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Veröffentlicht am 13.10.2019

Motti zieht hinaus in die weite Welt

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
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Nachdem Motti im ersten Teil seiner Geschichte von seiner Familie verstoßen wurde, zieht er nun hinaus in die weite Welt. Und zwar haben ihn die "Verlorenen Söhne Israels" entdeckt und nehmen ihn in ihre ...

Nachdem Motti im ersten Teil seiner Geschichte von seiner Familie verstoßen wurde, zieht er nun hinaus in die weite Welt. Und zwar haben ihn die "Verlorenen Söhne Israels" entdeckt und nehmen ihn in ihre Gemeinschaft auf. Was allerdings nichts mit Familienersatz, sondern vielmehr mit einem Kampf der Welten zu tun hat!

Überraschenderweise gibt es nämlich einen parallelen Handlungsstrang, der der im April 1945 einsetzt und von einem nahtlosen Fortbestehen der Nazis berichtet - natürlich im Geheimen, doch durchaus mit Anspruch auf eine Weltmacht. Doch diesen haben nicht nur die Nazis...

Zunächst hatte ich Angst - nämlich dahingehend, ohne mame Wolkenbruch, Mottis mehr als eigenwillige Mutter auskommen zu müssen. Doch braucht man lediglich ein wenig Geduld, bis man reich belohnt wird - Mutter Wolkenbruch stellt sich, von Sehnsucht nach dem verlorenen Sohn übermannt, sogar dem Clinch mit der Cyberwelt!

Ein ausgesprochen schräger und im Gegensatz zum ersten Teil eher surrealer Roman.

Im Gegensatz zu Band 1 ist der Roman in "normalem" Deutsch verfasst, wenngleich es durchaus auch wieder mit Begriffen aus dem Jiddischen gespickt ist. Da ich gerade erst den ersten Teil beendet hatte, war ich noch drin im Modus, ansonsten hätte ich ein Glossar sicher vermisst.

Sehr unterhaltsam und auf gewisse Weise ungewöhnlich ist dieser Roman von Thomas Meyer - ich fühlte mich in eine völlig andere Welt entführt, eine Parallelwelt sozusagen. Beziehungsweise zwei davon - eine jüdische und eine Nazi-Welt. Es hat etwas Märchenhaftes, andererseits aber in Zeiten von AfD und anderen Bünden am rechten Rand der Gesellschaft oder gar jenseits davon durchaus auch realistisch-bedrohliche Züge - die ich jedoch tapfer weggelacht habe. Aber Thomas Meyer hat mich aufgerüttelt - ich bleibe wachsam und zwar in jeder Hinsicht!

Veröffentlicht am 08.09.2019

Ein Leben im Schatten

Der Schatten eines Sommertags
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führt Tonya, IT-Spezialistin beim BKA, im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor sieben Jahren starb ihr Glück. Dennis nämlich, mit dem sie gerade erst zusammengekommen war, wurde kaltblütig ermordet und ...

führt Tonya, IT-Spezialistin beim BKA, im wahrsten Sinne des Wortes, denn vor sieben Jahren starb ihr Glück. Dennis nämlich, mit dem sie gerade erst zusammengekommen war, wurde kaltblütig ermordet und noch immer gibt sie sich die Schuld daran. Seitdem führt die noch immer recht junge Frau trotz riesiger Familie - sie ist die Jüngste eines riesigen Haufens von Geschwistern, die alle auf sie achtgeben - ein recht freudloses Leben.
Auf einmal geschehen um sie herum geheimnisvolle Dinge, gewissermaßen Überfälle, durch die sie jedoch nicht durchblicken kann. Als einer ihrer Hunde umgebracht wird, ist Tonya nicht mehr bereit, das hinzunehmen. Und auch der Leser hat keine Moglichkeit mehr dazu

Denn die Autorin Noa C. Walker lässt uns in ihrem immerhin mehr als 350seitigen Schmöker nicht eine Seite lang ausruhen - Längen sucht man hier vergeblich. Dafür geht es Knall auf Fall von einem Ereignis zum nächsten, wobei sich - wie es bei Spannungsliteratur auch sein sollte - natürlich stets auch neue Ereignisse und neue Hindernisse ergeben, die Tonya das Leben schwer machen. Oder soll sie gar damit bezahlen? Also mit ihrem Leben? Beschützt von Heerscharen von Brüdern, ihrer Schwester Lara und dem Kollegen Jack Sturm, dem sie nicht ganz gleichgültig ist, gelingt es Tonya trotzdem, der Sache nachzugehen.
Ein tolles Buch, in dem zwar manches, aber längst nicht alles, schwarz und weiß ist. Das erfährt man aber auch nur ganz am Ende, wobei die Wendungen, die die Geschichte nimmt, zwar tollkühn, aber in keinster Weise unrealistisch sind. Es geht auch viel um Emotionen und da zeigt die Autorin eine sehr menschliche Seite: Irrungen und Wirrungen sind wie schon einst bei Fontane an der Tagesordnung und sie können jedem widerfahren - man muss nur damit umzugehen wissen. Was den Protagonisten ebensowenig leicht fällt wie uns im realen Leben.

Am Ende bleiben einige wenige Punkte offen, was mich aber gar nicht stört, denn im Leben ist es genauso: wenn ich mehr brauche, setze ich mein Kopfkino ein, das aber von der tollen Autorin schon kräftig angekurbelt wurde! Ein kluger und warmherziger Roman, der zeigt, was möglich ist, wenn man Gott an seine Seite lässt!

Veröffentlicht am 03.09.2019

Martha machts

Die Hafenschwester (1)
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Als Hamburg-Fan, der diese Stadt jedoch in den letzten anderthalb Jahrzehnten ein bisschen aus den Augen verloren hat, war es für mich Ehrensache, dass ich mir dieses besondere Buch von Melanie Mezenthin ...

Als Hamburg-Fan, der diese Stadt jedoch in den letzten anderthalb Jahrzehnten ein bisschen aus den Augen verloren hat, war es für mich Ehrensache, dass ich mir dieses besondere Buch von Melanie Mezenthin nicht entgehen lasse. Zumal die Geschichte der Frauen mir noch ein wenig mehr am Herzen liegt als die bedeutende deutsche Hafen- und Handelsstadt.

Und ich wurde nicht enttäuscht: Martha wächst Ende des 19. Jahrhunderts unter einfachsten Bedingungen auf, doch die liebende Familie um sie herum lässt sie die schweren Umstände zwar nicht mit Leichtigkeit, aber doch mit Zuversicht ertragen, sieht sie doch, dass es anderen um sie herum sehr viel schlechter geht. Beispielsweise Milli, ihrer Freundin seit Kindheitstagen, die vom eigenen Stiefvater - wie vorher auch ihre Mutter - als Hure "verkauft" wird.

Doch im Alter von vierzehn Jahren ändert sich auch für Martha alles: im Zuge der Cholera-Epidemie verliert sie ihre halbe Familie und ihr Vater ergibt sich dem Alkohol. Ausgerechnet er, der immer für die Kinder da war, doch gottseidank hat Martha noch ihren jüngeren Bruder, der fest zu ihr hält und sie unterstützt.

Tatsächlich schafft sie es, ihren Weg zu gehen: zunächst als einfache Krankenwärterin gelingt es ihr, einen Ausbildungsplatz im modernen Krankenhaus Eppendorf zu bekommen. Trotz der Steine, die ihr in den Weg gelegt werden, geht sie ihren Weg und lernt ganz besondere Menschen kennen. Doch wird sie sich halten können? Wird ihre Herkunft aus einfachsten Kreisen nicht im Weg stehen?

Ich liebe Romane, in denen die Sozialgeschichte eine wichtige Rolle spielt, vor allem solche, in denen das Schicksal der Frauen - gesellschaftlich und politisch im Mittelpunkt steht, so wie es hier der Fall ist.

Gelegentlich driftete der Plot für mich ein bisschen zu sehr in ein Intrigenspiel ab, doch schaffte es die Autorin mit ihrem spannenden Stil und ihren klugen Recherchen mühelos, mich bis zum Ende am Ball zu halten! Der vielversprechende erste Band einer Serie, bei der ich definitiv am Ball bleibe und mich schon jetzt auf den nächsten Band freue!

Veröffentlicht am 21.06.2019

Das Wüten der ganzen Welt

Kalter Strand
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Das Wüten der ganzen Welt - zentriert auf einen winzigkleinen Ort an der dänischen Küste - so empfand ich stellenweise während der Lektüre dieses aufwühlenden und ausgesprochen ungewöhnlichen Thrillers.

Kommissar ...

Das Wüten der ganzen Welt - zentriert auf einen winzigkleinen Ort an der dänischen Küste - so empfand ich stellenweise während der Lektüre dieses aufwühlenden und ausgesprochen ungewöhnlichen Thrillers.

Kommissar Tom Skagen von der Sondereinheit Skanpol, zuständig für Fälle im gesamten skandinavischen Raum, wird gemeinsam mit seiner Kollegin Jette angefordert, da das lokale Team beim aktuellen Fall - im Meer wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt - nicht so recht weiter kommt. Was durchaus auch an ihrem Vorgesetzten liegen könnte, der sofort nach Kräften beginnt, auch Tom und Jette das Leben schwer zu machen.

Wie auch der Fall, denn es ist keineswegs einfach, die Identität der Toten festzustellen und weitere Einzelheiten herauszufinden.

Parallel lesen wir von einer Familie in der Feriensiedlung, die auf unglaubliche Art und Weise terrorisiert wird - von jemandem, der sich "Das Auge" nennt.

Ein Thriller, der seinem Genre mehr als gerecht wird, denn er ist nicht nur spannend von der ersten bis zur letzten Seite, sondern konfrontiert seine Leser mit ebenso ungewöhnlichen wie unvorhersehbaren Entwicklungen. Autorin Anne Nordby hat einen mitreißenden und sehr lesenswerten Thriller mit einer ganzen Reihe von Alleinstellungsmerkmalen geschrieben und mit Tom Skagen einen ebenso vielschichtigen und faszinierenden wie auch sympathischen Protagonisten erschaffen, dessen nächster Fall hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lässt!

Veröffentlicht am 06.06.2019

Anders - und mehr als in Ordnung!

Mein Leben als Sonntagskind
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Jasmijn ist schon von Kind an klar, dass sie anders ist als die anderen - sie liebt es nicht laut, kommt nicht gut zurecht, wenn viele Leute zusammen sind ... und ist von klein an gewöhnt daran, dass die ...

Jasmijn ist schon von Kind an klar, dass sie anders ist als die anderen - sie liebt es nicht laut, kommt nicht gut zurecht, wenn viele Leute zusammen sind ... und ist von klein an gewöhnt daran, dass die Menschen ihr mit Verwunderung, ja Befremdung begegnen. Außer ihren Eltern und ihrem Bruder - die stehen hinter, wenn es sein muss, auch vor ihr und machen ihr das Leben erträglich. Zumindest meistens

Wobei Jasmijn eigentlich nur mit einem Wesen zusammen normal sein kann - und das ist ihre Hündin Senta. Sonst zieht sie sich sehr in sich zurück, isst sogar meist allein auf ihrem Zimmer - und zwar ständig. Denn, obwohl spindeldürr, hat sie ständig Hunger.

Es ist ein Leben, in dem sie sich selbst ständig im Weg steht, da sie genau weiß, wie sie eigentlich sein will. Aber das klappt nur in ihren Gedanken und manchmal in ihrem Tagebuch. Umso überraschter ist sie, als sie im Laufe ihres Lebens den ein oder anderen Menschen trifft, der sie verstehen, ja, sogar lieben kann.

Und trotz diverser Unwegsamkeit so langsam lernt, sich inmitten anderer zu respektieren und wertzuschätzen.

Die Autorin Judith Visser hat selbst erst als Erwachsene erfahren, dass sie das Asperger Syndrom hat und führt uns in diesem Roman einfühlsam und warmherzig in die Welt ihres Alter Ego ein. Ein wundervoller Roman, der Brücken baut, zum Lachen und zum Weinen mit Jasmijn, aber auch mit den Menschen um sie herum einlädt!