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Gisel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.10.2019

Eine exzentrische Frau

Die Dame hinter dem Vorhang
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1927 begibt sich die junge Jane Banister nach London in den Dienst von Edith Sitwell. Diese ist bekannt dafür, Soireen zu geben und große Auftritte zu lieben. Jane wird nicht nur zur Bediensteten für die ...

1927 begibt sich die junge Jane Banister nach London in den Dienst von Edith Sitwell. Diese ist bekannt dafür, Soireen zu geben und große Auftritte zu lieben. Jane wird nicht nur zur Bediensteten für die exzentrische Dame, sondern zu einer Vertrauten in allen Lebenslagen. An Ediths Seite verbringt sie die Zeit bis zu deren Tod. Jane erzählt aus dieser gemeinsamen Zeit, sie lässt den Leser teilhaben sowohl an den Sonnen- wie auch an den Schattenseiten von Dame Edith.

Es ist ein unangepasstes Leben, das Edith Sitwell lebt. Die Autorin Veronika Peters hat sich dabei an der historischen Figur der Dichterin und Schriftstellerin Edith Sitwell orientiert, allerdings auch mit einigen schriftstellerischen Freiheiten. Die Geschichte erzählt einfühlsam den Werdegang dieser exzentrischen Frau, eingebunden in die historischen Gegebenheiten ihrer Zeit. So entsteht eine faszinierende Geschichte über eine beeindruckende Frau, die ihren Weg auch in schwierigen Zeiten fand.

Auch wer bisher noch nichts von Edith Sitwell wusste, wird sie in diesem biografisch angehauchten Roman gut kennenlernen. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Ein dämonischer Killer

Jagd auf die Bestie (Ein Hunter-und-Garcia-Thriller 10)
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Robert Hunter, Profiler des LAPD, ist ein erfahrener und erfolgreicher Jäger der grausamsten Killer. Einer der schlimmsten Killer ist Lucien Folter, dem die Flucht aus der Sicherheitsverwahrung gelungen ...

Robert Hunter, Profiler des LAPD, ist ein erfahrener und erfolgreicher Jäger der grausamsten Killer. Einer der schlimmsten Killer ist Lucien Folter, dem die Flucht aus der Sicherheitsverwahrung gelungen ist. Lucien hat es auf Hunter abgesehen, er fordert ihn zu einem grausamen Spiel auf. Wenn der Täter wieder gefasst werden soll, kann Hunter gar nicht anders als bei diesem Spiel mitzumachen. Und trotz der Zusammenarbeit mehrerer Abteilungen gelingt es Lucien Folter, eine Spur des Grauens zu hinterlassen…

Der bereits 10. Thriller mit Profiler Robert Hunter und seinem Partner Garcia spart nicht mit grausamen Szenen, schon der Einstieg treibt den Adrenalinpegel des Lesers in die Höhe. Der Killer, einstmals befreundet mit Robert Hunter, zeigt sich als menschliches Chamäleon und scheint seinen Verfolgern immer zwei Schritte voraus zu sein. Manche der Szenen waren mir denn auch zu ausführlich beschrieben, so genau wollte ich nicht wissen, was z.B. eine Explosion ausrichten kann. Mir ist aber klar, dass andere Leser sich genau über diese Szenen sehr freuen werden. Aber auch die psychologische Seite der Taten wird gut beleuchtet. Das grausame Spiel des Täters hält sogar einen gewissen Reiz inne, immer mit der Frage, ob Hunter es schafft, die Rätsel zu knacken, die der Täter extra auf ihn zuschneidet. Ich muss gestehen, ich habe dieses Buch in Rekordgeschwindigkeit verschlungen, es ist äußerst fesselnd geschrieben und schafft es schnell, den Leser in seinen Bann zu ziehen.

Sinnvoll ist es, wie der Autor selbst betont, vor diesem Band den sechsten Band der Reihe zu lesen, „Die stille Bestie“, denn das vorliegende Buch baut direkt auf dessen Handlungen auf. Dem kann ich mich nur anschließen, denn ansonsten fehlen einige wichtige Details der Geschichte. Insgesamt aber kann ich dieses Buch, wie auch die Vorgänger, sehr gut weiter empfehlen und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.10.2019

Der schwierige Weg der Genesung

Wir von der anderen Seite
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Rahel Wald erwacht aus dem Koma und muss erstmal verstehen, was überhaupt geschehen ist. Die Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist gar nicht so einfach, denn vieles, was sie bisher ganz selbstverständlich ...

Rahel Wald erwacht aus dem Koma und muss erstmal verstehen, was überhaupt geschehen ist. Die Reise von der anderen Seite zurück ins Leben ist gar nicht so einfach, denn vieles, was sie bisher ganz selbstverständlich getan hat, muss sie sich hart wieder erkämpfen. Begleitet von Alpträumen und Halluzinationen winkender Eichhörnchen gibt sie jedoch nicht auf. Nicht nur, dass sie selbst wieder ihren Körper beherrschen möchte, nein, sie will auch verstehen, was geschehen ist und warum. Das aber ist erst der Anfang zu ihrem Weg zu sich selbst, denn nun will sie nicht nur ihren Körper, sondern auch ihr Leben wieder selbst bestimmen.

Von Beruf ist Rahel Komödiantin, und so ist auch der Ton der Erzählung immer etwas heiter, selbst in schwierigen Situationen. Ansonsten aber erzählt die Autorin ungeschminkt darüber, wie es ist, wenn der Mensch plötzlich auf die Hilfe anderer angewiesen ist, selbst in den heikelsten Situationen. Das wirkt sehr authentisch, auch wenn ich manches gar nicht so genau wissen wollte. So ernst das Thema des Buches ist, macht es Mut, auch in schwierigen Lebenslagen nicht aufzugeben. Man leidet und freut sich mit Rahel über jeden weiteren Schritt in die Selbständigkeit.

Sehr gerne empfehle ich dieses Buch weiter und vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 20.10.2019

Geschichte greifbar gemacht

Kastanienjahre
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Elise führt seit Jahren eine Boutique in Paris. Doch da erhält sie einen Brief, der sie in ihre Heimat zurück führt: Peleroich, das Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, soll der Abrissbirne zum Opfer ...

Elise führt seit Jahren eine Boutique in Paris. Doch da erhält sie einen Brief, der sie in ihre Heimat zurück führt: Peleroich, das Dorf an der mecklenburgischen Ostseeküste, soll der Abrissbirne zum Opfer fallen. Es ist inzwischen völlig verwahrlost, und die Suche nach einem Investor wird vermutlich keinen Erfolg haben. Elise fährt zusammen mit ihrer Freundin Marina nach Peleroich, wo sie beide aufgewachsen sind. Sie taucht tief ein in die Geschichte des Dorfes, in die Geschichte ihrer Familie, in die Geschichte ihrer Liebe zu Henning und zu Jakob, mit denen sie aufgewachsen ist.

Die Autorin Anja Baumheier erzählt aus der neueren deutschen Geschichte, aus der Zeit zwischen der Gründung der DDR und der Nach-Wendezeit. Mit dem Schicksal der Dorfbewohner schafft sie einen Bogen, der über die gesamte Zeit die Geschichte des Dorfes und seiner Bewohner erzählt, mit ihren Höhen und Tiefen. Sehr authentisch wirkt das Geschehen, man kann die Sorgen und Nöte und die Freuden der Protagonisten gut nachempfinden. Sehr schnell hat mich die Geschichte fesseln können. Auf weitere Bücher der Autorin bin ich sehr gespannt.

Dieses Buch lässt deutsche Geschichte greifbar werden und ist sehr spannend geschrieben. Sehr gerne empfehle ich die „Kastanienjahre“ weiter und vergebe vier von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Aus dem Leben eines vietnamesischen Migrantenjungen

Auf Erden sind wir kurz grandios
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Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird, da sie bedingt durch die Geschehnisse in ihrem Leben Analphabetin blieb. Der Sohn erzählt von ihrem Leben, von der Schizophrenie ...

Der Brief eines Sohnes an die vietnamesische Mutter, die ihn nie lesen wird, da sie bedingt durch die Geschehnisse in ihrem Leben Analphabetin blieb. Der Sohn erzählt von ihrem Leben, von der Schizophrenie seiner Großmutter, von den Prügeln, die er als Kind einstecken musste, von seiner ersten Liebe zu einem amerikanischen Jungen. Es ist eine Reise durch die Zeit und mit den Augen des Sohnes, der aus dem Leben der Migrantenfamilie erzählt.

Dies ist der erste Roman des Dichters Ocean Vuong, der in Vietnam geboren ist und im Alter von 2 Jahren nach Amerika kam. Viele wichtige Themen schneidet er in diesem Buch an: Gewalt in der Familie, der Vietnamkrieg mit all den Traumata bei den Betroffen, das Fehlen des Vaters, die Suche nach dem eigenen Selbst… Vieles gerät dabei in diesem Buch durcheinander, immer wieder machte ich mich auf die Suche nach dem roten Faden… und fand gleich mehrere. Das war zwar interessant zum Lesen, zum Schluss aber bin ich etwas verwirrt aus dem Buch wieder aufgetaucht. Die Welt, die der Autor schildert, ist mir letztendlich doch noch sehr fremd geblieben, ich hätte mir etwas mehr „Hilfe“ gewünscht, um mich darin zurechtzufinden. Der Sprachstil des Autors zeigt jedoch den Dichter, der gekonnt mit Sprache umgehen kann.

Obwohl das Buch nicht leicht zu lesen ist, schafft es dennoch zu beeindrucken. Ich empfehle es vorsichtig weiter, denn wer sich auf diese Erzählung einlassen kann, wird reich belohnt werden.