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fredhel

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2019

Seltsames Hobby

Tiefes Grab
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Martin Reese hat sich schon früh aus dem Geschäftsleben zurückziehen können. Er schwimmt im Geld und hat im Prinzip nur ein einziges (geheimes!) Laster. Niemand soll wissen, dass er sich alte Mordfälle ...

Martin Reese hat sich schon früh aus dem Geschäftsleben zurückziehen können. Er schwimmt im Geld und hat im Prinzip nur ein einziges (geheimes!) Laster. Niemand soll wissen, dass er sich alte Mordfälle vorknöpft und dann dort, wo die Polizei schon aufgegeben hatte, doch noch die Leichen aufspürt und anonym meldet. Ich habe da schon die Vermutung, dass er auf diese Weise einen morbiden Trieb kompensiert. Leider kommt ihm ein Unbekannter auf die Schliche, der selbst hoch intelligent ist und nun seine Macht ausnutzt, um Reese nach seiner Pfeife tanzen zu lassen.

Alles in allem ist "Tiefes Grab" ein ungewöhnlicher Thriller, mit einer gestörten Hauptperson, dessen Frau ebenfalls psychische Defizite aufweist. Die meisten Toten sind schon lange tot, von dieser Seite her ist kein Gemetzel mehr zu erwarten. Mir gefällt, dass es hier in erster Linie um die Intelligenz des und der Täter geht, auch wenn die Handlung dann sehr actionreich endet.

Eigentlich würde ich gerne ein weiteres Buch von Nathan Ripley lesen. Mal gespannt, ob da noch was kommt.

Veröffentlicht am 11.11.2019

Nach all den Jahren...

Wisting und der Tag der Vermissten
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William Wisting ist ein erfahrener norwegischer Ermittler aus der Feder von Jørn Lier Horst. Es gibt wohl schon einige Bände mit ihm als Hauptperson, aber "Wisting und der Tag der Vermissten" ist der Auftakt ...

William Wisting ist ein erfahrener norwegischer Ermittler aus der Feder von Jørn Lier Horst. Es gibt wohl schon einige Bände mit ihm als Hauptperson, aber "Wisting und der Tag der Vermissten" ist der Auftakt einer neue Reihe mit alten Fällen.

Jedes Jahr am Tag ihres Verschwindens trifft sich Wisting mit dem Ehemann von Katharina Haugen. Der Fall läßt ihn nicht los, die Akten hat er -verbotenerweise- bei sich zu Hause. Immer wieder schaut er hinein, ohne jedoch einen neuen Ermittlungsansatz zu entdecken. Dieses Jahr tritt aus Oslo ein Kommissar Stiller auf ihn zu. Auch er befasst sich mit ungelösten Fällen und hat Beweise, dass sein Fall einer verschwundenen Frau eng mit dem von Katharina Haugen verknüpft ist. Stiller ist ein Karrieretyp, der sich von keinem in die Karten schauen lässt. Er benutzt die Menschen nach Gutdünken, so wie es seinen Plänen zu Gute kommt. Auch Wistings Tochter Line wird zu seiner Schachfigur.

Dieser Krimi ist sehr ruhig gestaltet. Er lebt von den Taktiken und Gedankengängen der Ermittler. Als Leser versucht man erfolglos sich einen Reim aus den Aktivitäten des Verdächtigen zu machen. Langsam kommen neue Indizien an den Tag. Selbst als sich das Netz um den Täter zuzieht, kommt die Spannung mehr vom psychologischen Faktor her als von tatsächlicher Action.

Mir gefällt diese Art von Krimi, die man häufig bei den skandinavischen Krimiautoren findet. Man blickt in die Seele der Menschen, anstatt dass es wilde Verfolgungen und blutige Gemetzel gibt. Wem es genauso geht, der liegt mit diesem Buch richtig.

Veröffentlicht am 03.11.2019

Humorvoller Bayernkrimi

Tote Hand
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Alle sieben Vorgängerbände habe ich noch nicht gelesen, aber es ist gut, dass diese Folge nicht mein erstes Zusammentreffen mit dem dauerfrierenden Kommissar Clemens Wallner und dem tollkühnen, leicht ...

Alle sieben Vorgängerbände habe ich noch nicht gelesen, aber es ist gut, dass diese Folge nicht mein erstes Zusammentreffen mit dem dauerfrierenden Kommissar Clemens Wallner und dem tollkühnen, leicht verrückten Polizisten Kreuthner war, denn der Humor und Schreibstil von Autor Andreas Föhr entwickelt sich stetig weiter, und fängt an manchen Stellen an grenzwertig skurril zu werden. Besonders die Passagen um Wallers Großvater fallen immer wieder aus dem Rahmen. So auch diesmal, als dieser sich nebenberuflich  als Schamane betätigt. Noch kann ich darüber schmunzeln, aber schräger darfs bitteschön nicht mehr werden.
In diesem Fall geht es um Gewalt gegen Frauen, eigentlich ein ernstes Thema. Der Nebenschauplatz der toten Hand dient eigentlich mehr der Effekthascherei für den Titel und natürlich dem Auffinden der Leiche. Die Handlung ist nicht so leicht durchschaubar, wie man es bei einem normalen Regionalkrimi erwartet, und ganz besonders der Schluss zeigt noch mal besondere Raffinesse.
Trotz meiner obigen Kritikpunkte ist Andreas Föhr wieder ein spannend/komischer Krimi gelungen, der einen zu fesseln weiß.

Veröffentlicht am 30.10.2019

Ausgefallene Rezepte, wunderschöne Fotos

Kochen nach Beaufort
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Dieses kleine praktische Kochbuch macht echt was her. Ich habe mir die größere Taschenbuchausgabe gekauft und war da so begeistert sowohl von der Optik, als auch von den pfiffigen Rezepten, sodass ich ...

Dieses kleine praktische Kochbuch macht echt was her. Ich habe mir die größere Taschenbuchausgabe gekauft und war da so begeistert sowohl von der Optik, als auch von den pfiffigen Rezepten, sodass ich die kleine Schwester in der Blechbüchse direkt an meine segelbegeisterte Freundin weiterverschenkt habe.
Ich war noch nie selbst in einer kleinen Schiffskombüse, aber die Rezepte kommen insgesamt mit wenigen Zutaten aus. Man sollte allerdings vor Antritt der Fahrt im Kopf haben, was man kochen will und gezielt einkaufen, denn die Zutaten, die hier benötigt werden, sind nicht immer alltäglich.
Der Schwierigkeitsgrad der Zubereitung ist dem Seegang angepasst, was ich ganz witzig, aber auch sinnvoll finde. Alle Rezeptfotos sind von brillanter Qualität. Wir haben uns schon einige Gerichte ausgeguckt und werden sie -auf dem Festland- bald nachkochen. Ob sie auch bei entsprechender Windstärke kochbar sind, kann ich allerdings leider nicht beurteilen.


Veröffentlicht am 27.10.2019

Kreuthner mal ganz sportlich

Schafkopf
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Einen "Andreas Föhr" von Michael Schwarzmaier vorgelesen zu bekommen, ist jedes Mal ein Ohrenschmaus. Man mag es nicht glauben, dass all die unterschiedlichen Charaktere von einem einzigen Sprecher kommen, ...

Einen "Andreas Föhr" von Michael Schwarzmaier vorgelesen zu bekommen, ist jedes Mal ein Ohrenschmaus. Man mag es nicht glauben, dass all die unterschiedlichen Charaktere von einem einzigen Sprecher kommen, der dazu auch noch so gekonnt alle Emotionen ausdrücken kann. Schwarzmaier versteht sein Handwerk.
Der  bayrische Ermittler Wallner und der schräge Polizist Kreuthner sind mir noch vom ersten Band "Der Prinzessinnenmörder" in guter Erinnerung.
Ausgerechnet Beuthner wird beim Joggen durch die Natur unmittelbar Zeuge, wie ein Kleinkrimineller erschossen wird. Andreas Föhr entwickelt hier in Rückblenden in die Vergangenheit und eigentlich einer größeren Anzahl beteiligter Personen als man sonst bei einem Regionalkrimi gewohnt ist, eine recht komplexe Handlung, der man jedoch gut folgen kann. Der Humor steht außerdem immer im Vordergrund. Das kommt im Hörbuch durch die trockene Leseweise von Schwarzmaier besonders gut heraus. Ich liebe es, wenn er den Part des Großvaters spricht, der mit seinen über achtzig Jahren immer noch schlitzohrig und sexy zugleich ist.
Ein herrlicher Krimi, ein fantastisches Hörbuch!