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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.07.2019

Wenn das geschriebene Wort zur gefährlichen Waffe wird

City Hall 1
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London, 1902: Ein brutaler sowie mysteriöser Anschlag auf den Finanzminister ist der Beginn einer Reihe seltsamer Vorfälle, die einer besonderen Maßnahme bedürfen. In dieser von Steampunk angehauchten ...

London, 1902: Ein brutaler sowie mysteriöser Anschlag auf den Finanzminister ist der Beginn einer Reihe seltsamer Vorfälle, die einer besonderen Maßnahme bedürfen. In dieser von Steampunk angehauchten Welt wurde von 200 Jahren jegliches Papier verboten, weil alles zur Realität wurde, was die Leute auf Papier schrieben. Doch ein Bösewicht ist an Papier gekommen und schreibt sich nun seine eigenen Monster, um seine Gräueltaten umzusetzen. Die City Hall Police beauftragt den Erfinder und Schriftsteller Jules Verne, mit Stift und Papier bewaffnet den Bösewicht zur Strecke zu bringen. An seiner Seite der Student Arthur Conan Doyle, der ihn mit seiner besonderen Beobachtungsgabe unterstützt. Doch über Worte zu kämpfen stellt sich als schwieriger heraus, als Jules Verne zuerst dachte…
Eine wundervolle und actionreiche Story über eine Welt, in der Papier eine Massenvernichtungswaffe ist. Es gibt jede Menge ausgefallene Erfindungen und Ideen und die Autoren haben diverse historische Persönlichkeiten wie Malcolm X und Amanda Earhart mit eingebaut. Der Comic brilliert mit detailreichen Panels, ausgefallenen Charakteren und einer flotten Story. Insgesamt ist diese wunderbare Reihe auf sieben Bände ausgelegt.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Mysteriöse Serienmorde im Baskenland

Die Stille des Todes
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Der Fund von zwei Toten weckt böse Erinnerungen in Inspector Unai López de Ayala. Die Opfer, Mann und Frau, liegen nackt in einer liebevollen Umarmung inmiten einer Kirche im spanischen Vitoria. Bereits ...

Der Fund von zwei Toten weckt böse Erinnerungen in Inspector Unai López de Ayala. Die Opfer, Mann und Frau, liegen nackt in einer liebevollen Umarmung inmiten einer Kirche im spanischen Vitoria. Bereits vor 20 Jahren arrangierte ein Serienmörder seine Opfer auf genau dieselbe Art. Doch für diese Taten sitzt der Archäologe Tasio de Ortiz seit bereits 20 Jahren im Gefängnis und erwartet erst in Kürze seinen ersten Freigang. Ist ein Nachahmungstäter am Werk? Zieht Tasio aus dem Gefängnis heraus die Fäden? Oder war damals vielleicht jemand anderes der Täter, wie der Verurteilte seit 20 Jahren behauptet? Etwa sein Zwillingsbruder? Während die Ermittler noch im Dunkeln tappen, wird die Mordserie nach altem Schema fortgeführt…
Mit „Die Stille des Todes“ startet die Trilogie um den spanischen Ermittler Ayala, genannt „Kraken“. Bereits den Beginn fand ich schon sehr interessant: Inspector Ayala hat eine Kugel im Kopf und erzählt anschließend rückblickend, wie es dazu kam. Normalerweise bin ich bei Romanen aus der Ich-Perspektive skeptisch, oftmals sind mir diese zu subjektiv oder enthalten viele langweilige Gedankengänge. Durch den taktischen Kniff, alles rückblickend zu erzählen, kann der Inspector allerdings Unwichtiges auslassen und verschont den Leser mit irrelevanten Gedankenkarussells.
Inhaltlich ist der Fall recht anspruchsvoll, Inspector Ayala und seine Kollegin Inspectora Estíbaliz Ruiz de Gauna ermitteln in viele Richtungen, tragen nach und nach Fakten zusammen – aber der entscheidende Hinweis offenbart sich erst ziemlich spät. Zudem bietet der damalige Verurteilte seine Hilfe bei der Suche nach dem Täter an. Da weiß man auch nicht, ob es ein Trick ist, seine Weste reinzuwaschen, oder ob im Gegenzug jemand ihm oder seinem Zwillingsbruder die Morde unterschieben will. Zusätzliche Rückblicke in die 1970er Jahre erzählen ergänzend von der Vergangenheit der Mutter der Zwillinge, welche sich nach und nach in das Gesamtbild einfügt und Hinweise auf den wahren Täter der Mordserie liefert.
Die Spannung des Thrillers hält bis zum Ende an und geht über den Punkt des Kopfschusses auf den Inspector hinaus. Der Lokalkolorit ist wunderbar in die Handlung eingewoben mit diversen historischen Bauten, Volksfesten und Spezialitäten, ebenso das Private der Ermittler, was jedoch nur einen angenehm geringen Anteil im Vergleich zu den Ermittlungen ausmacht.
Mir hat dieser doch recht komplex aufgebaute Thriller sehr gut gefallen, die Folgebände werden hoffentlich ebenso spannend.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Ehepaar Beresford liebt die Gefahr

N oder M?
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Mit "N oder M" habe ich ein mir bisher unbekanntes Ermittlerduo aus Agatha Christies Feder kennenlernen dürfen. Das britische Ehepaar Tuppence und Tommy Beresford hat bereits während des Ersten Weltkriegs ...

Mit "N oder M" habe ich ein mir bisher unbekanntes Ermittlerduo aus Agatha Christies Feder kennenlernen dürfen. Das britische Ehepaar Tuppence und Tommy Beresford hat bereits während des Ersten Weltkriegs Spionagearbeiten für ihr Land erledigt. Nun ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen, die Kinder sind bereits aus dem Haus, aber niemand hat Verwendung für die beiden. Da bekommt Tommy offiziell einen harmlosen Bürojob angeboten, der sich als heimlicher Geheimdienst-Einsatz entpuppt. Als Privatperson ist er als unbekanntes Gesicht ideal, um einen Maulwurf zu enttarnen. Die pfiffige Tuppence bekommt natürlich Wind davon und reist ebenfalls getarnt an, um in dem gemütlichen Seebad nach dem Landesverräter Ausschau zu halten. Doch es stellt sich die Frage, ob Mann oder Frau, N oder M?
Das Ehepaar Beresford sieht einfach nicht ein, als altes Eisen abgestempelt zu werden, statt im Krieg dem Vaterland zu dienen. Da sie keine echten Spione sind, gehen sie teilweise recht unkonventionell an die Sache heran. Dabei war es amüsant zu lesen, wie sich nach und nach alle möglichen Leute unter Verdacht hatten und sich ihre Begründungen immer entsprechend zurecht bogen, ohne jedoch passende Beweise zu haben.
Wie von der Autorin gewohnt, werden immer mal wieder Hinweise eingestreut, welche auf den oder die Verräter/in hinweisen, man als Leser aber vielleicht nicht immer als solche erkennt. Ebenso haben sowohl der Verräter als auch das Ehepaar ein paar Spionagetricks auf Lager, die selbst nach rund 80 Jahren noch für die ein oder andere Überraschung sorgen. Und am Ende gerät das Paar sogar in Lebensgefahr.
Ein in sich stimmiger und unterhaltsamer Spionage-Krimi mit einem vom Geheimdienst beauftragten Ehepaar.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Ofelias Flucht vor dem Horror des spanischen Militärs

Das Labyrinth des Fauns
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"Das Labyrinth des Fauns" ist das Buch zum Film "Pans Labyrinth" (El Laberinto del Fauno) von Guillermo del Toro aus dem Jahr 2006, welches Cornelia Funke auf dessen Bitte hin verfasste. Entsprechend nah ...

"Das Labyrinth des Fauns" ist das Buch zum Film "Pans Labyrinth" (El Laberinto del Fauno) von Guillermo del Toro aus dem Jahr 2006, welches Cornelia Funke auf dessen Bitte hin verfasste. Entsprechend nah hält sich dieses Buch an das Original. Neu sind die von der Autorin erdachten Kapitel einer Legende, auf der Ofelias Geschichte basiert und die geschickt mit der Realität kombiniert werden.
Ofelia ist eine 13-jährige Schneiderstochter, deren verwitwete Mutter neu geheiratet hat und nun hochschwanger mit ihrer Tochter zu ihrem Gatten Capitan Vidal zu dessen aktuellen Einsatzort im Wald fährt. Dort hat es sich der Militäroffizier im franco-faschistischen Spanien des Jahres 1944 zum Ziel gemacht, die Gegner des Regimes auszurotten. Schnell erkennt Ofelia die Brutalität, welche ihrem neuen Stiefvater innewohnt. Vor dem Schrecken flüchtet Ofelia in eine Fantasiewelt, welche ihr völlig real scheint: Sie begegnet einem Faun, welcher ihr eröffnet, die lang verschollene Prinzessin der Unterwelt zu sein.

"Doch bevor Euch erlaubt wird, in sein Königreich zurückzukehren, müssen wir sicherstellen, dass Euer Wesen unverändert ist und Ihr nicht zu einer Sterblichen geworden seid." (Zitat S. 62/63)

Wie bereits erwähnt, hält sich das Buch sehr ans Original. Der Film ist ab 16, düster und brutal. Das Buch ist ab 14 und macht die Schrecken der Erwachsenen deutlich, ohne allzu übermäßig ins Detail zu gehen. Der meiste Horror geschieht im Kopf, vieles wird eher angedeutet, wobei das bekannte augenlose Monster im Buch sogar relativ harmlos wirkte.
Geschrieben ist das Buch aus der Sicht eines allwissenden Erzählers. Dadurch erhält man z. B. beim Lesen ein wenig Einblick in Vidals Charakter. Sehr schön ist auch die Legende des dortigen Ortes rund um das Labyrinth, welche auf mehrere Kaiptel verteilt im Buch vorkommt und durch einige Details die Erzählung wunderbar ergänzt.

"Wir alle erschaffen uns unsere eigenen Märchen." (Zitat S. 73)

Ofelias Abenteuer sind so geschickt in die Realität eingebettet, dass man nicht immer eindeutig sicher sein kann, wann sie vor dem Horror der Realität in ihre Fantasiewelt flüchtet und welche ihrer Erlebnisse real sind. Mehrere Male verschwimmen die Grenzen, um anschließend mit der gnadenlosen Brutalität der Wirklichkeit über einen hereinzufallen. Sehr schön haben mir auch die Erlebnisse der Erwachsenen gefallen, allen voran die der Widerstandkämpfer, welche in den Wäldern ums Überleben kämpfen und unter Vidals Augen verborgen heimlich Hilfe erhalten.

"Doch die Menschen hören nicht, was die Bäume sagen. Sie haben vergessen, wie man den Dingen der Wildnis lauscht" (Zitat S. 118)

Ihren Schreibstil hat die Autorin wunderbar der Erzählung angepasst. Mal ein wenig märchenhaft, mal auf eventuell drohende Ereignisse anspielend. Hin und wieder Andeutungen, dass Gegenstände magische Eigenschaften aus der Legende besitzen könnten. Die Wortwahl ist angemessen gewählt, auf lange Beschreibungen hat sie verzichtet, um nicht allzu lange auf der Stelle zu treten. Auf diese Weise geht es im Roman zügig voran. Und das Ende ist entsprechend gestaltet, dass jeder Leser für sich entscheiden kann, wo für ihn die Wahrheit von Ofelias Erlebnissen liegt.

Veröffentlicht am 22.07.2019

Gnadenlos spannend

Das Erbe der Macht - Schattenloge 2: In Asche und Blut (Bände 16-18)
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Die Tage der alten Ordnung sind gezählt, der neue Feind der Magier startet zum Angriff. In diesem Band, welcher die Einzelfolgen 16-18 der Urban Fantasy Serie beinhaltet, schickt der mächtige Bran seine ...

Die Tage der alten Ordnung sind gezählt, der neue Feind der Magier startet zum Angriff. In diesem Band, welcher die Einzelfolgen 16-18 der Urban Fantasy Serie beinhaltet, schickt der mächtige Bran seine Gehilfin Chloe auf eine Mission, um ihm ein letztes fehlendes Artefakt zu besorgen: Das Seelenmosaik. Eine gefährliche Mission - zwar nicht für Chloe, jedoch für ihre Begleiter. In der Zwischenzeit versucht Moriarty mit seinen Leuten, mehr über den magischen Pakt herauszufinden, in welchen auch Jen und Alex involviert zu sein scheinen. Und Johannas Freundin, nach langer Zeit von ihren Reisen durch die Splitterreiche zurück, zieht Erkundigungen über Bran ein, welche Böses erahnen lassen. Nebenbei taucht man in die Geheimnisse von Spiegelsaal und Opernhaus ein, erlebt mit Wechselbalg Kyra und Alex spannende Abenteuer, erlebt ein Wiedersehen mit Käptain Nemo, reist mit Alfie und Madison in ein fremdes Land... Und am Schluss, wenn die magische Welt in Trümmern liegt und Bran eine blutige Schneise seiner Macht zieht, erfährt man sein wahres Geheimnis um seine Person!
Selten hat mich ein Buch so sehr bewegt wie dieses! Klar, zur Zyklus-Halbzeit des zweiten Serienzyklus hatte ich mich bereits auf einiges gefasst gemacht - aber mit dem, was dann im Buch geschah, hatte ich nicht gerechnet. Zwar werden in diesem Band sehr viele Fragen beantwortet und die Abenteuer geben sich hier regelrecht die Hand, aber mit welcher Gnadenlosigkeit Bran letztlich zu Werke geht, hat mich doch sehr schockiert. Ebenso war ich überrascht, wer hinter Bran steckt und warum sein Hass auf die Magier so immens wurde. Das gefiel mir sehr gut. Zwischen all den lustigen, spannenden sowie schockierenden Momenten gab es aber auch wieder jede Menge kleiner Details zu endecken, von denen hoffentlich einige im Kampf gegen Bran hilfreich sein werden. Denn - ganz ehrlich - wie der Autor unsere Leute gegen DEN Feind bestehen lassen will, darauf bin ich mehr als nur gespannt!
Spannung, Action, bewegende Momente, Humor und viele neue Details machen diesen Band zum bisher besten der Serie!