgens auf der letzten Seite angekommen bin. Dann habe ich es mit einem tiefen Seufzer zur Seite gelegt und war traurig, dass es schon zu Ende war – und das, wo ich doch nach der Hälfte des Buches kurz darüber nachgedacht habe, was noch alles passieren kann und womit man die kommenden 200 Seiten noch füllen soll.

Fazit
„In all den Jahren“ ist ein ganz außergewöhnliches Buch mit tollen Figuren, das alles anspricht, was einem Menschen im Laufe eines Lebens begegnen kann, Freundschaft, Liebe, Erfolg, Misserfolg, Krankheit, Tod, Fremdenhass, Alzheimer, sogar eine nervige Nachbarin trägt ihren Teil zum Gelingen der Geschichte bei. Ich konnte Schmunzeln, ich habe geweint, ich habe gelitten und ich wurde auf die Folter gespannt. Der Schreibstil von Barbara Leciejewski hat mir das Gefühl gegeben, dass ich noch ewig weiterlesen könnte. Mehr kann man von einem Buch nicht erwarten.

Veröffentlicht am 13.10.2016

Unterhaltsamer Frauenroman

In der Liebe und beim Bügeln ist alles erlaubt
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Inhalt
Victoria hat ihren Heimatort verlassen und ist mittlerweile in der Vorstandsetage einer Bank angekommen. Kontakt zu ihren Mitschülern von früher hat sie keinen mehr und daher findet die Einladung ...

Inhalt
Victoria hat ihren Heimatort verlassen und ist mittlerweile in der Vorstandsetage einer Bank angekommen. Kontakt zu ihren Mitschülern von früher hat sie keinen mehr und daher findet die Einladung zum Klassentreffen auch keine Beachtung.

Ausgerechnet zum Zeitpunkt des Klassentreffens muss sie dann wegen eines Todesfalles doch zu ihrer Mutter fahren. Als sie direkt am Bahnhof auf eine alte Freundin und beim Beerdigungskaffee auf ihren Jugendschwarm Michael trifft, gibt dies den Ausschlag dafür, dass sie kurzfristig doch noch beim Klassentreffen landet.

Michael hat sie in ihrer Jugend nicht wahrgenommen, aber bei Vicky kribbelt es direkt, als sie ihn wieder sieht und auch ihr Schwarm hat plötzlich Augen für sie.

Protagonistin
Dr. Victoria Weinmorgen ist als Quotenfrau in den Vorstand einer Düsseldorfer Bank eingezogen und lebt für ihren Beruf. Nachdem sie von ihrem Verlobten betrogen wurde, hat sie sich von dem Gedanken an eine Familie mehr oder weniger verabschiedet.

Zu ihren engsten Freunden gehören ihr Nachbar Daniel und ihre Kollegin Eva. Ihr Vater ist bereits vor einigen Jahren verstorben und ihre Mutter lebt im Sauerland, den Kontakt halten die beiden über Skype.

Die Protagonistin Vicky war mir sofort sympathisch. Sie ist weder eine typische Karrierefrau noch Single aus Überzeugung, es hat sich bisher einfach so ergeben. Durch das Klassentreffen stellt sie fest, dass es doch den (die) einen oder anderen gegeben hat, mit dem sie sich mehr verbunden fühlte und für den es sich gelohnt hätte, den Kontakt zu halten, was sie künftig auch tun will.

Handlung
„In der Liebe und beim Bügeln ist alles erlaubt“ ist für mich kein typischer Liebesroman. Zwar spielt die Beziehung zwischen Vicky und Michael eine größere Rolle in der Geschichte, doch Sabine Zett geht beispielsweise auch auf das Thema Freundschaften ein. Der Karrierefrau geht auf, dass sie in Düsseldorf vielfach nur oberflächliche Freundschaften pflegt, aber ihre Jugendfreunde mehr oder weniger vergessen hat. Mir hat gut gefallen, wie die Clique sich wiederfindet und auch sofort wieder auf einer Wellenlänge liegt. Gerade das Klassentreffen und das Aufeinandertreffen mit echten Freunden waren Momente, mit denen ich mich sofort identifizieren konnte. Spaß gemacht haben mir auch die teilweise etwas verdrehten Weisheiten die Vickys Zugehfrau zum Besten gibt.

Der Roman ist modern gehalten. Das sieht man nicht nur an der Quotenfrau, die mit ihrer Mutter skyped, sondern beispielsweise auch an den Handy-Fotoalben, die beim Klassentreffen eine wichtige Rolle spielen.

Der Fortgang des Handlungsstrangs um Vickys Mutter war für mich so vorhersehbar, wie das Gefühlschaos, in das Vicky gestürzt wird, was aber der Geschichte keinen Abbruch getan hat. Das Kribbeln eines Liebesromanes hat hier gefehlt, aber da dieses Buch – wie ich oben bereits erwähnt habe – für ich kein typischer Liebesroman ist, hat mir das auch nicht gefehlt. Insgesamt habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt, der Roman war witzig und kurzweilig.

Cover
Das Cover und der Titel sind zunächst erklärungsbedürftig, ergeben sich aber aus dem Buch. Der Titel findet sich in den Sprichwörtern wieder, die Victorias Haushaltshilfe so liebt. Der Elefant steht stellvertretend für Michael, der mit Nachnamen Rüsselberg heißt, was Vicky in ihrer Jugend dazu veranlasst hat, Elefanten in ihre Schulhefte zu malen.

Fazit
Wer auf der Suche nach einem unterhaltsamen Frauenroman ist, dem kann ich dieses Buch empfehlen. Wer allerdings auf die ganz großen Gefühle wartet, der dürfte hier eher enttäuscht werden.