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Veröffentlicht am 19.06.2019

Familiengeschichte über Schmerz und Trauer mit lieb gewonnenen Charakteren - empathische Fortsetzung mit einem hoffnungsvollen Ausblick

Für immer Rabbit Hayes
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Der neue Roman von Anna McPartlin schließt nahtlos an "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" an und beginnt mit dem Tod von Mia "Rabbit" Hayes am 28. April 2014 im Alter von nur 41 Jahren. Ihre Angehörigen, ...

Der neue Roman von Anna McPartlin schließt nahtlos an "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" an und beginnt mit dem Tod von Mia "Rabbit" Hayes am 28. April 2014 im Alter von nur 41 Jahren. Ihre Angehörigen, die man bereits in Band 1 kennengelernt hat, sind verzweifelt und beginnen jeder auf seine Weise, ihren Tod zu verarbeiten. Rabbits Eltern entfremden sich, die gottesfürchtige Molly verliert ihren Glauben und engagiert sich als Ehrenamtliche für Obdachlose und Bürgerinitiativen, während ihr Mann Jack sich auf den Dachboden zurückzieht und mit Hilfe seiner alten Tagebücher in Erinnerungen schwelgt. Rabbits Schwester Grace erfährt, dass sie das Gen trägt, das die Wahrscheinlichkeit massiv herhöht, an Krebs zu erkranken und ist durch ihr eigenes Schicksal und den damit verbundenen Überlegungen von der Trauer um Rabbit abgelenkt. Rabbits Bruder ist sich in seiner Vaterrolle unsicher. Auf Wunsch von Rabbit hat er das Sorgerecht für deren Tochter Juliet übernommen und ist mit der Verantwortung abseits der Familie in den USA überfordert. Juliet vermisst ihre Mutter, macht sich Sorgen um deren ungläubige Seele und konzentriert sich nach dem Umzug von Irland in die USA ganz auf das Lernen. Obwohl sie ihren Onkel auf Tour seiner Band begleitet, ist sie eine hervorragende Schülerin, hat aber keinen Kontakt zu Gleichaltrigen.

"Für immer Rabbit Hayes" ist genauso lebendig und empathisch geschrieben wie "Die letzten Tage von Rabbit Hayes" und es ist schön, den Figuren der Familie Hayes wiederzubegegnen.
Der Roman bietet aber zunächst nicht viel Neues. Er liest sich sehr lange wie ein nicht enden wollender Abschied von einer 41-jährigen Mutter/ Schwester/ Tochter/ Freundin, die als guter Mensch mit einem freundlichen Wesen in den höchsten Tönen gelobt wird.
Der tragische Verlust jedes einzelnen ist durch die unterschiedlichen Perspektiven, die dynamisch wechseln, spürbar. Allerdings ist für den Leser nicht ganz nachvollziehbar, welche Lücke Rabbit hinterlässt, da man sie nur als Kranke und Totgesagte, nicht aber als Mensch mitten im Leben kennengelernt hatte.

Es ist eine Familiengeschichte über Schmerz und Trauer mit lieb gewonnenen Charakteren, die alle liebevoll und individuell mit ihren Ecken und Kanten und charmanten Marotten gezeichnet sind. Nach der bedrückenden Stimmung während der Erkrankung und der Vorbereitung auf den Tod hätte ich mir nach Rabbits Tod früher ein paar neue Impulse gewünscht. Statt Aufbruchstimmung für einen Neuanfang herrscht immer noch eine lähmende Traurigkeit, die die Tote selbst nicht gewollt hätte und auch die Krankheit Krebs steht durch die Ängste von Grace nach wie vor im Vordergrund. Auch ein Jahr nach Rabbits Tod sind alle Familienmitglieder in ihrer Trauer gefangen und finden dabei keinen Zusammenhalt. Erst im zweiten Jahr, als jeder einzelne mit neuen Problemen konfrontiert wird, weicht die Trauer um Rabbit in den Hintergrund und der Roman wird dann auch sprichwörtlich lebendiger.
Der runde, hoffnungsvolle Abschluss - frei nach dem Motto "Ein Ende ist ein neuer Anfang" - hat mir dann auch gut gefallen.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Liebesroman, Familiengeschichte und Drama - spannende und unterhaltsame Fortsetzung der Reihe von "Floras Küche"

Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer
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Flora MacKenzies Mutter ist inzwischen drei Jahre tot und Flora hat sich mit "Annies Küche" auf der schottischen Insel Mure ein kleines Café aufgebaut, das zwar gerade in den Sommermonaten durch den Tourismus ...

Flora MacKenzies Mutter ist inzwischen drei Jahre tot und Flora hat sich mit "Annies Küche" auf der schottischen Insel Mure ein kleines Café aufgebaut, das zwar gerade in den Sommermonaten durch den Tourismus floriert, das aber dennoch vor allem aufgrund der Gutmütigkeit von Flora finanziell wenig ertragreich ist.
Mehr Sorgen macht ihr allerdings ihre Beziehung zu ihrem ehemaligen Chef, dem Anwalt Joel Binder, der zu ihr auf die Insel gezogen ist, aber so distanziert ist und sich unaufhörlich in die Arbeit für seinen Klienten, den Milliardär Colton Rogers stürzt, der auf Mure ein Ressort eröffnen möchte, dass Flora sich gar nicht mehr sicher ist, ob sie und Joel überhaupt eine Beziehung führen.

Dr. Saif Hassan ist aus Syrien geflüchtet und hat in Schottland ein Visum erhalten, um auf der Insel Mure zu praktizieren. Er hat sich gut auf der rauen Insel eingelebt, die älteren Damen stehen in seiner Praxis Schlage und versorgen ihn gern mütterlich aus ihrer Küche.
Saif wartet tagtäglich auf Nachrichten aus Syrien, denn er vermisst seine Frau Amena und seine beiden Söhne. Als zumindest seine Kinder endlich gefunden werden, ist er überglücklich, doch auf Mure sieht er sich mit den traumatisierten Kindern mit Problemen konfrontiert, die ihn überfordern.

"Hochzeit in der kleinen Sommerküche am Meer" ist er zweite Band der neuen Buchreihe von Jenny Colgan. Nachdem mir der Auftakt gut gefallen hatte, musste ich wissen, wie es mit Flora und ihrem Neuanfang auf Mure weitergegangen ist.
Durch das Vorwort der Autorin findet man sich auch nach knapp einem Jahr Abstand wunderbar in die Fortsetzung des Romans ein.

Den zahlreichen Handlungssträngen geschuldet, ist der Roman aus den Perspektiven verschiedenster Protagonisten geschrieben, wobei die liebenswürdige Flora den größten Anteil an der Geschichte hat. Trotz der großen Anzahl der Charaktere schafft es die Autorin jedem von ihnen Leben einzuhauchen, so dass man gebannt jeden der Erzählstränge verfolgt. Keiner von ihnen ist einfach und geradlinig - Flora weiß nicht, woran sie mit Joel ist, der sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellen muss, um neben dem beruflichen Erfolg auch endlich emotionales Glück in sein Leben einziehen zu lassen. Saif ist glücklich, dass er seine Kinder wieder bei sich hat, weiß aber nicht, was sie in den zwei Jahren seiner Abwesenheit während des Kriegs in Syrien erlebt haben und wie er ihnen helfen kann, ihre Erlebnisse zu verarbeiten, um auf Mure neu zu beginnen. Floras Bruder Fintan scheint nach seinem Coming-Out das Glück für sich gepachtet zu haben, muss aber vor der Hochzeit eine dunkle Seite seines Verlobten Colton entdecken.

Durch die lebendigen Beschreibungen kann man problemlos in die Charaktere eintauchen und ihre Sorgen und Probleme nachvollziehen.
Das Buch ist eine Mischung aus Liebesroman, Familiengeschichte und Drama, das spannend und unterhaltsam ist, auch wenn die wiederholten Beschreibungen von Floras Mystik als Walflüsterin und Selkie-Mädchen mit durchscheinender Hau auf Dauer ermüden.

Cover und Buchtitel suggerieren eine triviale sommerliche Liebesgeschichte, doch der Roman bietet durch die ernsten Töne viel mehr als das. Alle Einzelschicksale konnten mich mitnehmen, einzig die Geschichte um Dr. Saif Hassan und seine kriegstraumatisierten Kinder empfand ich als zu oberflächlich und eigentlich hätte es diesen Teilen des Romans gar nicht gebraucht, um den anderen Charakteren und ihren Nöten mehr Raum zur Entfaltung zu geben.
Ich freue mich deshalb schon auf ein Wiedersehen in Band 3 "Weihnachten in der kleinen Sommerküche am Meer", der schon am 1. Oktober 2019 erscheint.

Veröffentlicht am 07.06.2019

Bittersüßer Roman über Liebe, Freundschaft, Verluste und Entfremdung sowie der Versöhnung mit der Vergangenheit, der sehr originell erzählt ist

The Dinner List
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Sabrina feiert ihren 30. Geburtstag in einem Restaurant und zu ihrer Überraschung sitzt nicht nur wie verabredet ihre beste Freundin Jessica am Tisch, sondern auch drei Personen aus Sabrinas Vergangenheit: ...

Sabrina feiert ihren 30. Geburtstag in einem Restaurant und zu ihrer Überraschung sitzt nicht nur wie verabredet ihre beste Freundin Jessica am Tisch, sondern auch drei Personen aus Sabrinas Vergangenheit: ihr Vater Robert, ihr Uni-Professor Conrad und ihr Exfreund Tobias sowie die berühmte Audrey Hepburn. Während ihrer Studienzeit hatte Sabrina zusammen mit ihrer Kommilitonin Jessica eine Liste mit Personen - tot oder lebendig - erstellt, mit denen sie einen Abend verbringen wollen würde und jetzt sitzen diese Menschen vor ihr. Während Sabrina mit ihrem Vater, der die Familie verlassen hatte, als sie noch ein Kind war, und mit ihrem Exfreund, den Sabrina immer noch liebt, sicher noch einiges zu klären hat, ist der Grund für die Anwesenheit von Conrad und Audrey Hepburn und auch von Jessica nicht gleich offensichtlich.

Mit dem Servieren der Getränke beginnen anregende Gespräche der sechs ganz unterschiedlichen Personen, die alle eine Bedeutung für Sabrina haben. Unterbrochen werden die kurzen Szenen am Tisch durch Kapitel, die in der Vergangenheit handeln und den Fokus auf die Paarbeziehung von Sabrina und Tobias legen.

Nach einem anfänglichen Schock nimmt Sabrina die Situation hin, wie sie ist und versucht bis Mitternacht die ihr gebotene Chance zu nutzen, Dinge zu klären, die sie bedrücken und im Laufe ihres Lebens Zweifel gesät haben.
Das Dinner ist eine ungewöhnliche Konstellation, überrascht durch so manches Geständnis oder offene Worte, die bisher ungesagt blieben, so dass man auch als Leser schnell vergisst, dass das Zusammentreffen in dieser Form gar nicht möglich ist. Es ist spannend zu lesen, wie es am Tisch brodelt und man blickt erwartungsvoll auf die Dinge, die an die Oberfläche gebracht werden müssen.

In Rückblenden wird eine Liebesgeschichte erzählt, die unglücklich endete, obwohl spürbar ist, wie eng Tobias und Sabrina mit einander verbunden waren und umso schmerzlicher ist es zu lesen, wie sie am Alltag scheiterten. So ist auch nicht verwunderlich, dass Sabrina nie wirklich mit Tobias abschließen konnte.

"The Dinner List" ist eine Geschichte über Liebe, Freundschaft, Verluste und Entfremdung und der Versöhnung mit der Vergangenheit. Berührend ist zu lesen, wie Sabrina auf ihr bisheriges Leben zurückblickt und sich an Ereignisse erinnert, die sie an diesen Tisch gebracht haben. Hauptaugenmerk liegt klar auf dem Verlust ihrer großen Liebe, neben der sie jetzt wieder sitzt und ihr die Hoffnung auf einen Neuanfang bietet.
Es ist ein bittersüßer Roman, der authentisch die Probleme des Erwachsenseins und die Konflikte zwischen Kinder und Eltern, zwischen Freundinnen oder eben eines Paares schildert und der durch die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen sehr originell erzählt ist.

Veröffentlicht am 29.05.2019

Einstieg in die Neapolitanische Saga, Roman über eine ungewöhnliche Freundschaft, geprägt von Neid, Eifersucht und dem Streben nach mehr.

Meine geniale Freundin
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Seit 30 Jahren kündigt Raffaella Cerullo, von allen nur Lina gerufen, an, zu verschwinden. Offensichtlich ist ihr dies nun gelungen, denn ihre beste Freundin aus Kindertage Elena Greco, die Lina immer ...

Seit 30 Jahren kündigt Raffaella Cerullo, von allen nur Lina gerufen, an, zu verschwinden. Offensichtlich ist ihr dies nun gelungen, denn ihre beste Freundin aus Kindertage Elena Greco, die Lina immer nur Lila nannte, erhält von deren Sohn einen Anruf, dass die 66-Jährige seit zwei Wochen unauffindbar ist.
In Elena kommen Erinnerungen auf und sie blickt zurück auf die gemeinsame Kindheit mit Lila, die von Gewalt, Neid, Konkurrenzdruck, Eifersucht, Eifer und einer engen Verbundenheit der beiden Mädchen geprägt war.

"Meine geniale Freundin" ist Band 1 der Reihe "Neapolitanische Saga" von Elena Ferrante und ein sehr eigenwilliges Porträt über ein intelligentes, unberechenbares Mädchen sowie eine Kindheit und frühe Jugend Ende der 1950er-Jahre in Rione, einem Stadtteil von Neapel in Italien.

Elena und Lila freunden sich im Grundschulalter an. Elena eifert der zierlichen und hochintelligenten Lila nach, die ohne große Anstrengungen Klassenbeste ist. Elena fühlt sich dadurch angespornt, möchte so sein wie die selbstbewusste Lila, die vor keinen Streitigkeiten oder Aufsässigkeiten gegenüber Lehrer und Eltern zurückschreckt.
Nach der Grundschule trennen sich allerdings ihre Wege, da es Lila, der Tochter eines Schusters seitens der Eltern nicht gestattet wird, eine höhere Schule zu besuchen. Elena ist zwar auch nur die Tochter eines Pförtners, darf aber dennoch auf das Gymnasium gehen. Zunächst lassen ihre schulischen Leistungen nach, aber als sie merkt, dass Lila ganz alleine lernt und ihr immer noch stets einen Schritt voraus ist, strengt sie sich erneut an und kann aufgrund des selbstgemachten Konkurrenzdrucks das Gymnasium mit Bestnoten abschließen. Elena hadert allerdings mit ihrem äußeren Erscheinungsbild seitdem sie in der Pubertät ist. Im Gegensatz zu der noch knabenhaften Lila fühlt sie sich mit ihren weiblichen Formen und dem pickeligen Gesicht dick und hässlich. Und so ist es wiederum Lila, die wenig später aufblüht und ohne es zu wollen oder zu kokettieren, die Aufmerksamkeit der Jungen auf sich zieht.

Elena steht stets im Schatten von Lila, fühlt sich ihr gegenüber minderwertig, ist dadurch aber auch bestrebt, sich anzustrengen und immer mehr zu geben, als gefordert ist. Ihre Verbindung ist in meinen Augen eine wenig herzliche Freundschaft, sondern würde von mir als anstrengend und einseitig empfunden werden. Dies macht die Geschichte auch so besonders, da es sich nicht um eine 08/15-Freundschaft handelt.

Die Schilderung der damaligen Zeit in den 1950er-Jahren, als Frauen sich den Männern unterzuordnen hatten und Mädchen weniger Anerkennung und Unterstützung für ihre schulischen Leistungen fanden, sehr authentisch. Auch die Atmosphäre in dem etwas heruntergekommenen, ärmlichen Stadtteil, in dem nicht nur Gewalt zwischen Schülern herrscht, sondern ganz selbstverständlich auch unter Erwachsenen eingesetzt wird, um die Fronten zwischen konkurrierende Familien zu klären oder Konflikte zu lösen.

"Meine geniale Freundin" ist ein interessanter, wenn auch stellenweise etwas langatmiger Einstieg in die "Neapolitanische Saga", hat mich aber neugierig auf die weiteren Bände gemacht. Ich bin gespannt darauf zu erfahren, wie sich die kindliche, wetteifernde Freundschaft zwischen Elena und Lila im Erwachsenenalter entwickelt, vor allem ob diese immer noch so von der Dominanz von Lila geprägt sein wird und was den Ausschlag dafür gibt, dass diese verschwinden möchte.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Lebendiger Jugendroman über Freundschaft und die erste Liebe, die einen 16-jährigen völlig unvorbereitet trifft

Eine wie Alaska
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Miles ist 16 Jahre alt, ein guter Schüler, dessen Hobby es ist, Biographien zu lesen und sich die letzten Worte von berühmten Verstorbenen zu merken. In seiner Schule wird er gemieden, ist ein Außenseiter ...

Miles ist 16 Jahre alt, ein guter Schüler, dessen Hobby es ist, Biographien zu lesen und sich die letzten Worte von berühmten Verstorbenen zu merken. In seiner Schule wird er gemieden, ist ein Außenseiter ohne Freunde, wovon seine Eltern keine Vorstellung haben. Miles entscheidet sich deshalb, auf ein Internat zu wechseln und die letzten Schuljahre dort zu verbringen.
In Culver Creek teilt er sich ein Zimmer mit Chip, dem Colonel, und lernt durch ihn Takumi, Lara und Alaska kennen. Die fünf werden zu Freunden, brechen durch Rauchen und Alkoholkonsum mit den Internatsregeln und hecken mehr aus Langeweile als aus Boshaftigkeit Streiche aus. Miles macht bei allem mit, denn er ist froh, endlich Freunde zu haben und vor allem ist er von der launischen, sehr selbstbewussten und hübschen Alaska angetan. Auch wenn er die körperliche Liebe dann mit Lara entdeckt, hat er eigentlich nur Augen und Gefühle für Alaska, die ihn fasziniert.

Der Roman ist in zwei Teile aufgebaut, ein "davor" und ein "danach" und so fiebert man von Anbeginn auf ein Ereignis hin, bei dem man dramaturgisch von einer Katastrophe ausgehen muss. Ein Unfall ereignet sich, der die Unbeteiligten erschüttert und sie mit vielen Fragen zurücklässt. Miles hat mit Schuldgefühlen zu kämpfen und je mehr er sich mit dem Unfall beschäftigt, desto weniger glaubt er daran, dass es tatsächlich ein Unfall war. Und so sind auch die Tage "danach" spannend geschildert, um die Hintergründe der Katastrophe in Erfahrung zu bringen.

"Eine wie Alaska" ist ein Jugendbuch, das man auch als Erwachsener ohne Weiteres lesen kann. Die Fragen um Freundschaft, Zugehörigkeit, Schuld, Trauer und Verzeihen sind zeitlos und an kein Alter gebunden.

Miles ist ein intelligenter und sympathischer Junge, weshalb schade ist, dass er in seiner Schule keine Freunde hatte. Umso leichter ist aber nachvollziehbar, dass er sich im Internat sofort an den Colonel hält, mit dem Rauchen anfängt und jede Dummheit ohne an die Folgen zu denken, mitmacht. Alaska ist ein undurchsichtiger Charakter, die cool und distanziert wirkt, um sie zu mögen, aber auf diese Weise Jungen wie Miles magisch anzieht. Irgendetwas scheint sie erlebt zu haben und zu quälen, was sie hinter ihrer rauen Fassade versteckt.

"Eine wie Alaska" ist ein lebendiger Roman, der aus der Ich-Perspektive von Miles geschrieben ist, der als Charakter so authentisch wirkt, dass man sich problemlos in ihn hineinversetzen, seine Gefühle und Handlungen nachvollziehen kann. Der Roman lebt von ihm abgesehen aber auch von den anderen Figuren, da die Handlung im Internat eher trivial ist und nur den Rahmen für die eigentliche Geschichte bildet. Es geht um einen Neuanfang, Freundschaft und die erste Liebe, die einen 16-jährigen völlig unvorbereitet trifft und ein Wechselbad der Gefühle von Euphorie und Glück, aber auch von Unverständnis und Trauer stürzt. Miles ist ein Junge, der sich durch die gelesenen Biographien mit dem Lebensende auseinandersetzt und diese Thematik zieht sich bis zum Ende wie ein roter Faden durch das Buch, in dem es dann auch um Glaube und Hoffnung geht.