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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2019

Moderne Klassiker

Kochen? Läuft!
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Ich bin wohl schon zu alt, jedenfalls habe ich mit YouTube kaum was am Hut und kenne auch Mori nicht. Sein Kochbuch gefällt mir allerdings recht gut. Seine Leidenschaft für Videospiele erkennt man auch, ...

Ich bin wohl schon zu alt, jedenfalls habe ich mit YouTube kaum was am Hut und kenne auch Mori nicht. Sein Kochbuch gefällt mir allerdings recht gut. Seine Leidenschaft für Videospiele erkennt man auch, indem er seine Rezepte nämlich nach Schwierigkeitslevel kategorisiert. Und da haben selbst die einfachen Rezepte für die "Noobs" einen kreativen Kniff. Aus einer schnöden Leberkässemmel, wie ich sie schon unzählige Male gegessen habe, wird hier ein 'Burger' in der Laugensemmel mit feinem Cole Slaw (für den es auch noch ein separates Rezept gibt).

Überhaupt kommen hier zahlreiche Klassiker drin vor (Bruschetta, Pizza, verschiedene Pasta, Currywurst, Köttbullar, Wiener Schnitzel, Saltimbocca, Involtini, Tiramisu, Samosas, Chili con Carne, Schweinefilet mit Semmelknödel, Roastbeef, Rinderhüftsteak, Zitronen-Risotto mit Lachsfilet und Creme Brulee), doch für meinen Geschmack ist das genau das Richtige. Die Gerichte kennt jeder, aber weiß auch jeder wie all das selbst gekocht wird? Welche Zutaten und vor allem Gewürze darin vorkommen? Dass bei den Köttbullar zB, anders als bei den Buletten die ich kenne, noch Sahne reingehört. Zumindest macht Mori das so, und ich will ihm das mal glauben.

Es gibt zu jedem Gericht - neben den wertvollen Nährwertinfos - ein schönes Foto, das gleich Appetit macht. Wem das nicht reicht, der kann auch den QR-Code scannen und sich den Autor beim Kochen des Gerichts zuschauen. Das sollte man aber machen, wenn man mal Zeit und Muße hat. Zum reinen Kochen reicht das Buch als Vorlage. Die Beschreibungen zur Zubereitung sind verständlich, ab und an gibt es Tipps & Tricks. Mein Tipp wäre: schafft euch parallel zum Buch gleich eine gut sortierte Gewürzschublade an! Das Standard-Gewürz-Karussell mit den 10 typischen Gewürzen der dt. Küche, die man zum Einzug in die erste Wohnung erhalten hat, reicht hier bei weitem nicht aus!

Veröffentlicht am 11.07.2019

Frisch, modern, humorvoll

Herzklopfen nicht ausgeschlossen
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Ein junger frischer moderner Frauenroman, der im Altenheim spielt. Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist jedoch keiner. Denn die älteren Bewohner dieser Seniorenresidenz sind nur die Nebenfiguren, tatsächlich ...

Ein junger frischer moderner Frauenroman, der im Altenheim spielt. Was sich wie ein Widerspruch anhört, ist jedoch keiner. Denn die älteren Bewohner dieser Seniorenresidenz sind nur die Nebenfiguren, tatsächlich dreht sich bei "Herzklopfen nicht ausgeschlossen" alles um Feli, deren Großmutter seit 3 Monaten in eben diesem Etablissement wohnt und sie aus diesem Grunde ebenfalls dort zu arbeiten begonnen hat. Und auf der anderen Seite haben wir Leo, ein auf den ersten Blick reicher Schnösel mit Hang zu ausufernden Parties. Auf den zweiten Blick hat er dann zwar immer noch Geld und ein großes Selbstbewusstsein, aber auch Hirn & Herz. Und wegen einer blöden Dummheit 100 Sozialstunden in eben diesem Altenheim ableisten muss.

Feli und Leo haben keinen guten Start zusammen. Kein Wunder, sind sie doch eigentlich sehr gegensätzliche Typen Mensch. Als "Kotelett und Kaviar" charakterisieren sie sich selbst, und dieser Vergleich trifft es ausgezeichnet.
Natürlich entwickelt sich dann dennoch eine klassische From-Enemies-to-Lovers Geschichte, die wunderbar erzählt wird. Beschwingt und humorvoll, aber stellenweise auch mit ernsteren Tönen. Für mich rundum realistisch, nichts wirkte aufgesetzt oder konstruiert. Vor allem die beiden Hauptcharaktere und der kleine Cast an Nebenfiguren wirkten individuell und authentisch. Das Setting war für mich eine sehr willkommene Abwechslung in diesem Genre. Ebenso, dass die Autorin bei einer Nebengeschichte um Felis Mutter nicht in die Klischeekiste gegriffen hat, wie es in 99% der Fälle passiert. Die zahlreichen popkulturellen Anspielungen mochte ich wieder sehr, ebenso die witzigen und schlagfertigen Dialoge zwischen einzelnen Charakteren (nicht nur zwischen Feli und Leo). Genau meine Wellenlänge!

Rundum ein Lesevergnügen, bei dem ich mich sehr wohl gefühlt habe.

Veröffentlicht am 03.07.2019

Schöne kindgerechte Biografie mit Focus auf der Mondlandung

Neil Armstrong
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Obwohl die erste Mondlandung bereits hinter uns lag und das Apollo-Programm längst beendet, war in meiner Generation das Thema Raumfahrt noch relativ groß, und viele Kinder (ok, vorwiegend Jungs) interessierten ...

Obwohl die erste Mondlandung bereits hinter uns lag und das Apollo-Programm längst beendet, war in meiner Generation das Thema Raumfahrt noch relativ groß, und viele Kinder (ok, vorwiegend Jungs) interessierten für die Erlebnisse der - in meinem Fall - Kosmonauten. Wobei in dem Teil Deutschlands, in dem ich aufwuchs, alle Schüler Juri Gagarin kannten und auch wussten wie das erste Lebewesen im Weltall hieß. Das war die Hündin Laika. Und dann war unser Sigmund Jähn auch noch der erste Deutsche im All! Die Namen der drei Männer, die als erstes auf dem Mond gelandet waren, kannte keiner von uns. Das ganze Mondprogramm war tatsächlich nie Thema in der Schule oder in Fernsehdokus.

Erst in den 90ern, als ich "Apollo 13" im Kino sah, habe ich im Zuge dessen auch mal was über die erste Mondlandung erfahren. Doch im Grunde war alles, was dieses Buch hier berichtet, Neuland für mich. Auf 100 Seiten wird hier erzählt, wie ein kleiner flugbegeisterter Junge zum berühmtesten Astronauten der Welt wurde (denn mittlerweile kennen wohl auch alle im Osten Deutschlands seinen Namen). Die Geschichte ist sehr kindgerecht erzählt, sowohl vom Inhalt als auch sprachlich. Letzteres sogar so, dass es auch schon für Grundschulkinder geeignet ist (die offizielle Altersangabe ist 10-12 Jahre). Und gerade jetzt anlässlich des 50. Jahrestag der ersten Mondlandung könnte man die Kinder vielleicht mal wieder für dieses Thema interessieren. Zudem ist es gespickt mit sehr vielen Fotos.

Das generelle Interesse für dieses Thema war bei meinen Jungs geweckt a) durch die Begeisterung vom Papa für die Raumfahrt und im Grunde mehr noch durch b) Anne und Philipp, die mit dem magischen Baumhaus in Band 8 auch auf dem Mond landen. Mit dieser Biografie hier sie dann eine genauere Vorstellung dafür kriegen, wie so ein Flug zum Mond abgelaufen ist. Auch für mich war da einiges neu, zB dass Neil Armstrong und Buzz Aldrin nach ihrem Spaziergang auf dem Mond nicht gleich wieder losgeflogen sind zur Raumkapsel, sondern erstmal eine Runde in der Eagle geschlafen haben, d.h. also auf dem Mond "übernachtet" haben, bevor sie sich auf den Rückweg machten.

Das ganze Buch habe ich mit meinen Kindern noch nicht gelesen, die interessierten sich erstmal nur für die wirklich interessanten und spannenden Stellen. Ich hingegen habe mir wirklich alles zu Gemüte geführt. Neil Armstrong selbst hat sich ja nie als Held gesehen, denn er sagte zu Recht dass Tausende von Menschen an diesen Raumfahrtmissionen beteiligt gewesen waren und alle ihren Anteil daran hatten, dass er überhaupt dort oben war und alles so reibungslos klappte wie es die Ingenieure vorausgesagt und ausgerechnet hatten. Das stimmt zweifellos, allerdings zeigt diese Biografie doch auch auf, wieso Neil eben nicht nur ein tausendstel Anteil an der ganzen Sache hatte, sondern zu Recht als Kommandant für die Apollo 11 ausgewählt wurde und auch nicht nur zufällig derjenige sein durfte, der dann den großen Sprung für die Menschheit als Erster tat, sondern sich dieses Privileg wirklich verdient hat.

Veröffentlicht am 14.06.2019

Nachkochbare Rezepte und 100% Gilmore Girls Feeling

Eat Like A Gilmore
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Man merkt es dem Buch wirklich an, dass die Autorin (und anderen Beitragenden) wirkliche Gilmore Girls Fans sind. Nicht nur finden sich in der Einleitung und Vorstellung der Personen ständig Hinweise darauf, ...

Man merkt es dem Buch wirklich an, dass die Autorin (und anderen Beitragenden) wirkliche Gilmore Girls Fans sind. Nicht nur finden sich in der Einleitung und Vorstellung der Personen ständig Hinweise darauf, auch bei jedem Rezept steht dabei in welcher Episode oder Situation dieses in der Serie aufgetaucht ist. Zudem sind die Rezepte einzelnen Kategorien zugeordnet. Bei Gerichten aus Luke's Diner geht es eher bodenständig zu, bei Sookies Küche darf es gerne auch mal ausgefallen sein.
Insgesamt sind aber alle Gerichte bis auf wirklich wenige Rezepte (wie die Hochzeitstorte oder auch die selbstgemachten Donuts) absolut tauglich für den normal begabten Hobbykoch bzw. -köchin. Die Maßangaben wurden den deutschen Einheiten angepasst, die Zutanten ebenfalls (Ahornsirup sollte man sich dann wohl zulegen, kann man hier für mehrere Gerichte gebrauchen) und die Erklärungen sind verständlich formuliert. Zudem gibt es ausnahmslos zu jedem Gericht ein Foto, und das gesamte Buch ist wunderschön gestaltet und absolut passend zum Thema (kleine Szenenfotos von den Charakteren mit diesem Gericht wären das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber das war vielleicht auch eine Frage der Rechte & Lizenzen).

Ich werde mich sicherlich mal an einigen Rezepten probieren, wie dem typisch amerikanischen French Toast, dem Gründerväterpunsch, den Muffins mit Apfelmus oder dem Mac & Cheese Rezept. Bei Chow Mein auf Baguettebrötchen bin ich allerdings ziemlich skeptisch. Dafür bin ich sehr neugierig auf den "Patty Melt", Leibspeise von Kirk, die ich gern mal testen würde.
Die Vorschläge für einen Frühstückscerealien-Mix finde ich ebenfalls Klasse. Die perfekte Kombination 'erfindet' Paris in Yale am Frühstücksbuffet, die Autorin erweitert diese Idee um ein paar Vorschläge. Ist einen Versuch wert! Und dass es hier in diesem Kochbuch überhaupt enthalten ist, macht dieses Buch wirklich zu einem typischen GG-Buch.

Besonders passend fand ich, dass in diesem Buch mit dem Titel "Eat like a Gilmore" natürlich ein Kapitel über Kaffee nicht fehlen darf! Hier gibt es neben generellen Tipps für einen perfekten Kaffee (kein Leitungswasser sondern gefiltertes Wasser nehmen!) auch ein paar Rezepte. Und zwar jeweils in der fancy Sookie-Variante, wo alles selbstgemacht ist. Und in der faulen Lorelei-Variante mit Convenience-Produkten wie Sprühsahne und Fertigsirup. Denn mal ehrlich, eine Lorelei Gilmore die sich lange in die Küche stellt um einen Kaffee zu trinken (oder überhaupt irgendwas zuzubereiten) kann sich wohl niemand vorstellen.

Veröffentlicht am 05.06.2019

Authentisch, nachvollziehbar - beeindruckend!

Mein Leben als Sonntagskind
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Dieses Buch ist ein wahrer Wälzer, und doch hätte ich noch stundenlang weiterlesen mögen um zu erfahren, was Jasmijn in den restlichen 20 Jahren seit 1999 so passiert ist. Doch die Autorin konzentriert ...

Dieses Buch ist ein wahrer Wälzer, und doch hätte ich noch stundenlang weiterlesen mögen um zu erfahren, was Jasmijn in den restlichen 20 Jahren seit 1999 so passiert ist. Doch die Autorin konzentriert sich hier rein auf die Kindheit und Jugend ihrer Protagonistin, die stark autobiografisch ist. In einem Interview sagte sie, dass sie zwar einiges von sich selbst weggelassen, und auch einiges hinzu erdacht hat. Aber im Großen und Ganzen beschreibt sie hier ihr Leben, ihr Aufwachsen und Erwachsenwerden mit dem Asperger-Syndrom, ohne dass sie überhaupt weiß was das ist geschweige denn dass sie das hat.

Sie weiß nur, dass sie anders ist. Ihre Mutter sagt es ihr ja oft genug, begleitet von einem kleinen Seufzer, "So bist du eben". Erstaunlicherweise akzeptieren ihre Eltern das aber, wobei man immer bedenken muss: sie wussten ja gar nicht, dass Jasmijn nicht einfach nur eigen ist sondern eben Asperger hat. Dennoch waren sie absolut verständnisvolle Eltern, die immer hinter ihrer Tochter standen! Sie versuchten nie sie zu ändern, sagten nie "jetzt reiß dich aber mal zusammen", sondern akzeptieren ihre Eigenarten und versuchen im Rahmen ihrer Möglichkeiten Lösungen zu finden damit Jasmijn ihre Umwelt leichter ertragen kann. Denn fremde Menschen, Gewusel, viele Stimmen, grelles Licht, starke Gerüche, Musik - all das ist für Jasmijn zu viel. Das macht es ihr schwer, Shoppingtrips im Einkaufszentrum, die Schuldisco oder selbst Essenseinladungen bei ihrer besten Freundin zu überstehen.

Jasmijn fällt es zudem schwer, sich auf mehr als eine Sache gleichzeitig zu konzentrieren. Sie vergleicht sich da an einer Stelle mit der "normalen Jasmijn", die in ihrem Kopf 'lebt' und sich eben ganz normal verhält. "Klar, sie konnte wie alle anderen die ganze Skala der Nebengeräusche herausfiltern, sich auf das eine Geräusch einstellen, das sie hören wollte, und den Rest vorbeifliegen lassen wie Bälle, die das Tor verfehlen. Dass bei mir alle Bälle trafen, wusste sie nicht. Mein Kopf war ein Tor ohne Torwart."
Die reale Jasmijn braucht einen festgelegten und bekannten Ablauf. Sie muss sich auf jede Situation im Vorhinein einstellen, und sei es nur ein Besuch bei der Oma. Auch dort muss sie wissen, wer von der großen Verwandtschaft auch da sein würde. Denn im Kopf spielt sie ganze Szenen vorher durch, übt alles und legt sich ein Drehbuch zurecht - als wäre ihr Leben ein Theaterstück.

Wie sich diese überbordenden Situationen voller Sinneseindrücke für Jasmijn anfühlen, beschreibt die Autorin anhand zahlreicher Erlebnisse sehr eindrucksvoll und nachvollziehbar. Auch, wie kräftezehrend das für sie war (angesichts der Mengen an (ungesunder) Nahrung die sie verzehrte um einen anstrengenden Tag zu überleben wundert es mich sehr, dass sie anscheinend nie Gewichtsprobleme bekommen hat).

Erstaunlich fand ich dann aber, dass sich die Protagonistin nicht nur bewusst ist dass sie sich anders verhält. Sondern dass es eben diese "normale Jasmijn" in ihrem Kopf gibt, die sich all den Situationen wunderbar anpassen kann die ihr selbst so viele Schwierigkeiten bereiten. Sie beschreibt teilweise sehr detailliert, wie die normale Jasmijn reagiert hätte. Sie sagt ihr quasi vor, was sie jetzt 'normalerweise' tun sollte. Als Leser fällt es einem dann manchmal schwer zu verstehen, wieso Jasmijn trotz dieser inneren Soufleuse 'nicht über ihren Schatten springen' kann. Und anscheinend fragt sich das die Jasmijn in ihrem Kopf auch. "Komm, rief die Normale Jasmijn. Du kannst es doch. Doch sie verstand mich nicht. Ich konnte es eben nicht."

"Mein Leben als Sonntagskind" ist ein Buch, das mich sehr gut unterhalten hat. Viel mehr noch hat es mir aber vor allem das Leben - und vor allem Aufwachsen - mit dem Asperger Syndrom sehr verständlich und nachvollziehbar vor Augen geführt. Eine wahrlich beeindruckende Lektüre!