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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2019

Gelungenes Jugendbuch über Trauerbewältigung

Alles okay
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Malin ist nach dem Tod ihres Grossvaters, bei dem sie aufgewachsen ist, Hals über Kopf in ihr College geflüchtet, das nun nach dem Schulende für sie erstmalig beginnen soll. Den Kontakt hat sie zu allen ...

Malin ist nach dem Tod ihres Grossvaters, bei dem sie aufgewachsen ist, Hals über Kopf in ihr College geflüchtet, das nun nach dem Schulende für sie erstmalig beginnen soll. Den Kontakt hat sie zu allen abgebrochen. Vier Monate sind vergangen, ihre beste Freundin Mabel kommt sie dennoch kurz vor Weihnachten besuchen.

Dieser Jugendroman, aus Malins Sicht in der Ich-Perspektive erzählt, umfasst 4 Tage. In Rückblenden erfährt man dabei stückchenweise, wie ihr Großvater starb, wie der Alltag mit dem geliebten Großvater aussah, was mit ihren Eltern geschah und wie ihre enge Beziehung zu Mabel langsam immer inniger wurde...

Der Schreibstil ist ruhig, poetisch, gefühlvoll und anschaulich. Es gibt einige Stellen zum Schmunzeln und noch mehr Stellen zum Weinen. Man ist sehr dicht dran an Marins Gedanken und Gefühlen und kann sich wunderbar hineinversetzen. Sie reflektiert ihre Beziehung zum Großvater und was für ein Mensch er war. Auch über ihre Freundin Mabel und deren Familie sowie über sie selbst erfahren wir einiges. Malin liebt z.B. Literatur sehr, ganz besonders "Jane Eyre", aber auch "Hundert Jahre Einsamkeit".

Thematisch geht es um den Verlust der unschuldigen Kindheit, den Übergang zum Erwachsensein, die erste Liebe, Freundschaft und Familie. Die Frage, wie gut wir andere eigentlich wirklich kennen, wird aufgeworfen. Vor allem aber geht es um den Trauerprozess bei Verlust eines geliebten Menschen. Hier wird zum Einen gezeigt, wie man auf Dauer nicht mit Trauer umgehen sollte. Schweigen und Verdrängen sind keine guten Optionen. Und zum Anderen wird gezeigt, was wirklich helfen kann: z.B. darüber reden und Hilfe annehmen.
Das sind recht schwierige Themen, da auch noch die Thematik psychische Erkrankung hinzu kommt. Ich finde aber die Umsetzung für Jugendliche sehr gut gelungen. Man nimmt zwar die ganzen traurigen Gefühle wahr, wird aber nicht heruntergezogen und es gibt ein versöhnliches Ende. Ja, und sicher sind da einige etwas kitschige, vielleicht unrealistische Szenen, aber das stört überhaupt nicht, da mir eher wichtig erscheint, gerade im Rahmen eines Jugendbuchs, Hoffnung und Trost zu spenden!

Fazit: gelungenes Jugendbuch zu den Themen Verlust, Trauerbewältigung und Freundschaft.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Wichtige Themen, wunderschöne Kulisse, aber etwas kitschig und konstruiert

Der Gesang der Flusskrebse
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3,5 Punkte

Ein Familien-, Frauen- und Kriminalroman in Einem, erzählt auf verschiedenen Zeitebenen, die im Verlauf zusammen fließen. Die Kulisse bildet das Marsch- und Sumpfland nahe des Meeres. Die Hauptprotagonistin ...

3,5 Punkte

Ein Familien-, Frauen- und Kriminalroman in Einem, erzählt auf verschiedenen Zeitebenen, die im Verlauf zusammen fließen. Die Kulisse bildet das Marsch- und Sumpfland nahe des Meeres. Die Hauptprotagonistin Kya lebt dort seit ihrer Kindheit ganz allein. Erst von der Mutter, dann von ihren Geschwistern und letztendlich auch von ihrem gewalttätigen alkoholabhängigem Vater verlassen. So wurde dann die Marsch zu ihrer Mutter, die Natur zu ihrer Familie. Sie selbst entwickelt sich im Laufe der Jahre zu einer Expertin für die dortige Flora und Fauna.

Kya lebt sehr scheu und zurückgezogen. Tate, ein Freund ihres Bruders, bringt ihr als Jugendliche das Lesen bei. Die beiden verlieben sich ineinander, jedoch zieht Tate weg, um auf das College zu gehen. Irgendwann lernt Kya den attraktiven Frauenheld Chase kennen, der um sie wirbt.

Der Leser erfährt gleich zu Beginn, dass Chase tot aufgefunden wurde. Die Ermittlungen weisen bald auf Kya, die schnell zur Hauptverdächtigen wird.

Aufgrund des Titels und auch des Covers (beide gefallen mir ausnehmend gut) hatte ich irgendwie große Erwartungen an einen schönen poetischen Schreibstil. Hier wurde ich leider enttäuscht. Die Sprache ist recht einfach gehalten und auch die eingestreuten Gedichte konnten mich nicht berühren. Die Autorin verwandte sehr viel tierische Metaphern, häufig im Stil von: "flach gegen den Eisschrank gedrückt, wie ein überfahrener Storch" oder "dünn wie 'ne Zecke an 'nem Fahnenmast" oder auch "drinnen ist es heiß wie Wildschweinatem" usw. Das irritierte mich erst ein wenig, dann fand ich es eher unfreiwillig komisch, und entwickelte sich dann zu einem running gag..:) Viele Natur- und Tierbeschreibungen empfand ich leider auch etwas zu dürftig, da die Autorin oft nur benannte, statt beschrieb.

Nichtsdestotrotz öffnete mich der Roman für diese besondere Landschaft, die Marsch, und machte mich sehr neugierig. Viele erwähnten Vögel sah ich mir auch gleich im Internet an, da ich sie nicht kannte.

Die Geschichte wusste mich grundsätzlich zu fesseln. Gegen Ende wurde es mir jedoch etwas zäh und wirklich überraschende Wendungen blieben aus. Einige Dinge fand ich leider auch zu kitschig (z.B. die Liebesgeschichte zu Tate), viele Handlungsabläufe wirkten zu konstruiert und die Protagonisten blieben einseitig und schablonenhaft.

Dennoch gefiel mir Kya, als weibliche Hauptfigur gut. Sie wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Trotz Einsamkeit und Ängsten geht sie ihren eigenen Weg und ist einfach eine starke Frau.

Auch die Themen, die der Roman in sich vereint, haben mich berührt und zum Nachdenken angeregt. Es geht neben der Naturverbundenheit um Familie, Mutterschaft und Liebe sowie um Gewalt gegen Frauen, Rassismus und Ausgrenzung.

An einigen Stellen hätte ich mir jedoch auch hier noch mehr Tiefgründigkeit gewünscht, z.B. zu der bitteren, aber auch spannenden Frage, die Kya zeitlebens beschäftigt: Warum Mütter ihre Kinder verlassen.

Fazit: Ein einfach konstruierter Unterhaltungsroman mit wichtigen Themen und einer wunderbaren Kulisse, der im Gedächtnis bleibt, aber mehr verspricht, als er zu halten vermag.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Spannender Krimi mit unausgeschöpftem Potential bei der Figurenentwicklung

Bis ihr sie findet
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3,5 Punkte
Der vorliegende Krimi ist ein Reihenauftakt. Der Klappentext fasst die Dinge ganz gut zusammen, sodass ich gar nicht viel ergänzen möchte.

Es gibt zwei Handlungsstränge. Der Haupthandlungsstrang ...

3,5 Punkte
Der vorliegende Krimi ist ein Reihenauftakt. Der Klappentext fasst die Dinge ganz gut zusammen, sodass ich gar nicht viel ergänzen möchte.

Es gibt zwei Handlungsstränge. Der Haupthandlungsstrang dreht sich um die Aufklärung des Mordes an der 14 jährigen Aurora Jackson, die nun, nach 30 Jahren, vergraben mitsamt eniger Päckchen Speed gefunden wurde.
Hier stehen das 4 köpfige Ermittlungsteam, insbesondere der Detektive Chief Inspector Jonah Sheens und die neue Mitarbeiterin Detektiv Constable Juliette Hanson im Vordergrund. Man erfährt wie sie die Ermittlungen führen sowie einiges aus deren Privatleben, wenngleich recht dezent.
Der zweite Handlungsstrang hat Aurora im Blick und zwar genau an dem Tag, an dem sie vor 30 Jahren ermordet wurde.

Die Grundidee klang für mich extrem spannend, so dass ich an diesem Krimi nicht vorbei kam – und, um gleich auf den Punkt zu kommen - er war auch tatsächlich sehr spannend. Ich konnte ihn kaum zur Seite legen und sehr gut miträtseln, wer der Täter war. Es gab mehrere Verdächtige und es blieb mir bis zum letzten Moment völlig unklar, wer Auroras Tod zu verantworten hatte.

Der Schreibstil ist zudem sehr bildhaft, viele der Szenen standen mir ganz klar vor Augen.

Auroras Handlungsstrang mitsamt der Szenen des Campingausflugs gefiel mir ausnehmend gut. Ihr (schüchterner, netter) Charakter war gut gezeichnet und ich konnte gut mit ihr mitfühlen.
Das Ermittlungsteam fand ich sympathisch, allen voran natürlich der clevere, menschliche, einfach sympathische Chief Jonah. Die sehr gewissenhafte und eifrige Hanson fand ich etwas nervig, aber das passte dennoch gut und war vielleicht ein wenig auch so gewollt. Zum Team gehören noch der eigenwillige Detective Sergant O `Malley und der smarte, distanzierte Detektive Sergant Lightman, die allerdings eher im Hintergrund standen.
Die Clique fand ich auf den ersten Blick interessant angelegt. Besonders interessierten mich die Charaktere, wie ihre Beziehungen untereinander gestaltet waren, wie sie durch Auroras Verschwinden geprägt wurden und welche Dynamik nun, nach dem Auffinden der Leiche unter ihnen entstand. Leider wurde ich diesbezüglich ziemlich enttäuscht. Die Charaktere blieben nämlich zumeist blass und oberflächlich, manch einer kam gar nicht recht zur Geltung. Auch blieb mir unklar, was sie eigentlich vor Auroras Tod zusammenhielt, da sie so unterschiedlich erschienen und irgendwie das Gruppengefühl bei mir nicht recht ankam. Auch nach dem Fund fand ich die Dynamik und die Beziehungen untereinander zum Teil nicht ausreichend genug geschildert. Letztendlich blieben für mich daher einige Fragen offen. Sehr, sehr schade, hier hätte es so viel Potential gegeben.

Fazit: Alles in allem dennoch empfehlenswert, trotz unausgeschöpften Potentials bei der Figurenentwicklung, da mit einer interessanten Grundidee sehr spannend und bildhaft erzählt.

Veröffentlicht am 01.10.2019

In einem Atemzug gelesen und atemlos zurückgeblieben.

ATME!
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3,5 Punkte

Dieser Psychothriller liess mich etwas zwiegespalten und auch etwas verstört zurück.

Worum geht es: Nile liebt Ben. Dieser steht kurz vor der Scheidung von seiner Ex-Frau Flo. Danach wollen ...

3,5 Punkte

Dieser Psychothriller liess mich etwas zwiegespalten und auch etwas verstört zurück.

Worum geht es: Nile liebt Ben. Dieser steht kurz vor der Scheidung von seiner Ex-Frau Flo. Danach wollen Nile und Ben heiraten. Nile probiert gerade ein Hochzeitskleid an. Als sie aus der Umkleidekabine tritt, ist Ben plötzlich verschwunden. Auch telefonisch kann sie ihn nicht mehr erreichen. Sie beginnt ihn verzweifelt zu suchen...

Viel mehr kann ich zum Inhalt gar nicht schreiben, ohne zu spoilern.

Als Leser ist man ganz nah bei Nile, man lauscht ihrem inneren Monolog und begleitet sie auf ihrer Suche. Nile reagiert sehr aufgeregt, panisch und schon etwas übertrieben auf das Verschwinden von Ben. Als sie Bens Freunde und Familie kontaktiert, verhalten diese sich sehr abweisend und unfreundlich, so dass man sich schon etwas wundert. Nile war Bens Affaire, sind deshalb alle so sauer auf sie, weil sie sich in die langjährige Ehe "gedrängt" hat?

So nach und nach entwickelte ich auch leichte Hassgefühle auf Nile, aber auch Fremdscham aufgrund ihres Verhaltens und auch Mitleid. Gerade zu Anfang war sie mir sehr unsympathisch. Irgendwann verstand ich sie mitsamt ihrer Angst, der Panikattacken und sozialen Phobie ein wenig mehr. Einige Verhaltensweisen haben mich dabei überzeugt, andere weniger. Mehr kann ich auch hier nicht schreiben, ohne zu spoilern.

Thematisch geht es neben der Suche nach der Wahrheit um Ehebruch und Affairen, um Eifersucht und Kontrolle sowie um Angst und Gewalt in den verschiedensten Ausprägungen.

Der Thriller entwickelt im Fortgang einen großen Sog, dem ich mich kaum entziehen konnte. Es war spannend und ich wollte unbedingt wissen, was nun tatsächlich passiert ist. Aber nicht nur deshalb begann ich, einige Absätze zu überlesen. Es war nämlich teilweise sehr gruselig, so nah in der Gefühlswelt von Nile zu sein. Ich konnte es teilweise schlecht aushalten, in diesem fahrigen Gedankenkarussel der sehr hektischen und von Panikattacken bedrohten Nile mitzufahren.

Die Sprache ist einfach gehalten, häufige kurze Sätze halten das Tempo hoch und es gibt überraschende Wendungen. Das Ende jedoch kommt nicht überraschend, da es schon eine der verschiedenen durchscheinenden Optionen war. Die Art und Weise, wie die Autorin das Ende literarisch umgesetzt hat, brachte mich allerdings zum Schmunzeln.

Fazit: Ein spannender und etwas gruseliger Psychothriller, auf den man sich einlassen muss, manchmal wenig glaubhaft, aber nah am Wahnsinn

Veröffentlicht am 01.10.2019

Ein Roman mit Stärken und Schwächen

Der Sprung
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3,5 Punkte

"Den Sprung hat sie von ihrem Erzeuger [...] Der wusste auch nicht, wohin mit seiner Energie, und ständig musste man ihm aus irgendeinem Schlamassel helfen." (S.241)

Ich hatte hohe Erwartungen, ...

3,5 Punkte

"Den Sprung hat sie von ihrem Erzeuger [...] Der wusste auch nicht, wohin mit seiner Energie, und ständig musste man ihm aus irgendeinem Schlamassel helfen." (S.241)

Ich hatte hohe Erwartungen, doch leider hat mich der Roman ein wenig enttäuscht, obwohl er wirklich sehr gut beginnt, sprachlich und vom Aufbau gefällt sowie viele gute Gedanken bereithält.

Worum geht es: Eine Frau steht auf dem Dach eines Mietshauses und will springen. Die Polizei ist alarmiert und eine Menge Schaulustiger sind versammelt. Es beginnt einem Volksfest zu gleichen. Man lernt verschiedene Personen kennen, die auf irgendeine Art und Weise mit dem Geschehen in Berührung kommen. Felix, der Polizist, der sich eines alten Traumas bewusst wird. Egon, der seine Arbeit in der Fabrik hasst und seinem alten Hutgeschäft nachtrauert. Die Eheleute Theres und Werner, deren kleiner Laden langsam pleite geht. Maren, deren Ehemann sich sehr verändert hat und kein Interesse mehr an ihr zeigt. Finn, der Fahrradkurier, der aus Berlin geflüchtet ist und der sich in die etwas eigene Gärtnerin Manu verliebt hat. Winni, die in der Schule aufgrund ihres Aussehens gemobbt wird und noch einige andere.

Je Kapitel befindet sich eine der Personen im Mittelpunkt. Sie alle sind mit dem Geschehen auf dem Dach in irgendeiner Weise verbunden bzw. stehen irgendwie in Kontakt miteinander.

Um bei dieser Vielzahl an Figuren nicht durcheinander zu geraten, schrieb ich mir nebenbei die Namen auf. Das klappte dann ganz gut. Diese recht verschiedenen Figuren nahmen mich sehr gefangen. Viele sind einsam, werden nur in ihren wenigen Beziehungen sichtbar. Die meisten von ihnen müssen mit schwierigen Lebenssituationen, mit Krisen und Verlusten umgehen.

Die Unvollkommenheit der Welt wird aufgezeigt und gleichzeitig Trost gespendet, dass es anderen doch ähnlich geht.

Sehr deutlich lenkt die Autorin den Blick auf Unstimmigkeiten unserer Gesellschaft. Sie kritisiert Polizei und Politiker, die Sensationslust, das Ergötzen am Leid anderer, die fehlende Empathie und Gleichgültigkeit der Menschen. Sie beleuchtet Beziehungen und das Verhalten Einzelner in Krisensituationen. Aufgrund der Vielzahl von Menschen gibt es natürlich eine Vielzahl von Themen und eine Fülle an Gedanken.

Es ist sehr kurzweilig geschrieben, amüsant, an einigen Stellen, besonders zu Anfang auch berührend sowie nachdenklich machend.

Was mich leider gar nicht überzeugt hat und aus dem Roman wieder heraus katapultiert hat, waren die Gründe, warum die Frau – über Stunden - auf dem Dach stand. Das fand ich sehr, sehr unrealistisch! Und das als Herzstück des Romans...nein, nein, nein. Schade!

Auch fand ich den Transport der Gedanken zuweilen sehr holzhammermäßig, sehr laut, sehr überdeutlich. Manche Szenen erschienen zudem sehr übertrieben/überdreht oder auch etwas kitschig.

Fazit: Der Roman hat gute Seiten und weniger gute Seiten. Dennoch hat der Roman mich gut unterhalten, hat einige einprägsame Figuren erschaffen und einen interessanten Blick auf unsere heutige Gesellschaft geworfen, so dass ich ihn letztendlich doch empfehle..:)

"Wenn du gut leben willst, musst du ein verdammt guter Verlierer sein." (S.110).