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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.06.2019

Berührender historischer Roman und spannender Ermittlungsfall

Hannah und ihre Brüder
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Elliot Rosenzweig, ein angesehenes Mitglied der Chicagoer Gesellschaft, wird auf einem gesellschaftlichen Event von dem Rentner Ben Solomon mit einer Pistole bedroht, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt. ...

Elliot Rosenzweig, ein angesehenes Mitglied der Chicagoer Gesellschaft, wird auf einem gesellschaftlichen Event von dem Rentner Ben Solomon mit einer Pistole bedroht, die aus dem Zweiten Weltkrieg stammt.
Ben beschuldigt ihn, der Nazi Otto Piontek zu sein und ihn und seine Familie im Krieg in Polen um ihre gesamten Wertsachen gebracht zu haben.

Da es Ben nach Gerechtigkeit dürstet, überzeugt er die Anwältin Catherine Lockhardt und ihren Ermittler, ihm zu helfen und nachzuweisen, dass Elliot Rosenzweig in Wirklichkeit sein Ziehbruder Otto ist.


Meine Meinung:
Das Buch startet erst ein bisschen zurückhaltend, nimmt dann aber deutlich an Fahrt auf, als die Zeit von Ben und seinem Ziehbruder während des Zweiten Weltkriegs thematisiert wird. Besonders die Schilderungen aus der Vergangenheit sind sehr eindringlich und berührend. Auch wenn man sich natürlich im Geschichtsunterricht mit der Zeit und den Verbrechen der Nazis beschäftigt hat, erwachen die Schrecken erst dann richtig zum Leben, wenn man sie anhand der konkreten Schicksale einzelner Menschen nachvollziehen kann.
Dies gelingt diesem Buch auch auf sehr gute – und traurige – Weise.

Auch der Handlungsstrang in der Gegenwart mit der engagierten Anwählten Catherine ist sehr gelungen. Durch ihre Interaktion mit Ben, der sie immer wieder mit seiner Intuition bzw. wie er sagt Inspiration überrascht, entwickelt sie sich selbst auch weiter und merkt, was ihr wirklich wichtig ist im Leben.

Die handelnden Charaktere sind sehr glaubwürdig angelegt und die Handlung hat einen schönen Spannungsbogen.

Einzig der Titel des Buches war für mich nicht sehr passend gewählt; da finde ich „Once We Were Brothers“ wie im englischen Original viel treffender.


Fazit:
Ein sehr gelungener historischer Roman, der mit spannenden Ermittlungen in der Gegenwart recht geschickt verknüpft ist. Wer gerne mehr über die Zeit des Zweiten Weltkriegs lernen möchte, ist hier richtig.

Veröffentlicht am 27.05.2019

Nett zu lesender historischer Roman

Vom Himmel zum Meer
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Agnes, selbst Findelkind und in einem Waisenhaus in Straßburg aufgewachsen, ist nach Hamburg gekommen, wo sie in einem Kinderheim mithilft. Als in der Stadt die Cholera ausbricht, verlässt sie mit der ...

Agnes, selbst Findelkind und in einem Waisenhaus in Straßburg aufgewachsen, ist nach Hamburg gekommen, wo sie in einem Kinderheim mithilft. Als in der Stadt die Cholera ausbricht, verlässt sie mit der Pastorenwitwe Tilly und einem Dutzend Kinder die Stadt und schlägt sich bis in einen kleinen Ort in Norddeutschland durch.
Mit viel Einfallsreichtum gelingt es ihr dort, mit dem Verkauf von Gebäck an Badegäste den Lebensunterhalt für sich und die Kinder zu sichern.
Doch welches Geheimnis verbirgt die Pastorenwitwe?
Und wer ist der nette junge Herr Benjamin, den Agnes am Strand kennenlernt?


Meine Meinung:
Dieser Roman war der erste, den ich von der Autorin gelesen habe. Ich habe erst einmal ein bisschen gebraucht, bis ich mit den handelnden Personen, vor allem Agnes, warm geworden bin. In den harten Zeiten voller Hunger und Elend haben mir die Personen so leidgetan, dass mich der Roman ziemlich heruntergezogen hat.
Dann aber hat mich ihre Entwicklung überzeugt und ich fand Agnes sehr sympathisch. Ihr Einfallsreichtum, ihre Zähigkeit und ihre Stärke haben mich richtig begeistert und ich fand ihren Einsatz wirklich bewundernswert.

Insgesamt zeichnet der Roman ein gutes Bild von der Zeit. Durch die Beschreibung der einzelnen Schicksale kann man sich sehr gut in diese hineinversetzen und sich gut vorstellen, was es – als Frau, als Waisenkind, als … - bedeutet hat in dieser Zeit zu leben.

Das Buch hat einen schönen Spannungsbogen und ist sehr stimmig aufgebaut, so dass auch das Ende sehr glaubwürdig gestaltet ist.
Irgendwie konnte es mich persönlich dennoch nicht ganz packen und fesseln, auch wenn ich nicht ganz genau festmachen kann, woran das liegt.


Fazit:
„Vom Himmel zum Meer“ ist ein sehr gut gemachter historischer Roman, der mich persönlich jedoch emotional nicht ganz erreicht hat.

Veröffentlicht am 06.05.2019

Netter Roman über ein ungewöhnliches junges Paar – mir fehlte jedoch das gewisse Etwas

Glück am Morgen
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Annie kommt aus Brooklyn und ist gerade volljährig geworden, als sie ihr Zuhause verlässt, um ihren Freund Carl (Jurastudent im mittleren Westen) zu heiraten.
Im ersten Jahr ihrer Ehe versuchen die beiden ...

Annie kommt aus Brooklyn und ist gerade volljährig geworden, als sie ihr Zuhause verlässt, um ihren Freund Carl (Jurastudent im mittleren Westen) zu heiraten.
Im ersten Jahr ihrer Ehe versuchen die beiden sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser zu halten, aber oft genug fehlt das Geld für den täglichen Bedarf und sie müssen mit jedem Dollar, jedem Cent sehr haushalten. Nichtsdestotrotz stehen sie zueinander und zu ihrer Beziehung, und Annie schafft es sogar, dass sie in der Universität zu Literaturkursen aufgenommen wird, an denen sie sich sehr erfolgreich beteiligt.


Meine Meinung:
Der kurze Roman umfasst die erste Zeit von Annies und Carls Ehe. Ihr tägliches Leben ist aufgrund von Geldmangel nicht leicht, wie in der Beschreibung durchgängig herauskommt.
Von daher muss man als Leser wirklich Hochachtung vor den beiden haben, wie sie mit harter Arbeit ihren Alltag organisieren und dabei über die Runden kommen.

Die beiden Protagonisten werden (auch in ihren Motiven) glaubwürdig und stimmig dargestellt und man lernt als Leser ihre kleinen Eigenheiten schätzen. Bei Annie war mir z.B. sehr sympathisch, wie sie es schafft, ihre Mitmenschen für sich zu gewinnen, weil sie für jeden ein nettes Wort hat und ihnen aufrichtig zuhört. Vor allem aber ihre Lust am Lesen und Schreiben ist einfach bezaubernd. Ich fand es ganz großartig, mit welcher Hartnäckigkeit sie sich ihrer Leidenschaft widmet, so dass sie schließlich sogar an Literaturkursen an der Universität teilnehmen kann. Umso beachtlicher fand ich dies, weil sie keine klassische Schulbildung genossen und sich vieles selbst oder mit Carls Hilfe beigebracht hat.

Aufgefallen ist mir die ungewöhnlich direkte Schreibweise des Romans, durch die er sehr leicht und schnell zu lesen ist. Auch ist er daher recht eindringlich geschrieben.

Allerdings muss ich einschränkend sagen, dass ich etwas andere Erwartungen an den Roman hatte. Zum einen war ich davon ausgegangen, dass der Roman einen etwas längeren Zeitraum umfassen würde, zum anderen hatte ich mir noch etwas „Besonderes“ erhofft, das mir ggf. länger in Erinnerung bleiben würde. Das Buch hat mich zwar einigermaßen gut unterhalten, aber es hat mich nicht so berührt oder bewegt, wie ich es erwartet hatte. Es plätschert manchmal doch sehr stark dahin, weil es eben nur vom Alltag der beiden jung Verheirateten berichtet.
Auch eine Verbindung des Inhalts zum – schönen – Titel „Glück am Morgen“ fehlte mir.


Fazit:
„Glück am Morgen“ ist ein gut zu lesendes Werk, das jedoch meine (hohen) Erwartungen nicht ganz erfüllen konnte. Ich hätte mir noch etwas mehr gewünscht, was mich auch über die Lesezeit hinaus bewegt und beschäftigt.

Veröffentlicht am 30.04.2019

Gut erzählte melancholische Geschichte über zwei sehr verschiedene Halbschwestern

Gelateria Paradiso
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Francesca und Susanne sind beide Anfang 50, als sie zufällig aufeinandertreffen. Die Flugbegleiterin Francesca braucht dringend Geld und möchte daher die alten noch eingelagerten Möbel aus dem Eiscafé ...

Francesca und Susanne sind beide Anfang 50, als sie zufällig aufeinandertreffen. Die Flugbegleiterin Francesca braucht dringend Geld und möchte daher die alten noch eingelagerten Möbel aus dem Eiscafé ihrer Eltern verkaufen und Susanne wittert als Tischlerin eine interessante Gelegenheit besondere Möbel aufzuarbeiten. Susanne, die bei kaltherzigen Adoptiveltern aufgewachsen ist, staunt nicht schlecht, als sie ein altes Foto von Francescas Vater findet und feststellt, dass sie selbst ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist…
Sind die beiden so unterschiedlichen Frauen tatsächlich Halbschwestern?
Wird es Susanne gelingen, ihre wirklichen Eltern zu finden…?


Meine Meinung:
Der Roman greift ein sehr interessantes und vielschichtiges Thema auf und hat mir gut gefallen, da ich Familien- und besonders Generationengeschichten sehr mag. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen erzählt, so dass man als Leser(in) ein rundes Bild bekommt. Auch dies fand ich sehr gelungen.
Dank der stimmig konzipierten Figuren kann man die Motive der handelnden Personen gut nachvollziehen, auch wenn mir nicht unbedingt alle Personen direkt von Anfang an sympathisch waren…
Die Geschichte an sich hat mich oft traurig gestimmt, denn sie ist teilweise sehr melancholisch und handelt von verpassten Chancen. (Man sollte sich nicht von einem vermeintlich bunten Cover täuschen lassen und meinen, es ginge um Dolce Vita o.ä.).

Besonders gelungen fand ich die Tatsache, dass viele Elemente der Geschichte auf wahren Begebenheiten beruhen. Daher haben mich die Schicksale der Protagonisten nochmal zusätzlich berührt.


Fazit:
Ich habe den neuen Roman von Stefanie Gerstenberger wieder sehr gerne gelesen, da er mich bewegt und berührt hat.

Veröffentlicht am 29.04.2019

Große Erzählkunst, skurrile Roadtripgeschichte

Rückwärtswalzer
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Lorenz ist halbwegs arbeitsloser Schauspieler, in einem etwas fragwürdigen Beziehungsstatus mit seiner Freundin und lebt in Wien, wo auch seine zahlreichen Tanten und sein Onkel leben. Als der Onkel Willi ...

Lorenz ist halbwegs arbeitsloser Schauspieler, in einem etwas fragwürdigen Beziehungsstatus mit seiner Freundin und lebt in Wien, wo auch seine zahlreichen Tanten und sein Onkel leben. Als der Onkel Willi stirbt, brechen Lorenz und die Tanten zu einem abenteuerlichen Roadtrip Richtung Montenegro auf, wo der Onkel immer begraben werden wollte.


Meine Meinung:
Vea Kaiser versteht sich wirklich wie kaum eine andere Autorin aufs Erzählen und Fabulieren. Am Anfang war ich einigermaßen verwirrt aufgrund der skurrilen Ausgangssituation und mir war überhaupt nicht klar, worauf das Buch hinauswill.
Doch im Laufe der Geschichte und durch die abwechselnden (langen) Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven und in verschiedenen zeitlichen Zusammenhängen erzählt werden, ergibt sich im Laufe des Buches ein relativ rundes Bild.
So skurril die Personen auch sind und auch ihre Lebensgeschichte, so liebevoll werden sie von der Autorin gesehen und dargestellt. Sie schreibt mit solcher Wärme über ihre Figuren, dass man sie mit ihren Ecken und Kanten liebgewinnen kann.

Beinahe am besten haben mir die Abschnitte, die in der Vergangenheit spielen und von der Kindheit und Jugend der Tanten und Onkel erzählen. Aber auch der Roadtrip in der Gegenwart legt im Laufe des Romans deutlich an Fahrt zu und wird zum Ende hin wahnsinnig unterhaltsam (wenn auch makaber). Ich musste doch an einigen Stellen schmunzeln oder sogar laut loslachen.

Für mich war es mein erstes Buch von Vea Kaiser, aber ich kann die Einschätzung bezüglich der Erzähl- und Fabulierkunst, sie im Klappentext und in verschiedenen Rezensionen herauskommt, gut nachvollziehen.


Fazit:
Für mich war „Rückwärtswalzer“ ein sehr gut erzählter Roman, in den ich im Laufe der Handlung immer besser reingekommen bin bis hin zu dem sehr stimmigen Ende. Insgesamt eine runde Sache, wenn man skurrile Geschichten mag.