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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.06.2019

Fesselnd und ein bisschen gruselig

Der Preis des Lebens
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Dieser fesselnde Krimi enthält zwei Handlungsstränge: Zum einen jenen internationalen, in dem ein Ärzteteam Organtransplantationen abseits von Eurotransplant durchführen und jenem, der in Wien spielt und ...

Dieser fesselnde Krimi enthält zwei Handlungsstränge: Zum einen jenen internationalen, in dem ein Ärzteteam Organtransplantationen abseits von Eurotransplant durchführen und jenem, der in Wien spielt und genau diesen Verbrechern das Handwerk legen soll.

Michael Lenhart, Major und Sonderermittler für Wirtschaftskriminalität, hat den Kabinettchef der österreichischen Innenminsterin in der Öffentlichkeit geohrfeigt, weil der durch eine gezielte Indiskretion Ermittlungsarbeit von mehr als einem Jahr zunichte gemacht hat und die Täter dadurch entkommen hat lassen. Der Preis für seine Geradlinigkeit, sich nicht auf eine Stress bedingte Ausnahmesituation auszureden, ist seine Degradierung zum Hauptmann und die Verbannung in den D-Trakt, in eine ehemaligen Dienstwohnung im Innenministerium. Dort soll er gemeinsam mit Leutnant Sabine Preiss, die ebenfalls unangenehm aufgefallen ist, über alten, unaufgeklärten Fällen sitzen und neue Erkenntnisse gewinnen.

Noch bevor die beiden sich häuslich eingerichtet haben, platzt ein aktueller Fall in den D-Trakt: Während eines Armenbegräbnisses ist den Mitarbeitern des Wiener Zentralfriedhofs ein Sarg vom Transportwagen gefallen, der zusätzlich zur Leiche einer alten Frau die eines jungen Mannes enthalten hat, dem man nach allen Regeln der Chirurgie Organe entnommen hat.
Lenhart und Preiss sollen diesen Fall auf Grund eines Krankheitsbedingten Personalengpasses bei der Mordkommission übernehmen.

Recht bald ist klar, dass hinter dem Missgeschick der beiden ahnungslosen Friedhofsangestellten eine bestens organisierte und international tätige Verbrecherorganisation stehen muss, wie unbestätigte Informationen der Geheimdienste andeuten.

Für die Beiden, intern „Bonnie und Clyde von der Abteilung für Abfälle“ genannt, beginnt nun ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Liste der Menschen, die auf ein Spenderorgan warten und über ausreichend Geld, aber zu wenig Skrupel verfügen, ist lang.

Meine Meinung:

Das ist ein Krimi nach meinem Geschmack!

Zwei in die Verbannung geschickte Ermittler, die den Vorgesetzten mehr als unangenehm aufgefallen sind, lösen einen internationalen Fall, der bis in die höchsten EU-Kreise reicht mit Bravour. Na nicht nur mit Bravour, sondern auch mit angeordneter Unterstützung durch das Bundesheer, genau genommen vom „Kommando Führungsunterstützung & Cyber Defence“. Allerdings, erfolgt das alles im Geheimen, ohne Wissen des Verteidigungsministers. Über das Unterlaufen so mancher Vorgesetzter habe ich mich königlich amüsiert.

Die Charaktere sind, wie aus dem Leben gegriffen, beschrieben. Sie haben Ecken und Kanten sowie ungewöhnliche Vorlieben. So ist Lenhart ein Fan von Aristoteles und zitiert den, sehr zum Missfallen des unmittelbaren Vorgesetzten Brigadier Fritsch häufig. Sabine Preiss, eine ehemalige Angehörige des Jagdkommandos, die ihrem Vorgesetzten seine Unfähigkeit an den Kopf geworfen hat, oder eben Lenhart, dessen großer Auftritt inklusive Ohrfeigen für den Kabinettchef für Bewunderung sorgt (manchmal, von höheren Chargen nur hinter vorgehaltener Hand) oder jenem Oberleutnant Rainer Fussenegger, der sich während seiner Zeit als Grundwehrdiener bei der Cyberabwehr ins System gehackt hat und die Abfangjäger starten und eine Runde über Wien drehen hat lassen. „Der damalige Chef der Cyberabwehr wurde abgelöst, ich blieb.“ (S.108)

Meine Lieblingsfigur ist allerdings Sigrid Wolf. Eine Beamtin, die schon viele Minister und Chefs kommen und auch wieder gehen gesehen hat, allerdings kaum wahrgenommen wird. Ein kleines Kompliment von Michael Lenhart und der „Vorzimmerdrache“ wird handzahm und läuft zur Hochform auf.

Apropos, Innenministerin! Herrlich, dass die Frau Innenminister den Namen eines Waffenfabrikanten trägt: Ferdinand Ritter von Mannlicher (1848-1904). Ihr Seitenhieb auf den gleichfalls fiktiven Verteidigungsminister, der gerne martialische Sprüche klopft, und dessen einzige militärische Leistung ein extremer Kurzhaarschnitt ist, ist einfach göttlich. Da bin ich doch als Österreicherin versucht, an eine bestimmte Person zu denken.

„Ein Idiot bleibt ein Idiot. Ganz gleich wie viel Lametta seine Uniform schmückt. Das gleiche gilt für die Chromosomenverteilung.“ (S. 101).

Der Schreibstil ist flüssig, zeitweise launig und zeugt von guten Kenntnissen der österreichischen Innenpolitik und des Berufsbeamtentum. Als Beamtin habe ich über die Schilderungen der internen Kanäle zwischen den Ministerien herzlich lachen müssen. Es zahlt sich immer aus, auch in anderen Ministerien jemanden zu kennen.


Doch bei aller Leichtigkeit des Lesens darf nicht übersehen werden, dass sich der Autor mit ernsten Themen beschäftigt: Erstens: Die Skrupellosigkeit einiger Kriminellen, die gezielt Menschen töten, um an deren Organe zu kommen, damit einige wenige Reiche Gesundheit für sich und ihre Lieben kaufen können. Dieser Zweig des Verbrechens könnte allerdings niemals ohne Billigung von ganz weit oben existieren. Das heißt, Geld regiert wie immer die Welt.

Zweitens: Die Anfälligkeit von EDV-Systemen. Das ist ja inzwischen bekannt, trotzdem sind nicht alle Firmen- und/oder Behördennetzwerke ausreichend geschützt.

Fazit:

Ein österreichischer Krimi der Sonderklasse, dem ich gerne 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung gebe. Ich hoffe, es gibt eine Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.06.2019

Macht Lust auf Urlaub

Mein Salzkammergut
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Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Österreich: Das Salzkammergut.

In beeindruckenden Texten, in denen Einheimische wie der Schuhmacher aus Goisern oder die Schriftstellerin ...

Dieses Buch ist eine Liebeserklärung an einen der schönsten Landstriche Österreich: Das Salzkammergut.

In beeindruckenden Texten, in denen Einheimische wie der Schuhmacher aus Goisern oder die Schriftstellerin Barbara Frischmuth, zu Wort kommen, bringt uns das Autoren-Duo diese Gegend näher.
Zu jeden Ort wie Bad Ischl, Hallstatt oder Bad Aussee gibt es einen Abriss der Geschichte des Ortes bzw. seine Rolle im Welgeschehen. Dabei wird auch so manche unrühmliche Rolle während der NS-Zeit nicht verschwiegen.
Umrahmt werden diese Texte von hinreißenden Fotos, die die Aura der Orte wiedergeben.

Nicht ausgespart werden auch die Schattenseiten des Tourismus, die den Bewohnern z.B. in Hallstatt das Leben inzwischen sehr schwer machen.

Der berühmte Altmeister des Wiener Kabaretts, Karl Farkas, würde sagen: „Schauen Sie sich das an!“.

Fazit:

Eine Hommage an einen bezaubernden Landstrich, der Lust macht, die Koffer zu packen und den Zauber der Landschaft zu genießen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.06.2019

Hat mich gut unterhalten

Das Sissi-Feuerwerk
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Es ist wieder einmal Sommer in Bad Ischl und die Stadt will ihren Gästen etwas Besonders bieten: Ein Varieté mit dem Titel „Sissi-Feuerwerk“. Bad Ischl ist als Treffpunkt und Wallfahrtsort von Habsburg-Fans ...

Es ist wieder einmal Sommer in Bad Ischl und die Stadt will ihren Gästen etwas Besonders bieten: Ein Varieté mit dem Titel „Sissi-Feuerwerk“. Bad Ischl ist als Treffpunkt und Wallfahrtsort von Habsburg-Fans und im Besonderen als Mekka für Verehrer der Kaiserin Elisabeth „Sissi“ bekannt. Echte Anhänger der Monarchie wie Dr. Ronacher sind über die Kommerzialisierung nicht gar so begeistert.

Bei den Proben des Varietés, das auch eine Tierschau im Programm hat, stürzt ein als Sissi verkleidete Artistin vom Hochseil. Mitten drin ist auch Chefinspektor Paul Materna, der eben bei Freundin Josi Konarek, auf Urlaub weilt. Zuerst geht man von einem unglücklichen Zufall aus, doch bald ist klar, dass hier jemand nachgeholfen hat. Doch wer? Und was haben die militanten Tierschützer mit dieser Sache zu tun? Oder warum sind Tierpfleger Giorgio und eine weitere Artistin verschwunden? Gemeinsam oder jeder für sich? Fragen über Fragen, denen sich Materna nun stellen muss. Welche Roll spielt der charismatische Gerold Stein, der in den Ermittlungen ständig Maternas Wege kreuzt?

Meine Meinung:

Jenna Theiss ist wieder ein interessanter Krimi mit viel Lokalkolorit gelungen. In Bad Ischl versammeln sich allerlei skurrile Persönlichkeiten wie eben der näselnde Dr. Ronacher, den Josi und Materna nur „Graf Bobby“ nennen.

Auch Josi selbst, Journalistin und Psychologin, hat so ihre Eigenheiten. Mit Bad Ischl verbindet sie eine Art Hassliebe, die sie schön langsam aber sicher abzulegen beginnt.
Gut gefällt mir, dass diesmal auch die Ursache des Familienzwistes um Maternas Familiengeschichte erwähnt wird. Das könnte noch Stoff für weitere Krimis sein. Immerhin sind die Familien seines Vaters und seiner Mutter Profiteure des NS-Regimes.

Dieser zweite Krimi der Reihe um Materna und Konarek verzichtet auf blutige Details und reißerische Verfolgungsjagden. Es wird ordentlich ermittelt, Schritt für Schritt und die Auflösung ist schlüssig.

Für nicht österreichische Leser steht ein ausführliches Glossar am Ende des Buches. Das Personenverzeichnis zu Beginn, hilft den Überblick zu bewahren.

Nicht unerwähnt lassen darf man die köstlichen Mehlspeisen, die im berühmten Café Zauner serviert werden: Von Apfelstrudel bis Zaunerstollen.

Fazit:

Ein Krimi mit viel österreichischem Flair und gründlicher Ortskenntnis, dem ich gerne 5 STerne gebe.

Veröffentlicht am 19.06.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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Dies ist der zweite Krimi rund um KHK Gina Angelucci. Nach der Baby-Pause kehrt die engagierte Münchener Kriminalistin in de Beruf zurück.

Ihr erster Fall für nach Altbruck, einem kleinen Ort nahe München, ...

Dies ist der zweite Krimi rund um KHK Gina Angelucci. Nach der Baby-Pause kehrt die engagierte Münchener Kriminalistin in de Beruf zurück.

Ihr erster Fall für nach Altbruck, einem kleinen Ort nahe München, wo man bei Bauarbeiten zu einem neuen Gewerbegebiet, Teile von zwei menschlichen Skeletten entdeckt hat.

Recht bald ist klar, dass die beiden Toten, ein Mann und eine Frau eines gewaltsamen Todes gestorben sind. Tatzeit: vermutlich 1944/45. Gina will den Toten ihre Identitäten wiedergeben, obwohl ihr Chef sogar nicht damit einverstanden ist.
Sie verbeißt sich in den Fall und findet heraus, dass im ach so beschaulichen Altbruck nicht alles so ist, wie es scheint. Während der Nazi-Zeit haben einige Dorfbewohner den Grundstein für ihr aktuelles Vermögen gelegt. Mitten drinnen zwei verfeindete Familien und eine ehemalige Munitionsfabrik.


Meine Meinung:

Inge Löhnig ist wieder ein fesselnder Krimi gelungen, der verschiedene Themen anspricht. Da ist zum Beispiel der Umgang mit den Verbrechen der Nazis, die viele Leute heute am liebsten vergessen wollen und andere als Mahnmal aufgearbeitet wissen wollen. Auch Ginas und Tinos kleine Tochter Chiara, die mit Trisomie 21 geboren wurde, hat ihre Auftritte. Sei es als fröhliches aufgewecktes Kind, oder sei, dass ihr und ihrer Familie mit Unverständnis begegnet wird. „Damals hätte es so etwas nicht gegeben.“
Doch damit nicht genug! Die junge Familie wird von einer geheimnisvollen Frau aus einem vorherigen Fall verfolgt. Gina Angelucci und ihr Mann, Tino Dühnfort, meistern die Herausforderungen, die ihnen das Leben stellt.

Gina ist sympathisch, zielstrebig und wohltuend normal. Sie stürzt sich in die Arbeit, füg Mosaiksteinchen an Mosaiksteinchen und kann auch ihren Chef überzeugen. Die Leser natürlich sowieso.

Der Schreibstil der Autorin ist fesselnd, die Charaktere haben Ecken und Kanten. So schafft es Inge Löhnig, gemeinsam mit dem gut durchdachten Plot, ihre Leser zu fesseln. Gekonnt legt sie falsche Spuren und führt die Leser ein wenig an der Nase herum.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der auch ein wenig nachdenklich macht.
Gerne gebe ich hier 5 Sterne und warte auf eine baldige Fortsetzung.

Veröffentlicht am 19.06.2019

Diesmal liegen Obst und Gemüse unter dem Messer

Kochbuch ohne Rezepte, Band 3
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Auch der 3. Band dieser Kochbuch-Reihe begeistert. Buchrücken, Lesebändchen und Titel sind passend zum Inhalt (Obst und Gemüse) in grün gehalten.

Der Aufbau ist, damit sich Koch bzw. Köchin leichter tun, ...

Auch der 3. Band dieser Kochbuch-Reihe begeistert. Buchrücken, Lesebändchen und Titel sind passend zum Inhalt (Obst und Gemüse) in grün gehalten.

Der Aufbau ist, damit sich Koch bzw. Köchin leichter tun, wie in den Vorgängern. Zwischen den einzelnen Kapitel ein paar leere Seiten (als kleines Extra: sie sind liniert!), die Platz für eigene Notizen und Anmerkungen bieten. Viele Fotos ergänzen den informativen Text.

Wir lernen den Unterschied zwischen Obst und Gemüse kennen (Gibt’s den überhaupt?), zahlreiche fast ausgestorbenen Obst- und Gemüsesorten und deren Verwendung. Wir erfahren Wissenswertes über Einkauf und Lagerung.

Wie werden Bratkartoffel wirklich knusprig? Einfach nachlesen auf S. 133.

Fazit:

Ein anschauliches Kompendium über Obst und Gemüse, in dem sich auch Kochanfänger bestens zurecht finden. Bon Appetit und 5 Sterne.