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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2019

Meisterhaft erzählt, raffiniert komponiert.

Drei
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Zurecht ein Bestseller in Israel. Mich hat es voll erwischt, was mir in dieser Form, glaube ich, noch nie passiert ist. Voll erwischt mit Tränen und Schmerz. So richtig, richtig erwischt.

Den Klappentext ...

Zurecht ein Bestseller in Israel. Mich hat es voll erwischt, was mir in dieser Form, glaube ich, noch nie passiert ist. Voll erwischt mit Tränen und Schmerz. So richtig, richtig erwischt.

Den Klappentext werde ich nicht weiter ergänzen, um nicht zu viel zu verraten.
Der Roman/ Kriminalroman (?) ist in drei Teile gegliedert, in denen je eine Frau im Mittelpunkt steht. Zuerst Orna. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann, der eine neue Frau gefunden hat. Auch ihr sensibler Sohn Eran leidet, da der Vater sich einfach nicht mehr meldet.
Der 2. Teil handelt von Emilia, einer lettischen Frau, die als Pflegerin nach Israel kam, kaum des Hebräischen mächtig und völlig einsam.
Die dritte Frau ist Ella, verheiratet mit einem sehr eifersüchtigen Mann. Sie hat drei Kinder, geht aber nochmal zur Universität und schreibt derzeit ihre Master Arbeit.
Sie alle lernen Gil kennen, einen Rechtsanwalt.

Die Sprache ist fein und klar, das Lesen macht wirklich große Freude. Der Roman ist sehr fesselnd, spannend und voller Überraschungen. Er entfaltet zudem eine sehr tiefe Wirkung.
Die Frauen Portraits sind überaus eindrucksvoll und unglaublich berührend gestaltet. Wahnsinn, wie ein Mann so über Frauen schreiben kann. Toll! Der Autor besitzt wahrlich eine sehr gute Beobachtungsgabe, Feingefühl und Empathie. Die Frauen werden gezeigt in ihren verschiedenen Rollen als Mutter, als Berufstätige, Liebende, Suchende uvm. Als Leser ist man sehr nah dran an ihrem Schicksal, ihren Ängsten, Sorgen und Hoffnungen. Ich bemühte mich auf Distanz zu bleiben, doch es gelang mir nicht und so wurde ich immer wieder tief berührt.
Daneben geht es auch um Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit.

Ich würde gern sehr viel mehr erzählen, aber hier kommt es wirklich auf das eigene unmittelbare Leseerlebnis mit all den dann hervorgerufenen Gefühlen und Gedanken an. Und ich will dabei nichts verderben. Also lest dieses Buch, lasst es auf euch wirken und sprecht dann mit Leuten darüber, die es schon gelesen haben…:

Veröffentlicht am 01.10.2019

Ein rundum gelungenes Kinderbuch!

Über die Grenze
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Norwegen 1942. Die Eltern von Otto und Gerda verstecken seit kurzem Daniel und die kleine Sarah, zwei jüdische Kinder, im Keller. Sie sollen eigentlich ins sichere Schweden, wo schon ihr Vater wartet. ...

Norwegen 1942. Die Eltern von Otto und Gerda verstecken seit kurzem Daniel und die kleine Sarah, zwei jüdische Kinder, im Keller. Sie sollen eigentlich ins sichere Schweden, wo schon ihr Vater wartet. Doch dann durchsucht die Polizei das Haus, findet die Kinder zwar nicht, nimmt aber Ottos und Gerdas Eltern mit.

Die beiden Geschwister beschließen nun, Daniel und Sarah zu helfen und sie zu ihrer Tante in eine andere Stadt zu bringen. Eine abenteuerliche und gefährliche Reise beginnt. Sie treffen auf verschiedene Menschen und es ist gar nicht so einfach zu erkennen, wem man wirklich vertrauen kann. Zumal sich Otto und Gerda gar nicht so gut verstehen, weil sie sehr unterschiedlich sind. Gerda, 10 Jahre, ist ein großer Musketier Fan, wild und risikobereit. Otto, 12 Jahre, ist eher zurückhaltend, vorsichtig und studiert am liebsten seine Landkarten und seinen Globus.

Das Buch ist für Kinder ab 9 Jahren gedacht und das passt auch. Die Geschichte ist altersgerecht, dabei sehr spannend und fesselnd erzählt. Es gibt kurze Kapitel und die Sprache ist einfach, allerdings auf keinen Fall trivial. Es wird geradlinig und stringent erzählt, wie und ob die Kinder es über die Grenze schaffen.

Diese vier recht verschiedenen Kinder sind gut beschrieben und bieten sich als Identifikationsfiguren an. Gerda steht hierbei besonders im Mittelpunkt, über ihre Innensicht erfährt man am meisten.

Die jungen LeserInnen erhalten hier Anregungen, über die geschichtlichen Vorkommnisse nachzudenken und nachzufragen. Die Schrecklichkeit des Krieges, der Hunger, das Misstrauen der Menschen zueinander, die Gefährlichkeit des Widerstands, all das wird gut beschrieben. Es wird sich dabei klar für Humanität und Menschlichkeit positioniert.

Nicht zuletzt geht es zudem um Mut, Familie und Geschwister.

Diese inhaltlich und sprachlich sehr schöne Geschichte ist einfach so rund, einfach so toll und altersgerecht erzählt, dass ich wirklich sehr begeistert bin! Hier passt einfach alles. Daher: absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 01.10.2019

Toller Sound, gibt Mut und Stärke besonders für junge Frauen

Poet X
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Dieser Roman in Versen, die sich wirklich total unkompliziert lesen lassen, hat mich umgehauen! So eine kraftvolle Stimme, so eine Dynamik, so eine starke Autorin. Toll!
Ich bin total berührt und positiv ...

Dieser Roman in Versen, die sich wirklich total unkompliziert lesen lassen, hat mich umgehauen! So eine kraftvolle Stimme, so eine Dynamik, so eine starke Autorin. Toll!
Ich bin total berührt und positiv geflasht.
Eigentlich ist es für Teenager geschrieben (meine Kinder haben noch etwas Zeit, aber sobald die Tochter 14 ist, drück ich ihr dieses Buch in die Hand...:), aber auch Müttern und überhaupt Frauen jeglichen Alters kann dieser Roman gefallen.

Es geht um Xiomara. Ihr Name bedeutet: "Eine, die zum Kämpfen bereit ist." Sie wohnt in Harlem, New York. Ihre Eltern stammen ursprünglich aus der Dominikanischen Republik. Sie ist knapp 16 Jahre alt, hat einen Zwillingsbruder, eine beste Freundin und schreibt. Sie selbst beschreibt sich als "dunkel, kurvig, wütend", als eine Tochter Medusas.

Xiomaras Mutter ist wahnsinnig streng, vorallem auch streng katholisch, und umgibt die Tochter mit vielerlei Verboten. Die Konflikte zwischen Xiomara und ihrer Mutter werden immer heftiger.
Xiomara wird nämlich langsam erwachsen und beginnt sich ihren Weg zu suchen. Sie verliebt sich das erste Mal und lernt durch eine Lehrerin Poetry Slam kennen...

Der Roman, diese Gedichte geben mir einen Einblick in eine Welt, eine Kultur, die mir erstmal gar nicht so vertraut ist. New York, Gewalt, Rap/ R&B, Katholizismus, Dominikanische Republik. Gleichzeitig sind mir jedoch die Themen sehr vertraut und für Teenager absolut relevant. Konflikte mit den Eltern und in der Schule, Beziehung zu Geschwistern und bester Freundin, die erste Liebe, Frausein, erwachende Sexualität, seinen eigenen Weg finden, nicht verstanden werden, unglücklich sein, Pubertät. All das wird hier sehr ehrlich und authentisch beschrieben. Besonders die Mutter- Tochter Beziehung fand ich sehr tief und differenziert gezeichnet.
Die Worte, der Sound treffen direkt ins Herz und nicht nur einmal kamen mir die Tränen. Ich konnte dieses Buch nicht mehr weglegen. Es liest sich wirklich spannend, auch witzig und geht unter die Haut.

Die Worte und Inhalte sind sehr kraftvoll und energievoll,voller Vitalität, manchmal sehr heftig und hart, manchmal zart und weich. Sie verbreiten Mut, Stärke und Selbstbewusstsein, an sich zu glauben und den eigenen Weg zu gehen, so dass gerade (junge) Frauen hier eine Menge mitnehmen können.

Veröffentlicht am 05.09.2020

Sehr empfehlenswertes Kinder- und Jugendbuch!

Adresse unbekannt - Nominiert zum Deutschen Jugendliteraturpreis
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Schon seit vier Monaten wohnt Felix mit seiner Mutter Astrid in einem Minibus in Vancouver. Seine Mutter findet keinen Job, und wenn sie einen findet, verliert sie ihn schnell wieder. Sie haben daher kein ...

Schon seit vier Monaten wohnt Felix mit seiner Mutter Astrid in einem Minibus in Vancouver. Seine Mutter findet keinen Job, und wenn sie einen findet, verliert sie ihn schnell wieder. Sie haben daher kein Geld für die Mietzahlungen.
Felix geht nach dem Sommer auf eine neue Schule, in der er seinen alten Freund Dylan wieder trifft. Zu den beiden gesellt sich schon bald die schlaue, aber auch recht wenig beliebte Winni aus ihrer Französischklasse. Die drei schreiben Artikel für den französischen Teil der ansonsten englischsprachigen Schülerzeitung. Winni nervt zwar, aber eigentlich ist sie auch ganz nett...ziemlich nett sogar..:)
Felix Lage spitzt sich allerdings immer mehr zu, da er manchmal nichts zu essen hat und auch nicht regelmäßig duschen kann.

Man erfährt alles aus der Perspektive von Felix. Anfangs berichtet er auf dem Polizeirevier seine Geschichte, wie es dazu kam, dass seine Mutter und er in einem Minibus wohnen. Was mit seiner Großmutter geschah, wer eigentlich sein Vater ist, wie sie zu dem Bus gekommen sind und wie sich das Leben im Bus anfühlt (auf Dauer nicht so gut). Aber - Felix hat nun ein wenig Hoffnung auf einen Geldgewinn, da er sich bei einer Junior Fernseh- Quiz Show angemeldet hat....

Die Geschichte hat mir wirklich wunderbar gefallen. Sie ist rund erzählt, spannend, fesselnd und witzig. Abenteuerlich, träumerisch und auch sehr liebenswürdig. Es gibt Unglücks- und auch Glücksmomente, die Begebenheiten sind überwiegend recht realistisch. Ich wurde oft berührt und konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen.
Die drei Freunde Felix, Dylan und Winni sind mir ans Herz gewachsen (wenn sie mich auch etwas an das Harry Potter Trio erinnerten..:))

Es geht um Freundschaft, Familie, Werte, Ehrlichkeit, Geldsorgen, Obdachlosigkeit und den ganz normalen Alltag von fast Dreizehnjährigen. Es geht aber auch um eine psychisch labile Mutter. Das bereitete mir Bauchschmerzen, da dies letztlich nur hingenommen wurde, aber langfristig keine Veränderung/ Verbesserung angenommen werden kann. Diesbezüglich tat mir Felix leid und ich fand seine Situation insgesamt vielleicht etwas zu optimistisch dargestellt. Wenn gleich die Dynamik zwischen ihm und seiner Mutter sehr realistisch gezeichnet wurde.

Das Buch wird ab 10 Jahren empfohlen, ich werde es meinen erst mit 13 geben, da sie dann etwas mehr verstehen und mehr damit anfangen können.
Der Roman bereitete auch mir als Erwachsene ein großes Lesevergnügen..:)

Veröffentlicht am 14.08.2025

Abenteuer und Krimi vor historischem Hintergrund

Aristide Ledoux – Meisterdieb wider Willen
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Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der junge Aristide wohnt bei Madame Plumard, wie es im Testament seines Onkels verfügt wurde. Er wurde ausgebildet zum Meisterdieb. Er erhält Aufträge von einer unbekannten ...

Paris, Anfang des 20. Jahrhunderts: Der junge Aristide wohnt bei Madame Plumard, wie es im Testament seines Onkels verfügt wurde. Er wurde ausgebildet zum Meisterdieb. Er erhält Aufträge von einer unbekannten Person, die er dann Nachts ausführt. Eines Nachts jedoch gerät er in eine Falle und wird in letzter Sekunde vom Straßenjungen Julien gerettet. Gemeinsam mit Juliens Freundin Léontine, beginnt nun ein gefährliches Abenteuer. Wer hatte es auf Aristide abgesehen? Welche Geheimnisse ranken sich ums Aristides Vergangenheit? Wo ist Madame Plumard? Unterstützung bei der Aufklärung erhalten die drei von dem Journalisten Bleriot, dessen wöchentlichen Kriminalgeschichten Léontine begeistert verschlingt.

Die Geschichte wird aus den Perspektiven aller drei Jugendlichen erzählt. Léontine, die eigentliche Hauptfigur des Romans, ist die Tochter des Chefs der Geheimpolizei. Sie rebelliert gegen die strengen gesellschaftlichen Erwartungen an Frauen und sucht ihren eigenen Weg. Julien kam nach Paris, nachdem seine Eltern, aus dem Kongo stammend, von einem Varieté angelockt wurden. Nach ihrem Tod floh er und lebt seither mit seinem pfiffigen Äffchen auf der Straße. Aristide, von dem ich eigentlich erwartete, dass er die Hauptperson ist, bleibt hingegen recht blass.

Zu Beginn hatte ich etwas Schwierigkeiten, die Namen und zeitlichen Bezüge einzuordnen. Nach und nach taucht man jedoch tief in das Paris der Jahrhundertwende ein: mit Kutschen, holprigen Strassen, Katakomben, Häfen, der Metro und versteckten Gängen in prächtigen Villen. Man erhält zudem Einblicke in das Leben einer wohlhabenden Familie und erfährt wie ein Mädchen in dieser Gesellschaft aufwuchs, was ihr erlaubt war und was nicht. Das historische Ambiente empfand ich stimmig und sehr interessant.

Der Sprachstil ist manchmal etwas kompliziert, nicht immer liest es sich flüssig. Die Handlung ist spannend und bietet unerwartete Wendungen. Gegen Ende überschlagen sich jedoch die Ereignisse: Es passiert sehr viel in kurzer Zeit, sodass manches untergeht. Auch die Auflösung hat mich nicht vollständig überzeugt. Hier wurde meiner Meinung nach Potenzial verschenkt. Das offene Ende deutet auf eine Fortsetzung hin, da die drei Freunde mit einem Schiff auf dem Weg nach New York sind. Darauf bin ich schon sehr gespannt.

Das Buch ist sehr wertig verarbeitet und wirklich schön gestaltet. Besonders begeistert hat mich die gelungene Mischung aus Fließtext und Graphic-Novel-Elementen. Genau dieser besondere Stil hat mich zum Lesen animiert.

Der Roman ist eine Mischung aus Abenteuer und Krimi vor historischem Hintergrund, gespickt mit Humor. Ein empfehlenswertes Buch für Mädchen und Jungen gleichermaßen.

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