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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2019

Vom Hadern mit der Welt

Der Sprung
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Eine Frau steht auf einem Dach und wird herunterspringen. Dies offenbart sich mit dem ersten Satz („Bevor sie springt, spürt sie das kühle Metall der Dachkante unter den Füßen.“). Und damit beschäftigt ...

Eine Frau steht auf einem Dach und wird herunterspringen. Dies offenbart sich mit dem ersten Satz („Bevor sie springt, spürt sie das kühle Metall der Dachkante unter den Füßen.“). Und damit beschäftigt sie zahlreiche Personen des Orts und zugleich den Leser, der sich in ihrer Welt einfindet und die Beweggründe zu verstehen versucht.
„Der Sprung“ ist wie ein Puzzle aus den Lebensteilchen der Romanfiguren. Elf sind es an der Zahl, die unten ihr Leben führen - meistens auf die eigene Art mit ihm hadern, auf etwas warten oder das unerwartete Glück erfahren - und die eine auf dem Dach.
Auch wenn die Grundstimmung oft traurig oder gar bitter ist (die Rufe der Gaffer sind solch ein makabres Detail), macht es Spaß, in diesen Kosmos einzutauchen, Verbindungen zu entdecken, zufällige Begegnungen zu beobachten und schließlich die ganze Wahrheit zu erfahren.
Das Buch wartet mit vielen originellen Details auf und zergeht sprachlich wie Schokolade auf der Zunge. Ein Genuss!

Veröffentlicht am 14.09.2019

Allein im All

Die Astronautin - In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten
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Commander Maryam Knox (kurz: May) erwacht auf der Krankenstation ihres Raumschiffs. Sie ist allein, von ihrer Crew keine Spur. Also arbeitet sie an einem Überlebensplan. „Die Astronautin“ fühlt sich an ...

Commander Maryam Knox (kurz: May) erwacht auf der Krankenstation ihres Raumschiffs. Sie ist allein, von ihrer Crew keine Spur. Also arbeitet sie an einem Überlebensplan. „Die Astronautin“ fühlt sich an wie ein Film und soll wohl auch einer werden.
Wir sind eng an der Seite der Protagonistin, während sie das Schiff durchsucht, Reparaturen durchführt und Nachrichten absetzt. Das liest sich spannend, denn natürlich gibt es Hindernisse und bedrohliche Situationen dort oben im Weltall. Amüsant ist die Interaktion der Heldin mit Eve, der künstlichen Intelligenz des Schiffs, schließlich braucht sie zwischendurch auch mal ein paar Gespräche unter Frauen, um nicht durchzudrehen.
Durchbrochen wird Mays Geschichte von Einblicken in ihre Vergangenheit, was mitunter etwas langatmig ist, aber zwischenmenschliche Zusammenhänge klärt, und den Bemühungen einiger Personen auf der Erde, die ihr helfen wollen.
Der Roman ist feine Science-Fiction mit einer starken weiblichen Hauptrolle und sehr unterhaltsam.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Digitale Spurensuche

Pixeltänzer
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Beta arbeitet als Programmiererin in einem Startup. Ein Unbekannter legt online Spuren für sie aus, die sie die Geschichte eines Künstlerpaars aus den Zwanziger Jahren nacherleben lassen.
Daraus ergeben ...

Beta arbeitet als Programmiererin in einem Startup. Ein Unbekannter legt online Spuren für sie aus, die sie die Geschichte eines Künstlerpaars aus den Zwanziger Jahren nacherleben lassen.
Daraus ergeben sich die um etwa hundert Jahre versetzten Handlungsstränge mit den besagten Protagonisten und ihrem jeweiligen Umfeld. Trotz unterschiedlicher Voraussetzungen ist ihnen die kreative Revolution gemein. Sie sind jung, sie denken anders, sie gehen neue Wege.
Den aktuellen Kapiteln sind Programmiercodes oder Erklärungen zu Projektmanagementmethoden vorangestellt. Sie veranschaulichen sehr gut, die Denk- und Arbeitsweise der Startup-Mitarbeiter. Die Autorin setzt noch eins drauf, indem sie die Kommunikation zwischen Beta und dem Unbekannten tatsächlich online stellt, so dass wir Leser auf einer weiteren Ebene daran teilhaben können.
Durch die moderne Machart und die ungewöhnliche Handlung ist ein reizvoller Roman entstanden, den ich jedem ans Herz legen möchte, der mal etwas anderes als die typischen Geschichten lesen will.

Veröffentlicht am 25.08.2019

Ladies, all the ladies

Teufelsweiber
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„Frausein heißt nicht, das stille Veilchen im Moose oder die stolze Rose zu sein, sondern auch einmal eine Distel oder ein Löwenzahn - oder gleich ein bunter Blumenstrauß.“ Ein Bouquet an Fräuleins, Damen ...

„Frausein heißt nicht, das stille Veilchen im Moose oder die stolze Rose zu sein, sondern auch einmal eine Distel oder ein Löwenzahn - oder gleich ein bunter Blumenstrauß.“ Ein Bouquet an Fräuleins, Damen und Weibern liefert uns die Autorin mit dem Buch „Teufelsweiber - 100 Frauen, die die Welt auf den Kopf stellten“.
Anders als bei der Kindervariante von Büchern mit Frauenporträts werden hier nicht nur die ehrbaren Frauen dargestellt, sondern auch jene, die unkonventionellen Tätigkeiten, wie dem Bankraub, nachgehen. Das geschieht auf eine humorvolle Art mit Leseransprache.
Es hätte mir gefallen, wenn es zu jeder Person vorangestellt einen kleinen Infokasten mit Lebensdaten gegeben hätte. In Ermangelung dessen rätselte ich manchmal, wann denn nun das geschichtliche Ereignis stattgefunden hat, in dessen Kontext die Lebensgeschichte gestellt wurde.
In jedem Fall wurden alle eingangs genannten Vorurteile gegenüber Frauen entkräftet und das schöne Geschlecht in seiner Verschiedenheit prächtig repräsentiert. Ich habe viel Neues erfahren und oft etwas zum Schmunzeln gehabt.

Veröffentlicht am 14.07.2019

Rasante Reise nach Italien

Herzgrab
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Elena ist in Österreich und Italien auf der Suche nach einer vermissten Person, während ihr Ex-Mann in einem anderen Fall ermittelt. Ihr Wiedersehen zeigt, dass beide Fälle zusammenhängen.
Der Kriminalroman ...

Elena ist in Österreich und Italien auf der Suche nach einer vermissten Person, während ihr Ex-Mann in einem anderen Fall ermittelt. Ihr Wiedersehen zeigt, dass beide Fälle zusammenhängen.
Der Kriminalroman „Herzgrab“ wurde hier als Hörspiel umgesetzt. Die Sprecher verkörpern gekonnt die Persönlichkeiten der Figuren - auf den österreichischen Dialekt wurde womöglich zugunsten der Verständlichkeit verzichtet, aber ein bisschen Italienisch hört man hier und da. Die Hintergrundgeräusche, selbst bei einer Autofahrt läuft im Hintergrund das Radio, verleihen Authentizität.
Der Fall selber wartet mit abwechslungsreichen Handlungsorten auf und führt in die Kunstszene. Dabei kommen die Verwicklungen zwischen den Protagonisten (Szenen einer Ehe) und in den Fall involvierten Figuren (Geheimnisse eines Familienclans) nicht zu kurz.
Den Hörer erwartet ein unterhaltsamer und spannender Kriminalfall, für den ich eine klare Empfehlung aussprechen möchte.