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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.10.2019

Ein ungewöhnliches und großartiges Buch

Wolkenbruchs waghalsiges Stelldichein mit der Spionin
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In diesem zweiten Band geht Motti nach Israel und wird Anführer des „Weltjudentums“, während in Deutschland in einer Bergfestung noch einige Nazis seit Kriegsende leben und das entsprechende Gedankengut ...

In diesem zweiten Band geht Motti nach Israel und wird Anführer des „Weltjudentums“, während in Deutschland in einer Bergfestung noch einige Nazis seit Kriegsende leben und das entsprechende Gedankengut weiter über sog. „Volksrechner“ verbreiten. Was passiert wohl, wenn Motti und eine Agentin der Nazis zusammentreffen?


Meine Meinung:
Der Autor erzählt in diversen kurzen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven auf der einen Seite die Geschichte von Motti und dem „Weltjudentum“, auf der anderen Seite die Geschichte der überlebenden Nazis in der Bergfestung.

Der Schreibstil ist total ungewöhnlich, extrem humorvoll und locker-flockig. Die beschriebenen Episoden sind teilweise so abstrus, dass ich viel gelacht und oft den Kopf geschüttelt habe. Manchmal blieb mir das Lachen allerdings regelrecht im Halse stecken, weil der Autor sehr berechtigte Punkte in seiner Gesellschaftskritik unterbringt und manche noch so skurrile Erfindung erschreckende Gemeinsamkeiten mit der Realität hat.

Sehr gut gefallen hat mir, dass die Kapitelüberschriften immer aus einem Satz aus dem relevanten Kapitel bestanden, der aus dem Zusammenhang gerissen meist sehr lustig klang. Im Laufe der Zeit habe ich mich immer gefragt, in welchem Zusammenhang der Satz in dem jeweiligen Kapitel auftauchen würde.

Insgesamt hat mich der Roman sehr gut unterhalten und mich gleichzeitig nachdenklich gemacht, weil er viele gesellschaftlich relevante Themen sehr überspitzt auf den Punkt bringt. Zum Beispiel sind Themen wie Hasskommentare in sozialen Medien sehr plakativ dargestellt.


Fazit:
Ich war sehr überrascht, wie gut mir das Buch gefallen hat, denn ich hatte gar nicht so viel oder zum Teil etwas anderes erwartet. Ich fand es sehr unterhaltsam und gleichzeitig augenöffnend. Für mich hätte es durchaus noch etwas länger sein können.

Veröffentlicht am 17.10.2019

Ein eindringlich erzählter bewegender Roman über syrische Flüchtlinge

Das Versprechen des Bienenhüters
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Nuri und Afra haben Schlimmes im Krieg in ihrem Heimatland Syrien erlebt und machen sich auf in einer gefährlichen und aufreibenden Flucht bis nach Europa.
Schließlich schaffen sie es, sich bis nach Großbritannien ...

Nuri und Afra haben Schlimmes im Krieg in ihrem Heimatland Syrien erlebt und machen sich auf in einer gefährlichen und aufreibenden Flucht bis nach Europa.
Schließlich schaffen sie es, sich bis nach Großbritannien durchzuschlagen, wo bereits ein langjähriger Freund auf sie wartet und wo sie hoffen, sich ein neues Leben aufbauen zu können.


Meine Meinung:
Das Buch hat mich wirklich sehr bewegt, weil es sehr eindringlich von den schlimmen Erlebnissen konkreter Menschen während der Flucht und vorher im Krieg in Syrien erzählt.
Ich habe zwar einen Moment gebraucht, bis ich mich an den zunächst von mir als sperrig empfundenen Erzählstil gewöhnt hatte und mich beim Lesen nicht mehr so arg konzentrieren musste, aber nach hinten heraus habe ich gut in das Buch hineingefunden.
Die anfänglich für mich etwas verwirrenden Zeitsprünge fand ich im späteren Verlauf des Buches sehr gelungen und ich konnte der Handlung gut folgen.

Die einzelnen Kapitel sind schon zum Teil der grausam zu lesen, aber zum Glück gibt es immer wieder positive Dinge und Zeichen der Hoffnung (wie z.B. die Bienen, die sich als Motiv durchziehen).

Ich kann nicht so richtig sagen, dass ich mit den handelnden Personen warm geworden wäre, aber ihre Schicksale haben mich schon berührt und ich konnte ihre Emotionen, Ängste und Sorgen nachempfinden.

Insgesamt ein sehr wichtiges Buch über ein Thema, das vielfach viel zu abstrakt bleibt, wenn wir nur ganz allgemein davon hören oder lesen und es nicht anhand konkreter Schicksale nachvollziehen.


Fazit:
Das eindringlich erzählte Buch bringt die menschliche Seite der Flüchtlingskrise sehr deutlich zum Ausdruck, daher halte ich es für ein sehr wichtiges Buch.

Veröffentlicht am 13.10.2019

Spannender Psychothriller, der den Zeitgeist trifft

Offline - Du wolltest nicht erreichbar sein. Jetzt sitzt du in der Falle.
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Eine Gruppe von Menschen verbringt fünf Tage in einem einsamen Hotel in den Bergen zu einem „Digital Detox“-Kurs ohne Smartphone, ohne Laptop, komplett „offline“. Durch einen Schneesturm sind die Frauen ...

Eine Gruppe von Menschen verbringt fünf Tage in einem einsamen Hotel in den Bergen zu einem „Digital Detox“-Kurs ohne Smartphone, ohne Laptop, komplett „offline“. Durch einen Schneesturm sind die Frauen und Männer bald völlig von der Außenwelt abgeschnitten.
Da finden sie den ersten Mann aus ihrer Gruppe schwer verletzt… Und es kann jeder von ihnen gewesen sein…


Meine Meinung:
Der Thriller von Arno Strobel lässt sich wirklich schwer aus der Hand legen. Ich habe ihn praktisch in einem Zuge gelesen und wirklich verschlungen.
Die Handlung weist einen sehr gekonnt angelegten Spannungsbogen auf mit der einen oder anderen überraschenden Wendung bis zum Schluss. Ich habe in der letzten Zeit zwar einige Thriller gelesen, die ähnliche Wendungen / Auflösungen hatten, aber ich fand das Ende auch hier wieder recht gelungen und glaubwürdig.
Die Personen an sich werden nicht sehr detailliert ausgearbeitet, aber sie sind ausreichend genau angelegt, damit eine interessante Gruppendynamik in dem Hotel entstehen kann, als der erste Verletzte gefunden wird und jeder auf einmal jeden verdächtigt bzw. von allen anderen verdächtigt wird.
Darüber hinaus fand ich das Thema „Digital Detox“ gut gewählt, da es den Zeitgeist sehr gut trifft.


Fazit:
Ein solider Psychothriller, der sich auf jeden Fall spannend lesen lässt, den man aber wirklich in sehr kurzer Zeit ausgelesen hat.

Veröffentlicht am 07.10.2019

Völlig anders als erwartet

Drei
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Über die Handlung sollte man nicht zu viel schreiben, wie man auch schon am Klappentext merkt.
Nur so viel: Es geht um drei Frauen und einen Mann. Alle drei Frauen haben etwas mit dem einen Mann zu tun ...

Über die Handlung sollte man nicht zu viel schreiben, wie man auch schon am Klappentext merkt.
Nur so viel: Es geht um drei Frauen und einen Mann. Alle drei Frauen haben etwas mit dem einen Mann zu tun und wissen nicht alles über ihn, aber er weiß auch nicht alles über sie…
Und es handelt sich nicht um eine Dreiecks-Liebesgeschichte…


Meine Meinung:
Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt und fängt recht spannend, wenn auch in melancholischer Stimmung an, als man die erste Frau und ihre Lebensumstände kennenlernt. Der zweite Teil war für meinen Geschmack dann eher etwas langweiliger und noch bedrückender.
Vor allem aber den dritten Teil fand ich total überraschend und extrem spannend. Ich habe bis zum Ende nicht vorhergesehen, worauf die Handlung hinauslief, und wurde richtig überrascht.

Die Erzählweise an sich war flüssig und in Ordnung, aber auch nicht außergewöhnlich poetisch. Man erfährt einiges Interessante über das Leben im heutigen Israel und den Alltag dort, was ganz gelungen ist.
Die handelnden Personen sind vielversprechend angelegt, aber bleiben mit ihren Eigenheiten zum Teil auch bewusst im Dunkeln.

Meines Erachtens ist das Highlight des Buches wirklich das Ende und die Konstruktion dessen. Man möchte nicht zu viel verraten.


Fazit:
Ich hatte etwas völlig anderes von dem Buch erwartet, war dann aber am Ende total überrascht und sehr angetan von der Anlage der Handlung.

Veröffentlicht am 16.09.2019

Wunderbar berührend und packend erzählt

Nachtblumen
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Jana kommt nach Sylt in ein Wohnprojekt mit vier anderen jungen Erwachsenen und kann dort eine Ausbildung zur Bauzeichnerin absolvieren. Wie die anderen vier hat sie es nicht leicht gehabt im Leben und ...

Jana kommt nach Sylt in ein Wohnprojekt mit vier anderen jungen Erwachsenen und kann dort eine Ausbildung zur Bauzeichnerin absolvieren. Wie die anderen vier hat sie es nicht leicht gehabt im Leben und schläft lieber unter als in ihrem Bett. Collin, der im Nachbarzimmer lebt und schon im zweiten Lehrjahr ist, friert gerne. Die beiden Außenseiter finden im Laufe der Zeit immer mehr zueinander. Vielleicht können sie sich gegenseitig helfen…


Meine Meinung:
„Nachtblumen“ war der erste Roman, den ich von Carina Bartsch gelesen habe, und ich war gleich aufgrund des leichten, flüssigen Erzählstils begeistert. Ich konnte das Buch praktisch nicht mehr aus der Hand legen, obwohl es mit über 500 Seiten schon eher wie ein Wälzer aussieht. Aber ich hatte es in kurzer Zeit ausgelesen, weil es sich wirklich gut lesen ließ und mich die Handlung und die Personen von Anfang an sehr gepackt hatten.
Allen voran Jana, aber auch die anderen handelnden Personen, werden sehr warmherzig und glaubwürdig beschrieben. Man kann sich immer besser in sie hineinversetzen und an der sehr authentischen und nicht überzogenen Entwicklung, die sie im Laufe der Zeit durchmachen, teilhaben. Ereignisse aus der Vergangenheit kommen nach und nach ans Licht und werden sehr behutsam thematisiert. Auch ohne psychologische Fachkenntnisse kann man sich vorstellen, wie die Therapieansätze von Dr. Thea Flick, Janas cooler Therapeutin, und der positive Einfluss von Klaas und Anke, der Organisatoren und Sponsoren des Wohnprojekts auf Jana wirken und zu ihrer Entwicklung beitragen. Es gibt sehr viele nette Details in der Geschichte, die mir sehr gut gefallen haben, z.B. überlegt sich Dr. Flick eine Liste mit – zum Teil echt witzigen und einfallsreichen - Dingen, die Jana in ihrer Freizeit ausprobieren soll.
Romantisch ist die Geschichte natürlich auch und so leidet man als Leser bzw. vielleicht eher Leserin mit Jana mit, wenn sie an Collin denkt… in den unterschiedlichsten Phasen.
Sehr gut gefallen hat mir auch das Sylt-Flair in der Geschichte, das abseits der Touristenpfade nochmal ganz anders wirkt!


Fazit:
Für mich ein sehr gelungener romantischer Schmöker, der durchaus Tiefgang hat.