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Veröffentlicht am 05.08.2019

Otto -verwirrende Familienerinnerungen

Otto
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Otto, von Dana von Suffrin

Cover:
Schlicht, doch die eingezeichneten Augen und die Gestaltung der „T“ machen es sehr „eindringlich“

Inhalt:
Eine Geschichte aus wirr zusammenhängenden Familienerinnerungen ...

Otto, von Dana von Suffrin

Cover:
Schlicht, doch die eingezeichneten Augen und die Gestaltung der „T“ machen es sehr „eindringlich“

Inhalt:
Eine Geschichte aus wirr zusammenhängenden Familienerinnerungen zusammengestellt.
Auslöser: das männliche jüdische Oberhaupt wird zum Pflegefall.

Meine Meinung:
Der Einstig in das Buch hat mir gut gefallen. Ich konnte einige Parallelen zu meiner Mutter (wurde auch Pflegefall) entdecken.

Doch dann wurde es für mich immer fragwürdiger!

Etwas planlos und unzusammenhängend, werden Familiengeschichte erzählt und aneinander gereiht.
Es gibt von allem Ansätze: witziger oder schwarzer Humor, Satire, historisches, gesellschaftskritisches, groteskes, Familiendramen, aber für mich keinen roten Faden.
Irgendwie nicht Fisch nicht Fleisch.
Bei vielen Erzählungen war mir nicht klar, spricht jetzt Otto von seinem Vater der Timna! Dadurch waren die Grenzen zwischen den Generationen recht verwischt und mir nicht immer klar.

Vieles erscheint mir realistisch und möglich, aber vieles finde ich einfach zu oft grotesk und an den Haaren herbeigezogen!(?).
Mein Eindruck: was für eine verkorkste Familie!? Schreckliche Eltern, schreckliche Kinder! Wie sie gegenseitig über- und voneinander reden, einfach unmöglich.

Als dann so im letzten Drittel steht, dass sie Ratten in der Stadt retten, indem sie die Köderboxen ausleeren (oder die Sache mit den Motten) hätte ich das Buch am liebsten abgebrochen.

Und dann hört das Buch (für mich) einfach auf, ohne Abschluss, wie wenn da ein Rest fehlt.


Mein Fazit:
Hier kann ich ein Zitat (S.90) aus dem Buch nehmen;:
Er verlor beim Erzählen die Fährte, er begann bei der Villa in Kronstadt und endete in tausend Kleinigkeiten, die keine Geschichte ergaben.

2 Sterne

Veröffentlicht am 29.07.2019

Das Verhältnis - entäuschend

Das Verhältnis
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Das Verhältnis, von Gabrielle Zevin

Cover:
Die Farben springen mir direkt ins Auge und die Frau sieht doch recht selbstbewusst aus.
Die Vögel bringen eine romantische Leichtigkeit mir rein.

Inhalt:
Aviva, ...

Das Verhältnis, von Gabrielle Zevin

Cover:
Die Farben springen mir direkt ins Auge und die Frau sieht doch recht selbstbewusst aus.
Die Vögel bringen eine romantische Leichtigkeit mir rein.

Inhalt:
Aviva, macht als Praktikantin im Kongress in Florida den Fehler, sich auf ein Verhältnis mit ihrem Boss einzulassen.
Als alles raus kommt lässt er sie fallen wie eine heiße Kartoffel, er übersteht den Skandal unbeschadet doch für Avia schließen sich alle Türen für ihre Zukunft.
Ihr einziger Ausweg: sie ändert ihren Namen und zieht weit weg und beginnt ein neues Leben.
Doch die Vergangenheit ruht nur, im Zeitalter von Google kommt alles wieder in die Gegenwart, denn das Internet vergisst nichts.

Meine Meinung:
Ich muss sagten, ich war sehr auf das Buch gespannt.
Mit der Aktualität von „MeToo“ dachte ich das wird ein hochbrisanter Roman.
Doch hier wurde ich leider enttäuscht.

Die Geschichte ist in 5 Teile aufgeteilt, jedesmal aus der Sicht einer anderen Person.
Rachel – die Mutter; Jane – wie sich Aviva später nennt; Ruby –Avivas Tochter; Embeth – die Frau des Kongressabgeordneten, und nochmal Aviva zum Schluss.
Vor allem der letzte Teil, der von Avia wie ein Tagebuchentrag gestalltet ist, hat mich absolut enttäuscht, und er endet auch noch mit einem offenen Ende.
Zitat (letzter Satz im Buch): Du findest deinen Namen auf dem Stimmzettel und triffst eine Entscheidung.
Ja welche denn??

Wir lesen also fünf mal die gleiche Geschichte nur aus einem anderen Blickwinkel. Das Problem dabei ist (so finde ich) dass alle Passagen recht emotionslos erzählt werden, wie in einem Zeitungsbericht werden die Fakten erzählt. Bei mir kommt auf jedenfalls nichts von Gefühlen oder so an. Vielleicht gerade noch bei Rachel etwas.

Ich habe auch das Gefühl, dass die Autorin peinlich bemüht ist, objektiv zu bleiben und keine Schuldzuweisungen zu machen. Aber gerade dadurch wird der „schwarze Peter“ wieder größten Teils der Praktikantin zugeschoben, was mich echt ärgert.
Oder soll dadurch die Doppelmoral der Gesellschaft unterstrichen werden?

Irgendwann war es für mich nur noch langweilig.

Autorin:
Gabrielle Zevin, geboren in New York, wurde von ihren Eltern in die Bücherei geschleppt wie andere in die Kirche. Später studierte Zevin Literatur in Harvard. Sie hat bereits mehrere Romane und Drehbücher veröffentlicht, die in über 20 Sprachen übersetzt und mit vielen Preisen ausgezeichnet wurden. Heute lebt die Autorin in Los Angeles.

Mein Fazit:
Hier habe ich mir einen brisanten und hochaktuellen Roman erhofft, mit kritischen Diskussionen zur Stellung der Frau in der Gesellschaft. Leider war es (für mich) „nur“ eine weitere Geschichte über ein Sex-Affäre einer Praktikantin. Ich kann nur 2 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 17.04.2019

Mord am Mandela Square

Mord am Mandela Square
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Mord am Mandela Square, von Matthias Boll


Also das Buch hat mich gereizt, weil mir das Cover gefallen hat und mich der Klappentext neugierig gemacht hat. Da ich selber auch private Beziehungen zu Südafrika ...

Mord am Mandela Square, von Matthias Boll


Also das Buch hat mich gereizt, weil mir das Cover gefallen hat und mich der Klappentext neugierig gemacht hat. Da ich selber auch private Beziehungen zu Südafrika habe.

Der Einstig war etwas zäh, es waren verschiedene Personen die vorgestellt wurden und Handlungsstränge die angefangen wurden aber nicht unbedingt Spannung oder Neugier bei mir erzeugten. Manches erschien mir recht unglaubwürdig und konstruiert.
Doch ich kann einiges bestätigen was der Autor von und über Südafrika und die Mentalität oder Situation dort berichtet hat.

Doch dann auf S. 80 hätte ich das Buch am liebsten zugeschlagen und in die Ecke gepfeffert.
Da trifft Sattler in Johannisburg auf Pia (die eine 4-Mann Organisation gegründet hat um Obdachlosen und Kriminellen zu helfen), die Tochter seines besten Freundes, der ihn gebeten hat nach Südafrika zu reisen um auf seine Tochter aufzupassen (es ginge um Tod und Leben) und sie nach Deutschland zurückzubringen.
Und was macht Sattler?
Er geht mit ihr am 2. Tag in ein total schäbiges Hotel das von lauter zwielichten Personen besetzt wurde, das von Müll und Unrat überfüllt ist, und hat mit ihr hier ungeschützten und vulgären Sex!!??
Er lässt einfach seinen Trieben vollen Lauf und findet das auch ganz normal? Pia könnte auch seine Tochter sein!
Wie abartig ist das denn?

Ok dann wollte ich dem Buch doch noch eine Chance geben – und oh Wunder – es gibt keine weiteren Sexszenen mehr.

Der weitere Verlauf wird dann etwas spannender, aber in meinen Augen doch sehr konstruiert und an vielen Stellen (für mich) doch unglaubwürdig, widersprüchlich und mit Logikfehlern (Ungereimtheiten).

Auch wenn am Schluss noch ein ganz überraschend „Schuldiger“ gelieferter wird, reißt es mich nicht mehr vom Hocker.
Und der Abschlusssatz:
„ Willem, hol doch bitte schon mal den Wagen“ – ist mir dann doch eine zu platte „Raubkopie“.

PS: Tippfehler überlese ich oft und falls nicht machen sie mir meistens nichts aus. Allerdings wenn auf der Rückseite ein Name fett abgedruckt, falsch geschrieben ist, finde ich das schon ein bisschen peinlich ( Mfufeni / Mfuneni).

Fazit:
Ein Krimi, mit internationalen Verstrickungen, ungewollten „Helden“, Auftragsmördern, einigen Ungereimtheiten und einer mehr oder weniger spannenden Verfolgungsjagd, der von mir 3 Sterne bekommen würde.
Für die in meinen Augen völlig unnötige und abstoßende Sexszene, so ziemlich am Anfang, ziehe ich aber nochmals einen Stern ab.
Deshalb vergebe ich hier 2 Sterne.

Veröffentlicht am 06.04.2019

Das Jahr nach dem Abi

Das Jahr nach dem Abi
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Das Jahr nach dem Abi, von Paul Bühre

Cover:
Passt zum Buch.

Inhalt:
19 Jahre alt, das Abitur in der Tasche – und was nun?
Wer bin ich? Was will ich? Was soll ich mit dem Leben anfangen?
Diese und ähnliche ...

Das Jahr nach dem Abi, von Paul Bühre

Cover:
Passt zum Buch.

Inhalt:
19 Jahre alt, das Abitur in der Tasche – und was nun?
Wer bin ich? Was will ich? Was soll ich mit dem Leben anfangen?
Diese und ähnliche Fragen stellt sich Paul Bühre.
Um Antworten zu finden nimmt er sich eine Auszeit.
Reist nach China in eine Kung-Fu Schule, nach Indien um Kinder zu unterrichten und nach Schottland um sich handwerklich zu betätigen.
Alle seine Erlebnisse auf diesen Reisen beschreibt er in diesem Buch.

Meine Meinung:
Leider wurde ich mit Paul Bühre und seiner Art nicht warm (kann mir vorstellen dass ich eine der wenigen bin und betone hiermit schon, es ist nur meine persönliche Meinung)!
Der Einstig war noch ganz ok, doch dann wurde mir Paul immer mehr zu abgeklärt. Er kommt mir oft recht überheblich vor, er weiß alles, er kann alles, er schafft alles. Er erträgt alles ohne Zweifel oder große Frustration? Auf jedenfall schreibt er nichts davon, z.B. in der Kung-Fu Schule ist er immer glücklich und erträgt alles heldenhaft.
Sätze wie: Ich bin mehr in Kontakt mit mir und spüre mich weil ich meinen Körper jeden Tag zu hundert Prozent nutze, kommen mir nun mal, in dieser Situation, recht aufgesetzt vor.
Auch in Indien in der Schule, kommt es mir so vor, dass er sich nicht mit seinem „Unterricht“ auseinander setzt und mal mit den anderen Lehrern spricht wie er es denn machen soll. Er zieht halt einfach sein Ding durch, ob es den Kindern nützt oder nicht.
Da habe ich schon besseres in dieser Richtung gelesen.

Mit der Zeit wurde mir das alles viel zu zäh, da ich keinen Zugang zu den Gefühlen und Emotionen von Paul bekam.

Pauls Vergleiche gefallen mir auch nicht. Er findet die Kinder in China viel cooler als die Kinder in Japan, weil die Kinder in China sich weniger trauen! Klar, die werden ja auch rigoros bestraft und geschlagen!

Viele „Platte Weisheiten“ stören mich auch: z.B. genauso wie es im Leben, kein Richtig und Falsch geben sollte…

Die Zeichnungen machen es für mich auch nicht besser, sorry da habe ich schon besseres gesehen.

Der Schreibstil ist sehr an die Jugendsprache angelehnt: z.B. …alles ist so fucking grün…

Mein Fazit:
Wie im Leben zwischen Menschen, so hat hier zwischen mir und dem Buch einfach die „Chemie“ nicht gestimmt.
Deshalb kann ich dem Buch leider nur 2 Sterne geben.

Veröffentlicht am 21.01.2019

Die hellen Tage

Die hellen Tage
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Die hellen Tage, Zsuzsa Bánk

Cover:
Austauschbar, weckt nicht unbedingt Neugierde.

Meine Meinung:
Nach den ersten 30 Seiten dachte ich mir, was für ein schöner, blumiger, teilweise poetischer Schreibstiel. ...

Die hellen Tage, Zsuzsa Bánk

Cover:
Austauschbar, weckt nicht unbedingt Neugierde.

Meine Meinung:
Nach den ersten 30 Seiten dachte ich mir, was für ein schöner, blumiger, teilweise poetischer Schreibstiel.
Nach ca 60 Seiten, dachte ich mir: na ja, jetzt kann aber endlich mal die Handlung losgehen, jetzt reicht es mir mit der ganzen Beschreibung.
Dann nach ca 100 Seiten machte sich allmählich ausgesprochene Langeweile bei mir breit. Ich hatte das Gefühl, hier wird beschreiben, beschrieben und nochmals beschrieben, aber ich weiß gar nicht um was es gehen soll, worauf die Handlung abzielt. Ich konnte keinen Sin oder Ziel finden.

Ein Buch das polarisieren wird.
Der Schreibstil ist ganz außergewöhnlich, ausschmückend, ausschweifend!
Ich suche mehr die Handlung in einem Buch, und da war für mich, ein zu großes Defizit da. Das Buch konnte mich einfach nicht fesseln oder bei der Stange halten.

Vermutlich wird das Buch deshalb literarisch so sehr gelobt, weil der Schreibstil einfach so außergewöhnlich ausführlich ist. Ellenlange Sätze und Beschreibungen.

Hier ein Zitat einfach blind das Buch aufgeschlagen und gewählt:
Sie sprang mit einer Leichtigkeit durch die Luft, die sie für verloren gehalten hatte, sie betrat das Seil wieder, als habe ihr Körper kein Gewicht, als dürfe sie alle Gesetze von Kraft und Bewegung hinter sich lassen, und wenn sie am Abend das Geschirr in die Spüle gestellt und den Tisch hochgeklappt hatte, schlief sie ohne Träume neben Zigi in ihrem schmalen Bett, in das sie ihre blauen Schuhe legte, damit sie in der Nacht einen guten Platz haben würden.

Tja, was soll der jetzt aussagen?
Wer solche ewig langen Schachtelsätze liebt wird hier richtig sein.

Autorin:
Zsuzsa Bánk, geboren 1965, arbeitete als Buchhändlerin und studierte anschließend in Mainz und Washington Publizistik, Politikwissenschaft und Literatur. Heute lebt sie als Autorin mit ihrem Mann und zwei Kindern in Frankfurt am Main

Mein Fazit:
Schreibstil toll, aber zu viel, dadurch wird das Lesevergnügen komplett ausgelöscht. Was toll begann wurde leider nicht gut.
Auch wenn ich mich hiermit als Banause oute, ich kann den Hype um das Buch (aus meiner Sicht) nicht verstehen.