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Veröffentlicht am 16.07.2019

Leider enttäuschend und deutlich schlechter als der Auftakt

Das Herz aus Eis und Liebe
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"Es stellt sich heraus, dass meine Wünsche etwas mit dir zu tun haben." Ein Moment verstrich in Stille. "Ich habe keine Wünsche, Mariko", sagte er zart. "Den Luxus von Träumen habe ich schon seit Jahren ...

"Es stellt sich heraus, dass meine Wünsche etwas mit dir zu tun haben." Ein Moment verstrich in Stille. "Ich habe keine Wünsche, Mariko", sagte er zart. "Den Luxus von Träumen habe ich schon seit Jahren nicht mehr."

Marikos und Okamis Geschichte hat mich im ersten Teil sehr begeistert. Es passiert selten, dass mich ein Buch so häufig überrascht und fesselt. Darüberhinaus war das japanische Setting etwas, das das Buch außergewöhnlich gemacht hat. Mit diesen Eindrücken im Kopf war ich gespannt darauf zu erfahren, wie es nun weitergeht. Der Cliffhanger beim ersten Teil hat ja genug Fragen offen gelassen. Okamis Versteckspiel ist aufgeflogen und Mariko soll nun Raiden, den Bruder des Kaisers, heiraten.

Eigentlich war mir der Auftakt noch recht präsent als ich mit dem zweiten Teil gestartet bin, dennoch habe ich recht lange gebraucht, bis ich wieder vollständig in der Geschichte angekommen war. Zum einen haben mich die ganzen Sichten und Namen etwas verwirrt, aber es lag auch mit an der Handlung. So richtig wollte keine Spannung aufkommen und die Geschichte tröpfelt nur so dahin. Ich könnte sogar so weit gehen und sagen, dass das erste Drittel zäh wie Kaugummi war. Nach dem Feuerwerk an Emotionen im Auftakt war das nun maximal ein kleiner Funke.

Bei der Hälfte des Buches wurde es dann deutlich interessanter, als dann überhaupt einmal etwas passiert ist. Ich mag schon Beschreibungen und die Welt lebt ja auch von den ganzen Details, aber etwas Handlung ist auch schön. Die Enttäuschung ging jedoch noch weiter, weil mir hier die Charakterentwicklung fehlte. Die Frauen des Kaisers, Kenshin und auch Yumi waren im ersten Teil außerordentlich starke Nebencharaktere, die abwechslugnsreich ausgestaltet und vielschichtig waren. Hier sind sie einfach nur farblos. Einige Abschnitte werden aus ihrer Sicht erzählt, sodass der Leser sich eigentlich gut mit ihnen identifizieren können müsste, aber auch sie beschreiben nur wieder und Emotionen oder Hintergründe bleiben komplett auf der Strecke.

Alle Hoffnung habe ich somit in das Ende gesetzt. Hier werden noch einmal neue Ansätze in den Raum gestellt und neue Fragen aufgeworfen. Es läuft einen großen Showdown hinaus, der dann jedoch nicht eintrifft. Es ist kein tosender Paukenschlag sondern einfach nur ein kleines Klingen. Es ist wie wenn jemand mitten in die Handlung einfach ein "Ende" schreibt. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und ich als Leser bin unzufrieden zurückgeblieben. Der ganze Spannungsbogen ist hier in meinen Augen mit wenige Seiten zerstört worden.

Es bleibt wenig Positives, das ich in dem Buch gesehen habe. Über allem hängt eigentlich eine Wolke voller Enttäuschung, weil Spannung, Handlung sowie Charakterentwicklungen fehlen. Meine Erwartungen wurden daher leider nicht erfüllt und der zweite Teil kommt nicht an die Qualität des ersten heran.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Spannung
Veröffentlicht am 22.05.2019

Viele wichtige Themen, die leider ungünstig adressiert werden

Elite
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"Aber so funktioniert das ja an einem Ort wie hier. Gerüchte werden zu Geschichten. Geschichten werden zur Wahrheit. Und wir richten unser Leben nach den Lügen aus, die wir glauben - zumindest so lange, ...

"Aber so funktioniert das ja an einem Ort wie hier. Gerüchte werden zu Geschichten. Geschichten werden zur Wahrheit. Und wir richten unser Leben nach den Lügen aus, die wir glauben - zumindest so lange, bis die eigentliche Realität überwältigend wird. Und was dann?"

Eine Highschool voller privilegierten Schülern und ein Außenseiter, der mit einem Eishockey-Stipendium an diese Schule wechselt... Das klang für mich sehr nach der Serie Gossip Girl. Darüberhinaus noch eine Schülerin, die sich für Gleichberechtigung einsetzt... Das hörte sich zudem nach dem notwendigen Tiefgang an, um einen gehaltvollen Jugendroman zu kreieren. Alle Zutaten für ein spannendes Leseerlebnis waren somit gegeben.

Mit dem Beginn des Buches startet auch ein neues Schuljahr. Für James ist hier auch einiges neu, sodass der Leser aus seiner Sicht viele notwendige Informationen bekommt. Für Jules ist es nur ein weiteres Schuljahr und bei ihr merkt man deutlich, dass sie bereits die anderen Schüler sowie Lehrer kennt und auch schon eine Vorgeschichte hat. Bei ihr wäre eine kleine Einleitung hilfreich gewesen, weil sich so Zusammenhänge erst spät erschließen.

Die Geschichte wird aus James und Jules Sicht erzählt, jedoch gibt es auch noch zwei weitere Charaktere, die hier viel Raum einnehmen und dadurch auch viele andere Themen adressieren. So wird hier nicht nur alltäglicher Sexismus, Diskriminierung und Klassenunterschiede sondern auch Homosexualität oder Vergewaltigungen angesprochen. In meinen Augen sind dies alles äußerst wichtige Themen, die nie genug verdeutlicht werden können. Hier fand ich jedoch die Darstellung häufig nicht glaubwürdig und zu oberflächlich. Ich hätte mir hier manches Mal gewünscht, dass weniger Themen und diese dafür detaillierter angesprochen würden.

James beispielsweise setzt sich dafür ein, dass die Mädchen nicht nur als sexuelle Objekte sondern als Individuen betrachtet werden. Ebenfalls eine wichtige Botschaft - vor allem in einem Jugendroman. Unrealistisch wird sein Engagement dadurch, dass er sich gleichzeitig mit Freunden umgibt, die Mädchen besonders so betrachten und hier lange Zeit nichts sagt. Hier ist der Gedanke leider nicht zu Ende gedacht.

Über die Vielzahl an Themen ist mir auch die emotionale Ebene zu kurz gekommen. Ein Einzelschicksal ist immer einprägsamer als eine generalisierte Aussage. Da die Aussagen nicht so persönlich adressiert wurden, konnte ich wenig mitfühlen und hatte häufig das Gefühl nur ein Bericht oder eine Ansammlung von Appellen zu lesen. Das hat so weit geführt, dass ich vor allem im Mittelteil beim Lesen gelangweilt und nur noch das Buch weitergelesen habe, um vielleicht irgendwann noch positiv überrascht zu werden. Eine positive Überraschung gab es hier leider nicht für mich.

Insgesamt enthält das Buch viele wichtige Gedankengänge, die hier jedoch eher dürftig umgesetzt sind. Im Genre der Jugendromane gibt es da leider viele Bücher, die mit dieser Thematik besser umgehen und die ich bevorzugen würde. Ein unterhaltsamer, tiefgründiger Roman im Stil von "Gossip Girl" war es in meinen Augen nicht.

Veröffentlicht am 26.04.2019

Es waren einfach die falschen Worte

Lotus House - Lustvolles Erwachen (Die Lotus House-Serie 1)
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Die erste Reihe, die ich von Audrey Carlan gelesen habe, war „Trinity“. Sie war spannend, abwechslungsreich und hat mich komplett gefesselt. Auf ein ähnliches Leseerlebnis habe ich mich bei Lotus House ...

Die erste Reihe, die ich von Audrey Carlan gelesen habe, war „Trinity“. Sie war spannend, abwechslungsreich und hat mich komplett gefesselt. Auf ein ähnliches Leseerlebnis habe ich mich bei Lotus House gefreut, weil es vom Klappentext und der Leserprobe her genau danach klang. Am Anfang war es das für mich auch eindeutig, aber nach hinten raus wurde es das immer weniger.

Wie auch schon in den anderen Büchern spielen Yoga und die innere Mitte eine große Rolle. Genevieve ist hier von Herzen Yoga-Lehrerin und sehr auf ihr Gleichgewicht bedacht. Ihr ist Harmonie wichtig, sie ist eher vorsichtig und öffnet sich nicht leicht anderen Menschen gegenüber. Das merkt der Leser auch sehr schön bei den Abschnitten aus ihrer Sicht. Sie sind zwar emotional, aber auch ruhig beschrieben. Sie ist nicht aufbrausend und hat kaum negative Gefühle. Ihren Charakter mochte ich echt sehr.

Trent ist da in vielerlei Hinsicht sehr konträr. Mit Yoga oder Spiritualität hatte er vorher keine Berührungspunkte und war der Womanizer durch und durch. Dass er stark an Frauen und vor allem den körperlichen Aspekten interessiert ist, merkt der Leser bei ihm eindeutig. Das ist generell nichts Schlimmes und ich fand diese Gegensätze auch gut, aber diese Eigenschaften haben sich auch ganz stark in seiner Sprache widergespiegelt. Eigentlich mag ich es, wenn die Charakterzüge einer Figur sich auch sprachlich in der Sichtweise zeigen, hier war es leider häufiger stören. Einfache Beschreibungen sind bei Trent kein bisschen objektiv, sondern erhalten immer vorab eine sexuell angehauchte Wertung. Irgendwann hat mich dieser flache, obszöne Stil genervt. Er war einfach zu übertrieben.

Die Handlung ist wieder gut und spannend. Das Kennenlernen der beiden hat mir Spaß gemacht und auch wie sich beine Figuren weiterentwickeln. In der zweiten Hälfte ist der Fokus dann nicht mehr so stark auf den Charakteren selbst, sondern das Drama, die Konflikte sowie Wendungen nehmen zu. Damit hat das Buch für mich an Natürlichkeit verloren. Es wirkt zunehmend konstruiert und zu gewollt. Die Authentizität und Lockerheit gehen nahezu komplett verloren. Hier war gut, dass dann schnell die letzte Seite kam, bevor die Handlung völlig abstrus werden konnte.

Der Start in das Buch war ausgesprochen stark und auch die Handlung war zunächst wirklich gut. Leider wurden hier nicht immer die richtigen Worte gefunden, um es für mich angenehm zu beschreiben. Hier hätte ich mir eine etwas erwachsenere Sprache und zum Ende hin mehr Nähe zur Realität gewünscht. Alles in allem war es ok, aber ich werde meine Mitgliedschaft im Lotus House wohl nicht verlängern.

Veröffentlicht am 07.03.2019

Lächerlich perfekt!

Park Avenue Princess
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„Ich mag diese beiden Seiten an mir: das Partygirl Georgie und die Geogie, die Essen kocht und Filme anschaut. Ich habe immer gedacht, dass sich eines Tages einfach ein Schalter umlegen würde: Die eine ...

„Ich mag diese beiden Seiten an mir: das Partygirl Georgie und die Geogie, die Essen kocht und Filme anschaut. Ich habe immer gedacht, dass sich eines Tages einfach ein Schalter umlegen würde: Die eine Nacht treibe ich mich in den Klubs herum und trinke Champagner, die nächste bin ich verheiratet und habe Kinder.“

In „Park Avenue Princess“ geht es nicht tatsächlich um eine Prinzessin, sondern um die reiche Erbin Georgie Watkins. Sie verhält sich im übertragenen Sinne wie eine Prinzessin, da sie nicht arbeitet und beinahe täglich die Nächte durchfeiert. Das Highlight ihres Alltags ist jedoch das kurze Treffen mit ihrem Nachbarn und berühmte Scheidungsanwalt Andrew, wenn er zur Arbeit fährt und sie vom Feiern kommt. Können so unterschiedliche Menschen ein glückliches Paar werden?

Die verschiedenen Tagesabläufe kennzeichnen gut, wie gegensätzlich die beiden Hauptpersonen sind. Andrew ist sehr gewissenhaft, stark rational und ein Gewohnheitstier. Georgie ist sprunghaft, emotional und hat noch keinen Tag in ihrem Leben richtig gearbeitet. Das Zitat oben zeigt schon, dass es in ihren Augen einen vernünftigen Menschen ausmacht, wenn er mal Zuhause kocht. Insgesamt gehört sie damit zu einer relativ oberflächlichen Sorte Mensch.

Für mich war es zunächst vollkommen in Ordnung, dass Georgie so simpel gestrickt ist. Andrew vergleicht sie sogar mal mit der Vogelscheuche aus „der Zauberer von Oz“, also ohne Hirn. Die ganze Zeit habe ich hier eine Veränderung erwartet, dass sie doch mal merkt, dass das Leben aus noch mehr besteht als die Planung der nächsten Party. In Ansätzen gibt es auch eine Weiterentwicklung bei ihr und auch bei Andrew, aber mir war dies zu wenig.

Darüber hinaus kam mir die Handlung etwas zu einfach vor. Auch wenn die Geschichte aus der Sicht beider Hauptpersonen erzählt wird, gibt es nur einen linearen Handlungsstrang. Nach dem Lesen des Klappentextes hat man bereits eine grobe Vorstellung, in welche Richtung die Geschichte laufen wird, und in meinem Fall ist es auch alles so mehr oder weniger eingetroffen. Es war somit für mich alles vorhersehbar und offensichtlich. Lediglich eine kleine Überraschung gab es und diese hatte kaum einen Einfluss auf den weiteren Handlungsverlauf.

Zum Ende hin wird es richtig kitschig. Obwohl ich romantisch veranlagt bin, war es mir insgesamt zu rosarot und positiv. Von meiner guten Einstellung zu Beginn über die Ernüchterung hinsichtlich Georgies einfach gestrickten Charakter bis hin zu dem kitschigen Schluss ist für mich das Buch leider immer schlechter geworden. Es war nicht so, dass ich mich durch die letzten Seiten gequält habe – überhaupt nicht. Es konnte mich eben nur nicht besonders stark fesseln.

Andrew nennt Georgie immer wieder lächerlich perfekt. In gewisser Weise beschreibt es das Buch ziemlich gut. Die übertriebenen Gegensätze und die Darstellung der extremen Lebensweisen sind manchmal geradezu lächerlich und gleichzeitig ist der Verlauf der Geschichte zu perfekt, zu geradlinig. Es ist anschaulich geschrieben und es kann einen zeitweise auch gut unterhalten, aber man verpasst auch nichts wirklich, wenn man dieses Buch nicht gelesen hat.

Veröffentlicht am 15.02.2019

Es hätte so gut werden können

Invincible - Ich geb dich niemals auf
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Dieses Buch war nicht die erste Sportler-Romanze, die ich gelesen habe und mit Sicherheit wird es nicht die letzte sein. Starke, durchtrainiert Männer sind einfach ein Augenschmaus - auch beim Lesen. Mit ...

Dieses Buch war nicht die erste Sportler-Romanze, die ich gelesen habe und mit Sicherheit wird es nicht die letzte sein. Starke, durchtrainiert Männer sind einfach ein Augenschmaus - auch beim Lesen. Mit einer positiven Stimmung bin ich somit in das Buch gestartet. Zunächst passte hier auch alles. Der Leser lernt den Rugbyspieler Nick und die neue Sportpsychologin Anna kennen. Da Nick sich direkt zu Beginn verletzt, treffen die beiden sich ziemlich schnell in einer Therapiesitzung aufeinander. Die Sitzungen werden in Ansätzen auch beschrieben und klingen ziemlich schlüssig. Bis hierhin konnte ich allem sehr gut folgen.

Der Titel und der Klappentext versprechen einen Tiefpunkt in Nicks Leben. Dieser kommt erst ein bisschen später in dem Buch und das war auch der erste Moment, wo ich mir dachte "halt, das passt so nicht zusammen". Ohne ins Details zu gehen, stelle man sich nun mal einen Menschen vor, der ganz unten angekommen ist. Seine Welt ist gerade zerbrochen und es geht im miserabel. Hier könnten wirkliche Existenzängste, eine emotionale Krise, ein Zusammenbruche oder so auftauchen. Es gibt ganz viel, was an so einer Stelle passieren könnte. Aber egal, wie ein Charakter auf so eine Veränderung reagiert, in irgendeiner Form wird er extreme Emotionen empfinden und genau die erwarte ich auch als Leser zu spüren. Wenn die Hauptperson verzweifelt ist, dann sollte das auch irgendwo zwischen den Zeilen stehen.

In dem Großteil des Buches konnte ich mir zwar vorstellen, was hier die Charaktere empfinden, aber auf den Buchseiten habe ich das komplett vermisst. Hier wird überwiegend die Handlung, sachliche Gedanken oder Dialoge objektiv berichtet. Das war mir eindeutig zu wenig. Bei so einem Thema muss da einfach viel mehr kommen.

Von der Idee des Buches und dem Rahmenkonzept her war alles für eine perfekte Liebesgeschichte dabei. Es gab eine interessante Handlung, zwei unterschiedliche Charaktere, ein roter Faden und auch ein Spannungsdreieck, aber die Umsetzung war einfach zu schwach. In meinen Augen hätten die Hauptpersonen noch weiter ausgearbeitet werden müssen, damit sie vielschichtiger sind und damit dann auch die Emotionen noch mehr hervorgehoben werden können. Wenn der Leser wirklich versteht, warum ein Charakter seinen Job so liebt, dann ist es viel leichter nachzuvollziehen, warum es schwer ist, wenn man diesen nicht mehr ausüben kann.

Somit hatte das Buch für mich zwar einige gute Ansätze, aber die Umsetzung war an vielen Stellen verbesserungswürdig.