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Veröffentlicht am 22.08.2019

Einfühlsam, spritzig und witzig!

Ich bin dann mal Prinzessin – Wie küsst man einen Prinzen?
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Ihre königliche Hoheit Olivia Grace Clarisse Mignonette Harrison Renaldo weiß nun seit rund 6 Monaten, daß sie von königlichem Geblüt ist und wohnt bei ihrer Familie im Palast von Genovien. Langsam gewöhnt ...

Ihre königliche Hoheit Olivia Grace Clarisse Mignonette Harrison Renaldo weiß nun seit rund 6 Monaten, daß sie von königlichem Geblüt ist und wohnt bei ihrer Familie im Palast von Genovien. Langsam gewöhnt sie sich ein, aber noch ist alles ziemlich neu. Ihre Halbschwester Mia und ihr Mann Michael (ja die aus dem Disney-Hit „Plötzlich Prinzessin“) erwarten nun jederzeit Zwillinge und im Fürstentum wütet „La Grippe“ eine üble Erkältungswelle. Obwohl Olivia und Prinz Khalil während der Sommerferien so viel Zeit mit einander verbracht haben und Pool-Tischtennis spielten und Leguane beobachteten, kommt er nun gar nicht mehr vorbei und verhält sich auch sonst ganz anders. Oliva kann es sich nicht erklären, sie waren doch so gute Freunde! Ihre New Yorker Freundin Nishi wittert amouröse Verwirrungen, aber sie ist ja auch voll jungsverrückt, das kann man nicht ernst nehmen. Viel ernster nimmt sie das Problem, daß alle sie überreden wollen mit zu den Winterspielen der königlichen Schulen in Stockerdörfl, dem Heimatort von Prinz Gunther zu fahren. Aber sie kann doch gar nicht Skifahren! Was soll sie da? Sie will doch auch auf keinen Fall die Geburt der königlichen Babys verpassen, aber wegen „La Grippe“ fehlt es an Teilnehmern und Begleitpersonen. Erstmals in der Geschichte dieser Winterspiele von blauem Geblüt, droht die Teilnahme der Royal Genovian Academy auszufallen. Quelle horreur!

Diese Reihe ist ein Spin off von Mega Cabots Erfolgsreihe „Plötzlich Prinzessin“, so daß man nebenbei auch erfährt, wie es Prinzessin Mia so ergeht und auch Grandmére bleibt den Fans erhalten. Über sie können meine Tochter und ich uns immer besonders amüsieren! Wer nun Angst hat, die ganzen familiären Verbindungen durcheinander zu bringen, der sorgt sich umsonst. Im Einband befindet sich ein von der Autorin gezeichneter Stammbaum, für dessen Richtigkeit Meg Cabot mit ihrem guten Namen steht. Einzig Lady Luisa, die gemeine und intrigante entfernte Cousine und Klassenkameradin von Olivia ist nicht verzeichnet, aber bei einer so großen Familie, ist nur Platz für ihre wichtigsten Mitglieder. Außerdem stellt Luisa dank ihrer Gemeinheiten jederzeit sicher, daß sie unvergesslich bleibt. Ihre Intrigen sind der wunderbare Kontrapunkt zur herzensguten und lieben Olivia, die sie natürlich furchtbar langweilig und eine Spaßbremse findet. Das kann diese nicht auf sich sitzen lassen, wodurch sie immer wieder in ganz schön peinliche Situationen gerät. Wie gut, daß auch sie Tagebuch führt, denn einige Gedanken sind so vertaulich, daß sie sie nicht einmal Nishi anvertrauen kann, nur ihrem Tagebuch. Aber auf so einer Fahrt ist Tagebuchschreiben manchmal ein wenig ungünstig, was immer wieder zu weiteren heiteren Komplikationen führt. Ein wahres Wechselbad der Gefühle für die bald 13-jährige Olivia. Sie schwankt zwischen Freude, Peinlichkeit, Wut, Mitleid, Entschlossenheit, Hilfsbereitschaft.... ganz schön viel, was sie sich da vorgenommen hat und Luisa und Grandmère machen es ihr auch nicht immer leichter.

Meine Tochter (12) war sofort wieder in Olivias königlicher Welt drin und erzählte mir alles über Olivias Hund und den verzogenen von Grandmère und die Wetten der Buchmacher.... klar, sie hat ja auch die Hörbücher der ersten zwei Bände ein paar mal mehr gehört als ich. Aber auch ich habe sofort wieder hineingefunden und bin dann durch die Seiten geflogen. Viel zu gut habe ich mich amüsiert, um nicht sofort wieder weiter zu lesen! Sehr locker flockig geschrieben, zwischendurch sind ein paar Handynachrichten an Nishi eingeflochten, auch wenn sie dieses Mal bei all dem Trubel nicht allzu viel Zeit hat, ihr alles zu berichten. Außerdem hat die Autorin immer wieder kleine Zeichnungen eingefügt, die Dargestellten wunderbar treffend charakterisieren.

Ja, es geht diesmal tatsächlich um die erste Liebe, aber ganz zart, so daß ich den Originaltitel „Royal Crush“ in etwa königliche Schwärmerei passender findet. Angst vor Knutschszenen ist unbegründet, die Zielgruppe sind immerhin Mädchen von 10 – 12 Jahren, also jünger als bei „Plötzlich Prinzessin“. Meine Töchter gehören beide zur Zielgruppe und finden die Reihe sehr witzig. Auch dieser Band hat uns nicht enttäuscht und wir sind schon sehr neugierig, wie es weitergeht und freuen uns auf weitere Fiesheiten von Lady Luisa, die der Serie die richtige Würze verleiht. Tatsächlich werden auch Probleme und Themen angesprochen, die sich jeder zu Herzen nehmen sollte: Empathie, Mitgefühl und ein achtsamer Umgang miteinander.

Veröffentlicht am 18.08.2019

Diese Hausgemeinschaft ist etwas Besonderes

Familie Flickenteppich 1. Wir ziehen ein
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Emma (8 ¾, 3. Klasse), Ben (10, 4. Klasse), Jojo (4,5 Jahre, Kindergarten) und Papa und bester Koch der Welt Olly Engl müssen umziehen. Nachdem Mama beschlossen hat mit ihrem neuen Freund in Australien ...

Emma (8 ¾, 3. Klasse), Ben (10, 4. Klasse), Jojo (4,5 Jahre, Kindergarten) und Papa und bester Koch der Welt Olly Engl müssen umziehen. Nachdem Mama beschlossen hat mit ihrem neuen Freund in Australien auf Tour zu gehen und sich ihren Lebenstraum zu erfüllen, ist ihr Haus zu groß und teuer. Nun rücken sie enger zusammen und ziehen in eine der Wohnungen im Haus Nr. 11. Als Emma das Abendessen zubereiten will, fallen ihr die Eier für die Pfannkuchen herunter und was anderes fürs Abendbroten haben sie noch nicht. So lernt Emma fast alle Nachbarn und ihre Besonderheiten kennen und vor allem die Zwillinge Aylin und Tarek, die so alt sind wie sie und in der Wohnung gegenüber mit ihrer Mutter Selda wohnen. Außerdem lebt die liebe, alte Frau Becker unterm Dach, ebenso wie Stella und Doris mit ihren Tieren. Im Erdgeschoss bei den Wohnungen mit den Gärten ist es anders. In der einen wohnen Erbsenzähler, die sich zum Glück als die Großeltern von Bens neuem Klassenkameraden Freddy herausstellen und der geheimnisvolle Graf, den nie jemand zu Gesicht bekommt. Freddys Großeltern meinen sogar, er sei untergetaucht. Doch warum steht dann ein blitzsauberes Fahrrad in seinem Kellerverschlag und die Gardinen bewegen sich? Das müssen die Kinder aus der Nr. 11 ergründen!

Nur weil Kinder das gleiche Alter haben, müssen sie sich nicht automatisch verstehen. Zum Glück stimmt in der Nummer 11 die Chemie unter den Kindern! Welch eine Erleichterung, als Emma und Ben bei ihrer Tour durchs Haus, als sie bei Selda, Aylin und Tarek klingeln.. Zuvor waren sie bei den Erbsenzählern, die doch eher einschüchternd waren! Wie es im Leben ist, ist jeder Jeck anders, man muß ihn nur zu nehmen wissen. So wächst auch die Hausgemeinschaft, dank der quirligen Kinder und ihren vielen Ideen schnell zusammen. Dabei haben die Kinder viele moderne Probleme, auf die Stefanie Taschinski sehr sensibel und einfühlsam eingeht. Da kann man leicht schon einmal eine Mücke in die Augen bekommen. Die berufstätigen Eltern haben wenig Zeit für die Kinder und lösen dieses Problem auf unterschiedliche Weise. Der etwas wilde Freddy ist ständig bei seinen strengen Großeltern, die für Zucht und Ordnung sorgen, während Emma, Ben und Jojo lernen müssen selbstständig zu werden und auf einander aufzupassen, während ihr Vater sein Restaurant leitet. Selda hat da mehr Zeit, kann sie aber nicht immer für die Kinder nutzen, weil die Traurigkeit über den Unfalltod ihres Mannes sie lähmt. Auch hier müssen die Kinder immer wieder Verantwortung übernehmen. Meine Tochter (10) war doch recht erstaunt, wieviel diese Grundschüler schon alles selbst auf die Reihe bekommen müssen, da wird auch bei den Hausaufgaben schon mal geschludert, sehr zum Missfallen von Freddys Großeltern.Im direkten Vergleich merken Kinder, daß beide Betreuungsvarianten seine Vor- und Nachteile haben. Die Freiheit des fröhlichen Spielens am Nachmittag, hat als Kehrseite, daß die Kinder sich auch öfters selbstständig ins Bett bringen müssen, was gerade die Jüngste nicht gut schafft. Die Kinder sind dennoch sehr fröhlich und offen und machen das Beste aus ihrer Situation, auch wenn sie dafür schon mal komisch angeguckt werden. Aber ihr Zusammenhalt wächst dadurch umso mehr, ebenso wie durch ihre großen und kleineren Geheimnisse und ihre Aktionen Mädchen gegen Jungs. Bei diesen müssen sie oft genug feststellen, daß es gemeinsam besser klappt, als gegeneinander. Der Schreibstil ist sehr flüssig und kindgerecht. Geschildert werden die Erlebnisse aus Emmas Sicht, aus der Ich-Perspektive. Man hat das Gefühl ganz in Emmas Gedanken hineinkriechen zu können. Das spricht natürlich Mädchen mehr an als Jungs ab 8 Jahren, für die diese turbolent-tolerante Familiengeschichte dennoch auch abenteuerlich-unterhaltsam ist. Die farbigen Illustrationen lockern den Text fröhlich auf. Aufgrund der Zielgruppe ab 8 Jahren, ist die Schrift noch größer, aber von den Kapitellängen und der Textmenge her richtet es sich eindeutig an Leser und nicht Lesemuffel. Allerdings ist es auch sehr gut zum Vorlesen geeignet, auch für jüngere Kinder, sofern sie sich auf längere Texte ohne Bilder konzentrieren können.

Das Geheimnis des Grafen hat mich nicht ganz überzeugt, dafür hätte ich bei einem Erwachsenenbuch einen Stern abgezogen. Meine Tochter fand es jedoch einleuchtend und aus Kindersicht ist es plausibel. Das ist es, was für mich zählt, fast so sehr, wie sein gutes Herz.

Meiner Tochter hat dieses Buch sehr gut gefallen. Als ich sie fragte, was ihr am Besten gefallen habe: Das Freddys Großeltern letztendlich doch lieb sind, da ist mir ein Stein für ihn vom Herzen gefallen.

Einfühlsam und unterhaltsam, so sollen Familiengeschichten sein!

Wir bedanken uns ganz herzlich beim Oetinger Verlag und Lovelybooks für diese Leserunde.

Veröffentlicht am 06.08.2019

Sei neugierig und offen für andere!

Kiesel, die Elfe - Libellenreiten für Anfänger
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Kiesel ist ein kleines, neugieriges Steinelfenmädchen. Steinelfen haben leider ziemlich kleine Flügel, da ist es mit dem Fliegen nicht immer ganz so leicht. Auch wenn sie sich mit den übrigen Elfenvölkern ...

Kiesel ist ein kleines, neugieriges Steinelfenmädchen. Steinelfen haben leider ziemlich kleine Flügel, da ist es mit dem Fliegen nicht immer ganz so leicht. Auch wenn sie sich mit den übrigen Elfenvölkern gut versteht und sie viele Freunde hat, machen sich die anderen Elfenkinder schon mal über ihre kleinen Flügel lustig. Aber Kiesl lässt sich nicht unterkriegen und will sogar bei ihrer Freundin Unda, der Flusselfe Libellenreiten lernen, dabei kann sie gar nicht schwimmen! Das stellt sich aber gar nicht als das größte Problem dar, denn ganz unbewusst kommt ihr etwas dazwischen! Schade, nun darf sie nicht mehr an den Fluss und geht daher auf die Suche nach ihrem besten Freund, Mino, einem Minster, der in der Dunkelheit des Berges wohnt. Im Berg wohnen die Finsterlinge, die größten Feinde der Tagelfen. Vor diesen Nachtelfen muss sie sich hüten! Daher ist die Verbindung zwischen dem Veilchental und der Bergwelt der Nachtelfen durch ein Silbergitter versperrt, bis eine ebenso neugierige Nachtelfe wie Kiesel, dieses Tor öffnet!
Diese Geschichte wird ab 8 Jahren zum Selberlesen empfohlen, ab 6 Jahren zum Vorlesen. Meine Tochter ist gerade 10 Jahre alt geworden. Ich hatte etwas Sorge, sie könnte die Geschichte zu kindisch finden, da habe ich mich aber völlig geirrt! Diese Tochter war völlig begeistert und hat sich immer wieder das kindle fire geschnappt und von sich aus weitergelesen. Die Große (12) hat z.T. zu gehört und sich beschwert, daß die Geschichte doch so schön wäre, warum wir denn ohne sie lesen würden…. Nun ja, irren ist mütterlich!
Kiesel ist sehr neugierig und offen. Nicht nur für neue Abenteuer, sondern auch für neue Freundschaften. Daher wagt sie es auch mal für das Veilchental neue Wege zu gehen und Dinge zu probieren, die Steinelfen doch nie tun! Aber warum eigentlich nicht?! Dies ist der zweite Band der Reihe und wir kennen den ersten noch nicht. Zu Beginn des Buches gibt es aber eine schöne Übersichtskarte mit allen wichtigen Orten im Veilchental und den Bewohnern. Da wir es auf einem Lesetablet gelesen haben, konnten wir also die Illustrationen heranzoomen und vergrößern und alles hingebungsvoll anschauen und bestaunen. Auch die übrigen Illustrationen sind alle in Farbe und sehr niedlich. Billy Bock hat den magischen Nerv der Leserinnen getroffen.
Kiesel ist nicht nur neugierig und magisch (leider hat sie ihre Magie noch nicht unter Kontrolle, was sie manchmal in Schwierigkeiten bringt), sie hält sich nicht immer an die Regeln. Nicht so vorbildlich, aber wer immer nur das macht, was er darf, bringt es auch zu nichts! Dabei ist Kiesel aber auch bereit über den Tellerrand zu gucken und Vorurteile über Bord zu werfen, sofern sie nicht mit ihren eigenen Erfahrungen und Beobachtungen übereinstimmen. Das ist eine sehr schöne Botschaft. Suche Dir Deine Freunde nach Deinem Bauchgefühl aus und nicht nach der Erwartungshaltung der anderen. Du bist frei zu mögen, wen immer Du willst! Sei mutig und abenteuerlustig, vertraue Deinen Freunden und gibt nicht auf. Dabei ist es gemeinsam nicht nur schöner, sondern auch einfacher und sicherer. Eine sehr schöne Geschichte, die Mut macht und mit einem Lächeln im Gesicht einschlafen lässt. Ach ja, auch sehr spannend, aus junger Elfenfansicht.
Die Schriftgröße lässt sich beim ebook anpassen, was gerade bei Kindern, die sich mit dem Lesen etwas schwerer tun, oder einfach nur etwas bequem sind, sehr angenehm ist. Sprachlich kommen manchmal Wörter vor, die man als Mutter erklären muss, aber nur wenige. So bereichert man seinen Wortschatz.
Nina Blazon ist eine Fantasy-Autorin, die meistens für größere Mädels schreibt, der mit der Kieselreihe es jedoch auch gelungen ist, die Herzen der Nachwuchsleserinnen zu erobern. Es macht Sinn, die Reihe chronologisch zu lesen, es ist aber auch möglich bei diesem Band einzusteigen, ohne Verständnisschwierigkeiten. Aber: die Töchter wollen dann anschließend immer noch Band 1 lesen, da kann man auch gleich mit Band 1 anfangen.
So macht Lesen Spaß, auch den eher lesemüden jungen Damen!

Veröffentlicht am 04.08.2019

klaustrophobisches Setting, kniffelige Hochspannung

Die Tote vom Titlis
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Dies ist der 5. Fall des türkisch/schweizerischen Mordermittlers Cem Cengiz vom Luzerner Morddezernat (oder Abteilung Leib und Leben, wie es korrekt heißt). Nach Lilas spektakulärer Flucht sind Cem und ...

Dies ist der 5. Fall des türkisch/schweizerischen Mordermittlers Cem Cengiz vom Luzerner Morddezernat (oder Abteilung Leib und Leben, wie es korrekt heißt). Nach Lilas spektakulärer Flucht sind Cem und Staatsanwältin Eva sich nicht nur näher gekommen, sondern haben auch kurzentschlossen geheiratet. Ihr Flitterweekend (mehr Zeit bleibt nicht) verbringen sie in einem Luxushotel in Evas Heimatkanton. Zur Krönung des Wochenendes soll Cem sie mit der Kabinenbahn auf den Titlis begleiten. Der Türke in ihm, fühlt sich nicht vom Berg gerufen, sondern beäugt misstrauisch das aufziehende April-Unwetter über den Gipfeln. Dort oben ist Ausnahmezustand. Eine Schicki-Micki-Hochzeit ist ausgerechnet in der Eisgrotte geplant und ihr Benehmen ist schon vor dem Großevent so selbstverliebt, daß Cem und Eva über ihre eigene bescheidene Feier und echten Freunde beglückt sind. Bis sie einen Schuss aus der Eisgrotte hören. Sofort schalten sie von Romantik auf Berufsmodus um, sammeln die Handys aller Gäste ein, evakuieren den Tatort zur Spurensicherung, nehmen die Personalien auf und bringen Umstehende vom Berg. Doch das Unwetter kommt schneller als die Unterstützung aus dem Tal. So bleiben die frischvermählten Ermittler mit zwanzig Gästen und dem Personal auf dem Titlis zurück. Ein Albtraum wird wahr, denn es ist nicht alles Gold was glänzt und ein Mord, bleibt selten allein.

Ein Szenario das stark an Agatha Christie erinnert, mit einer ihr ebenbürtigen Auflösung, aber mehr Gewalt und Spannung. Dies ist kein Cosy-Crime trotz Hochzeitsgesellschaft. Der Berg ruft, aber nicht zum Tanz. Bereits von Anfang an spürt man die Spannung in der Luft, schon als Cem ganz zu Beginn mit einem Rüpel vor dem Hotelzimmer zusammen stößt. Bereits auf S. 30 fällt der erste Schuss und in dem rasanten Tempo geht es weiter. Statt eines kuscheligen Honeymoon-Weekends erwartet Cem und Eva ein klaustrophobisches Wochenende, bei dem die Nerven aufs äußerste gespannt werden. Das gilt auch für den Leser. Hinter meinem Sitz fuhr ein Krankenwagen (ohne Blaulicht) her und ich habe es nicht gemerkt, obwohl ich ihn erwartet habe. So versunken war ich in das Drama auf dem Titlis.

Das Einzige was mich etwas störte: Die Cousins der Braut sind eineiige Zwillinge. Forensisch betrachtet ein Albtraum, da sie identische genetische Fingerabdrücke haben, jedoch sind ihre echten Fingerabdrücke nicht identisch. Auch haben sie unterschiedliche Charaktere, die sich im Gesichtsausdruck widerspiegeln. Auf den ersten Blick ist es stets schwierig, sie zu unterscheiden, aber wer eineiige Zwillinge besser kennt, dem wird es immer gelingen, sie auseinander zu halten, das ist bei uns nicht nur Familie und Freunden geglückt, sondern auch Lehrern. An diesem Punkt schwächelt die Geschichte leider. Diese Zwillinge kleiden sich identisch und führen seit 20 Jahren ihre Mitmenschen an der Nase herum. Dafür gefällt es mir sehr gut, wie Monika Mansour es gelingt, dem Leser das in den Köpfen der Gesellschaft verankerten Misstrauen gegen Ausländer vorzuführen. Der Koch der Bergstation ist Syrer und jeder, bis auf seine Kollegen, die ihn besser kennen, ist versucht daran zu glauben, daß dieser in dieses Netz aus Intrigen, Verbrechen und Boshaftigkeit verstrickt ist. Bei dieser Hochzeitsgesellschaft ist nicht alles so wie es scheint. Die Charaktere sind mehrschichtig und bisweilen scheinen sie unergründlich zu sein. Wem können Cem und Eva vertrauen? Wen können sie um Kooperation bitten? Unschuldig kann eigentlich nur sein, wer neben ihnen stand, als sie den Schuss hörten. Auch bei nachfolgenden Taten scheint es unter derartigen Aspekten Ausschlusskriterien zu geben. Im Übrigen muss sich Cem auf sein Bauchgefühl verlassen, denn als Täter kommt eigentlich nur ein Mitglied der Hochzeitsgesellschaft in Frage, womit die Mitarbeiter entlasten wären und zur Kooperation geeignet. Denn wie sollen Cem und Eva es alleine schaffen, die immer unruhiger werdende Meute in Schach zu halten? Als noch eine 2. Leiche gefunden wird, wird die Lage noch verworrener und es ist klar, daß sie alle in Gefahr sind.
Die Auflösung entspricht wieder der meisterlichen Agatha Christie, allerdings mit mehr Action und Spannung. Der Täter hatte in seinem Plan alle möglichen Pannen und Probleme mit einbezogen, nur nicht die Möglichkeit, daß ein Kommissar einer Mordkommission und eine Staatsanwältin sofort vor Ort sein würden, um das Ruder an sich zu reißen. Neben der emotionalen Ausnahmesituation, die man mit Cem und Eva durchlebt, macht die Ungewissheit Cems Kollegen wahnsinnig. Sie wollen eingreifen und unterstützen, aber das Wetter und der Berg haben andere Pläne. Fast zu Untätigkeit verdammt, setzt dies innerhalb des Teams bemerkenswerte Kräfte und Entwicklungen frei.

Monika Mansour ist Schweizerin und das merkt man nicht nur bisweilen an den verwendeten Ausdrücken, die z.T. hinten im Glossar erklärt werden, es werden auch bisweilen Verben reflexiv benutzt, die im Hochdeutschen nicht reflexiv sind. Auch einige juristische (wahrscheinlich) Begriffe ließen mich rätseln, ich konnte nur schlussfolgern, daß der geladene Schauspieler ein Insolvenzverfahren am laufen hat oder eine Vermögensauskunft abgelegt hat. Es spielt keine große Rolle für die Auflösung des Falles, unterstreicht aber noch einmal das Lokalkolorit der Schweiz.

Man kann diesen 5. Fall ohne weitere Vorkenntnisse lesen, aber ich würde es dennoch nicht empfehlen. Zum einen lohnen sich die vorherigen 4 Fälle auf jeden Fall und die persönlichen Feinheiten machen in der richtigen Reihenfolge einfach mehr Spaß. Am Ende dieses Buches werden Cem und Eva von ihrer Vergangenheit eingeholt und somit kündigt sich anscheinend schon der nächste Fall an. Der offensichtlich politisch brisant, sehr persönlich und lebensgefährlich werden wird.

Fazit: unbedingt lesen, wieder absolut fesselnd und spannend und für diejenigen, die gerne Klatsch- und Tratschgeschichten in Illustrierten lesen, ein extra-Schmankerl wie sich diese selbst ernannte bessere Gesellschaft nahezu selbst zerfleischt.

Veröffentlicht am 28.07.2019

Sooo schön - das neue Lieblingsbuch meiner Töchter

Dolphin Dreams (Band 4) - Im Meer wartet die Freiheit
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Summer ist 11 Jahre und 5 Monate alt. Seit dem plötzlichen Tod ihres geliebten Opas vor 7 Monaten spricht sie vor Trauer fast nicht mehr. Sie lebt nun allein mit ihrer Mutter und ihrer 16 jährigen Schwester ...

Summer ist 11 Jahre und 5 Monate alt. Seit dem plötzlichen Tod ihres geliebten Opas vor 7 Monaten spricht sie vor Trauer fast nicht mehr. Sie lebt nun allein mit ihrer Mutter und ihrer 16 jährigen Schwester May und keine von beiden scheint ihre unendliche Trauer zu verstehen. Obwohl das Geld knapp ist und Reparaturen am alten Haus anstehen, schickt ihre Mutter Summer für 4 Wochen mit ihrer Schwester ins teure Ocean Life Rescue Center (Florida) eine Stunde entfernt. Ihre Schwester ist glücklich, wieder diesen traumhaften Ferienjob bekommen zu haben, aber für Summer ist es ein Albtraum. Nicht nur wegen der immensen Kosten. Sie kennt dort niemanden und sie ist fern vom Zimmer und Haus ihres geliebten Opas. Alle werden sie dort sicher nur merkwürdig finden, weil sie nicht spricht. Doch gleich am ersten Tag trifft sie Jack, einen traumatisierten Delfin, so voller Angst, daß er sich nicht auswildern lässt und Vicky, die fröhliche Tochter des Tierarztes. Vielleicht wird man sie ja doch verstehen..

Wegen des schönen Covers hatten meine Töchter beide sofort Lust auf dieses Buch, aber auch sogleich die Befürchtung, es wäre ein Buch mit Liebesgedöns und wollten es nicht lesen. Aber nein, keine Sorge, lediglich Schwester May hat es erwischt und das Geknutsche ist kein Thema. Stattdessen geht es hier um vermeintlich unverstandene Ängste, um Seelenverwandtschaft, Delphine und Freundschaft. Ja, auch wenn Summer nicht redet, gibt es Menschen, die sich für sie mit ihrer stillen, zurückhaltenden Art interessieren. Diese bemerken die ungewöhnliche Verbindung zwischen ihr und dem Sorgendelphin Jack sofort. Dabei wird stets betont, daß Jack ein wildes, freies Tier ist und die romantische Vorstellung von Flipper reine Fiktion. Wildtiere spielen nicht mit Menschen und bleiben stets unberechenbar und somit gefährlich. So werden immer wieder kleine wissenswerte Informationen in das Geschehen miteingeflochten und man dringt als Leser in ihre geheimnisvolle Welt ein. Auch ich habe noch einiges über Delphine lernen können. Wer sich also für Delphine interessiert, wird dieses Buch lieben, so wie wir.
Meine Töchter waren unglaublich gebannt von Summers Traurigkeit, aber auch von ihrem Konflikt mit May. Was da zwischen den Schwestern, die sich einst so gut verstanden, abgeht ist schon ungewöhnlich und doch vertraut. Dies beschreibt Anja Wagner so einfühlsam, daß ich mir beim Vorlesen immer wieder Tränen abwischte und stockte. Dennoch wollten beide Töchter (12 und 10) immer mehr hören und haben mich durch das Buch gejagt in 3 Tagen! Es hat uns alle drei sehr bewegt und auch den Rest des Tages beschäftigt, was man daran merkt, daß die Kinder immer wieder aus heiterem Himmel anfingen, über das Buch oder Themen daraus zu sprechen.
Es ist hoch emotional und wunderschön. Es gibt keine großen Überraschungsmomente, aber viele kleine Highlights, die vielleicht nicht alle unvorhergesehen sind, aber in ihrer Erzählweise einfach wunderschön. Behutsam geht die Autorin darauf ein, was Trauer bedeutet und jeder das Recht hat, anders zu trauern, es gibt da kein richtig oder falsch, selbst innerhalb einer Familie. Das Buch konzentriert sich auf die Themen Freundschaft, Familie und Angst/Trauer ohne sich in Nebenschauplätzen zu verlieren und dadurch vom Kern der Geschichte abzulenken.

Die Dolphin Dreams Reihe spielt in den USA an unterschiedlichen Orten und jeder Band erzählt eine andere Freundschaftsgeschichte, zwischen einem Delphin und einem Mädchen. Daher sind alle Bände unabhängig von einander lesbar, was sich meine Töchter nun auch vorgenommen haben. Die Reihe ist in Antolin gelistet und süße kleine Delphinvignetten zieren die einzelnen Leseabschnitte innerhalb der Kapitel. Die Schriftgröße ist sehr angenehm, ebenso wie der Zeilenabstand. Erzählt wird gut verständlich mit guter Lesbarkeit.

Toll finden beide Mädchen, daß es eine Delphingeschichte ist und nicht immer Pferde, Hunde, Katzen... Eine wunderbare Sommergeschichte, die bewegt und glücklich macht.
Ein unglaublich sensible Geschichte über die Freundschaft zwischen einem verletzten Mädchen und einem nicht minder traumatisierten Delphin.