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Annafrieda

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.10.2019

Die Tragödie einer Familie

Böse Tränen
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Bei Bauarbeiten werden die Überreste einer Kinderleiche gefunden. Bei ihr findet man ein rosa Halstuch mit dem Namen Julie darauf. Das ruft die Psychiaterin Olivia Hofmann auf den Plan, deren Tochter Julie ...

Bei Bauarbeiten werden die Überreste einer Kinderleiche gefunden. Bei ihr findet man ein rosa Halstuch mit dem Namen Julie darauf. Das ruft die Psychiaterin Olivia Hofmann auf den Plan, deren Tochter Julie mit ihrem Mann vor 5 Jahren spurlos verschwand. Zusammen mit Ex-Kommisar Levi Kant begibt sie sich auf Spurensuche.

Das Autoren-Duo B. C. Schiller entwirft hier im 2. Teil des Ermittler-Duos das verstörende und düstere Bild einer Familie, die durch den partriarchalen Vater tyrannisiert wurde und auch nach dessen Tod nicht aus seinen Fängen entkommt. Das Verschwinden der kleinen Rosa wurde nie aufgeklärt. Die neuen Ermittlungen von Levi und Hofmann führen sogar in höhere gesellschaftliche Kreise. Mit Mut und Durchahltevermögen gelingt es den beiden, trotz einiger Widerstände, den Fall aufzuklären.

Der Thriller gewinnt schnell an Fahrt und hält den Spannungsbogen bis zum Schluss. Ein außergewöhnlicher Plot macht Freude. Das Bild der Familie, das hier gezeichnet wurde, erschreckt und hat mein Kopfkino entfacht. Die Charaktere sind unterschiedlich und passend. Ich hatte nicht das Gefühl, dass mir etwas aus dem 1. Teil fehlen würde. Das Buch endet mit einem Cliffhänger, bereit für den 3. Teil. Leider ist das am Ende eines Buches so eine Sache; Ich finde das recht unbefriedigend. Zumindest, wenn ein wichtiger Teil des Plots sich dadurch für mich nicht erklärt und ich warten muss, bis das weitere Buch erscheint. Vielleicht könnte man das auch anders lösen.
Ich finde den Schreibstil gradlinig und schnörkellos, sehr passend für einen Thriller, der das Tempo immer steigert.

Ich gebe Leseempfehlung für diesen spannenden Thriller.

Veröffentlicht am 21.03.2026

Das Ende der Welt wie wir sie kennen?

EDEN - Wenn das Sterben beginnt
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Das Gleichgewicht der Natur ist in Schieflage geraten. An vielen Ecken der Erde droht sie umzukippen. Da alles miteinander verbunden ist, löst das eine Kettenreaktion aus. Von vielen Menschen verharmlost, ...

Das Gleichgewicht der Natur ist in Schieflage geraten. An vielen Ecken der Erde droht sie umzukippen. Da alles miteinander verbunden ist, löst das eine Kettenreaktion aus. Von vielen Menschen verharmlost, nimmt das Unheil seinen Lauf. Manche sehen nur ihren Profit, andere haben Angst um ihre Position. Doch es gibt auch die, die kämpfen. Marc Elsberg ist bekannt als Autor solcher Szenarien und hier schöpft er aus dem Vollen.

Das Buch macht es uns am Ende nicht leicht. Wenn man auf eine Lösung dieser globalen Probleme gehofft hatte, wird man enttäuscht. Aber ich denke so ist nicht gewollt und wäre an den Haaren herbeigezogen gewesen. Somit ist der kleine Lichtblick am Ende hier schon ein Hoffnungsschimmer. Dafür wären Politiker mit Rückgrat notwendig. Doch wie wir hier gesehen haben, nützt Goodwill auch nichts, wenn alle anderen in eine andere Richtung schauen. Der Appell des Autoren könnte lauten: Alles ist Fiktion und doch so nah an der Realität. Jetzt ist der Zeitpunkt, um noch was abzuwenden, lasst uns den nicht verpassen.

Fazit: Die Story macht betroffen, da so nah an der Realität, an dem, was werden kann. Sie macht aufmerksam und wir tun gut daran, die Welt als Ganzes zu sehen und dementsprechend zu handeln.

Dennoch ist die Story für mich nicht ganz rund, es waren mir zu viele aneinandergereihte Katastrophen, viele Infos, die für mich zum Teil schwer verständlich waren. Ein bisschen weniger davon und mehr Auseinandersetzung mit der jeweiligen Sache hätte dem Ganzen gut getan. Die ziemlich kurzen Kapitel standen jedes für sich und mir fehlte der Zusammenhang. Auch war die Entwicklung der Protagonisten sehr voraussehbar und der fehlende Gefühlsanteil machte diese eindimensional. Somit bin ich etwas zwiegespalten, der Plot ist toll, die Umsetzung in meinen Augen over the top.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Das Gemälde aus der Vergangenheit

Sophie L.
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Die Gedächtnisexpertin Olivia wird zu ihrer Oma nach Paris gerufen, da diese im hohen Alter plötzlich einen vor 80 Jahren begangenen Mord gestanden hat. In zwei Zeitebenen nimmt uns der Autor mit auf die ...

Die Gedächtnisexpertin Olivia wird zu ihrer Oma nach Paris gerufen, da diese im hohen Alter plötzlich einen vor 80 Jahren begangenen Mord gestanden hat. In zwei Zeitebenen nimmt uns der Autor mit auf die Reise in die Vergangenheit und in die Auflösung des Falls.
Keiner der Protagonisten kam mir richtig nah, mir fehlte die Tiefe der Personen. Zu Olivia fand ich keinen richtigen Zugang, trotz ihrer Trauer erschien sie mir oberflächlich. Ihre Gedanken schweiften zu allem möglichen ab, nichts wurde richtig vertieft. Ihr Sohn war eine Randfigur und bekam auch durch Olivia keine Tiefe. Ich nehme ihr die innere Betroffenheit über die schlimmen Ereignisse nicht ab. Auch hatte ich erwartet, daß ihre Expertise als Gefächtnisexpertin mehr zum Thema gemacht werden würde, das hätte sich unbedingt angeboten, da es auch so im Vorfeld angekündigt wurde. Doch dem war nicht so, auch das blieb blass im Hintergrund. So blieb mein Mitfiebern bei Fortschreiten der Ermittlungen allmählich auf der Strecke. Dabei hätte diese tolle Grundidee viel mehr Potential gehabt.
Die Geschichte von Sophie und Josephine nach Kriegsende im Lutetia fand ich berührend und gut gelungen. Leider war der Täter für mich schon recht früh zu erkennen.
Allgemein finde ich, dass hier viele überflüssigen Informationen eingestreut sind, die den Spannungsbogen immer wieder unterbrechen. Für mich war es kein Thriller, eher ein Spannungskrimi. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, passte mit den vielen unnötigen Informationen aber nicht zu einem Thriller.

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Veröffentlicht am 19.11.2025

Vergangenheit und Gegenwart

Großmutters Geheimnis
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Im hohen Alter beginnt Ruth in einem jüdischen Seniorenheim in New York ihr bisheriges Leben auf Kassetten zu sprechen, in der Hoffnung, dass diese ihren ihr unbekannten Enkel mal erreichen werden. Sie ...

Im hohen Alter beginnt Ruth in einem jüdischen Seniorenheim in New York ihr bisheriges Leben auf Kassetten zu sprechen, in der Hoffnung, dass diese ihren ihr unbekannten Enkel mal erreichen werden. Sie erzählt von ihrer großen Familie, von deren Zusammenhalt und den jüdischen Gebräuchen. Und auch von ihrer großen Leidenschaft für die Musik. Diese bestimmte vor dem 2. Weltkrieg weitestgehend ihr Leben. Und dass es irgendwann die Zerrüttung im Familiengefüge gab - es besteht kein Kontakt mehr zu ihrer Tochter und dem Enkelsohn. Sie berichtet von dem Beginn der Judenverfolgung, auch sie wurde nach Theresienstadt gebracht und überlebte nur knapp diese Zeit bis zur Befreiung.

Dass Ruth mit ihrer Kassetten-Aufnahme das Trauma wieder nach oben befördert hat, zeigt, dass auch das Verdrängen über Jahrzehnte nicht geschafft hat, das Grauen der Vergangenheit zu beseitigen. Es muss aufgearbeitet werden. Doch es gab kaum Möglichkeiten für die Betroffenen. Umso wichtiger, dass wir uns erinnern. Das größte Drama ist für mich, dass Ruth und Lillian es ein Leben lang nicht geschafft haben, miteinander zu reden, Verständnis zu üben. Vielleicht hätte das ihrer beider Leben verändern können. Umso mehr bewundere ich heute die Menschen, die immer wieder an die Öffentlichkeit gegangen sind und als Sprachrohr dienten für die schweigenden Überlebenden.

In Dänemark erleben wir Lillian, ihren Sohn Alexander und Schwiegertochter Gry in ihrem Bemühen, irgendwie den Kontakt miteinander zu meistern. Lillian, ein vorher erfolgreicher Musicalstar terrorisiert ihre ganze Umgebung und ihre Familie mit ihren hohen Ansprüchen. Alexander hat ihr nichts entgegen zu setzen und fügt sich. Das scheint sein ganzes Leben so gewesen zu sein und ihm fehlt es an vielem: Seltsbewusstsein, Eigenverantwortung und Zielen. Gry scheint sein Halt zu sein und auch in dieser Beziehung zeichnet sich für mich seine Anpassung ab. Krampfhaft wird um eine Schwangerschaft gekämpft, ich kann im ganzen Geschehen kaum Gefühle erkennen. Keine guten Voraussetzungen für ein Leben mit einem Kind. Wie der Autor den "kalten" Akt der medizinischen Hilfe und den leblosen Umgang miteinander beschreibt finde ich sehr passend im Hinblick auf diese Familienkonstellation. Alexander macht keine Anstalten, notwendige Änderungen anzugehen, er scheint ziellos und gleichgültig zu sein. Doch das Hören von Ruths Kassetten löst etwas in ihm aus, er stellt sich der familiären Vergangenheit.

Dennoch lässt mich das Buch zwiegespalten zurück. Ich empfinde den letzten Teil "abgespalten" vom übrigen Inhalt. Es ist wünschenswert, dass sich Dinge auflösen, Traumata der Vergangenheit bewältigt werden, doch das geschieht mir hier eindeutig viel zu glatt und zu schnell. Die Vergangenheit hatte so massiven Einfluss auf alles Nachfolgende, das ist, wie hier geschildert, einfach realitätsfremd. Für mich las es sich wie eine Aufzählung, alles wird gut. Die lang erkämpfte Schwangerschaft, Alexanders 180 Grad Drehung in Bezug auf sein Leben, das wundersame Verständnis von Lillian - sorry, das ist für mich nicht nachvollziehbar. Vielleicht hätte es keiner kompletten Auflösung bedurft. Ich spreche aus eigener Erfahrung, die Traumata des Krieges sind auch in meiner Familie präsent und es ist ein langer Weg.
Passend und schön fand ich das Zusammentreffen von Ruth und Alexander - ein wunderbarer Anfang, die Schatten der Vergangenheit zu lüften.
Der letzte Teil hat mich tatsächlich enttäuscht. Es ist wirklich schade, weil Ruths Teil sehr berührend und erzählerisch gut geschrieben und die Idee dahinter toll ist. Hier hat die Zusammenführung von Vergangenheit und Gegenwart leider nicht gut funktioniert.

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Veröffentlicht am 25.03.2025

Kratzt an der Oberfläche

Mut beginnt im Herzen
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Die Autorin nimmt uns hier mit auf die Reise einer Frau, die selbstfürsorglich das Zepter der Heilung ihrer Angststörung selbst in die Hand nimmt. Es werden gehbare Wege aufgezeigt und ihr gelingt es ziemlich ...

Die Autorin nimmt uns hier mit auf die Reise einer Frau, die selbstfürsorglich das Zepter der Heilung ihrer Angststörung selbst in die Hand nimmt. Es werden gehbare Wege aufgezeigt und ihr gelingt es ziemlich schnell umzudenken und ihr Leben in den Griff zu bekommen.

Angststörungen - ein weitreichendes Thema, das m. E. in diesem Buch nur an der Oberfläche kratzt. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Betroffenen die Hoffnung schüren könnte, dass deren Behandlung gar nicht so schwer ist, man muss nur den Anfang machen (was im Prinzip ja auch stimmt). Dem ist nicht so. Der Kampf mit den inneren Dämonen ist m. M. nach hier nicht ansatzweise erkennbar. Die Hürden der Therapieplatzsuche, die Problematik der Medikamentengabe, das Unverständnis vieler Mitmenschen, die Hilflosigkeit der Angehörigen und das eigene Öffnen anderen gegenüber kommen hier viel zu kurz.
Da ich mich als Betroffener an jeden Strohhalm klammere, hat das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen können.

Der Eindruck entstand, weil das Genre des Buches nicht klar definiert ist. Darf ich es als helfenden Ratgeber interpretieren oder als fiktive Geschichte? Vielleicht ist genau das der Punkt. Das Thema ist einfach zu breit gefächert. Es hätte auf dem Klappentext deutlicher dargestellt werden können, wie sie gemeint ist.

Dennoch kann es Mut machen, erste Schritte in die richtige Richtung zu gehen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, die Autorin hat wichtige Punkte angesprochen und es liest sich leicht.
Doch da ist und bleibt die Diskrepanz, wie man das Buch einstufen kann.

Das Cover ist sehr gelungen und ansprechend. Die Farbgebung ist toll.

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