nicht ganz meins
Das Cover von „Worüber wir schweigen“ hat mich sofort angesprochen. Es ist atmosphärisch gestaltet, wirkt geheimnisvoll und macht neugierig auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Allein optisch ...
Das Cover von „Worüber wir schweigen“ hat mich sofort angesprochen. Es ist atmosphärisch gestaltet, wirkt geheimnisvoll und macht neugierig auf die Geschichte, die sich dahinter verbirgt. Allein optisch verspricht das Buch Spannung.
Der Schreibstil von Michaela Kastel ist insgesamt gelungen. Besonders positiv hervorzuheben sind die wechselnden Perspektiven sowie die Zeitsprünge, die der Geschichte Dynamik verleihen. Diese Erzählweise sorgt dafür, dass man aufmerksam bleibt und die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Dadurch wirkt der Roman lebendig und anspruchsvoll, was gut zum psychologischen Thema passt.
Inhaltlich ist die Grundidee der Handlung durchaus interessant und vielversprechend. Das Buch wird als Thriller betitelt, trifft dieses Genre meiner Meinung nach jedoch nur bedingt. Es handelt sich eher um einen Psychothriller, der stark auf innere Konflikte, verdrängte Erinnerungen und seelische Abgründe setzt. Leider leidet die Umsetzung etwas darunter: Die Handlung zieht sich stellenweise sehr in die Länge, ist oft zähflüssig und bietet nur wenig Action oder echte Spannungsspitzen. Wer einen klassischen, temporeichen Thriller erwartet, könnte hier enttäuscht werden.
Ein weiterer Kritikpunkt sind für mich die Charaktere. Fast alle Figuren wirken psychisch stark belastet oder gestört, was zwar zur Thematik passt, es aber schwierig macht, eine echte Bindung zu ihnen aufzubauen. Mir fehlte eine Figur, mit der ich wirklich mitfühlen oder sympathisieren konnte. Dadurch blieb die emotionale Nähe zur Geschichte eher gering, was sich negativ auf mein Leseerlebnis ausgewirkt hat.
Ein solides Buch für Leser, die psychologische Themen mögen und kein Problem mit ruhigem Erzähltempo haben – für Thriller-Fans aber eher nur bedingt empfehlenswert. Ich vergebe dafür 3 von 5 Sterne.