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Veröffentlicht am 19.10.2019

Nicht weiterfragen, aber dableiben

Blackbird
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Morten, genannt Motte, steckt mitten in der Pubertät und nicht nur sein Körper und seine Hormone spielen verrückt, sondern ausgerechnet auch jetzt das ganze Leben.

Da ich selbst Mitte der 1960er geboren ...

Morten, genannt Motte, steckt mitten in der Pubertät und nicht nur sein Körper und seine Hormone spielen verrückt, sondern ausgerechnet auch jetzt das ganze Leben.

Da ich selbst Mitte der 1960er geboren bin, mag ich Bücher, die in den 1970ern und 1980ern spielen und mich so in meine Kindheit und Jugend zurückbeamen. Brandts „Blackbird“ schafft das sehr gut. Ja, auf Anhieb bin ich wieder in der Schule und kann so gut verstehen, was er da erzählt. Er spricht dabei auch und gerade unangenehme Dinge an –besonders jener Zeit -, wie beispielsweise die Folgen für Schwangere, die die Schlaftabletten Contergan genommen hatten. Ohne pathetisch zu wirken, baut Brandt ein Thema nach dem anderen ein und alles passt nahtlos ineinander. Er packt alles rund um die Krebserkrankung von Mottes Freund Bogi und die Scheidung der Eltern. Die Erfahrungen des Teenagers und seine Gedanken und Gefühle ergeben ein wunderbares Abbild, das man ganz klar vor Augen hat.

Es ist erstaunlich, an wie viele Dinge Brandt mich mit seiner Story erinnert, die ich längst vergessen hatte. Selbst die extremsten Szenen seines Buches wecken Assoziationen bei mir. Einiges werden auch die Kids heute so oder ähnlich mitmachen, anderes ist quasi ein Relikt jener Zeit. Ja, das Bild der Lehrer, die ihre Macht ausnutzten (nicht alle – aber es gab sie!), ist nicht schön, aber so war das manchmal wirklich. Mit Schlüsselbunden werfen und auf Schüler einschlagen ist heute nicht mehr erlaubt, damals sagte kaum jemand etwas, wenn es vorkam. Insgesamt aber ist es die Geschichte des Erwachsenwerdens überhaupt. Ich bin froh, das alles hinter mir zu haben, denn erwachsen werden ist nicht einfach. Aber es ist auch schade, diese vielen „ersten Male“, die man in jener Zeit immer wieder erlebt, hinter sich zu haben.

Die Story ist wunderbar – weil sie nicht nur zum Lachen bringt, sondern auch nachdenklich macht und an der einen oder anderen Stelle betroffen und sehr, sehr traurig. So, wie es damals eben war – und auch heute noch ist. Das Leben ist eben so. Definitiv. Leider? Oder zum Glück? Dass es kein Wunschkonzert und schon gar kein Ponyhof ist, aber dennoch wunderschön, zeigt Brandt hier auf zauberhafte Weise.

Matthias Brandt ist mir bisher nicht bekannt gewesen – auch nicht als Schauspieler. Das liegt nicht an ihm, sondern an mir. Seine Art zu lesen erinnert mich an Bjarne Mädel. Die Sprachmelodie passt wunderbar zum Text und er transportiert Gedanken und Gefühle wunderbar. Klar, er weiß ja am besten, wie er es beim Schreiben meinte. Dennoch kann nicht jeder Autor auch gut einlesen. Brandt kann es! Ich bin jedenfalls begeistert und gebe fünf Sterne.

Veröffentlicht am 18.10.2019

Oh, wie lecker!

Das kleine Buch: Kekse für die Weihnachtszeit
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Bücher sind sowieso meine Leidenschaft, aber bei Rezeptsammlungen jeglicher Art kann ich kaum widerstehen. Besonders mag ich es, wenn sie nach Themen gehen. Hier ist es die Weihnachtsbäckerei. Noch dazu ...

Bücher sind sowieso meine Leidenschaft, aber bei Rezeptsammlungen jeglicher Art kann ich kaum widerstehen. Besonders mag ich es, wenn sie nach Themen gehen. Hier ist es die Weihnachtsbäckerei. Noch dazu ist das Format wunderbar handlich. Dennoch finden sich 22 tolle Rezepte für Weihnachtsgebäck darin. Alle sehr ansprechend dargestellt, mit einer übersichtlichen Zutatenliste und leicht verständlicher Arbeitsanweisung. Besonders gut finde ich die Tipps zur Lagerung der Kekse.

Das Vorwort stimmt auf die Weihnachtsbäckerei ein. Sehr gelungen finde ich „Eine süße Geschichte“, in der man erfährt, wie es geschichtlich um Kekse, Kleingebäck und Süßes gestellt ist. Im Glossar sind Fachbegriffe und Regeln zu den Rezepten erklärt. Es ist also rundum für alles gesorgt – und das in einem kleinen Büchlein, das man ganz schnell zu Hand hat und das nicht mit einer übergroßen Fülle an Rezepten nahezu erschlägt. Es ist klein und fein und regt zum Backen an. Ich finde es wunderbar und werde nicht nur diese Weihnachten viele der Rezepte nachbacken! Dafür gibt es fünf Sterne.

Veröffentlicht am 17.10.2019

Meiner Meinung nach hat sich King mit diesem Buch selbst übertroffen!

Das Institut
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Luke Ellis ist ein hochintelligenter Zwölfjähriger und freut sich, bald schon auf zwei Universitäten gleichzeitig studieren zu dürfen. Doch dann wacht er in einem Raum auf, der zwar seinem Zimmer stark ...

Luke Ellis ist ein hochintelligenter Zwölfjähriger und freut sich, bald schon auf zwei Universitäten gleichzeitig studieren zu dürfen. Doch dann wacht er in einem Raum auf, der zwar seinem Zimmer stark ähnelt, aber doch nur eine Kopie ist. Nicht nur das fehlende Fenster ist Beweis dafür. Schnell findet er heraus, dass es noch mehr solche Zimmer und entsprechend auch Kinder gibt. Was er erfährt und kurz darauf selbst miterlebt, ist unbeschreiblich. Und irgendwann reift in Luke ein Plan …

Nach den ersten Kapiteln war ich etwas verwirrt, denn sie passten gar nicht zu Klappentext und Buchbeschreibung – aber es war eindeutig als King-Buch zu identifizieren. Das liebe ich! Dann wechselte der Erzählstrang und alles machte schnell wieder Sinn. Ja, King bettet die Story gern mittig ein, also mit einer Art Vorspiel, das später relevant wird, egal wie unpassend es anfangs aussieht.

Beide Teile lassen sich – wie von King nicht anders gewohnt – geradezu inhalieren, so schnell liest man das weg. Er verzichtet auf Schwurbeleien, sagt direkt, was er sagen will – und trifft so immer wieder exakt den Nerv. Ja, Kinder sind bei fast allen Menschen „der wunde Punkt“. Sobald ihnen Ungerechtigkeiten widerfahren, sie nicht anständig behandelt werden oder gar wie hier entführt und für Experimente missbraucht, hört der Spaß auf und der Leser ist extrem gefesselt, will eingreifen, will sie retten. Was habe ich mit Luke und seinen neuen Freunden mitgelitten! Wie habe ich Maureen stumm angefleht, den Kindern zu helfen! Und dann lässt mich dieser unglaubliche Autor an den unfassbarsten Stellen auch noch lachen! Das hat mich dann selbst erschreckt, aber hey, das ist King!

Besonders genial sind die Ideen – für mich neu, noch nie so oder ähnlich gelesen, in sich erschreckend logisch und stimmig und zu allem Elend auch noch auf umwerfende Art real denkbar. Ja, da ist viel Übersinnliches oder Unerklärliches, ganz ohne Frage. Doch wenn man in der Geschichte zurückgeht, ist ein solches Institut tatsächlich denkbar. Immer, wenn ich dachte, jetzt ist alles gesagt, es kann nun „auslaufen“, dem Ende zugehen, setzte King noch eins drauf. An keiner Stelle hatte ich eine Verschnaufpause – durchgehend gibt King Gas und jagt den Leser von einem Adrenalinstoß zum nächsten.

King hat in diesem Buch wunderbare Figuren erschaffen. Von Tim, dessen eigenes Schicksal geradezu vorherbestimmt zu sein scheint, über Luke, der selbst versteht, dass er zwar hochintelligent, aber dennoch ein Kind ist, bis zu Annie, die in ihrer ganz eigenen Welt lebt. Sogar die Bösen sind gelungen. Jede einzelne Figur ist wie von selbst vor meinem geistigen Auge nahezu lebendig geworden und ich konnte sie immer bestens unterscheiden. Auch verlor ich nie den Überblick, obwohl ich dazu sehr neige, wenn es mehr als eine Hand voll Figuren in einem Buch gibt. Kings Beschreibungen, deutlich und klar, aber nicht zu überladen, sind für meinen Geschmack einfach optimal und so prägnant, dass keine Personenliste nötig ist. Wunderbar!

Für mich ist dies sein bisher bestes Buch. Ich lese King sehr gerne, fand aber nicht alle Bücher umwerfend gut. Nein, er hat auch Bücher, die mich enttäuschten. Aber „Das Institut“ überzeugt mich wieder davon, dass er ein Meister seines Faches ist. Wie er diesen Geniestreich toppen möchte, ist mir unklar, aber ich traue es ihm wie immer zu. Von mir gibt es die vollen fünf Sterne!

Veröffentlicht am 13.10.2019

Der dritte Band steht den ersten beiden in nichts nach

Die Ärztin: Die Wege der Liebe
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Selten kann eine Reihe oder auch eine Trilogie so fesseln und von Anfang bis Ende Neues bringen. Dem Autorenduo „Helene Sommerfeld“ ist es gelungen, „Die Ärztin“ so anzulegen, dass keine Sekunde Langeweile ...

Selten kann eine Reihe oder auch eine Trilogie so fesseln und von Anfang bis Ende Neues bringen. Dem Autorenduo „Helene Sommerfeld“ ist es gelungen, „Die Ärztin“ so anzulegen, dass keine Sekunde Langeweile entsteht und man selbst dann gefesselt ist, wenn man sonst nie historische Romane liest. Die Veränderungen dieser Zeit werden so bildhaft geschildert, dass man sich fühlt, als lebe man mit Ricarda, Jette, Käthe, Siegfried, Hennie und den anderen ebenfalls im Jahre 1915. Auch die goldenen Zwanziger bekommen ihren Raum und man wird quasi hineingezogen.

Die Geschichte der Medizin, der Frauen, der Veränderungen, Liebe und Familie – all das wird hier so wunderbar erzählt, dass man gar nicht anders kann, als regelrecht süchtig zu werden. Man erlebt mit, wie die Menschen der damaligen Zeit mit den Schicksalsschlägen umgehen und für eine bessere Zukunft kämpfen. Geburten und Todesfälle gehören auch dazu und gehen beide ins Herz, denn man kommt einfach nicht umhin, mit den Figuren zu fühlen. Selbst die unsympathischen Charaktere schaffen es, den Leser zu faszinieren.

In diesem Teil gibt es wieder starke Frauen, die mit den Entbehrungen der damaligen Zeit und des Krieges klarkommen müssen. Aber es gibt auch Aufdeckungen von Geheimnissen, die das Leben so einiger Personen durcheinanderwirbeln und wieder neue Verwicklungen auslösen. Doch alles passt so perfekt ineinander, nichts wirkt zurechtgebogen.

Der Wandel der Zeit wird glaubhaft und verständlich geschildert. An Ricardas Leben kann man quasi sehen, wie sich alles verändert hat. Dennoch zeigt die Story auch, dass sich gewisse Dinge im Leben immer gerne wiederholen und auf ihre Weise schrecklich oder schön, zerstörend oder weiterführend, sinnlos oder sinnvoll sind. Und immer wieder gibt es Krieg – der niemals Sinn macht.

Großartig, wie das Autorenpaar diesen großen Bogen schlagen konnte, ohne sich zwischendurch zu verlaufen. Ich bin mehr als begeistert! Ein Kreis schließt sich auf unbeschreiblich perfekte, aber logische und in sich stimmige Art und Weise. Auch wenn ich traurig bin, dass dies wohl der letzte Teil der Reihe sein wird, denn ich könnte noch ewig weiterlauschen und möchte die Familie(n) sehr gerne noch weiter begleiten. Eine Exkursion bis ins Heute wäre meiner Meinung nach doch wunderbar!

Beate Rysopp trägt einen sehr großen Teil dazu bei, dass ich so begeistert bin. Ihre Stimme ist wie geschaffen für historische Romane und starke Frauen. Gekonnt lässt sie mit ihr die Figuren lebendig werden, vermittelt Freude und Liebe ebenso lebendig, wie Trauer und Leid, aber auch Hass und Ekel. Die ganze Bandbreite möglicher Gefühle kann man bei ihr sehr gut hören. Wunderbar und einzigartig!

Keine Frage – auch der dritte Teil ist perfekt gelungen und mir fünf Sterne wert.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Glücklicher Hund, dessen Halter dieses Buch gelesen hat!

Guter Hund, böser Hund
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Jeder Hund ist anders und manchmal hat man selbst als erfahrener Hundehalter doch ein Problemchen, das man nicht selbst lösen kann. Gut, wenn man dann einen Ratgeber wie diesen zur Hand hat!

Mit viel ...

Jeder Hund ist anders und manchmal hat man selbst als erfahrener Hundehalter doch ein Problemchen, das man nicht selbst lösen kann. Gut, wenn man dann einen Ratgeber wie diesen zur Hand hat!

Mit viel Hunde-Verstand und einer guten Portion Humor erklärt Jochen Stadler hier, wie man aus einem vermeintlich bösen Hund einen guten Hund macht. Fast immer genügt es im Grunde, sich in die Situation des Hundes zu denken. Doch nicht immer schafft man das ohne Hilfe. Das ist auch gar nicht schlimm, solange man bereit ist, sich diese Hilfe geben zu lassen.

Dieser Ratgeber liest sich kein bisschen trocken. Jochen Stadler erzählt immer wieder aus seinen eigenen Erfahrungen und das in einem Stil, dass es sich wie eine gute Story liest. Jede Leine hat zwei Enden und nicht immer ist das Problem das Ende mit dem Halsband. Dennoch macht der Autor den Menschen keine Vorwürfe, sondern steht ihnen einfach nur mit Tipps und Tricks zur Seite. Damit ist er der beste Freund des Hundes, würde ich mal sagen.

Auch für alle, die bisher keinen Hund hatten, sich aber mit dem Gedanken tragen, sich einen anzuschaffen, ist dieser Ratgeber eine gute Empfehlung. So werden schon im Vorfeld Fehler vermieden und Mensch und Tier können miteinander und anderen prima auskommen.

Mir gefällt sehr gut, dass Jochen Stadler deutlich macht, dass es Gefahren gibt, die vom Hund ausgehen, aber auch Gefahren, die vom Mensch ausgehen. So wundert es auch nicht, dass er Trainingsvorschläge auflistet – sowohl für Hunde, aber auch für Menschen. Auch wenn der Hund einen Rudelführer braucht, will er ihn verstehen und nicht einfach nur herumkommandiert werden. Hier geht es um ein Miteinander – und das ist absolut lobenswert.

Wer dieses Buch gelesen hat, wird mir zustimmen – man kann nur die vollen fünf Sterne geben!