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Veröffentlicht am 30.05.2019

Tap-Out

Dry
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Schon seit einiger Zeit herrscht in Kalifornien Wasserknappheit, doch an einem heißen Tag im Juni ist es soweit: Aus den Wasserhähnen kommt kein einziger Tropfen mehr. Und nicht nur die Leitungen geben ...

Schon seit einiger Zeit herrscht in Kalifornien Wasserknappheit, doch an einem heißen Tag im Juni ist es soweit: Aus den Wasserhähnen kommt kein einziger Tropfen mehr. Und nicht nur die Leitungen geben nichts mehr her - die Flüsse sind schon seit langem ausgetrocknet und die Supermärkte schneller leergekauft, als jemand "Wassermangel" sagen kann. Dann dauert es auch noch einige Zeit, bis die Regierung auf die gefährliche Lage aufmerksam wird - und als es endlich dazu kommt, dass von staatlicher Seite gehandelt wird, ist es für viele schon zu spät. Alyssa, 16, und ihr kleiner Bruder haben in gewisser Weise Glück, dass ihre Nachbarn schon seit Jahren auf ein solches Szenario vorbereitet sind - womit sie nicht gerechnet haben, ist die Gewalt, die schnell entbrennt. Und plötzlich sind sie unterwegs in einem trockenen Land ohne Wasser und schließlich umgeben von feindlich gesinnten Menschen und einer Feuersbrunst, die sich dank der Trockenheit immer weiter ausbreitet.

Ich glaube, ich hatte noch keine dreißig Seiten gelesen, als ich anfing, Durst zu bekommen. Shusterman hat eine sehr eindringliche Schreibweise, bei der es leicht mitzufiebern und zu leiden geht. Die Ereignisse, die sich entwickeln sind umso schockierender, als sie extrem realistisch und möglich sind. Und dass Menschen, die nach wenigen Tagen - bei Hitze sogar Stunden - schon völlig dehydriert sind, jegliche Menschlichkeit verlieren, um ihr eigenes Überleben zu sichern, ist auf jeden Fall nachvollziehbar. Shusterman beleuchtet die Situation aus verschiedenen Situationen und durch unterschiedliche Personen, wodurch die verzweifelte Lage noch intensiver gefühlt werden kann. Ich fand die agierenden Jugendlichen alle ein bisschen zu clever für meine Begriffe, aber ansonsten durchaus authentisch. Von daher gibt's von mir eine dicke Leseempfehlung, eine Drüber-Nachdenk-Empfehlung und 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 21.05.2019

Brot und Spiele

Bestias
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Ein bettelnder Straßenjunge mit einer besonderen Affinität zu Tieren und Bestien. Ein gebildeter, muskelbepackter Barbar aus den weiten Landen. Ein stotterndes Zauberlehrlingsmädchen. Und ein Kapriolen ...

Ein bettelnder Straßenjunge mit einer besonderen Affinität zu Tieren und Bestien. Ein gebildeter, muskelbepackter Barbar aus den weiten Landen. Ein stotterndes Zauberlehrlingsmädchen. Und ein Kapriolen schlagender Zwerg. Was könnten diese unterschiedlichen Personen gemeinsam haben? Nichts, eigentlich. Denn uneigentlich sind sie unfreiwillige Gladiatoren, gefangengenommen und gegen ihren Willen in die Arena gesteckt. Und das in einer Welt, die von Bestien und Magiern beherrscht wird. Draußen, außerhalb der großen Stadt Kol, die von den Magiern mit einer Kuppel geschützt wird, sind die Bestien die gefährlichen Widersacher und Zerstörer allen Menschlichen. Wer sich in den Schutz der Kuppel begibt, steht unter der Herrschaft der sieben großen Magierhäuser und diese halten ihr Volk mit Brot und Spielen ruhig. Bis diese anfangs vier Erwähnten auf eine Selbstmordmission geschickt werden ...

Seit Sam Feuerbach habe ich keine Selfpublisherbücher mehr gelesen (in diesem Fall gehört), die mich so begeistert hätten. Geschrieben ist das Ganze in moderner Sprache, auch die Protagonisten reden so, wie wir es heute tun würden. Das gibt Schwung und Spaß in die Geschichte und verbunden mit der spannenden Story und den originellen Einfällen entsteht daraus etwas, das man gern weiterverfolgt und mit den sympathischen Helden mitfiebert. Ein bisschen gestört haben mich einige Wiederholungen (ich sage nur "er grinste frech", was gefühlt alle zwei Seiten/zwei Minuten vorkam) oder Perspektivwechsel innerhalb einer Szene, aber weil mir dieses Hörbuch so gut gefallen hat, ziehe ich nicht allzu viel dafür ab. Großen Anteil am Fun hat auch der Sprecher, der jedem Protagonisten eine eigene Stimme verlieh und sichtlich (hörbar) sein Fach beherrscht. Das erste Buch dieses Autors, das ich jetzt kenne, aber mit Sicherheit nicht mein letztes. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 12.05.2019

Licence to kill

Lazarus Bd. 1: Die Macht der Familien
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Eine nicht allzu weit entfernte Zukunft: Nur noch 16 Familien sind es, die die gesamte Macht und das gesamte Geld unter sich aufgeteilt haben auf der Welt. Diese teilen alle Menschen in Familie, Knechte ...

Eine nicht allzu weit entfernte Zukunft: Nur noch 16 Familien sind es, die die gesamte Macht und das gesamte Geld unter sich aufgeteilt haben auf der Welt. Diese teilen alle Menschen in Familie, Knechte und Abfall einsortieren. Um ihre Macht, ihre Anwesen zu schützen, halten sich diese Familien Supersoldaten, sogenannte Lazarusse. Deren DNA wurde genetisch verändert, Stammzellen geputscht, bis sie mehr leisten, mehr einstecken können. Sie sind fast unkaputtbar und kaum zu töten. Eine Lazarus ist Forever, die zur Familie Carlyle gehört. Das Problem mit ihr ist, dass sie anfängt zu fühlen, wie ein Lazarus nicht fühlen sollte ...

Das ist mal eine dystopische, düstere Geschichte. Gezeichnet ist sie sehr dunkel, die Szenen sind brutal und halten nichts zurück, Blut spritzt hier allerorten, Hoffnungslosigkeit breitet sich aus, wenn man sich bewusst macht, wie hier Menschen betrachtet werden. Ein Beispiel: Auf einem der Anwesen der Carlyles sind zu Beginn zwei Familienmitglieder, 513 Knechte (also Arbeiter, Angestellte, Soldaten und deren Angehörige) und 32 000 werden als Abfall bezeichnet - Menschen, die hungern, die nicht zum Anwesen gehören, die also mit Waffengewalt davon abgehalten werden einzudringen. Dass sich eine Person unter den Angestellten opfern muss, um die Familie davon abzuhalten, alle von ihnen umzubringen wegen eines vermeintlichen Verrats, ist bezeichnend. Denn dieses halbe Tausend könnte problemlos durch Leute vom Abfall ersetzt werden. Eine dystopische, spannende und gar nicht so realitätsferne Geschichte.

Veröffentlicht am 22.04.2019

Eine Bereicherung, Sie idiota!

Lost in Fuseta - Spur der Schatten
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Lost hat sich nach seiner schweren Schussverletzung nicht nur erholt, sondern völlig ins portugiesische Team eingegliedert. Sie dulden ihn nicht nur unter sich, sondern akzeptieren ihn mit all seinen Asperger-Eigenheiten. ...

Lost hat sich nach seiner schweren Schussverletzung nicht nur erholt, sondern völlig ins portugiesische Team eingegliedert. Sie dulden ihn nicht nur unter sich, sondern akzeptieren ihn mit all seinen Asperger-Eigenheiten. Einige davon kommen ihnen wieder zu Nutzen, als plötzlich eine uniformierte Kollegin verschwindet. Teresa Fiadeiro ist eine organisierte Person, die nicht plötzlich nicht zur Arbeit erscheinen und auf gar keinen Fall ihr Handy zuhause liegen lassen würde. Während die Suche nach Teresa auf Hochtouren läuft, werden eine Frau und ihr Kind entführt. Doch was hat das alles mit der angolanischen Journalistin zu tun, die plötzlich in Fuseta auftaucht? Lost und den anderen läuft plötzlich die Zeit davon ...

Was bei dieser Reihe auffällt, ist nicht nur Lost, der als Asperger mit Inselbegabung schon eine Bereicherung ist - nicht nur für das portugiesische Team, sondern auch in der Krimilandschaft. Nein, auch der Rest des Teams ist so sorgfältig angelegt, so ... nahe, dass man ständig meint, dazuzugehören. Dann der Fall. Es hat was mit Spionage zu tun, ist aber keiner der Mann-aus-der-Kälte-Thriller zu tun. Ohne gute, alte Ermittlungsarbeit geht hier gar nichts, und nicht nur einmal erweisen sich Losts logische Fähigkeiten als unentbehrlich. Da kann man auch drüber hinwegsehen, dass die guten, alten Agenten á la Deep Throat auftauchen oder Carlos irgendwie an der gesamten Küste Freunde hat, die ihm entscheidend helfen. Diese Reihe hebt sich so wohltuend von dem üblichen Einheitsbrei - auch der typischen Südländer-Frankreich-Italien-Krimi - ab, dass ich sie nur weiterempfehlen kann. 4,5/5 Punkten.

Veröffentlicht am 31.03.2019

Tell The Wind And Fire

Golden Darkness. Stadt aus Licht & Schatten
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In einer nahen Zukunft, in der es statt der technischen Revolution eine magische gegeben hat, werden die Menschen strikt danach eingeteilt, was sie sind und wo sie dementsprechend leben. Es gibt die Lichtgestalten ...

In einer nahen Zukunft, in der es statt der technischen Revolution eine magische gegeben hat, werden die Menschen strikt danach eingeteilt, was sie sind und wo sie dementsprechend leben. Es gibt die Lichtgestalten in ihren Lichtstädten, die "helle" Magie wirken, es gibt die dunklen Magier, die sich auch von Tod und Blut ernähren und die eingesperrt sind in die Dunkelstadtghettos. Lucy hat es vor zwei Jahren geschafft, in die Lichtstadt zu wechseln und dort ist sie sogar mit dem Sohn eines der grausamen Politikers zusammen, die dafür verantwortlich sind, dass die Dunkelstädte unterdrückt werden. Doch eines Tages deckt sie ein Geheimnis gerade des Vaters von Ethan, ihres Freundes, auf und nur kurze Zeit später reißt es sie in einen Strudel von Ereignissen, der nicht nur ihr Leben zu zerstören droht.

Wenn man bedenkt, dass ich eigentlich nach dem sechsten Kapitel gar keine Lust mehr hatte, dieses Buch zu lesen und dann meine Bewertung betrachtet, könnte man schon ins Grübeln kommen. Ich hielt es nämlich bis dahin für eine relativ originelle Idee, aber trotzdem für die ausgelutschte Dystopieumsetzung mit dem typischen Dreiecksverhältnis. Tatsächlich konnte mich die Autorin ab dann ernsthaft überraschen, wofür sie allein schon Bonuspunkte verdient hat. Nicht nur, dass sich nichts mehr so entwickelte wie erwartet, zeigt sie etwas auf, das sich die wenigsten Autoren überhaupt trauen. Dass nämlich nicht unbedingt immer diejenigen, die unterdrückt wurden und sich dann erheben, als die besseren Menschen erweisen. Sie geht knallhart über Leichen, nimmt keine Rücksicht auf die möglicherweise zarten Gemüter ihrer LeserInnen und denkt auch nicht daran, Antworten zu geben. Denn Tatsache ist: Es gibt keine wirklichen Antworten auf Dystopien und Happy Ends gehören normalerweise in Märchen. Da kann ich auch ganz gut drüber hinwegsehen, dass einige Protagonisten recht blass blieben; das Ende hat mich fast erschüttert. Lucy jedenfalls ist - mit all ihren Lügen, ihrem Lächeln und ihrer scheinbaren Stille - eine starke Persönlichkeit, die mich beeindruckt hat. Es gäbe Raum für einen zweiten Teil, aber mir wäre es wirklich lieber, wenn das so stehenbliebe, denn so scheint mir der knallharte Abschluss mehr Wucht zu haben. Nicht für Prinzessinnen geeignet, die Keira Cass für die Hardcore-Königin der Dystopien halten.