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Veröffentlicht am 04.10.2019

Fünf Tage ohne Handy?

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Digital Detox – mehrere Tage offline sein, ohne Handy, Tablet oder sonstiges Kommunikationsmittel – genau das scheint es zu sein, was die Menschen brauchen und so gibt es nun die Möglichkeit, solch eine ...

Digital Detox – mehrere Tage offline sein, ohne Handy, Tablet oder sonstiges Kommunikationsmittel – genau das scheint es zu sein, was die Menschen brauchen und so gibt es nun die Möglichkeit, solch eine Reise zu buchen. Auch Jenny und ihre drei Mitarbeiter werden zu fünf Tagen in einem einsamen, noch nicht ganz renoviertem Hotel eingeladen. Gemeinsam mit einer handvoll weiteren Gästen begeben sie sich mitten im Winter auf ihre Reise. Doch in dem Hotel angekommen, werden sie von einem gewaltigem Schneesturm überrascht und völlig von der Aussenwelt abgeschlossen. Genau das wollten sie doch, oder? Doch als einer von ihnen beim Frühstück nicht erscheint und nach der Suche schwer misshandelt aufgefunden wird, beginnt die Suche nach einem Irren. Wer steckt hinter diesem Angriff? Einer von ihnen? Einer der beiden Hausmeister? Oder versteckt sich jemand im Hotel? Als dann noch ein Opfer gefunden wird, beginnen die übrigen Gäste, sich gegenseitig zu verdächtigen.
Meine Meinung
Erst einmal großes Lob zur Covergestaltung an den Verlag, denn dieses Cover sieht wirklich mal so richtig gelungen aus.
Der Einstieg in Arno Strobels neuem Psychothriller gelingt sehr leicht, denn schon der Prolog brachte das ein oder andere Gänsehautfeeling. Doch auch danach geht es spannend weiter und ich muss schon sagen, Arno Strobel weiß genau, womit er Angst machen kann, zumindest mir. Er schreibt direkt und klar und als Leser hat man das gesamte Szenario des einsamen und eingeschneiten Hotels in den Bergen direkt vor Augen. Was das ganze dann noch einmal beklemmender werden lässt, ist die Tatsache, dass sich der Täter unter den Personen, die sich im Hotel befinden, sein muss. Diese Angst, dieses gegenseitig Misstrauen der Personen im Hotel hat der Autor hier absolut gelungen dargestellt. Einsam, eingeschneit und ohne Kommunikationsmöglichkeiten befinden sich die Charaktere des Psychothrillers in dem Hotel. Man verfolgt die Diskussionen der Charaktere untereinander, man sieht ihnen zu, wie sie sich gegenseitig beschuldigen und doch hat man das Gefühl, der Lösung einfach nicht näher zu kommen.
In erster Linie verfolgt man das Geschehen aus der Perspektive einer leitenden Angestellten einer Computerfirma, Jenny. Aber auch hin und wieder erlebt man direkt die Gedanken eines der Opfer, was mir regelrecht Angst machte, denn die Taten hier sind absolut entsetzlich und was das Opfer hier durchlebt, einfach grauenhaft.
Ganz besonders gut gefallen haben mir die Beschreibungen der einzelnen Personen, die auf den ersten Blick schon wieder ein wenig klischeehaft wirkten. Der großspurige Schönling mit der Sonnenbrille, die verantwortungsbewusste leitende Angestellte, der abgehalfterte Reiseleiter usw. Doch gerade durch diese typischen Charaktere wird dem Leser recht schnell bewusst, wie sehr jeder einzelne abhängig ist. Diese Dynamik innerhalb der Gruppe, die mit zunehmender Bedrohung immer härter, immer misstrauischer wird, fand ich wirklich sehr gut gelungen und authentisch. Ich selbst hatte immer wieder einen anderen in Verdacht und lag letzten Endes dann doch falsch. Lediglich das Ende kam mir ein wenig zu abrupt vor, das hätte durchaus noch ein wenig mehr in Richtung Showdown gehen können.
Mein Fazit
Ein spannender Psychothriller bei dem Autor Arno Strobel ganz geschickt mit den Ängsten der Menschen spielt. Er macht hier deutlich, wie sehr man doch von den heutigen Kommunikationsmitteln abhängig ist und wie sehr man ohne diese doch aufgeschmissen ist. Das Szenario ist perfekt gewählt und brachte noch zusätzlich die passende Atmosphäre. Doch vor allem das Verhalten der Charaktere untereinander fand ich richtig gelungen und hier macht das Wort Psycho diesem Buch alle Ehre. Lesenswert!

Veröffentlicht am 04.10.2019

So viele Bücher und ich nahm ausgerechnet dieses

One True Queen, Band 1: Von Sternen gekrönt (Epische Romantasy von SPIEGEL-Bestsellerautorin Jennifer Benkau)
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Gemeinsam mit ihrer Mutter und der großen Schwester wächst Mailin in Irland auf. Doch in ihrer Familie ist seit vielen Jahren alles anders, denn Mailins große Schwester Vicky liegt seit sieben Jahren im ...

Gemeinsam mit ihrer Mutter und der großen Schwester wächst Mailin in Irland auf. Doch in ihrer Familie ist seit vielen Jahren alles anders, denn Mailins große Schwester Vicky liegt seit sieben Jahren im Koma und niemand kann sich erklären warum. Zum Ausgleich betreibt Mailin Kampfsport und eines Abends, als sie sich gerade auf dem Rückweg vom Training befindet, wird plötzlich alles um sie herum schwarz. Als sie wieder zu sich kommt, ist alles anders, denn sie befindet sich in einer ganz anderen Welt, Lyaskye. In Lyaskye ist alles anders und es scheint, als würde sie von allen bedroht, selbst der Fremde, der ihr nicht mal ihren Namen verrät und der sie vor großer Gefahr rettete, ist ihr ein Rätsel. Doch als sie in der Hauptstadt ankommen, wird Mailin auf einmal bewusst, warum ausgerechnet sie in Lyaskye gelandet ist.
Meine Meinung
Schon bei meinem ersten Blick auf dieses wieder einmal wunderschön gestaltete Cover wurde ich neugierig, ausserdem hat Jennifer Benkau dieses Buch geschrieben und der Klappentext verspricht eine gute Fantasygeschichte. Bei gleich drei solcher Argumente kann ich einfach nicht widerstehen und musste One True Queen einfach lesen und gleich vorweg: ich wurde absolut nicht enttäuscht.
Da ich bereits einige Bücher der Autorin gelesen habe, wusste ich schon, dass ich den Schreibstil sehr mag und auch hier schreibt Jennifer Benkau wieder frisch und locker. Somit lässt sich dieses Buch leicht und flüssig lesen und passt sprachlich sowohl sehr gut für die angestrebte Zielgruppe als auch für die älteren Leser.
Ganz besonders gut gefallen hat mir hier das Worldbuilding, denn Jennifer Benkau baut hier so einige neue und eigene Ideen mit in die Geschichte ein, so dass das etwas bekanntere Grundgerüst der Königin in einer Fantasygeschichte hier etwas frisches und neues bekommt. Dadurch wirkt die Geschichte spannend und abenteuerlich und sorgt immer wieder für Abwechslung.
Doch auch der Inhalt machte einfach Spaß, denn mit vielen Plottwists konnte mich die Autorin immer wieder aufs Neue überraschen und so manches Mal, wenn ich dachte zu wissen, was passiert, drehte es sich wieder in eine ganz andere Richtung. Trotz dem etwas größerem Umfang von knapp über 500 Seiten wurde die Geschichte zu einem Pageturner, den ich an zwei Abenden verschlungen habe. Neben interessanten Figuren, Charaktere, einer fremden Welt und ganz viel Spannung und Intrigen gibt es hier auch etwas fürs Herz. Doch da kann ich einfach sagen, dass Jennifer Benkau auch in dieser Hinsicht genau meinen Geschmack getroffen hat, denn es wird hier keinerlei Schmacht oder Schnulz mit eingebunden.
Protagonistin Mailin ist hier die Ich-Erzählerin, die man auf ihrem Weg durch Lyaskye begleitet. Man durchlebt mit ihr Abenteuer und leidet, hofft und bangt gemeinsam. Sie ist mir so sympathisch, da sie einfach das Herz am rechten Fleck hat. Mit ihrem doch etwas loserem Mundwerk sorgt sie immer wieder für schlagfertige Dialoge. Sie ist eine Protagonistin mit Ecken und Kanten, eine Heldin aus der Nachbarschaft, wie du und ich. Mir ist sie rasend schnell ans Herz gewachsen und ich freue mich, sie wiederzusehen.
Neben Mailin sorgen natürlich viele weitere Figuren für einen spannenden Ablauf des Geschehens. Da wäre Mailins geheimnisvoller Retter, den sie Peter, wie Peter Pan, tauft und dessen wirklichen Namen sie erst später erfährt. Auch seine Figur hat mir sehr gut gefallen, denn auch bei ihm konnte ich nicht immer vorhersagen, wie er handeln würde.
Auch die Nebenfiguren sind vorstellbar und facettenreich ausgearbeitet und sorgten ebenfalls für so manch eine Überraschung.
Mein Fazit
Auch wenn das Grundgerüst der Geschichte zunächst bekannt klingt, sorgt Jennifer Benkau mit vielen eigenen Ideen und einem frischen Schreibstil dafür, dass dieses Buch in keinster Weise langweilig wirkt. Ganz im Gegenteil, denn für mich ist es eins meiner Jahreshighlights gewesen, dessen Fortsetzung ich kaum abwarten kann. Protagonistin Mailin ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe hier mit ihr mitgefiebert, gelitten und gebangt. Alles in allem eine großartige Geschichte, die ich sehr gerne empfehle.

Veröffentlicht am 29.09.2019

Macht einfach Spaß beim Lesen

Die Pan-Trilogie: Die magische Pforte der Anderwelt (Pan-Spin-off 1)
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Die sechzehnjährige Allison gehört zu den Schülerinnen eines Internats in Edinburgh. Die geheimnisvollen Gassen unter der Stadt sind für sie und ihre Freundinnen eigentlich nichts weiter als eine Attraktion ...

Die sechzehnjährige Allison gehört zu den Schülerinnen eines Internats in Edinburgh. Die geheimnisvollen Gassen unter der Stadt sind für sie und ihre Freundinnen eigentlich nichts weiter als eine Attraktion für Touristen, doch als eine Freundin eine Austauschschülerin aus Frankreich zu Gast hat, besuchen sie diese Gassen gemeinsam. Das Allison dabei aber ganz versehentlich eine magische Pforte zur Unterwelt öffnet, hätte sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht gedacht. Doch als eines Tages Finn vor ihr steht, arrogant und überheblich, aber höllisch gut aussehend und ein Elf, der ihr genau das mitteilt, bleibt ihr nichts anderes übrig, als ihm zu glauben. Finn möchte, dass Allison die Pforte wieder verschließt, doch leider hat sie überhaupt keine Idee, wie sie das anstellen soll.
Meine Meinung
Schon lange kreise ich um diese Geschichte von Sandra Regnier und jetzt nach diesem Buch frage ich mich, warum ich dafür so lange gebraucht habe. Das Buch ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern auch wirklich super zu lesen.
Sandra Regnier schafft es, mich in kürzester Zeit mitten in ihre Story zu ziehen, denn sie schreibt absolut mitreißend und fesselnd. Dabei gefallen mir vor allem der Humor der Autorin und die frechen Dialoge zwischen Allison und Finn. Mit dieser Art fängt sie ihre Leser schnell ein und ist auch für die Zielgruppe einfach perfekt.
Die Geschichte hat mir beim Lesen unheimlich viel Spaß gemacht, denn neben dem humorvollen Part fühlt man sich auch einfach richtig wohl beim Lesen. Die Seiten verfliegen nur so, denn Sandra Regnier hat hier so einige tolle Ideen, die sie hier einbringt. Durch den Cliffhanger am Ende warte ich dann auch sehnsüchtig auf die Fortsetzung, denn ich muss einfach wissen, wie es mit Finn und Allison weitergehen wird.
Der Handlungsschauplatz ist Edinburgh und die Autorin schafft es, mit kurzen Beschreibungen den Leser direkt vor Ort zu bringen. Seien es die unterirdischen Gasse oder die Burg der Freundin, ich konnte alles klar vor Augen sehen.
Besonders Spaß haben mir allerdings die Charaktere bereitet, allen voran Allison. Sie ist hier die Protagonistin und wir erleben aus ihrer Perspektive in der Ich-Form von den Ereignissen. Allison ist einfach sympathisch und mit ihrer schlagfertigen Art ist sie mir ganz schnell ans Herz gewachsen. Doch auch wenn sie nach aussen hin recht tough wirkt, wird gerade in den Momenten, in denen sie ihren Freund George trifft, deutlich, dass sie sich deutlich von ihren Eltern zurückgelassen und abgeschoben fühlt.
Finn ist ein bisschen klischeehafter gezeichnet und doch mochte ich ihn auch, denn mit seiner großen Klappe und der überheblichen Art bringt er genau Allisons ironische Seite zum Vorschein. Das Zusammenspiel der beiden hat mir richtig gut gefallen.
Neben den beiden stehen vor allem Allisons Freundinnen und der kleine George, der mehr mit Allison gemein hat, als die meisten, mit im Vordergrund. Auch diese Charaktere bekommen eine facettenreichee Zeichnung und lassen die Geschichte lebendig werden.
Mein Fazit
Toller Urban Fantasy Jugendroman, der einfach nur Spaß macht und wunderbar zu unterhalten weiß. Vor allem die Charaktere haben es mir angetan und auch wenn ich hier noch nicht so viel von der Anderwelt erfahren habe, denke ich, dass da spätestens im nächsten Band noch einiges folgen wird. Der flotte, jugendliche Schreibstil lassen die Seiten nur so verfliegen und der Cliffhanger zum Schluss lässt mich gespannt auf den zweiten Band zurück.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Gegen das Vergessen

Beinahe Herbst
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Es ist beinahe Herbst in Oslo und während die junge Ilse Stern zum ersten Mal frisch verliebt ist, träumt ihre große Schwester Sonja von einem Job als Kostümschneiderin am Theater. Doch Vater Isak drücken ...

Es ist beinahe Herbst in Oslo und während die junge Ilse Stern zum ersten Mal frisch verliebt ist, träumt ihre große Schwester Sonja von einem Job als Kostümschneiderin am Theater. Doch Vater Isak drücken ganz andere Sorgen, die er aber bestmöglich vor seiner Familie zurückhält. Denn es ist beinahe Herbst im Jahre 1942 und die Deutschen sind in Oslo.
Meine Meinung
Bücher, die über die Zeit des zweiten Weltkrieges erzählen, interessieren mich immer sehr. Auch der knapp gehaltene Klappentext und das hochwertige in Leinen gebundene Cover von Beinahe Herbst sprachen mich an. Das Buch erzählt die Geschichte der jüdischen Familie Stern aus Oslo. Tatsächlich muss ich hier zugeben, dass ich kaum Ahnung habe über die Zeit in den skandinavischen Ländern, was meine Neugier noch ein wenig erhöhte.
Das Buch beginnt recht harmlos und zunächst erzählt Marianne Kaurin in wechselnder Perspektive über die beiden älteren Töchter der Familie Stern, Ilse und Sonja. Beinahe fühlt es sich an, als wäre hier alles ganz normal, denn die beiden jungen Frauen haben Träume und lieben das Leben. Doch spätestens, als auch die Perspektive des Vaters Isak mit hinzukommt, spürt der Leser das Damoklesschwert, das über den Köpfen der Familie kreist. Während die Mädchen noch kaum etwas von ihren Einschränkungen merken, spürt der Vater jeden Tag mehr von dem Hass der über die Stadt gekommen ist.
Die Erzählweise der Autorin ist, zugegeben, gerade am Anfang noch ein wenig gewöhnungsbedürftig, denn sie erzählt in Gegenwart mit wenig Worten, dafür aber so klar und direkt, dass selbst das, was sie nicht ausspricht, deutlich vor dem inneren Auge zu sehen ist. Jeder von uns wird schon einmal Berichte gesehen haben und so kam es mir beinahe vor, als ich die Geschichte las. Ich sah die Grausamkeiten vor mir, spürte die Angst der Menschen und hatte Tränen in den Augen, weil ich das, was da kam, nicht aufhalten konnte. Marianne Kaurin hat mich hier ganz tief berührt und brauchte dafür keine detaillierten Beschreibungen, jedes einzelne Wort hat mich gepackt und nicht losgelassen.
Die Figuren der Geschichte wirken auf den ersten Blick fast genauso knapp beschrieben, wie die Sprache der Autorin. doch schnell wurde mir klar, was da wirklich geschieht. Ich sah, wie sich die junge Ilse, die so oberflächlich erscheint und doch einfach ein typischer Teenager ist, sich verliebt. Ihre ältere Schwester, die so gewissenhafte und verlässliche Sonja, hat tief in ihrem inneren einen Traum und endlich den Mut aufgebracht und diesen verfolgt. Die kleinste der drei Schwestern, so jung und unschuldig mit ihrer Puppe im Arm wirkte so bezaubernd. Der Vater, der so hilflos ist und seine Familie so gerne beschützen würde. Die verängstigte Mutter deren tiefe Verzweiflung spürbar wird. Jede einzelne Figur wurde nicht in ausschweifende Details beschrieben und doch ist diese Familie echt, lebendig und einfach da.
Mein Fazit
Es ist eine absolute Kunst, auf so wenigen Seiten, mit so wenigen Worten eine Geschichte zu erzählen, die bis ganz tief im Inneren berührt. Marianne Kaurin ist dies hier auf eine besonders beeindruckende Weise gelungen, denn sie erzählt von Hoffnung, von Träumen, von Liebe und Familie und wie all das verloren geht. Dieses Buch macht wieder bewusst, dass man wirklich alles daran setzen muss, dass sich die Geschichte nie mehr wiederholen darf.

Veröffentlicht am 27.09.2019

Spannend und grausam

Die Arena: Grausame Spiele
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London in der Zukunft, die Menschen haben sich nach und nach voneinander entfernt und leben nun als reiche, privilegierte Pures in teuren Hochhäusern oder als arme Dregs am Rande der Gesellschaft in Slums. ...

London in der Zukunft, die Menschen haben sich nach und nach voneinander entfernt und leben nun als reiche, privilegierte Pures in teuren Hochhäusern oder als arme Dregs am Rande der Gesellschaft in Slums. Nun gastiert der Zirkus in der Stadt und seine Artisten sind ausschließliich Dregs, die täglich in der Arena regelrecht ums Überleben kämpfen. Hoshiko ist eine von ihnen und sie tanzt auf einem dünnen Drahtseil 15 m über der Arena, ohne Netz oder doppelten Boden. Als Pures Politikerin Bailey mit ihrer Familie zur Show geladen wird, ist sie zunächst dagegen, den Zirkus zu besuchen, doch Ben, einer ihrer beiden Söhne, will dort unbedingt hin. Dort sieht er zum ersten Mal Hoshiko und deren Auftritt und seitdem kann er sie nicht vergessen. Unter Vorwänden schleicht er sich immer wieder in den Zirkus und wird hier Zeuge, wie schlecht es um die Artisten des Zirkus’ wirklich gestellt ist.
Meine Meinung
Bei diesem Buch reichte mir schon der Titel, um wirklich richtig neugierig zu werden, denn als großer Panemfan wartet man ja doch immer auf ähnlich spannende Geschichten. Doch auch wenn es sich hier auch um eine Dystopie handelt und dort Menschen in einer Arena ums Überleben kämpfen, ist es doch etwas komplett anderes als die Tribute von Panem. Was jetzt nicht heißen soll, dass diese Geschichte schlechter ist, denn das ist sie auf gar keinen Fall. Ich selber habe sie nämlich an nur zwei Abenden verschlungen, denn Hayley Barker gelang es, mich in kürzester Zeit mit ihrer nach aussen hin glitzernden und nach innen so brutalen und harten Welt zu fesseln. Sie beschreibt mit der nötigen Menge an Details, durch die man als Leser schon eine genaue Vorstellung vom Geschehen bekommt. Doch mit Hinblick auf die Zielgruppe bleibt es im vertretbaren Bereich, ist aber nichts für schwache Nerven. Sie schafft es auf jeden Fall schnell, mit Worten Spannung und Emotionen zu erzeugen und das Buch wurde zu einem Pageturner.
Die Welt, die hier beschrieben wird, klingt gar nicht mal so absurd. Die Lücke zwischen arm und reich klafft heute schon immer weiter auseinander und die Mittelschicht wird tendenziell immer kleiner. Genauso hat es auch mit den Pures und den Dregs begonnen. Dementsprechend ist das ein Worldbuiling, das glaubwürdig und logisch aufgebaut wurde.
Die Spannung der Geschichte steigert sich ebenfalls mit und mit. Je tiefer die Charaktere in Gefahr geraten, desto mitreißender wird die Geschichte. Man lernt die beiden Protagonisten ja auch schon sehr gut kennen und fiebert dementsprechend mit ihnen mit. Das ganze wird dann noch einmal lebendiger, da die Protagonisten dann auch noch in der Gegenwart erzählen.
Schon die beiden Gesellschaftsschichten, Pures und Dregs, sind sehr klar beschrieben. Die Pures, die Reinen, die Erhabenen, die sich selbst als die Krönung der Gesellschaft betrachten, sind auch genauso wie es sich hier anhört, dargestellt. Die Dregs, der Bodensatz, der Abschaum, hungert und lebt in menschenunwürdigen Verhältnissen. Hier wird auf jeden Fall ganz klar gespalten und getrennt voneinander und man ergreift sehr schnell Partei.
Doch auch die einzelnen Charaktere, vor allem Protagonisten Ben und Hoshiko, sind intensiv gezeichnet. Hoshiko ist wirklich mutig und clever und ich habe sie regelrecht bewundert. Doch auch Ben, auch wenn er zu Beginn noch ein wenig naiv wirkt, wurde mir schnell sympathisch. Das jemand wie Ben, also ein Pure, doch Menschlichkeit zeigt, lässt Hoffnung groß werden.
Die Nebencharaktere sorgen hier für die passenden Stimmungen. Man beginnt die Pures zu verachten für ihre Grausamkeiten und mit den Dregs zu hoffen, dass es sich eines Tages für sie ändern könnte. Durch die einzelnen Figuren kommt es ebenfalls zu spannenden Momenten, Abwechslung und zeitweise auch Überraschungen.
Mein Fazit
Ein wirklich spannendes und fesselndes Jugendbuch, was allerdings auch keinen Stopp macht vor grausamen Details. Zwar wird es nicht bis in die letzte, blutige Einzelheit zerlegt, ist aber trotzdem sehr lebendig geschrieben. Ansonsten habe ich hier mit Hoshiko und Ben mitgelitten und mitgefiebert, denn sie sind definitiv zwei wirklich gelungene Charaktere. Ich bin jetzt schon sehr auf den nächsten Band gespannt und wie es weitergehen wird.