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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2019

Spannend und kurzweilig

Die Wahrheit über Alice
1

Die siebzehnjährige Katherine sondert sich von ihren Mitmenschen ab, weil sie ein dunkles Geheimnis um den Tod ihrer Schwester mit sich trägt. Als sie von ihrer Mitschülerin, der schönen und beliebten ...

Die siebzehnjährige Katherine sondert sich von ihren Mitmenschen ab, weil sie ein dunkles Geheimnis um den Tod ihrer Schwester mit sich trägt. Als sie von ihrer Mitschülerin, der schönen und beliebten Alice, zu deren Geburtstagsparty eingeladen wird, reagiert Katherine zunächst zurückhaltend und misstrauisch, nimmt die Einladung dann aber doch an. Alice ist selbstbewusst, glamourös und besitzt eine anziehende Persönlichkeit. In ihrer Gesellschaft taut die verschlossene Katherine auf, fühlt sich wohl und hat zum ersten Mal seit langem wieder Spaß. Zwischen den beiden Mädchen entwickelt sich eine Freundschaft in deren Verlauf Katherine Alice das Geheimnis um den Tod ihrer Schwester anvertraut. Auch mit Alices Freund Robbie versteht Katherine sich sehr gut und so verlebt das Dreiergespann unbeschwerte Tage. Nach und nach merkt Katherine jedoch, dass Alice sehr egoistisch ist und eine dunkle, zerstörerische Seite hat. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Alice die Freundschaft zu Katherine aufs Spiel setzt. Als Katherine schließlich Mick kennenlernt, sich verliebt und sich von Alice abwendet, nimmt die Geschichte einen unheilvollen Lauf...

Die Autorin erzählt die Geschichte aus Katherines Sicht im Alter von 14, 17 und mit Anfang 20. Doch trotz des Wechsels zwischen den Erzählsträngen verliert man beim Lesen nicht den Überblick, die Spannung wird bis zum Schluss aufrechterhalten.
Kritikpunkte: Wie schon in anderen Rezensionen erwähnt wurde, erscheint Katherine älter als sie eigentlich ist, die Sichtweise eines Teenagers hätte noch deutlicher herausgearbeitet werden müssen. Auch fehlt es den Charakteren etwas an Tiefe, das Buch hätte etwas länger sein können, um die Hauptpersonen besser zu entwickeln.

Fazit: Spannende Unterhaltung für Zwischendurch, ein gutes Jugendbuch!

Veröffentlicht am 13.08.2019

Ein wichtiges und witziges Buch über Depressionen

Morgen ist leider auch noch ein Tag
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Tobi Katze leidet an Depressionen. Er ist außerdem Künstler (Autor und Comedian) und hat ein ehrliches Buch über seine Krankheit geschrieben. Wir begleiten ihn zur Therapie und in seinen dunkelsten Stunden, ...

Tobi Katze leidet an Depressionen. Er ist außerdem Künstler (Autor und Comedian) und hat ein ehrliches Buch über seine Krankheit geschrieben. Wir begleiten ihn zur Therapie und in seinen dunkelsten Stunden, wenn er es nicht aus dem Bett schafft, Panikattacken bekommt, einen Verlust verarbeiten muss und zugibt, dass Selbstmord vielleicht ein nicht mehr ganz so ferner Gedanke ist. Dabei beweist der Autor seinen Lesern, dass er einen tollen Humor hat und wirklich gut mit Worten umgehen kann. Die Krankheit Depression mit Humor zu betrachten, ist ja schon eher ungewöhnlich. Tobi Katze zeigt, dass es funktioniert, ich musste oft schmunzeln. Trotzdem bleibt es während des ganzen Buches klar, dass der Autor an seiner Diagnose zu knacken hat, er nimmt sie ernst und muss auch feststellen, dass es nicht damit getan ist, seine Diagnose zu kennen und zur Therapie zu gehen.
Ich denke, dieses Buch kann sowohl Betroffenen, als auch Angehörigen helfen, die Krankheit besser zu verstehen und damit umzugehen. Und ganz wichtig: trotz allem den Humor nicht zu verlieren. Ganz besonders, wenn mal wieder jemand sagt: "Ich bin auch manchmal traurig. Ich schaue mir dann Videos von süßen Katzenbabys an, das hilft."

Veröffentlicht am 13.08.2019

Authentischer Bericht über das Reisen mit Kind

Wie Buddha im Gegenwind
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Gabriela Urban hat Fernweh – das merkt man beim Lesen dieses Buches bei jeder Zeile. Eigentlich geht es hier darum, wie sie mit ihrem Sohn nach einer Kündigung eine Weltreise unternahm. Aber im Buch wird ...

Gabriela Urban hat Fernweh – das merkt man beim Lesen dieses Buches bei jeder Zeile. Eigentlich geht es hier darum, wie sie mit ihrem Sohn nach einer Kündigung eine Weltreise unternahm. Aber im Buch wird deutlich, dass sie auch schon vorher viel gereist ist, sowohl mit ihrem Sohn als auch ohne. Manchmal hatte das für mich ein bisschen was von Flucht: Gabriela erhält eine schlechte Nachricht und schon ist sie wieder irgendwohin unterwegs. Aber jeder geht nun mal unterschiedlich mit seinen Problemen um.

Im Großen und Ganzen ist das Buch ein emotionaler, interessanter und authentischer Bericht über das Reisen mit einem Kleinkind. Gabriela beweist Mut, sie traut sich Dinge, bei denen Andere nur mit den Ohren schlackern würden vor Angst und Sorge um das Kind. Auch ich habe mich beim Lesen dabei ertappt, dass ich dachte: Muss das wirklich sein mit einem kleinen Kind? Muss man wirklich alles machen, was möglich ist? Tut sie ihrem Kind damit einen Gefallen? Besonders die lange Trennung vom Vater habe ich kritisch gesehen. Aber ich möchte mich auch nicht zum Moralapostel aufschwingen, es gibt unterschiedliche Lebensentwürfe und Familienmodelle und das ist auch gut so.
Sehr gut gefallen haben mir die Beschreibungen von Kontakten zu gastfreundlichen und hilfsbereiten Einheimischen. Die schönen Fotos in der Buchmitte runden die Erlebnisse von Gabriela und ihrem Sohn ab.

Fazit: Die Autorin hat beim Reisen einzigartige Erfahrungen gemacht und diese vermittelt sie dem Leser in diesem Buch auf authentische und interessante Art. Besonders empfehlenswert (aber nicht nur!) für Mütter, die das Fernweh gepackt hat.

Veröffentlicht am 13.08.2019

Toller Krimi mit viel Lokalkolorit und einzigartigen Figuren

Weiße Fracht
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„Weiße Fracht“ ist der 3. Teil der Krimireihe um Leander Lost, der deutsche Kommissar mit Asperger-Syndrom, der in Portugal an der Algarve ermittelt. In Fuseta wird der deutsche Aussteiger Uwe Ronneberg ...

„Weiße Fracht“ ist der 3. Teil der Krimireihe um Leander Lost, der deutsche Kommissar mit Asperger-Syndrom, der in Portugal an der Algarve ermittelt. In Fuseta wird der deutsche Aussteiger Uwe Ronneberg ermordet, dessen Bruder in Hamburg Polizeipräsident ist. Aus diesem Grund reisen auch zwei Kollegen von Lost aus Hamburg an: Manz und Mohrmann, kurz M & M. Im nahegelegenen Tavira ereignet sich unterdessen ein weiterer Mord an einer Lehrerin, scheinbar haben die Fälle nichts miteinander zu tun. Doch Lost und seine Kollegen Graciana Rosado und Carlos Esteves decken schon bald eine Gemeinsamkeit und erfahren von einer geplanten Drogenlieferung, die mehrere Tonnen Cannabis und Kokain umfassen soll. Dann geschieht ein Mord an einem Drogendealer und ein Freund des Teams gerät in große Gefahr…

Ich habe den ersten und vor allem den zweiten Band dieser Reihe geliebt, entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Leider konnte der Autor sie dieses Mal nicht ganz erfüllen. Die Szenen mit Leander und dem Team sind wieder wunderbar gelungen, ich liebe diese Figuren einfach, allen voran natürlich Leander Lost. Er ist für mich eine einzigartige Figur, faszinierend, warmherzig, ehrlich. Ich finde es immer wieder interessant, von ihm zu lesen, welche Schwierigkeiten ihm zum Beispiel die Mimik von „Neurotypischen“ bereitet oder wenn er mal wieder über eine Metapher oder eine Redewendung stolpert. Gil Ribeiro bedient sich hier aber keineswegs irgendwelcher Klischees, er scheint das Asperger-Syndrom wirklich gut recherchiert zu haben und zeigt auch immer wieder Stärken von Leander Lost auf. Auch die Charakterisierung der Nebenfiguren ist sehr gut gelungen.

Nun aber zu meiner Kritik: Für mich nimmt in diesem 3. Band der Fall zu viel Raum ein. Zwei Morde, die erstmal nicht viel miteinander zu tun haben und dann die Ermittlungen im Drogenmilieu, das hat mich alles nicht so richtig vom Hocker gerissen. Spannend war das Ganze aber schon, da will ich mich nicht beschweren. Auch die Beschreibungen von Land und Leuten sind wieder wunderbar gelungen und haben das Fernweh in mir geweckt (es gibt sogar einen Abstecher ins spanische Sevilla). Gelungen fand ich auch die beiden deutschen Kommissare (M & M), auch wenn sie vor Klischees strotzen, ich habe mich wunderbar über sie amüsiert.

Fazit: Für mich bisher der schwächste Band der Reihe, aber immer noch ein guter Krimi mit wunderbaren Figuren und viel Lokalkolorit, das ist also jammern auf hohem Niveau! Für mich darf es in Band 4 aber gerne wieder etwas „privater“ werden, also mehr um Leander und die anderen Figuren gehen. Dennoch auf jeden Fall eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 13.08.2019

Eine kleine feine Geschichte, die aber ihr Potenzial nicht voll ausschöpft

Sommer bei Gesomina
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Der zwölfjährige Jona will eigentlich mit seiner Mutter in einem Ferienclub Urlaub machen, aber diese fliegt lieber nach Hollywood, um ihre Karriere voranzutreiben. Jona lässt sie währenddessen bei seiner ...

Der zwölfjährige Jona will eigentlich mit seiner Mutter in einem Ferienclub Urlaub machen, aber diese fliegt lieber nach Hollywood, um ihre Karriere voranzutreiben. Jona lässt sie währenddessen bei seiner ehemaligen Babysitterin Gesomina. Die gebürtige Afrikanerin wohnt irgendwo in Berlin, in einer Straße, in die sich außer den Anwohnern eigentlich niemand mehr verirrt. Schmerzlich zu spüren bekommen das Milan und Robert, zwei Grafikdesigner, die vor ein paar Wochen die Bar Centrale in der Straße eröffnet haben, die Weinhändlerin Julika oder der Australier Tom Spencer, der versucht, seine tasmanischen Stiefel unters Volk zu bringen. Der Sommer ist verregnet, Gesomina kocht wunderbare italienische Gerichte für Jona und beim Backgammonspielen erzählt sie ihm von ihrer Vergangenheit und ihrem Sohn, den sie vor langer Zeit in Afrika zurücklassen musste. Jona setzt sich in den Kopf, den Sohn zu finden und bringt damit das Leben von Gesomina und der anderen Bewohner der Straße gehörig durcheinander. Gesominas Quatschlappen (ein italienisches Gebäck) spielen dabei keine unwesentliche Rolle…

Tatsächlich habe ich mich mit diesem Buch relativ schwergetan. Der Autor hat definitiv wunderbare Figuren geschaffen, nur hätten diese meiner Meinung nach mehr Raum in der Geschichte gebraucht. Man erfährt zwar nach und nach Einiges über Gesominas Vergangenheit, aber bei einem Buch, das nur 256 Seiten umfasst, ist das trotzdem noch recht wenig. Ich finde, 200 Seiten mehr hätten dem Buch gut getan, auch um mehr über das Leben der Nebenfiguren zu erfahren. Es gibt wirklich zahlreiche davon, leider blieben die meisten für mich recht blass. Auch über Jona hätte ich gerne mehr erfahren, er ist ein ganz toller Junge, der auch in der Geschichte eine schöne Entwicklung durchläuft. Florian Beckerhoff kann auf jeden Fall erzählen, die Dialoge brachten mich oft zum Schmunzeln oder machten mich nachdenklich. Gesominas Kochkünste ließen mir oft das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Fazit: Während des Lesens war ich oft etwas unzufrieden, weil sich mir die Figuren nicht wirklich erschlossen beziehungsweise ich gerne mehr über sie erfahren hätte. Das Ende der Geschichte hat mich dann allerdings sehr bewegt, es flossen einige Tränen, es hat mich mit dem Buch versöhnt. Eine kleine feine Geschichte, die aber ihr Potenzial nicht voll ausschöpft.