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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2019

Lesenswert

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg
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Erst kürzlich war der 75. Jahrestag des Attentats vom 20.Juli, ein Tag, der das Leben einer Vielzahl von Menschen drastisch änderte. Das nationalsozialistische Regime nahm die Familien der Widerständler ...

Erst kürzlich war der 75. Jahrestag des Attentats vom 20.Juli, ein Tag, der das Leben einer Vielzahl von Menschen drastisch änderte. Das nationalsozialistische Regime nahm die Familien der Widerständler in Sippenhaft.

Die Autorin ist das jüngste Kind des Ehepaares von Stauffenberg, Claus wurde bereits kurz nach dem missglückten Attentat hingerichtet, seine Frau und andere Verwandte wurden verhaftet, die Kinder kamen unter falschem Namen in ein Kinderheim, die Autorin selbst wurde in Gefangenschaft geboren.

Natürlicherweise ist diese biografische Aufarbeitung sehr subjektiv gestaltet, dennoch erhält man als Leser tiefe Einblicke in das Familienleben und die Geschehnisse vor und nach dem 20. Juli 1944. Auch Ninas Herkunftsfamilie wird beleuchtet und ihr Leben nach dem Krieg weitererzählt. Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin ihre Mutter durch viele Zitate selbst zu Wort kommen lässt.

Ich habe das Werk mit großem Interesse gelesen, hat es mir doch einen anderen, geradezu intimen Blick auf das Geschehen vermittelt. Sehr dazu beigetragen hat die Bildergalerie im Anhang. Außerdem erhielt ich einen Blick auf eine starke Frau, die sich nicht brechen ließ. Es tut gut, dass der Blick auch einmal auf die Frauen der Männer des 20. Juli gerichtet wird.

Wer sich ein bisschen näher mit den Widerständlern des 3. Reiches beschäftigt, kommt um Claus von Stauffenberg nicht herum, aber auch über seine Frau Nina gibt es einiges zu berichten. Mir hat gerade die subjektive Sicht gut gefallen. Insgesamt ist dieses Buch lesenswert!

Veröffentlicht am 26.07.2019

Zweiter Sammelband einer gelungenen Steampunk-Reihe

Frost & Payne - Die mechanischen Kinder 2: In den Abgrund (Bände 4-6)
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Lydia Frost und Jonathan Payne sind gerade knapp dem Tod entkommen, als sie sich dem nächsten Problem stellen müssen – sie werden verhaftet.

Der zweite Sammelband der Reihe setzt unmittelbar an den Geschehnissen ...

Lydia Frost und Jonathan Payne sind gerade knapp dem Tod entkommen, als sie sich dem nächsten Problem stellen müssen – sie werden verhaftet.

Der zweite Sammelband der Reihe setzt unmittelbar an den Geschehnissen des ersten an, auch hier sind drei Teile der Reihe enthalten. Neben den beiden Protagonisten stehen szenenweise andere Charaktere im Mittelpunkt, u. a. Michael Cho, der sich in der chinesischen Organisation „Dragons“ behaupten muss oder Paynes Ehefrau Cecilia, die sich entscheiden muss, wie sie ihr Leben weiterführen soll, und auch David Cassidy, den entführten Jungen begleitet der Leser wieder in mehreren Szenen. In der Hauptstoryline um die beiden Detektive erhält Frosts Hausmädchen Helen mehr Raum, was mir wirklich gut gefällt, und die Detektei erweitert sich um einen zusätzlichen Mitarbeiter.

Ich finde alle Charaktere gut gezeichnet, nach und nach lernt der Leser einzelne immer besser kennen. Gut gefallen mir auch die historischen Persönlichkeiten, die hier auftauchen, wie etwa Inspektor Abberline und der Duke of Edinburgh, hier vergisst man fast, dass man sich eigentlich in einem fantastischen Großbritannien aufhält.

Die Geheimnisse, die im ersten Sammelband aufkamen, werden auch hier noch nicht gelöst, aber teilweise kommt man der Auflösung näher, erhält neue Erkenntnisse und erfährt weitere Hintergründe. Erzählt wird actionreich und spannend, besonders die Szene mit der Lokomotive hat es mir sehr angetan.

Auch der zweite Sammelband hat mich gut unterhalten, die Reihe wurde spannend weitergeführt. Ich vergebe wieder 4 Sterne und eine Empfehlung für Steampunk-Fans und solche, die es werden wollen – man sollte allerdings die vorherigen drei Teile bzw. den ersten Sammelband gelesen haben.

Veröffentlicht am 19.07.2019

Historisch fundiert, abenteuerlich und spannend, mit interessanten und gut gelungenen Protagonisten

Der Spion des Königs
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1639: Richard Faversham ist nicht nur Porträtmaler sondern auch Spion des Königs und kann beides gut miteinander verbinden: Während er auf ausgesuchten Landsitzen weilt um Porträts der Familienmitglieder ...

1639: Richard Faversham ist nicht nur Porträtmaler sondern auch Spion des Königs und kann beides gut miteinander verbinden: Während er auf ausgesuchten Landsitzen weilt um Porträts der Familienmitglieder zu malen, spioniert er sie gleichzeitig aus, und manchmal setzt er auch den Hausherren Hörner auf.

Sein Dienstherr, König Charles Stuart hat Spione bitter nötig. Nicht nur, dass die Schotten Schwierigkeiten machen, auch das Parlament will nicht immer so wie er.

Einer seiner Widersacher ist Oliver Cromwell, der Charles nicht nur wegen seines Absolutissmuswahns stoppen möchte.

Vivian Mortimer dagegen muss ihre Religion heimlich ausüben und bringt sich dabei in große Gefahr.

Vier Protagonisten hat dieser historische Roman, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre jeweiligen Perspektiven machen den Roman abwechslungsreich und interessant und nicht alle ihre individuellen Geschichten scheinen zunächst miteinander zu tun zu haben. Alle vier sind interessante Persönlichkeiten, zwei fiktiv, zwei historisch, und bei allen gelingt es dem Autor ihr Handeln und Denken zumindest zum größten Teil begreifbar zu machen und sie tiefgehend zu zeichnen. Mir haben vor allem Richard und Vivian gefallen, die beiden fiktiven Charaktere, denen auch am meisten Raum eingeräumt wird (dies gilt vor allem für Richard). Vivians Geschichte ist auch deshalb interessant, weil sie als Frau zusätzlichen Zwängen unterliegt.

Über Charles Stuart und seine Zeit wusste ich bisher wenig, jetzt habe ich einiges dazu gelernt, etwas, was ich an historischen Romanen mag, sie nehmen mich, wenn sie gut recherchiert sind, mit in ihre Zeit und bringen mir die historischen Hintergründe nahe. Dies ist hier gut gelungen, dazu gibt es noch ein Nachwort des Autors. Neben diesem ist dem Roman auch ein Personenverzeichnis und ein ausführliches Glossar beigefügt.

Der Autor erzählt interessant und spannend, die kurzen, wechselnden Abschnitte tragen dazu bei. Am Ende habe ich mir gewünscht, Richard und Vivian wiedertreffen zu können, vielleicht schreibt Magnus Forster ja noch eine Fortsetzung?

Historisch fundiert, abenteuerlich und spannend, interessante Protagonisten und unterhaltsam zu lesen – ich habe den Roman gerne gelesen, Neues erfahren und würde mich über eine Fortsetzung freuen. Ich vergebe 4 Sterne und eine Leseempfehlung für Freunde gut recherchierter historischer Romane.

Veröffentlicht am 13.07.2019

Hat mich gut unterhalten

Frost & Payne - Die mechanischen Kinder 1: Die Jagd beginnt
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London 1885: Lydia Frost hat seit kurzem eine Privatdetektei, doch die Geschäfte könnten besser laufen. Als sie den Auftrag erhält den ehemaligen Pinkerton-Agent Jackson Payne zu finden, ahnt sie nicht, ...

London 1885: Lydia Frost hat seit kurzem eine Privatdetektei, doch die Geschäfte könnten besser laufen. Als sie den Auftrag erhält den ehemaligen Pinkerton-Agent Jackson Payne zu finden, ahnt sie nicht, dass ihr dies einen Partner bescheren würde.

Ich lese zu wenig Steampunk, habe ich mir beim Lesen gedacht, vor allem, wenn er so gut ist wie hier. Sehr schnell wurde mir die Protagonistin sympathisch, eine Frau, die ein sehr persönliches Geheimnis hat, die sich gerade von einer mafiaähnlichen Organisation gelöst hat, oder sagen wir besser, immer noch zu lösen versucht, und die sich einfach nicht unterkriegen lässt. Ihre persönliche Situation nimmt im weiteren Verlauf dieses ersten Sammelbandes breiteren Raum ein, es scheint, sie könnte endlich eine für sie wichtige Frage beantwortet bekommen.

Auch der Protagonist gefällt mir gut, als ehemaliger Pinkerton bringt auch er Geheimnisse mit. Zudem ist er mit einer interessanten Frau verheiratet und sucht nach seiner verschwundenen Tochter – der Romanstoff wird der Autorin so schnell nicht ausgehen.

Erzählt wird flüssig und spannend, nach und nach werden immer mehr Hintergründe aufgedeckt und so taucht man als Leser zunehmend tiefer in die Geschichte ein, und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Mir gefallen die vielen verschiedenen Storylines, die noch viele packende Geschichten versprechen, und die bisher gut gelungen miteinander verwoben sind.

Der Sammelband enthält die ersten drei Bände der Reihe, dem sind die ein oder andere Wiederholung geschuldet, dies stört aber nicht weiter. Mich haben beim Lesen mehrere Begriffe irritiert, die ich nicht kannte, die ich aber schließlich als Schweizer Ausdrücke identifieren konnte (googeln half). Andere Begriffe werden im Glossar erklärt.

Ich wurde gut unterhalten, freue mich auf den nächsten Band und vergebe gerne 4 Sterne mit Tendenz nach oben. Wer Steampunk mag oder kennen lernen möchte, ist hier gut aufgehoben.

Veröffentlicht am 05.07.2019

War mir etwas zu vorhersehbar

Unbarmherzig (Ein Gina-Angelucci-Krimi 2)
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In einem Ort nahe München werden die Überreste zweier Toter gefunden, die Knochen lagen dort seit ca. 70 Jahren. Gina Angelucci, gerade aus der Elternzeit zurück am Arbeitsplatz, will den Fall unbedingt ...

In einem Ort nahe München werden die Überreste zweier Toter gefunden, die Knochen lagen dort seit ca. 70 Jahren. Gina Angelucci, gerade aus der Elternzeit zurück am Arbeitsplatz, will den Fall unbedingt bearbeiten, sie hofft, trotz der langen Zeit, die Toten identifizieren zu können, damit deren Angehörige endlich erfahren, was mit ihnen passiert ist, und, im besten Fall kann auch der Täter noch ermittelt werden.

Gina Angelucci bearbeitet hier ihren zweiten Cold-Cases-Fall, während Dühnfort sie in der Elternzeit ablöst und sich um Töchterchen Chiara kümmert. Sie ist einerseits froh, wieder im Dienst zu sein, andererseits vermisst sie die Zeit mit Chiara – welche berufstätige Mutter kennt das nicht. Der aktuelle Fall, um den sie zunächst kämpfen muss, weckt Erinnerungen in ihr, womöglich werden hier die Weichen zu Band 3 gestellt? Er weckt aber auch Erinnerungen an eine schlimme Zeit und führt den Leser ins Jahr 1944 und eine Heeresmunitionsfabrik, in der osteuropäische Zwangsarbeiter arbeiten mussten. Über diese Zeit erfährt man einerseits durch Erinnerungen der noch Lebenden, andererseits durch Tagebuchaufzeichnungen eines der Opfer.

Inge Löhnig hat einen sehr lebendigen Schreibstil, der den Leser schnell packt und ihn nur so durch die Geschichte fliegen lässt. Wer zudem den ersten Gina-Band und auch die Dühnfort-Bände kennt, wird sich schnell heimisch fühlen und sich über das Wiedersehen vor allem mit diesen beiden Protagonisten freuen. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe anderer gelungener Charaktere, die man zum Teil recht gut kennen lernt und die einen auch emotional berühren.

Leider fand ich den Roman schnell sehr vorhersehbar, es gab für mich keine Überraschungen, keine Wendung, die ich nicht schon vorher geahnt hätte. Das ist ein bisschen schade, denn wirkliches Miträtseln war dadurch nicht möglich. Nicht sehr gelungen scheint mir auch ein Storystrang, der zum letzten Fall Ginas zurückreicht, und den ich eher störend fand, zumal er dann auch ziemlich schnell abgehandelt war. Mir hätte es besser gefallen, wenn der Fokus auf dem Cold Case geblieben wäre. Dessen Lösung, auch wenn vorhersehbar, ist logisch und zufriedenstellend. Mir hat auch gefallen, dass der Roman nach der Auflösung nicht gleich zu Ende war, sondern noch einen schönen kleinen „Epilog“ hatte.

Es ist keine Frage, dass ich Inge Löhnigs Romane allen Krimifans empfehlen kann, es ist auch keine Frage, dass ich diesen gerne gelesen habe und die Thematik gelungen ist, ich hätte mir nur ein klein wenig mehr Spannung und Überraschungen gewünscht, dafür hätte der bereits erwähnte Erzählstrang gerne wegfallen können. Für volle Punktzahl reicht es daher leider nicht, ich vergebe „nur“ 4 Sterne.