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Veröffentlicht am 01.09.2019

Der Zerfall einer Familie

Blaufeuer
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Buchmeinung zu Alexandra Kui – Blaufeuer

„Blaufeuer“ ist ein Roman von Alexandra Kui, der 2008 bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Zum Autor:
Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte ...

Buchmeinung zu Alexandra Kui – Blaufeuer

„Blaufeuer“ ist ein Roman von Alexandra Kui, der 2008 bei Hoffmann und Campe erschienen ist.

Zum Autor:
Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte in Hamburg und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen, bevor sie ihren ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt sie als Autorin, Musikerin und Journalistin auf der Geest bei Hamburg. Blaufeuer ist ihr viertes Buch.

Klappentext:
Es herrscht Ebbe an der Nordsee. Der Bootsbauer Erik Flecker fährt mit dem Jeep ins Watt hinaus, um eine Boje zu reparieren. Was als Routinearbeit beginnt, wird zum blutigen Kampf um Leben und Tod. Und ein Gewinner steht von Anfang an fest: die Flut.
Nichts ist ohne Glanz, wenn das Meer am Ende des Tages die Sonne verschlingt. Und der Tod?
Janne Flecker hat sich bei den zweiten Geigen der Deutschen Philharmonie komfortabel eingerichtet. Da erschüttert die Nachricht vom Tod des Bruders Erik ihre Welt. In der Heimatstadt Cuxhaven erfährt Janne, dass ihr Bruder nicht durch einen Unfall ums Leben kam - er wurde Opfer eines grausamen Verbrechens im Watt. Die Tat stürzt Jannes Familie in tiefe Trauer und macht die ganze Stadt an der Nordseeküste ratlos. Wer könnte einen Grund gehabt haben, den allseits beliebten Juniorchef der Jachtenwerft so sadistisch hinzurichten? Dann überschlagen sich bei Eriks Beerdigung die Ereignisse. Und der Vater Paul bittet Janne um einen Gefallen, der ihr Leben nicht nur umkrempeln, sondern es auch in größte Gefahr bringen wird.

Meine Meinung:
Zu Beginn hat mich dieses Buch abgeschreckt. Die Hauptfigur Janne Flecker, die bis auf kurze Abschnitte, in denen Paul Flecker den Ich-Erzähler gibt, als erzählende Person handelt, war mir sofort unsympathisch. Ihre soziale Kompetenz ist sehr gering und es stört sie überhaupt nicht. Auch die anderen Familienmitglieder sind aus ähnlichem Holz geschnitzt. Der Leser wird Zeuge einer zerfallenden Familie und Janne beginnt nach den Ursachen zu forschen. Paul erleidet einen Schlaganfall, lässt den Leser aber immer wieder an seinen Gedanken teilhaben. Janne findet Unterstützung bei einem pensionierten Mitarbeiter ihres Vaters, der aber über die Vergangenheit schweigt. Der Kriminalfall tritt weitgehend in den Hintergrund und das Beziehungsgeflecht in den Vordergrund. Während Janne sich in ihre Aufgabe rein beißt, öffnet sie sich zusehends. Je dunkler die Vergangenheit ihrer Familie erscheint, desto normaler wird Janne.

Fazit:
Als Krimi ist das Buch eine Enttäuschung, aber als Roman über eine zerfallende Familie hat es mich überzeugt. Deshalb vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine Leseempfehlung für Romanfreunde.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Der Poker-Club, die Frauen und die Toten von Bienville

Verratenes Land
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Buchmeinung zu Greg Iles – Verratenes Land

„Verratenes Land“ ist ein Kriminalroman von Greg Iles, der 2019 bei HarperCollins in der Übersetzung von Ulrike Seeberger erschienen ist. Der Titel der amerikanischen ...

Buchmeinung zu Greg Iles – Verratenes Land

„Verratenes Land“ ist ein Kriminalroman von Greg Iles, der 2019 bei HarperCollins in der Übersetzung von Ulrike Seeberger erschienen ist. Der Titel der amerikanischen Originalausgabe lautet „Cemetery Road“ und ist 2019 erschienen.

Zum Autor:
Greg Iles wurde in Deutschland geboren, da sein Vater damals die medizinische Abteilung der Amerikanischen Botschaft leitete. Er verbrachte seine Jugend in Natchez, Mississippi. 1983 beendete er sein Studium an der University of Mississippi. Danach trat Greg Iles zunächst als Profi-Musiker auf, bevor er sich der Schriftstellerei widmete. Seine Bücher erscheinen inzwischen in 25 Ländern. Der überaus produktive Autor pflegt außerdem eine Leidenschaft für Filme. Zu seinem Roman "24 Stunden" schrieb er selbst das Drehbuch.Der Autor lebt mit Frau und zwei Kindern in Natchez, Mississippi.

Klappentext:
»Wir leben in schwierigen Zeiten. Und es ist nicht immer einfach, gut zu sein.« Dies muss Marshall McEwan feststellen, als er nach fast 30 Jahren wieder in seine Heimatstadt Bienville, Mississippi, zurückkehrt.
Nach wie vor wird das Wohl und Wehe der Stadt durch den »Bienville Poker Club« gelenkt - ein zwielichtiger Zusammenschluss der Reichen und Mächtigen, der noch aus den Tagen des Bürgerkriegs stammt. Genau dort fängt Marshall mit seinen Nachforschungen an, als Buck Ferris, Archäologe und Ziehvater von Marshall, unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt.
Denn seine Ausgrabungspläne gefährdeten das Bauvorhaben der neuen chinesischen Papiermühle. Und es sind die Mitglieder des Poker Clubs, die das größte Interesse an diesem Deal haben. Dass ausgerechnet Max Matheson, Schwiegervater von Marshalls Highschool-Liebe und Vater seines Jugendfreundes, Mitglied des illustren Clubs ist, macht seine Ermittlungen noch brisanter.

Meine Meinung:
Manchmal gerate ich über dieses Buch ins Schwärmen. Die Figurenzeichnung, die atmosphärische Beschreibung von Land und Leuten, der verwendete Plot genügen höchsten Ansprüchen und doch gibt es einen großen Wermutstropfen. Greg Iles ist an manchen Stellen geschwätzig geworden. Wenn er die Beziehung zwischen Marschall und Jet beschreibt wiederholt sich der Erzählstrang permanent und ermüdend. Aber zurück zur eigentlichen Geschichte. Marshall ist ein gestandener Journalist, der etwas aus der Spur geraten ist. Sein Mentor ist umgekommen und er hat eine klare Vorstellung davon, wer dafür verantwortlich ist. Im weiteren Verlauf gibt es erwartete Widerstände, aber auch unerwartete Unterstützung. Weiterhin kämpft Marshall mit persönlichen Problemen, die in Rückblenden erläutert werden. Auch sein Verhältnis zum Vater wird zum Thema gemacht. Auch wenn vieles vorhersehbar ist, so bietet die Geschichte doch reichlich Überraschungen. Kaum jemand macht immer das, was der Leser erwartet. Gerade die Frauenfiguren treiben die Handlung voran. Marshall selbst wirkt etwas passiv, bleibt aber sympathisch, weil er die mächtigen alten Männer vom Poker Club herausfordert. Er kennt die meisten von ihnen von Jugend an und irgendwie ist er ja auch von hier. Insgesamt wird aber ein dunkles Bild der amerikanischen Gesellschaft gezeichnet und Marshall ist ein kleines Rad in diesem Spiel. Nach verhaltenem Beginn steigt die Spannung kontinuierlich und mündet in einen filmtauglichen Showdown, der den Massengeschmack treffen dürfte. Der Schreibstil ist direkt, packend und atmosphärisch. Die Perspektive des Lesers ist die der Hauptfigur Marshall McEwan, so dass auch seine Emotionen jederzeit deutlich sind.

Fazit:
Dieses Buch punktet mit tollen Figuren, Südstaatenflair und einem interessanten Plot, aber manchmal hätte es stringenter erzählt werden können. Auch der Showdown ist mir zu sehr auf den amerikanischen Massenmarkt ausgerichtet. Der Unterhaltungsfaktor ist aber hoch und deshalb gibt es vier von fünf Sternen (85 von 100 Punkten) von mir und eine Leseempfehlung gibt es als Zugabe, denn das erzählerische Talent des Autors ist ausgeprägt.

Veröffentlicht am 21.08.2019

Ein atmosphärisch starker Kriminalroman

Leo Berlin
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Buchmeinung zu Susanne Goga – Leo Berlin

„Leo Berlin“ ist ein Kriminalroman von Susanne Goga, der 2012 bei dtv Verlagsgesellschaft erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Serie um Leo Wechsler, der in ...

Buchmeinung zu Susanne Goga – Leo Berlin

„Leo Berlin“ ist ein Kriminalroman von Susanne Goga, der 2012 bei dtv Verlagsgesellschaft erschienen ist. Dies ist der Auftakt der Serie um Leo Wechsler, der in Berlin in den 20er Jahren ermittelt..

Zum Autor:
Susanne Goga lebt als Autorin und Übersetzerin in Mönchengladbach. Sie ist Mitglied des deutschen PEN-Zentrums. Außer ihrer Krimireihe um Leo Wechsler hat sie mehrere historische Romane veröffentlicht und wurde mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet.

Klappentext:
Berlin 1922. Deutschland ist politisch zerrissen, die Menschen finden nach dem verlorenen Krieg keine Ruhe. Kriminalkommissar Leo Wechsler bekommt es mit einem mysteriösen Mord zu tun: Ein Wunderheiler, der in besseren Kreisen verkehrte, wurde mit einer Jade-Figur erschlagen. Keine Zeugen, keine Spuren ...

Meine Meinung:
Dieses Buch besticht weniger durch einen spannenden Kriminalfall als vielmehr mit einer überaus atmosphärischen Beschreibung des Berlins der Nachkriegszeit. Die Figurenzeichnung ist gelungen und die Grautöne geben den Figuren Leben. Auch die Hauptfigur Leo Wechsler ist ein Mensch mit Stärken und Schwächen, der sympathisch wirkt und der sich auch in Fällen mit Außenseitern der Gesellschaft um eine Lösung bemüht. Der Leser erfährt viel über eine Zeit, in der fast alle Menschen um ihren Lebensunterhalt kämpfen mussten und viele auch an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Der Kriminalfall selber fällt dagegen etwas ab, auch weil der Täter schnell bekannt ist. Die immer noch vorhandene Spannung lebt von der Frage, ob und wie Leo Wechsler mit den Ermittlungen vorankommt.

Fazit:
Ein atmosphärisch starker Kriminalroman, der mit Figurenzeichnung und historischer Schilderung punktet. Auch wenn der Kriminalfall etwas abfällt, vergebe ich vier und fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 17.08.2019

Morbider Charme

Sterbenstörtchen
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Buchmeinung zu Beate Ferchländer – Sterbenstörtchen

„Sterbenstörtchen“ ist ein Kriminalroman von Beate Ferchländer, der 2019 im Emons Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Beate Ferchländer wurde 1961 in ...

Buchmeinung zu Beate Ferchländer – Sterbenstörtchen

„Sterbenstörtchen“ ist ein Kriminalroman von Beate Ferchländer, der 2019 im Emons Verlag erschienen ist.

Zum Autor:
Beate Ferchländer wurde 1961 in Scheibbs, Niederösterreich, geboren. Beruflich verschlug es sie als Lehrerin ins Weinviertel, wo sie auch heute noch mit ihrem Mann und dem Bio-Kater Tofu lebt. 
Geschrieben hat sie seit sie einen Stift halten konnte, mal mehr, mal weniger. "Im Leben gibt es eben oft andere Prioritäten, und das ist auch gut so", sagt die Autorin. Jetzt, wo ihre Kinder außer Haus sind, ist das Schreiben wieder an vorderste Front gerückt.
Ihr großes Vorbild ist Ingrid Noll, auch sie hat erst jenseits der 50 erstmals veröffentlicht. Humor und Spannung sind der Autorin wichtig, das Leben ist ernst genug.

Klappentext:
Süß, köstlich, tödlich
Hanna und ihre Schwestern haben eines gemein: ein schlechtes Händchen in der Wahl ihrer Ehemänner. Doch eine Trennung ist eine mühsame Prozedur. Als ihre sterbenskranke Mutter
ankündigt, nur jenen Töchtern etwas zu vererben, die zum Zeitpunkt ihres Todes ohne Mann Kind, kommt Bewegung in die Sache. Während Hanna noch zögert, die Scheidung einzureichen, stirbt der erste Schwager ...

Meine Meinung:
Die Stärke es Buches ist der heitere Grundton bei einem morbiden Geschehen. Die Geschichte wird aus der Sicht Hannas erzählt, die von Mann und Mutter ausgenutzt wird. Sie ist mit ihrem Leben nicht wirklich zufrieden, aber sie hält den Laden am Laufen. Sie ist auch eine gute Beobachterin und hat zu jeder Person ein paar spitze Bemerkungen, deren Schärfe aber durch den ruhigen Erzählstil im Hintergrund bleibt. Hanna wirkt sympathisch und man leidet mit ihr mit. Während ich dieses Buch las ist mir das Lied „Tauben vergiften im Park“ von Georg Kreisler in den Sinn gekommen, allerdings haben hier Ehemänner Probleme. Immer bleibt die Frage offen, ob es Unfall oder Mord gewesen ist. Die Witwen blühen auf, aber was wird Hanna unternehmen? Neben diesem morbiden Aspekt werden etliche Familiengeheimnisse gelüftet und der Spannungsbogen steigt weiter. Die Autorin bindet eine Reihe ernster Themen in die Geschichte ein, aber der heitere Grundton bleibt dominant. Nach etlichen überraschenden Wendungen kommt ein Ende, das etwas weichgespült wirkt. Aber auch das passt schon.

Fazit:
Ein gelungener Kriminalroman mit einem heiteren Grundton, der mir viel Vergnügen beim Lesen bereitet hat. Diese Mischung von Humor und Tod bekommen wohl nur österreichische Autoren hin. Von mir gibt es vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 14.08.2019

Einfallsreicher Plot und kantige Figuren

Schoofseggl
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Buchmeinung zu Axel Ulrich – Schoofseggl

„Schoofseggl“ ist ein Kriminalroman von Axel Ulrich, der 2019 bei Oertel und Spörer erschienen ist.

Zum Autor:
Axel Ulrich hat als Wirtschaftsjournalist und ...

Buchmeinung zu Axel Ulrich – Schoofseggl

„Schoofseggl“ ist ein Kriminalroman von Axel Ulrich, der 2019 bei Oertel und Spörer erschienen ist.

Zum Autor:
Axel Ulrich hat als Wirtschaftsjournalist und Unternehmensberater gearbeitet und ist seit langem in der IT-Branche selbstständig. Eigentlich wollte er nur einmal ein Buch schreiben, um zu sehen, ob er das kann. Dieser Versuch hat ihn dann gepackt, und er konnte nicht mehr aufhören.

Klappentext:
Heilandsack! Als das Land Baden-Württemberg eine CD mit Daten von Steuersündern kauft, ist die Aufregung groß. Bei Ex-Anwalt Franz Walzer, der sich auf Geldwäsche spezialisiert hat, steht das Telefon nicht still. Es gelingt ihm zunächst, den Datendieb zu finden. Fürs Erste gibt's Entwarnung. Auch für einen Stuttgarter Bordellbesitzer, der für rüde, schmerzhafte Methoden und Schlimmeres berüchtigt ist, dem man aber bisher nichts nachweisen kann. Doch dann meldet sich bei Walzer ein Klient, der Besuch von Steuerfahndern erhalten hat, obwohl sein Name angeblich gar nicht auf der CD gewesen sein soll. Sein Verdacht: Ein zweiter Datendieb ist unterwegs und treibt sein Unwesen im Schatten des ersten. Als im Bodensee die Leiche einer jungen Ukrainerin gefunden wird, die aus einem Stuttgarter Bordell verschwunden ist, geht es nicht länger nur um Schwarzgeld, Bestechung und sogar Erpressung. Der Vater der Ukrainerin sinnt auf Rache. Und er ist nicht der Einzige.

Meine Meinung:
Dieses Buch hat mit positiv überrascht. Ist man in Regionalkrimis oft sympathische, aber recht flache Charaktere gewohnt, so sind es bei diesem Buch Figuren mit Ecken und Kanten, deren Sympathiewerten eher mäßig sind. Der Ex-Anwalt Walzer agiert oft am Rande der Legalität, hat aber Verbindungen und setzt logisches Denken ein. Es beginnt mit Steuerhinterziehung und verkauften Steuerdaten. Die Geschichte entwickelt sich unorthodox, aber sehr unterhaltsam. Eine sehr interessante Figur ist der Bordellbetreiber Kneller, der ein Faible für lukrative Geschäfte hegt, aber auch schon mal Gewalt einsetzt. Er gibt einen angemessenen Gegenspieler ab und ist für etliche Sorgen zuständig. Als Walzer und Kumpane in Not geraten, erhalten sie unerwartete Hilfe.
Gegen Ende wird die amüsante Geschichte etwas unglaubwürdig, aber der gelungene Plot und der pointierte Erzählstil gleichen dies aus. Ein häufiger Perspektivwechsel sorgt für solide Spannung.

Fazit:
Eine positive Überraschung aus dem Schwabenland, die mit gut gezeichneten Figuren und einem einfallsreichen Plot punktet. Das Ende fällt etwas ab, aber es reicht locker für vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und eine verdiente Leseempfehlung.