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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.08.2019

Was ist eigentlich Heimat?

Die Lichtsammlerin
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Mit „Die Lichtsammlerin“ von Beatrix Kramlovsky durfte ich einen Mehrgenerationenroman lesen, der mir wirklich ans Herz ging. Er handelt von drei starken und doch sehr unterschiedlichen Frauen, die alle ...

Mit „Die Lichtsammlerin“ von Beatrix Kramlovsky durfte ich einen Mehrgenerationenroman lesen, der mir wirklich ans Herz ging. Er handelt von drei starken und doch sehr unterschiedlichen Frauen, die alle durch die Zeit und ihr Umfeld auf eigene Weise geprägt wurden. Der Leser mag geneigt sein, die Großmutter Rosa, die sogenannte Lichtsammlerin, als stärkste Persönlichkeit zu verehren, doch ich sympathisierte in diesem Fall mit allen Dreien, besonders auch mit der Tochter Erika. Sie schien sich am schwersten mit dem Glücklichsein zu tun. Fast wie ein mittleres Kind, das wie zwischen ein Sandwich eingepackt groß wird, konnte weder ihrer Mutter noch ihrer Tochter wirklich nahestehen. Mehr möchte ich nicht vorweg nehmen, aber dafür ich möchte den Schreibstil der Autorin äußerst lobend hervorheben. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Die Geschichte liest sich flüssig und regt zum Nachdenken an. Zudem ist sie ab und zu mit kleinen Ausdrücken gespickt, die nur aus österreichischer Feder kommen konnten und mir immer mal wieder ob des doch ernsten Themas ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Drei Generationen, die frei- oder unfreiwillig zwischen Österreich und Australien pendeln, in guten und in schlechten Tagen … von mir eine klare Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 17.07.2019

When history repeats itself ...

Eine irische Familiengeschichte
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Was vom Klappentext her eigentlich als eine unspektakuläre Geschichte anmutet, entpuppt sich beim Hören schnell als geheimnisvoll und hatte mich gleich in den Bann gezogen. Lage um Lage entfernt Elizabeth ...

Was vom Klappentext her eigentlich als eine unspektakuläre Geschichte anmutet, entpuppt sich beim Hören schnell als geheimnisvoll und hatte mich gleich in den Bann gezogen. Lage um Lage entfernt Elizabeth Keane in ihrem alten Heimatort Buncarragh von den angestaubten Erzählungen und muss bald feststellen, dass nichts so ist wie es scheint. Sie macht sich auf die Suche nach einem Vater, der angeblich schon lange tot ist und macht bald befremdliche Entdeckungen. Auch an der Homefront in ihrem Zuhause in Amerika läuft nichts wie geplant und das Leben ihres Sohnes macht sich bald auf unschöne Art selbstständig …
Auf unaufgeregte Art und doch immer wieder spannend schreibt Graham Norton hier eine Geschichte, die dem Spruch „Mehr Schein als Sein“ schnell eine ganz neue Bedeutung gibt. Er arbeitet akribisch auf eine Art Happy End hin, die dann doch keines ist … oder doch? Ich habe mich jedenfalls keine Minute gelangweilt in dieser irischen Familiengeschichte.

Veröffentlicht am 09.07.2019

Manchmal fehlten mir schlichtweg die Worte ...

Die Liebenden von Leningrad
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Wow, was für ein opulentes Werk! Den Vergleich mit Dr. Schiwago finde ich durchaus gelungen und hatte, dank des Films, auch beim Lesen von „Die Liebenden von Leningrad“ einen sehr realen Film im Kopf. ...

Wow, was für ein opulentes Werk! Den Vergleich mit Dr. Schiwago finde ich durchaus gelungen und hatte, dank des Films, auch beim Lesen von „Die Liebenden von Leningrad“ einen sehr realen Film im Kopf. Wieder einmal musste ich schmerzlich feststellen, was für ein grausames Erlebnis der Zweite Weltkrieg für Millionen von Menschen war. Mit Russland hatte ich mich zu diesem Thema zuvor eher selten beschäftigt. Zu Angst und Schrecken gesellten sich Hunger und Kälte. Es ist für mich ein Wunder, wie unter diesen Umständen überhaupt noch Menschen überleben konnten. In jeder Familie gab es Tote, auch die Familien von Tatiana und Alexander blieben davon nicht unberührt und besonders Tatiana litt sehr unter dieser Situation. Während Alexander an verschiedenen Fronten immer wieder zu Einsatz kam, war ihr Einsatz an der Heimatfront nicht weniger gefährlich …
Im Nu hatte mich das Buch gefesselt und die 750 Seiten flogen nur so dahin. Die Autorin Paullina Simons schreibt sehr bildhaft und anschaulich. Bei den in Russland beschriebenen Temperaturen, huschte der ein oder andere Schauer auch durch mich. Einen Stern Abzug gibt es von mir für die teilweise recht gefühlsseligen, leicht schmalzigen Beschreibungen rund um das off and on Liebesverhältnis von Tatiana und Alexander. Dennoch hat mich dieser Roman, der mit einem Cliffhanger endet, sehr, sehr neugierig auf den Folgeband gemacht.

Veröffentlicht am 04.07.2019

Wann ist ein Leben lebenswert?

Mehr als die Erinnerung
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Zum Inhalt ist dem Klappentext nichts hinzuzufügen, dafür teile ich umso lieber meine persönliche Meinung zu dem Buch. Es war für mich inzwischen schon das dritte Buch der Autorin und ich bin nach wie ...

Zum Inhalt ist dem Klappentext nichts hinzuzufügen, dafür teile ich umso lieber meine persönliche Meinung zu dem Buch. Es war für mich inzwischen schon das dritte Buch der Autorin und ich bin nach wie vor schwer beeindruckt von Melanie Metzenthin. Sie ist eine äußerst sympathische Powerfrau, die sich immer wieder großartig in diese Leserunde eingebracht hat, sodass das Buch bei mir einen noch tieferen Eindruck hinterlassen konnte. Sie hat mir in einem spannenden Roman, der eigentlich schon Kriminalcharakter hat, die Welt der „Irrenärzte“ und ihrer Patienten näher gebracht. Es ist schon unglaublich, in welche Abgründe manche Ärzte in dieser Zeit stiegen, um Versuche an ihren Schützlingen durchzuführen. Ein Paradebeispiel hierfür in diesem Buch ist einer der Ärzte auf Gut Mohlenberg, der selbst vor Mord nicht zurückzuschrecken schien.
Doch sie erklärt uns auch durch ihre Protagonistin Friederike von Aalen, dass Liebe, Fürsorge und viel Geduld zu positiven Ergebnissen führen können, und dass ein Leben mit einer geistigen Einschränkung keinesfalls ein unwertes Leben sein muss.
Durch diese beiden Gegensätze hat Melanie mir als Leserin in einer verständlichen Sprache viel medizinisches Fachwissen vermittelt – verpackt in einen fesselnden Roman - ohne dass ich mich auch nur einen Moment gelangweilt hätte. Ich freue mich nun schon riesig auf ihr nächstes Buch, das sie hoffentlich wieder in einer ihrer inzwischen recht bekannten Leserunden begleiten wird.

Veröffentlicht am 03.07.2019

The road to no return ...

Über alle Grenzen
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Warum dachte ich eigentlich all die Jahre immer Bücher von Hera Lind würden mir nicht gefallen? Mir war gar nicht bewusst, dass sie eine Autorin ist, die unter anderem auch wahre Geschichten aufgreift ...

Warum dachte ich eigentlich all die Jahre immer Bücher von Hera Lind würden mir nicht gefallen? Mir war gar nicht bewusst, dass sie eine Autorin ist, die unter anderem auch wahre Geschichten aufgreift und sie auf eindrucksvolle Weise ihrem Publikum näherbringt. Genau, wie ich es liebe.
So auch in diesem Buch, in dem sie die Geschichte der Familie Alexander erzählt, die – man mag es kaum glauben – damals vom Westen in den Osten Deutschlands zog. Doch wenn der Vater von etwas begeistert war, gab es für ihn kein Halten mehr. Hatte er nicht Jahre zuvor die ganze Familie beinahe nach Afrika umgezogen! Nun gab es für ihn diese einmalige Chance seinen Beruf zur Leidenschaft zu machen und nach Thüringen zu ziehen. Während es am Anfang für die Familie nicht immer leicht war, fing man doch bald an sich einzugewöhnen immer mit dem Hintergedanken „Wir können ja jederzeit zurück“. Doch dann kam alles anders und die Brücke zurück in den Westen wurde eingerissen …
Die Autorin vermittelte einem Wessi wie mir einen Eindruck in das Leben in der ehemaligen DDR, der mich erschüttert hat. Immer mal wieder hatte ich Geschichten über den Überwachungsstaat gehört, doch diese zog mir die Socken aus. Die Unverfrorenheit mit der man nicht nur aus dem Job entlassen werden konnte, ein Studium oder Zeugnis verweigert wurde, einem die Wohnung gekündigt wurde und man sogar ins Gefängnis kam, ist für mich unvorstellbar. Dieses Buch hat mir mal wieder die Augen geöffnet und eigentlich dürfte es doch niemanden geben, der nicht froh darüber ist, dass diese Zeiten – zumindest in unserem schönen Deutschland – vorbei sind.