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Veröffentlicht am 20.01.2017

Das Lachen der Kinder ist garantiert!

Das Buch ohne Bilder
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Das Buch ohne Bilder ist für Kinder ab drei Jahren gedacht, enthält aber keinerlei Bilder. Wie soll das gehen? Meine Neugier war geweckt. Als ich das Buch, welches ein sehr schlichtes schwarz-weiß Cover ...

Das Buch ohne Bilder ist für Kinder ab drei Jahren gedacht, enthält aber keinerlei Bilder. Wie soll das gehen? Meine Neugier war geweckt. Als ich das Buch, welches ein sehr schlichtes schwarz-weiß Cover hat, in den Händen hielt, wollte ich es sofort meiner 5-jährigen Tochter vorlesen. Sie blockte zunächst ab, sagte sie habe darauf keine Lust. Ich habe einfach fröhlich laut weiter gelesen und innerhalb von ein paar Worten war meine Tochter vom Buch in den Bann gezogen. Selbst mein ein-jähriger Sohn gesellte sich zu uns und hatte großen Spaß.

B.J. Novak wurde 1979 in Massachusetts geboren und hat in Harvard studiert. Er ist Romanautor, Drehbuchautor und Schauspieler. Er spielte in „Inglorious Basterds“ und in „The Amazing Spiderman 2“ mit. Novak hat zahlreiche erfolgreiche Romane geschrieben. Das Buch ohne Bilder stand sogar wochenlang auf Platz 1 der New-York-Times-Bestsellerliste.
Adnan Maral (1968 geboren), liest Das Buch ohne Bilder für die beiliegende CD vor. Er ist als Schauspieler aus der Serie und der gleichnamigen Kinoverfilmung „Türkisch für Anfänger“ bekannt. Außerdem ist er als Kulturbotschafter tätig.

Das Buch ohne Bilder ist kein typisches Vorlesebuch. Es enthält, wie der Titel bereits verdeutlicht, keinerlei Bilder, sondern lebt ganz allein vom Text. Der Vorleser macht sich darin ganz schnell selbst zum Affen. Es ist außerdem ein interaktives Buch, da der Zuhörer angeregt wird, selbst mit zu sprechen. Über die Handlung möchte ich an dieser Stelle nichts weiter verraten. Das Buch lebt von dem Überraschungsmoment. Eines ist aber gewiss, als Erwachsener hat man wohl selten solch einen Quatsch erzählt und solch merkwürdige Geräusche gemacht.

Dieses Buch ist wirklich eine witzige Idee und sehr gut umgesetzt. Es hat zwar keine Bilder, aber die Schrift wird hier zum Bild. Das Schriftbild quasi erleichtert es dem Vorleser auch, zu sehen, worum es geht und wie man dieses Buch vorlesen könnte. Die farbenfrohen Buchstaben tanzen regelrecht über die Seiten. Nicht nur die zuhörenden Kinder haben hier ihren Spaß, auch der Vorleser wird sich das ein oder andere Lachen nicht verkneifen können.

Wir haben dieses Buch nun schon einige Male gelesen und auch die beiliegende CD, auf welcher die ganze Geschichte nochmals als Hörbuchfassung zu finden ist, oft gehört und es macht immer wieder Spaß. Meine Tochter kann einige Zitate daraus auswendig und bringt sie hier und da immer wieder voller Freude an. Dieses Buch ist ein voller Erfolg und gehört zu meinen Entdeckungen aus dem letzten Jahr.

Veröffentlicht am 05.11.2016

Ein überaus aufwändig gestaltetes Kinderbuch.

Prinzessin Lillifee und der kleine Drache (rosa)
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Es gibt wirklich einige tolle Kinderbücher im Regal meiner Tochter. Auffällig sind allerdings die Bücher des Coppenrath Verlages. Die Geschichten um Prinzessin Lillifee, der Blütenprinzessin, und um den ...

Es gibt wirklich einige tolle Kinderbücher im Regal meiner Tochter. Auffällig sind allerdings die Bücher des Coppenrath Verlages. Die Geschichten um Prinzessin Lillifee, der Blütenprinzessin, und um den reiselustigen Hasen Felix haben meine Tochter von Anfang an in den Bann gezogen und auch ich lese diese Bücher sehr gerne vor.

Prinzessin Lillifee und der kleine Drache ist ein aufwändig gestaltetes Kinderbuch. Allein der mit Stoff bezogene Einband ist in verschiedenen Farbausführungen erhältlich. Ob rosa, rot oder türkis, für jeden Geschmack ist das richtige dabei. Zudem sind noch kleine spielerische Details wie Blüten, Glassteine und Bommeln angebracht, sodass das Cover nicht nur für das Auge sondern auch für die Finger ein Abenteuer ist.

Schlägt man das Buch auf, findet man wunderschön illustrierte Seiten, die mit viel Glitzer versehen sind. Auch hier können die Augen und die Finger etwas entdecken. Die Bilder sind farbenfroh und unterstützen die erzählte Geschichte optimal.

Prinzessin Lillifee findet ein Drachenei und kurz darauf schlüpft ein Drachenbaby heraus. Doch Lillifees Reich ist für ein kleines Drachenbaby nicht geeignet. Es geschehen ein paar leichte Unfälle, sodass Lillifee sich dazu entschließt, das Drachenbaby in seine Heimat zurück zu bringen. Eine abenteuerliche Reise beginnt.

Am Ende der Geschichte befindet sich ein kleiner Umschlag, welcher ein wirklich hübsches Armband enthält. Leider ist das Armband viel zu klein für einen Kinderarm. Das Buch ist für Kinder von 3-6 Jahren gedacht, meine Tochter bekam es zu ihrem 3. Geburtstag geschenkt und schon da schnitt das Armband leider in den Arm ein. Das war wirklich schade.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Coppenrath Verlag hier ein wirklich schönes Buch gestaltet hat, mit fielen Details fürs Auge, die Zugabe des Armbands ist eine tolle Idee, aber leider nicht bis zum Ende gedacht.

Veröffentlicht am 28.10.2016

Autismus mal anders erzählt

Schattenspringer
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Durch meine Recherche zum Thema Mutismus bin ich auf dieses Buch gestoßen. Schattenspringer erzählt die Geschichte einer am Asperger Syndrom leidenden jungen Frau. Es handelt sich um keine spröde Abhandlung ...

Durch meine Recherche zum Thema Mutismus bin ich auf dieses Buch gestoßen. Schattenspringer erzählt die Geschichte einer am Asperger Syndrom leidenden jungen Frau. Es handelt sich um keine spröde Abhandlung zum Thema Autismus. Vielmehr ist es eine Beschreibung über die Tücken aber auch die Vorteile, welche diese Krankheit im Alltag mit sich bringt. Wunderbare Illustrationen werden hier mit viel tiefgängigen und oft auch witzigen Texten kombiniert. Schattenspringer zählt zu meinen Entdeckungen in diesem Jahr!

„Wie sollte ich etwas versuchen, was augenscheinlich unmöglich war? Ich war doch nicht Peter Pan.“ (Seite 46)

Daniela Schreiter ist in der 80ern in Berlin geboren. Schon früh begann sie zu zeichnen, mit vier zeichnete sie ihren ersten Comic. Sie absolvierte ein Studium als Illustratorin und ist seither als Comic-Zeichnerin tätig. Sie ist Asperger Autistin und beschreibt im Schattenspringer ihr Leben. Die täglichen Hürden und Herausforderungen, die sie zu meistern hat, illustriert sie mit viel Witz sowohl in Bild als auch in Wort. Inzwischen gibt es auch einen zweiten Teil, Schattenspringer 2: Per Anhalter durch die Pubertät. Auf ihrer Webseite Fuchskind zeigt sie seit 2010 ihre Comics und Cartoons.

Wie bereits oben erwähnt beschreibt Daniela Schreiter in Schattenspringer ihr Leben. Sie erzählt, wie es ist anders, als andere zu sein und dass sie sich manchmal so fühlt, als wäre sie auf dem falschen Planeten gelandet. In der Schule hat sie mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, so sieht sie beispielsweise ein Arbeitsblatt, ganz anders als wir sogenannten NTs (Nicht-Autisten). Ihre Welt ist eine andere als unsere, so nimmt sie äußere Reize wie Geräusche oder Gerüche viel intensiver wahr. Was sie manchmal natürlich stark beeinträchtigt, allerdings sieht sie die Welt dadurch auch anders, was durchaus von Vorteil sein kann. Denn in chaotisch wirkenden Räumen findet sie beispielsweise sehr schnell, was gesucht wird. Freunde zu finden stellte eine große Hürde für sie dar, welche sie aber bravourös meisterte.

Daniele Schreiter gelingt es in ihrem Werk mit guten Beispielen ihr Anderssein darzustellen und somit für den Leser nachvollziehbar und verständlich zu machen. Sie findet dabei auch gute Vergleiche, zum Beispiel wie es für sie ist, ein neues Computerspiel zu entdecken und wie es vergleichsweise für Nicht-Autisten der Fall ist. Die ein oder anderen „Macken“ findet man dann tatsächlich bei sich selbst auch wieder, vielleicht in etwas abgeschwächter Form, aber dennoch, sie sind da und vielleicht doch gar nicht so ungewöhnlich, wenn man genauer darüber nachdenkt. Ich sehe durch diese Buch das Verhalten meiner eigenen Kinder in einem anderen Licht. In einer Welt, in welcher ständig die Zeit im Nacken sitzt verlangt man doch auch von seinen Kindern manchmal über den eigenen Schatten zu bringen und vielleicht ist es für sie genauso unverständlich, wie für die Autorin. Und muss man überhaupt immer im Fluss mit schwimmen, ist es nicht vielleicht auch einmal ganz schön, Pause zu machen und sie Welt in einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen?
Die Autorin schafft es ein Buch zu schreiben und zu illustrieren, welches betroffenen Menschen Mut macht, Trost spendet und Hoffnung gibt. Nicht-Autisten bekommen auf leichte und vor allem authentische Art Antworten auf zentrale Fragen im Umgang mit Autisten. Autisten sind vielleicht anders, als der Mainstream, aber es gibt nicht nur einen Autisten, es gibt viele Menschen mit dem Asperger Syndrom und doch sind alle unterschiedlich. Sie sind vielleicht anders, aber Nicht-Autisten sind auch nicht alle gleich. Und in jedem Defizit steckt vielleicht auch ein Talent, welches zu entwickeln gilt.

Dies war meine erste Graphic Novel, die ich gelesen habe und ich bin begeistert. Viel Text und viele Bilder die miteinander wunderbar kombiniert sind, geben dem Leser einen sehr schönen Einblick in das Leben eines Asperger Autisten.
Der zweite Teil liegt schon bereit und ich freue mich jetzt schon, bald wieder in die Welt der Daniela Schreiter eintauchen zu dürfen. Schattenspringer schafft es locker in die Top Five meiner gelesenen Bücher in diesem Jahr.

Veröffentlicht am 21.10.2016

Ein Spiel mit der Sprache und eine Geschichte über Toleranz

Der Wechstabenverbuchsler
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In letzter Zeit kommen mir immer wieder Kinderbücher in die Finger, welche mein Interesse wecken. Als studierte Germanistin hat mich "Der Wechstabenverbuchsler" natürlich gleich angesprochen und ich war ...

In letzter Zeit kommen mir immer wieder Kinderbücher in die Finger, welche mein Interesse wecken. Als studierte Germanistin hat mich "Der Wechstabenverbuchsler" natürlich gleich angesprochen und ich war begeistert von der Idee und der tollen Umsetzung durch knallbunte Bilder und einem wunderbaren Wortspiel. Es geht hier nicht allein darum, wie es ist anders als andere zu sein, ein Handicap zu haben oder mal einen Fehler zu machen. Es geht auch darum, dass Menschen mit Fehlern trotzdem liebenswert sind und das eigene Leben bereichern können.

Mathias Jeschke ist Verlagslektor und freier Autor, er studierte Theologie und lebt mit seiner Familie in Stuttgart. Karsten Teich illustriert seit 2001 Kinderbücher und lebt mit seiner Familie in Berlin. Gemeinsam erzählen und zeigen sie eine wunderbare und witzige Geschichte über die Wechstabenverbuchselei.

Autor und Illustrator erzählen die Geschichte des Herrn Beckermann, der durch einen eigentlich komischen Unfall in einer Drehtür nun mit der Wechstabenverbuchselei geschlagen ist. Immer wenn er etwas sagen will, vertauscht er die Buchstaben und somit kommen oft unverständliche, dabei aber auch wirklich witzige Aussagen heraus. Doch zum Glück treten Nina und ihre Mutter Susi in sein Leben, stellen es auf den Kopf und findet sogar eine Möglichkeit, wie Herr Beckermann sich wieder ganz ohne Versprecher mitteilen kann.

„Kacke mal du!“

Der Schreibstil eines solchen Buches ist eher schwer zu bewerten. Immerhin geht es um das Spiel mit der Sprache. Man kann weder sagen, dass es sich um einen leichten, noch um einen schweren Sprachstil handelt. Die Geschichte an sich ist einfach und verständlich geschrieben und die Bilder untermalen die Handlung optimal. Allerdings ist es natürlich ein Buch, welches dem Vorleser einige Hürden bereit stellt. Ist es nicht eigentlich so, dass unser Gehirn verdrehte Worte automatisch richtig zusammensetzt? So hat man beim Vorlesen genau darauf zu achten, dass man die Wechstabenverbuchselei auch richtig ausspricht. Das ist manchmal schwer, macht aber einfach viel Spaß und auch den kindlichen Zuhörer zieht es gleich in seinen Bann. Dabei ist es sogar gar nicht wichtig, ob das Kind gleich die richtige Redewendung hinter der Wechstabenverbuchselei erkennt. Denn es geht schließlich auch darum, dass ein Mensch mit Handicap durchaus liebenswert ist und andere Menschen glücklich machen kann. Und noch dazu kann jeder Mensch sich einmal versprechen, ohne dass das ein Grund ist, sich zu schämen.

Das Spiel mit der Sprache und einige Redewendungen mögen für kleinere Kinder vielleicht noch etwas schwierig sein, doch kann man hier auch damit abhelfen, dass man es dem Kind beim Lesen erklärt. Und so oder so, die Kinder finden den Wortsalat einfach lustig und werden von den witzigen, skurrilen und großen Bildern magisch angezogen. Mit den Kindern kann man dieses Buch auf verschiedene Weise lesen, so können sie beispielsweise die richtigen Wörter und Redewendungen raten, oder aber sie versuchen selbst die verdrehten Worte nachzusprechen, was sicherlich auch eine gute Sprachübung darstellt. Auf spielerische Weise setzen sich die Kinder so mit der Sprach auseinander und lernen gleichzeitig, dass es Menschen mit Handicaps gibt, die genauso liebenswert sind, wie alle anderen. Und haben wir nicht alle irgend ein Handicap?

Veröffentlicht am 21.09.2016

Jane Austen und das ausgehende 18. Jahrhundert

Die geheimen Memoiren der Jane Austen
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Syrie James ist Roman- und Drehbuchautorin. Der vorliegende Roman "The Lost Memoirs of Jane Austen" ist ihr Erstlingswerk. Sie wurde in New York geboren und verbrachte, bis auf zwei Jahre in Paris, ihr ...

Syrie James ist Roman- und Drehbuchautorin. Der vorliegende Roman "The Lost Memoirs of Jane Austen" ist ihr Erstlingswerk. Sie wurde in New York geboren und verbrachte, bis auf zwei Jahre in Paris, ihr ganzes Leben in Kalifornien. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei mittlerweile erwachsenen Kindern. Schon als Kind wollte Syrie James Autorin werden und so machte sie Jahre später ihren B.A. in Englisch und Kommunikationswissenschaft. Aufgrund ihrer Leidenschaft für Literatur aus dem 19. Jahrhundert und da Jane Austen ihre Lieblingsautorin ist, entschloss sie sich einen Roman über selbige zu schreiben. Sie begann ihre Recherche, indem sie zum Einen Briefe von und an Jane Austen las und zum Anderen eine Reise unternahm, auf welcher sie den Spuren Jane Austens in England folgte. Während dieser Recherchen stellte sie fest, dass es bei der Rekonstruktion von Jane Austens Leben eine Lücke von etwa zwei Jahren gibt. Von 1809 bis 1811 weiß man nichts über die Ereignisse in Janes Austens Leben. Genau diese Lücke füllt Syrie James mit ihrem fiktiven Roman, denn es gibt Gerüchte, dass Jane Austen neben der Bekanntschaft mit Tom Lefroy eine weitere engere Bekanntschaft mit einem unbekannten Mann hatte.

Jane Austen lebte von 1775 bis 1817. Sie heiratete nie, und war somit Zeit ihres Lebens auf das Wohlwollen ihres Vaters und später ihrer Brüder angewiesen. Schon immer schrieb sie leidenschaftlich gerne Geschichten und trug diese den Familienmitgliedern vor. Alle aus ihrem Umfeld waren begeistert von ihren Erzählungen, doch es dauerte viele Jahre, bis sich ein Verlag fand, der ihre Bücher veröffentlichte, und das zunächst nur auf Kosten des Autors. Auf die erste Veröffentlichung von "Sense and Sensibility" unter dem Pseudonym 'by a Lady' folgte dann allerdings ein großes Interesse an den Werken von Jane Austen und bald war die Identität der Autorin kein Geheimnis mehr.

Der Roman beginnt zunächst mit einem Vorwort einer gewissen Mary I. Jesse, einem Mitglied von der Jane Austen Literary Foundation. Im Anhang des Buches klärt die Autorin allerdings darüber auf, dass weder dieses Mitglied (der Name ist lediglich ein Anagramm vom Namen der Autorin) noch die Foundation existieren. Aber gerade dieses Vorgehen ist ein brillanter Schachzug der Autorin, um den Leser in Ungewissheit schweben zu lassen, ob es sich nun um einen Tatsachenbericht oder doch um eine fiktive Erzählung handelt. Mary I. Jesse erzählt in diesem Prolog, dass die Memoiren von Jane Austen vor kurzem in dem alten Haus der Familie auf dem Dachboden in einer Truhe gefunden wurden. Somit sei die folgende Erzählung eine Abschrift der tatsächlichen Memoiren von Jane Austen - quasi aus ihrer eigenen Feder entstanden - und lediglich mit einigen wenigen Fußnoten der Präsidentin der Jane Austen Literary Foundation versehen worden. Die Autorin setzt also alles daran, ihr Werk als die wahren Memoiren der Jane Austen auszugeben und dies gelingt ihr auf Anhieb.
Anschließend steigt die Autorin sofort in die Geschichte ein. Die Handlung, welche aus der Perspektive der Jane Austen beschrieben wird, setzt mit dem Hinweis darüber ein, weshalb Jane Austen ihre eigene Geschichte aufschreibt. Genau genommen liegt der Schwerpunkt der Memoiren dann aber auf zwei Ereignissen in Jane Austens Leben. Das erste einschneidende Erlebnis in Jane Austen Leben ist der Auszug aus ihrem Familienhaus in Steventon und somit der Umzug nach Bath, einer Gegend, die ihr persönlich nie gefallen hat und die sie in den kommenden Jahren unglücklich machen wird. Nach dieser kurzen Episode folgt eine detaillierte Beschreibung der Ereignisse nach dem Tod ihres geliebten Vaters. Aufgrund des Todes und des daraufhin folgenden Geldmangels mussten Janes Mutter, Jane und ihre Schwester Cassandra mehrfach umziehen, da sie auf die Güter der Brüder angewiesen waren. Die zentrale Handlung setzt dann mit einem Besuch von Jane und ihrem Bruder in Lyme ein, bei welchem sie Mr. Ashford kennenlernen. Syrie James erzählt hier eine fiktive Liebesgeschichte zwischen Jane Austen und Mr. Ashford. Von ihrem Kennenlernen, über erste Annäherungen, einem geheimen Verlöbnis bis hin zu der unweigerlich folgenden Trennung des Liebespaares aufgrund äußerlicher Umstände.

Interessant ist, dass Syrie James Episoden und Zitate aus den Werken Jane Austens in ihre Geschichte einbringt, die Handlung somit authentisch, nachvollziehbar und glaubhaft macht. Aus "Pride an Prejudice" beispielsweise macht sie sich Szenen zwischen Lizzy und Mr. Darcy zu eigen, wandelt diese allerdings ab, so dass es keine plumpe Neuerzählung des Stoffs ist. Es ist also auch zu vermuten, dass die Autorin noch weiteren Szenen aus anderen Werken verwendet hat. Diese Entlehnungen aus den Werken der Jane Austen rechtfertigt die Autorin damit, dass Jane Austen wohlmöglich keine alte Jungfer war, wie sie meist beschrieben wurde, sondern durchaus ihre Erfahrungen gemacht hat. Genau diese Erfahrungen aus ihrem eigenen Leben könnte Jane Austen in ihren Werken verarbeitet haben. Wie sonst hätte sie solche Liebesgeschichten schreiben können? Diese Erklärung, welche im Anhang neben weiteren Argumenten und Ausklärungen zu finden ist, macht außerdem deutlich, dass sich Syrie James wirklich Gedanken gemacht hat und viel Zeit auf eine gute Recherche verwendet haben wird. Jane Austen wird sowohl als eine selbstbewusste und durchaus selbstständige Frau dargestellt, welche allerdings dennoch auch Selbstzweifel in Bezug auf sich selbst und ihre Buchveröffentlichungen hatte. Der Leser kann sich somit sehr gut in die Protagonistin hinein versetzen und fiebert mit, obwohl man diese Zeit und die damals herrschende Ungerechtigkeit nicht selbst erlebt hat.

Sprache und Stil des Romans sind im Allgemeinen leicht verständlich. Es gibt keine Dialekte, lediglich ein paar veraltete Begriffe sind enthalten, welche allerdings dann zur Authentizität des Werk beitragen. Der Schreibstil ist dem von Jane Austen sehr ähnlich, man nimmt Syrie James ab, dass diese Memoiren direkt von Jane Austen geschrieben wurden.

Das Leben von Jane Austen und ihre Werke (vor allem "Sense and Sensibility" und "Pride and Prejudice") sind in dem vorliegenden Roman so geschickt und gekonnt verknüpft, dass man als Leser geneigt ist, der Geschichte Glauben zu schenken und dies nicht nur, wenn man bereits Vorkenntnisse zu Jane Austen und/oder ihrer Werke hat. Die Kapitel sind so spannend aneinandergefügt, dass man verleitet wird doch immer noch ein und noch ein Kapitel zu lesen. Obwohl es kein klassisches Hollywood-Happyend geben kann, da Jane Austen schließlich nie geheiratet hatte, wird eine innere Ruhe und Zufriedenheit der Protagonistin übermittelt und schafft somit trotzdem ein schönes und befriedigendes Ende für den Leser. Das Leben von Jane Austen aber auch die Zeit in der sie lebte - die damaligen Verhältnisse, die schwierige Situation in der sich viele Frauen befanden etc. - werden anschaulich dargestellt und laden dazu ein, sich mit dem Thema weiter zu beschäftigen und vielleicht, wenn man es bisher nicht getan hat, das ein oder andere Buch von Jane Austen in die Hand zu nehmen. Man muss nicht bereits Fan von Jane Austen sein, oder sich mit der Thematik beschäftigt haben, um Gefallen an diesem Roman zu haben. Wine breite Leserschaft wird angesprochen - wie Fans von Jane Austen, Interessierte in Bezug auf das ausgehende 18. und beginnende 19. Jahrhundert aber auch einfach Leser, die gerne eine gut geschriebene Liebesgeschichte lesen wollen und somit gleich ein paar historische Fakten aufnehmen können.