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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2019

Ein Herz für Venedig

Die Mondschein-Lagune
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Wenn man das Cover des Romans betrachtet, wird man sofort in die richtige Venedig-Stimmung versetzt. Antonia aus Berlin nutzt einen Forschungsauftrag, um einer festgefahrenen Beziehung zu entfliehen. Sie ...

Wenn man das Cover des Romans betrachtet, wird man sofort in die richtige Venedig-Stimmung versetzt. Antonia aus Berlin nutzt einen Forschungsauftrag, um einer festgefahrenen Beziehung zu entfliehen. Sie darf in einem alten Palazzo wohnen und schon am ersten Tag verliert sie ihr Herz an einen politisch engagierten Gondoliere. Die Autorin fängt den Zauber der Lagunenstadt ein. Wer schon mal dort war, kann das nur bestätigen und bei all den anderen wird wahrscheinlich die Sehnsucht geweckt. Zugleich legt Dorette Deutsch auch den mahnenden Zeigefinger auf die ökologischen Gesichtspunkte: Der überhandnehmende Schiffsverkehr, der durch Wellenbewegung und Sog den Fortbestand Venedigs gefährdet. Für mich war das stellenweise zu viel Moralisierung, die die zarte Liebesgeschichte überlagert. Der Leser erfährt auch einiges über die geschichtlichen Hintergründe, die wesentlich geschickter in die Handlung eingewoben worden sind, weil Antonias Vermieterin, die Contessa Ada, Nachforschungen über ein altes Familiengeheimnis betreibt. Atmosphärisch hat mir das Buch gefallen, aber die eigentliche Handlung hätte doch stärker in den Vordergrund gerückt werden müssen.

Veröffentlicht am 15.06.2019

Mehrgenerationen-WG

Inselküsse
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Das Leben in der Großstadt ist nicht billig. Das merkt auch die alleinerziehende Marie, die den Schikanen ihres neuen Vermieters wehrlos ausgesetzt ist. Sie kellnert schon abends nebenher, weil sie von ...

Das Leben in der Großstadt ist nicht billig. Das merkt auch die alleinerziehende Marie, die den Schikanen ihres neuen Vermieters wehrlos ausgesetzt ist. Sie kellnert schon abends nebenher, weil sie von ihrer Töpferei, ihrer wahren Bestimmung, die drei Kinder nicht ernähren kann. Zwar kommt von dem Vater der Zwillinge regelmäßig Unterhalt, doch der Erzeuger der pubertierenden Tochter kann nur mit aufgeblasenem Getue dienen. Als die Wohnsituation unerträglich wird und die Scheune der Töpferei vom Zerfall bedroht ist, kommt das Angebot der betagten Nachbarin Ruth gerade recht. Nach reichlichem Überlegen, kurzem Probewohnen und ausgiebigem Familienrat zieht man in Ruths ererbtes Haus auf Rügen. ln der Nachbarschaft wohnt ein ansehnlicher, ebenfalls alleinerziehender Schreiner, der bald eine wichtige Rolle in Maries Leben spielen wird. Natürlich läuft zwischendurch nicht alles glatt, aber Evelyn Kühne hat einen sommerlichen Ferienroman geschrieben, der einfach nur in Idylle enden kann. Natürlich erfüllt dieser Roman keine hohen Ansprüche. Die Personen werden ziemlich klischeehaft dargestellt und die Handlung ist vorhersehbar, doch die Autorin plaudert so munter drauf los, weckt mit ihrer Beschreibung von Rügen Lust auf einen Sommerurlaub eben dort und kann ihre Leser mit der kleinen Liebesgeschichte wohltuend vom normalen Alltag ablenken. Wenn man von seiner Lektüre nichts anderes erwartet, dann ist "Inselküsse" eine gute Wahl.

Veröffentlicht am 14.06.2019

Komplementär

Zara und Zoë - Rache in Marseille
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Die Zwillinge Zara und Zoë verbrachten ihre Jugend im schlimmsten Viertel der Hafenstadt Marseille. Die beiden sind wie Yin und Yang, eine ist das komplette Gegenteil der anderen. Während Zara leicht autistisch, ...

Die Zwillinge Zara und Zoë verbrachten ihre Jugend im schlimmsten Viertel der Hafenstadt Marseille. Die beiden sind wie Yin und Yang, eine ist das komplette Gegenteil der anderen. Während Zara leicht autistisch, hochintelligent und intuitiv ist, sprüht Zoë dagegen vor Wildheit und unbändiger Kraft. Dass sie nicht minder schlau ist, beweist ihre Karriere in der Mafiahierarchie. Zara dagegen schlägt sich auf die Seite des Gesetzes und wird Topagentin der Europol-Behörde gegen den Terrorismus. In Teenageralter haben sich die Wege der Mädchen getrennt, aber jetzt, wo Zara mit ihrem hochsensiblen Gespür für Gefahr in einer brisanten Ermittlung in Marseille feststeckt, holt sie sich Zoë zur Hilfe, denn nur sie besitzt die ihr fehlenden Eigenschaften. Der Thriller von Alexander Oetker besticht durch atemlose Spannung und schildert gleichzeitig die trostlose, explosive Stimmung in den Randbereichen Marseilles, wo die Polizei der Kriminalität entweder machtlos zusieht, oder als bezahlte Handlanger der Mafia agiert. Zara, Zoë und der schwedische Kollege sind zum Glück absolut fiktiv. Im wahren Leben wird hoffentlich nicht so gesetzlos und brutal gehandelt. Der Zweck heiligt eben nicht immer die Mittel. Auch die Handlung ist an den Haaren herbei gezogen, vielleicht gerade deswegen hat sie so einen hohen Unterhaltungswert. Es gibt viel Action und viele Personen, die man im Verdacht hat. Dazu kommen noch einige Wechsel der Erzählperspektive, so dass alles zusammen einen für mich sehr spannenden Thriller ausmacht.

Veröffentlicht am 25.05.2019

Furchtlose Reporterin

Lena Halberg: Der Cellist
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Lena Halberg ist eine engagierte und furchtlose Journalistin, die bei ihrer Recherche auf einen rätselhaften Todesfall stößt. Sie mag nicht glauben, dass dieser estnische Banker, der in die Affäre der ...

Lena Halberg ist eine engagierte und furchtlose Journalistin, die bei ihrer Recherche auf einen rätselhaften Todesfall stößt. Sie mag nicht glauben, dass dieser estnische Banker, der in die Affäre der Panama Papers verstrickt war, Selbstmord begangen hat.
Die Spur führt zu einem anderen Banker, Martin Kurkov, der sehr luxuriös in der Schweiz residiert. Er gibt sich nach aussen hin als Kunstmäzen, aber insgeheim hat er die Finger in allen dunklen internationalen Geschäften, die rentabel sind. Sein Protegé, ein junger Cellist, dient ihm dabei unwissentlich als Bote über die Landesgrenzen, denn sein Notenkoffer erweckt nie den Verdacht der Kontrolleure.
Aktuell geht es um bolivianische Schuldverschreibungen, die den jungen Politiker Almeda zwingen sollen, die Schürfrechte an neu entdeckten Lithium-Vorkommen an Kurkov zu verkaufen. Almeda dagegen will verhindern, dass sein Land weiterhin von internationalen Konzernen ausgeplündert wird.
Der Autor wechselt Sichtweisen und Schauplätze in gekonnter Reihenfolge. Nie wird es langweilig, vor allem weil Lena Halberg mit hohem Tempo und ohne Rücksicht auf Verluste ihrer Story hinterher jagt. 
Seine Hauptcharaktere hat Ernest Nyborg sorgfältig skizziert, so dass man sie sich gut vorstellen kann. Dass die Handlung an wahre Begebenheiten anlehnt, macht diesen Thriller umso interessanter. Gerne empfehle ich ihn weiter.

Veröffentlicht am 24.05.2019

Terror gegen den Papst

Vaticanum
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Eigentlich sucht der portugiesische Historiker Tomás Noronha in den Katakomben unter dem Petersdom nach dem Grab des hl. Petrus, als ihn der Papst höchstpersönlich um Hilfe bittet. Es gibt ein terroristisches ...

Eigentlich sucht der portugiesische Historiker Tomás Noronha in den Katakomben unter dem Petersdom nach dem Grab des hl. Petrus, als ihn der Papst höchstpersönlich um Hilfe bittet. Es gibt ein terroristisches Drohszenario gegen das Oberhaupt der Katholiken, das die Weissagungen des hl. Malachias und die geheimen Visionen aus Fatima zu erfüllen scheint. Tatsächlich wird kurz darauf der Papst entführt. Um Mitternacht soll seine öffentliche Hinrichtung stattfinden, wie er selbst in einer Videobotschaft verkünden muss. Tomás Noronha entdeckt in diesem Video verschlüsselte Botschaften, die ihn tief in die schmutzigen Bankgeschäfte des Vatikans eintauchen lassen. Die Zeit drängt, doch ausgerechnet der cholerische Polizeichef erweist sich als sein größter Gegenspieler, der zwar ausgiebig fluchen kann, aber völlig planlos handelt. Man kann sich denken, dass zum Schluss Sekunden über Leben und Tod entscheiden.
"Vaticanum" ist ein Wirtschaftsthriller. Der Autor hat sich intensiv mit den tatsächlichen Machenschaften der Vatikanbank auseinander gesetzt,und gekonnt Wahrheit und Fiktion zu einem Thriller verarbeitet, der noch durch historische Fakten ergänzt wird.
Manche Stellen hätte ich gerne etwas weniger ausführlich gehabt, aber insgesamt ist es ein sehr wichtiges Buch, das einem die Augen öffnet über Dinge, die der Vatikan gern im Dunklen belassen würde.