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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.01.2020

Kleine aber feine Geschichten, die emotional bewegen

Unerschrocken
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Meine Meinung

Die französische Illustratorin Pénélope Bagieu präsentiert in ihren zwei Comic-Alben unter dem Motto »Unerschrocken« insgesamt 30 Geschichten über die unterschiedlichsten Frauen, die ihre ...

Meine Meinung

Die französische Illustratorin Pénélope Bagieu präsentiert in ihren zwei Comic-Alben unter dem Motto »Unerschrocken« insgesamt 30 Geschichten über die unterschiedlichsten Frauen, die ihre Tatkraft und ihren Mut zu verschiedenen Zeiten und in diversen Kulturen unter Beweis stellten und damit etwas bewegten. Als besonders erfreulich empfand ich, dass unter den Persönlichkeiten nicht nur bekannte Namen wie z. B. Peggy Guggenheim oder Nellie Bly auftauchen, sondern vor allen Dingen Frauen poträtiert werden, über die ich bisher noch nichts gehört oder gelesen hatte.

In einem cartoonesken Stil lenken Pénélope Bagieus Zeichnungen den Blick zuerst auf die humorvolle Seite der einzelnen Geschichten. Auf den zweiten Blick stellt man jedoch schnell fest, dass sich jede der vorgestellten Persönlichkeiten speziellen Herausforderungen gegenübersieht und diese vollkommen unerschrocken angeht. Das machte das Leseerlebnis für mich unglaublich empowernd. Es machte unglaublich Spaß in die kurzen Geschichten einzutauchen und sich von diesen starken Frauen inspirieren zu lassen.

Besonders ansprechend sind die großen, über zwei Seiten reichenden Illustrationen, die mit satten Farben und entdeckungswürdigen Szenarien aufwarten.

Pénélope Bagieu setzt in ihren zwei Comic-Alben mit facettenreichen Geschichten genau die richtigen Akzente. Von humorvollen Lebensgeschichten wie die der Clémentine Delait, der Dame mit Bart, die aus der Not eine Tugend machte, ihre Gesichtsbehaarung akzeptierte und daraus ein Geschäftsmodell machte und sich als Marke etablierte über Kriegerinnen und Bandietenköniginnen, die sich mit viel Mut durch ihr hartes Leben kämpften, wird den Leser*innen eine breite Geschichtenpalette geboten, die keine Wünsche offen lässt und vor allen Dingen auch jungen Mädchen und Frauen Mut macht, ihren eigenen Weg zu einem selbstbestimmten Leben zu gehen.

Am faszinierendsten waren für mich die Lebensgeschichten über Frauen die ihr Leben der Wissenschaft verschrieben haben, wie z. B. die Vulkanologin Katia Krafft oder Frances Glessner Lee, die sich noch mit 55 Jahren dazu entschließt etwas zu bewegen und dabei mit ihren Tatort-Miniaturmodellen die Polizeiarbeit revolutioniert und als erste Frau zur Polizeichefin von New Hampshire ernannt wird.

Die Bandbreite der Geschichten ist wirklich enorm, es wird von geschichtsträchtigen Frauen wie der mächtigen Kaiserin Wu Zetian, die ihrer Bestimmung eine Konkubine des Kaisers zu werden zwar folgt, ihr Schicksal aber dann in die eigene Hände nimmt und schließlich selbst zur Kaiserin ernannt wird und mit großem Erfolg über ihre Untertanen herrscht. Aber auch von Frauen, die im kleinen ihre wundervollen Taten vollbringen wie Giorgina Reid, die sich mit all ihrem Wissen für die Rettung eines Leuchturmes stark macht. Von diesen feinen Comic-Geschichten könnte ich noch viel mehr vertragen, daher hoffe ich sehr, dass es nicht nur bei diesen zwei Bänden bleiben wird!

Die einfache Panelanordnung und die recht ausführlichen Text dazu zeichnen diese beiden Comic-Bände als geeignete Lektüre für Comic-Einsteiger aus. Kinderleicht lässt sich ohne jegliche Vorkenntnisse den einzelnen Geschichte folgen.

Fazit

Kleine aber feine Geschichten, die emotional bewegen und in der modernen Komposition als Comicstrips eine anregende Inspiriationsquelle liefern.

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Veröffentlicht am 08.01.2020

Dieser poetische Roman umgarnt einen von der ersten bis zur letzten Seite.

Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit
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Beschreibung

Als der Künstler Edgar Ende vor dem Regen flieht und Zuflucht in einem Kiosk sucht, ahnt er noch nicht, dass die Begegnung mit der Kioskbetreiberin Luise Bartholomä sein Leben verändern wird. ...

Beschreibung

Als der Künstler Edgar Ende vor dem Regen flieht und Zuflucht in einem Kiosk sucht, ahnt er noch nicht, dass die Begegnung mit der Kioskbetreiberin Luise Bartholomä sein Leben verändern wird. Sie verlieben sich und so heiraten Edgar und Luise und bekommen einen Sohn, Michael, den sie mit viel Liebe aufziehen und auch bei schlechten schulischen Leistungen ermuntern. Sein Lebensweg führt Michael von Garmisch nach München und Stuttgart, wo er sich mit dem Schreiben von Theaterstücken verdingt. Sein Durchbruch als Schriftsteller, so wie die Höhen und Tiefen in seinem Leben werden begleitet von der starken Liebe zu einer älteren Schauspielerin, seinem Leben in Italien und natürlich seinen Freunden und der Erinnerung an seine Kindheit.

Meine Meinung

In einer Anmerkung der Autorin Charlotte Roth erhält man vorab die Information, dass es sich bei ihrem neuen Buch »Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit« um einen Roman und keine Biographie im herkömmlichen Sinne handelt, denn in ihrer Erzählung wurden Ereignisse zusammengezogen, ausgeschmückt, verkürzt und zum Teil auch die historische Chronologie verändert. Nicht zuletzt trägt dieses Buch den Untertitel »Michael Ende – Roman eines Lebens«. So nährt sich die Schriftstellerin auf ganz besonders einfühlsame Weise dem Menschen Michael Ende, der so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene durch seine phantasievollen Geschichten, von Jim Knopf über Momo und Bastian Balthasar Bux mit seiner bunten und vor Kreativität überbordenden Welt begeisterte.

Diese ganz besondere Roman-Biographie kommt gerade recht zu einem runden Jubiläum, denn am 12. November 2019 wäre Michael Ende 90 Jahre alt geworden. Die Geschichte von Charlotte Roth wurde von Michael Endes langjährigem Freund und Lektor Roman Hocke inhaltlich kuratiert.

Die Kindheit von Michael Ende, in der sich der Ursprung seiner Kreativität erkennen lässt, umsorgt von einem offenen und lebensfrohen Vater und einer vor Liebe überlaufenden Mutter, wird in lebendigen Farben gezeichnet, in der man sich als Leserin besonders geborgen fühlt. Doch die Familienidylle in dieser kleinen Oase der Zuneigung währt nicht auf ewig und Michael muss mit ersten einschneidenden Erlebnissen der Kriegsauswirkungen und den Verlust seines ersten richtigen Freundes, des Dackels Mucki, überwinden. Auch im weiteren Verlauf wird deutlich, welch herausragenden Posten Freundschaft, Familie und Liebe in Michael Endes Leben einnahmen. Als „brotloser“ Künstler auf der Suche nach Erfüllung möchte sich Michael Ende keine Sorgen um finanziellen Probleme machen, sondern all seine Kraft und Muse in sein Schaffen stecken.

Der große Durchbruch gelingt Michael Ende schließlich mit der Veröffentlichung seines ersten Buches »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«. Mit seiner ersten Ehefrau, der Schauspielerin Ingeborg Hoffmann, zieht er nach Italien wo sein Leben und Wirken von guten Unterhaltungen und noch besserem Essen getragen wird. Charlotte Roth verknüpft alle Fäden von der magisch anmutenden Kindheit über Verlust, Trauer und der Angst vor Männern in Anzügen und stellt den Künstler und Schreiber Michael Ende mit verzaubernden Worten dar.

Charlotte Roth ist mit »Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit« ein poetischer, fast schon träumerischer Roman von der Feder gesprungen, der mir den Menschen hinter den kreativen Kinder- und Jugendbüchern näher gebracht hat. Roth präsentiert den Leser
innen eine betont gefühlvolle Lebensgeschichte mit all ihren Höhen und Tiefen und deckt dabei eine breit gefächerte Gefühlspalette ab. Besonders viel Eindruck kann die Autorin mit der fast schon greifbaren Atmosphäre schinden, denn man fühlt sich regelrecht an die Seite von Michael Ende versetzt, egal ob sich dieser in Deutschland zwischen Künstlern und Familie aufhält oder in Italien, wo man die Landluft um die Ohren wehen fühlt und den aromatischen Wein auf der Zunge schmecken kann.

Fazit

Dieser poetische Roman umgarnt einen von der ersten bis zur letzten Seite.

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Veröffentlicht am 08.01.2020

Ganz großes Hörkino!

Der Untergang der Könige
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In der gekürzten Hörbuchfassung von Jenn Lyons Roman »Der Untergang der Könige« erwacht die imposante Welt voller Drachen und Dämonen zu einem lebendigen cineastischen Erlebnis.

Genau wie in der Buchvorlage ...

In der gekürzten Hörbuchfassung von Jenn Lyons Roman »Der Untergang der Könige« erwacht die imposante Welt voller Drachen und Dämonen zu einem lebendigen cineastischen Erlebnis.

Genau wie in der Buchvorlage wechseln sich Kihrin und Klaue bei der Erzählung ab. Im Hörbuch wird diese Situation wunderbar von Richard Barenberg in der Rolle des Kihrin und Ann Vielhaben, die in die Haut von Klaue geschlüpft ist, gelöst. Durch diese akustische Trennung wird es für den Zuhörer um einiges leichter die einzelnen Geschehnisse zuzuordnen. Besonders Ann Vielhaben kann mit ihrer Intonation und der Interpretation der durchtriebenen Gestaltenwandlerin Klaue brillieren.

Als auktorialer Erzähler fungiert Reinhard Kuhnert in der Rolle des Chronisten Thurvishar D’Lorus, der jedoch durch die Aussparung, der im Buch vorhandenen Fußnoten, nicht ganz so einen großen Rahmen einnimmt.

Dieses Hörbuch ist mir unter die Haut gekrochen und hat mich tief in eine brutale wie auch faszinierend magische Welt eintauchen lassen. Ganz großes Hörkino!

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Veröffentlicht am 08.01.2020

Diese epische Fantsygeschichte ist genau das richtige für lange und kalte Winterabende.

Der Untergang der Könige
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Beschreibung

In einem Elendsviertel von Quur ist der junge Kihrin zu einem meisterhaften Dieb herangewachsen, der sich schon immer für die abenteuerlichen Geschichten seines Vaters, einem Liedermacher, ...

Beschreibung

In einem Elendsviertel von Quur ist der junge Kihrin zu einem meisterhaften Dieb herangewachsen, der sich schon immer für die abenteuerlichen Geschichten seines Vaters, einem Liedermacher, begeistern konnte. Doch da ahnte Kihrin noch nicht, welche schicksalshaften Wendungen sein Leben nehmen würde. Wie er zum verloren geglaubten Sohn einer Familie des Hochadels erklärt wurde und welche Abenteuer er gegen Drachen, Dämonen und Magier zu bestehen hatte, erzählt er dem wandlerischen Ungeheuer vor seiner Gefängniszelle.

Meine Meinung

Jenn Lyons startet mit ihrem Roman »Der Untergang der Könige« ihre High Fantasy Reihe »Drachengesänge«. Passend dazu prangt auf dem Cover ein in silber glänzender Drachenkopf der durch Farbgebung, Schattierungen und leicht erhaben fast schon dreidimensional wirkt.

Im Mittelpunkt ihres modernen High-Fantasy-Epos steht der junge Kihrin, dessen Schicksal in den folgenden 860 Seiten gleich aus zwei Mündern erzählt wird. Kihrin selbst befindet sich in Gefangenschaft und wechselt sich beim Erzählen seiner Geschichte mit seinem Kerkermeister Klaue, einem gedankenlesenden und Menschen verspeisendes Gestaltenwandler-Ungeheuer, ab. Dieses besondere Stilmittel bringt viel Würze und Spannung in die Geschichte, sorgt jedoch auch dafür, dass man sich erst einmal in das Buch einlesen muss. Als kleines Hilfsmittel gibt es eine Karte sowie ein Glossar und einen Stammbaum. (Um mich nicht selbst zu spoilern habe ich allerdings zu Beginn nur die Karte genutzt und mir den Stammbaum erst zu einem fortgeschritteneren Zeitpunkt angesehen.)

Bei einem Fantasyroman in diesem Umfang und mit einer solch komplexen Welt aus Adelshäusern, Gilden, Göttern, verschiedenen Wesen wie Dämonen, Magieren und Drachen lohnt es sich auf jeden Fall, sich die entsprechende Zeit zu nehmen. Jenn Lyons belohnt ihre Leser*innen nämlich mit einer absolut mitreißenden und facettenreichen Geschichte, angereichert mit mächtigen Steinen und dem Schwert Urthaenriel, dass auch als der Untergang der Könige bekannt ist.

In Jenn Lyons Fantasy-Welt wird die Tatasache, dass der Tod etwas bindendes umd unumstößliches ist ins Gegenteil verkehrt, denn durch die Macht der Totengöttin Thaena ist es manchen Verstorbenen möglich wieder in das Reich der Lebenden zu treten. Mit diesem Kniff erzeugt die Autorin ein spannendes Spielfeld für ihre Gesellschaft, die sich ähnlich wie in »Der Herr der Ringe« und »Das Lied von Eis und Feuer« an einer mittelalterlichen Gesellschaftsstruktur ausrichtet. Durch Kihrins Lebensweg vom armen Dieb aus dem Eldendsviertel über den Erben des mächtigen Adelsgeschlechts der D’Mon bis hin zum gegaeschten Sklaven, lernt man die Unterschiede der Schichten hautnah kennen.

Die Machtposition in der High-Fantasy haben durch die mittelalterlichen Einflüsse meist Männer inne, dem setzt Jenn Lyons in ihrem Roman mit starken weiblichen Charakteren wie z. B. mit den Göttinen Taja, Thaena und Tya oder der Seehexe Tyentso einen Gegenpol. Sogar den männlichen Hauptprotagonisten Kihrin lässt sie die Tatasache in Frage stellen, dass die hohen Adelshäuser keine Frauen z. B. in Magie ausbilden.

Zu der Authentizität der Geschichte trägt das fein gezeichnete Verhältnis zwischen Gut und Böse bei, welches nicht in fadenscheinigem schwarz und weiß skizziert wird, sondern mit Nuancen in den verschiedensten Tönen auftrumpft.

»Der Untergang der Könige« wird zu einem großen Teil durch Machtkämpfe, politische Intrigen der Adelshäuser und actionreiche Kampfszenen mit Dämonen dominiert und dennoch schaffte es Jenn Lyons in den Dialogen zwischen den Protagonisten eine humorvolle Ader einzuflechten. Sei es in einem neckischen Ton zwischen Kihrin und Klaue oder in der Beziehung zwischen Kihrin und seinem vermeindlichen Bruder Galen D’Mon.

Die zusätzlichen Fußnoten, in denen der Chronist direkt den Leser anspricht und mit seinen Weisheiten und Meinungen auftrumpft, empfand ich zu Beginn eher als nervend. Je weiter die Geschichte voranschritt, desto mehr Freude hatte ich schließlich an seinen Bemerkungen und schlussendlich verleiht es dem Buch eine ganz eigene Note.

Fazit

Diese epische Fantsygeschichte ist genau das richtige für lange und kalte Winterabende.

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Veröffentlicht am 25.10.2019

So macht griechische Mythologie Spaß!

Ich bin Circe
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Beschreibung

Sie ist die Tochter des mächtigen Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse, doch Circe mit ihrer krächzenden Menschenstimme und dem gelb gescheckten Haar unterscheidet sich nicht nur durch ...

Beschreibung

Sie ist die Tochter des mächtigen Sonnengotts Helios und der Nymphe Perse, doch Circe mit ihrer krächzenden Menschenstimme und dem gelb gescheckten Haar unterscheidet sich nicht nur durch diese auffallenden Merkmale von ihren Geschwistern. Im Gegensatz zu den anderen göttlichen Titanen fühlt sich Circe den sterblichen Menschen nahe. Sie fühlt mit den Sorgen und Ängsten der Menschen mit und verliebt sich sogar in einen von ihnen.

Schließlich führt Circes zartes Wesen und ihre daraus resultierenden Handlung zu ihrer Verbannung auf eine einsame Insel. Auf Aiaia lernt Circe die Natur kennen und lieben, sie zähmt wilde Tiere und ihre Kräfte als Magierin beginnen zu gedeihen. Durch ihre Kräfte ist sie schon bald als Hexe von Aiaia bekannt und berüchtigt, so dass sie von ihrer Schwester Pasiphaë genauso um Hilfe gebeten wird, wie von gestrandeten Seemännern…

Meine Meinung

Mit ihrem Roman »Ich bin Circe« schaffte es Madeline Miller auf Platz 1 der New York Times Bestseller Liste und auch hier bei uns im Lande gelang ihr der Sprung auf die Spiegel-Bestseller-Liste. Natürlich hat das die Messlatte ganz schön in die Höhe getrieben, und meine Neugierde auf die moderne Geschichte über die Zauberin Circe, die ihre Ursprünge in der griechischen Mythologie hat, nur noch mehr befeuert.

Das sattschwarze Cover mit einem goldglänzenden Konterfei lässt die Gedanken direkt zu den kunstvoll bemalten Vasen im antiken Griechenland reisen und stimmt einen perfekt in die kommende Geschichte voller Götter, Titanen und Sagen ein.

Bisher habe ich mich noch nicht weit in das Gebiet der griechischen Mythologie hineingetraut und schöpfte mein Wissen über die bekanntesten griechischen Gottheiten Zeus, Athene, Herkules, Hermes, etc. aus popkulturellen Einflüssen in Film und Fernsehen. Zu Beginn der Lektüre hatte ich ein wenig Angst, dass ich im Meer der Namen und Geschichten untergehen würde, doch Madeline Miller führt den Leser ganz wunderbar leichtfüßig und modern in die vielfältige Welt der griechischen Mythologie ein und begrenzt sich auf die nötigste Einbeziehung der komplizierten Verwandschaftsverhältnisse.

Madeline Miller erzählt die Geschichte von Circe in einer gefühlsbetonten Ich-Perspektive und lässt somit eine ganz besondere Nähe zu dieser Halbgottheit mit all ihren Gedanken, Problemen und Wünschen entstehen. Ich konnte mich wunderbar in dieses schüchterne Wesen, von Vater und Mutter sowie von den eigenen Geschwistern gering geschätzt, hineinversetzten. Circe fühlt sich in der Gegenwart ihrer Familie unwohl und stellt unter Beweis, dass sie trotz allen Umständen die Stärke hat, ihren eigenen Wünschen und Vorstellungen zu folgen. Von der Liebe zu einem Sterblichen getrieben entdeckt Circe ihre magischen Kräfte und verwandelt diesen in einen Gott, um für immer mit ihm zusammen sein zu können. Hier wendet sich schließlich das Blatt für ihr eigenes Leben. Circe wird zu einem Leben im Exil auf der Insel Aiaia verurteilt, wo ihr nur die Natur und Tiere zur Seite stehen.

Auf der Insel findet Circe zu sich selbst und ihr Potenzial als mächtige Magierin beginnt zu wachsen und gedeiht prächtig. Das einsames Leben auf Aiaia bestärkt sie zudem darin, die Frau zu sein die sie schon immer sein wollte. Ganz alleine bleibt Circe schließlich doch nicht, denn sie erhält Besuch vom Götterboten Hermes, der sie immer auf dem Laufenden über die Ereignisse in der Welt hält und durch ihn empfängt sie auch den Hilferuf ihrer Schwester Pasiphaë, der Circe eine Reise nach Kreta ermöglicht.

Obwohl die Geschichte zum größten Teil in leisen Tönen stattfindet, gab es auch kribbelnde Momente der Spannung und mir hat es einfach unglaubliche Freude bereitet, Circe auf ihrem Weg zu einer starken und selbstbestimmten Frau zu begleiten.

Wie in einem Film erlebt man die Geschichten über Theseuss und den Minotauros von Kreta, das Meeresungeheuer Scylla, Iason und das goldene Vlies und natürlich die Sagen über die Hexe von Aiaia, die gestrandete Seemänner in Schweine verwandelt und schließlich ein Kind von Odysseus austrägt. Als Circe nun schließlich als Alleinerziehende Mutter mit ihrem Sohn Telegonos die Zeit verbringt, scheint ihr Kosmos auf die Sorgen und Ängste einer (Über)mutter zusammenzuschrumpfen. Aber auch hier beweist Circe ihre wahre Kämpfernatur und legt sich sogar mit mächtigen olympischen Gottheiten an.

»Ich bin Circe« von Madeline Miller ist ein zauberhafter Roman über eine starke Frau, der die von Männern dominierte griechische Mythologie in eine moderne Tunika kleidet.

Fazit

Eine starke Heldin, sagenhafte Erlebnisse und pure Magie – So macht griechische Mythologie Spaß!