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Venatrix

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Veröffentlicht am 30.10.2019

Perspektivenwechsel

Kartieren um 1800
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Um 1800 hat sich der Blick auf Landkarten gewaltig geändert. Schuld daran sind u.a. die neuen militärischen Anforderungen. Es ist die Zeit der Napoleonischen Kriege und Erfolge lassen sich nur mit genauen ...

Um 1800 hat sich der Blick auf Landkarten gewaltig geändert. Schuld daran sind u.a. die neuen militärischen Anforderungen. Es ist die Zeit der Napoleonischen Kriege und Erfolge lassen sich nur mit genauen Karten erzielen. Dies hat Napoleon zwar nicht als erster erkannt, aber mit der ihm eigenen Eloquenz durchgesetzt.

Diente eine Karte zuvor nur der groben Orientierung und enthielt oft Zeitangaben, die den Reisenden von einem Ort zum anderen führten (3 Stunden zu Pferd, 2 Tagesmärsche etc.), so wird die unterschiedliche Topografie nun genau erfasst und maßstabsgerecht dargestellt.

Sechs Aufsätze widmen sich in diesem Buch aus unterschiedlichen Perspektiven den Landkarten:

Zur Kartenprojektion oder die Kartographischen Abbildungen um 1800
Die Umbruchsepoche der topographischen Kartographie um 1800 (Übergang zur größeren Homogenität)
Das landschaftliche Auge „Sehen lernen“ um 1800
Geognostisches Reisen um 1800
Mathematische Einschreibhefte der freiherrlichen Familie von Hardenberg
Über den methodischen Unterricht in der Geographie und die zweckmäßigen Hülfsmittel

In diesem Buch werden u.a. die neuen Verfahren der Land(es)vermessung und die dazu notwendigen Instrumente beschrieben. Sei es, dass sich die Gelehrten tatsächlich für neue, technische Aspekte (Homogenität der Karten oder Kartenprojektion) interessieren oder einfach die Landschaft mit anderen Augen ansehen oder Mathematik (bzw. Geometrie) als Basis der Kartenlehre im adeligen Besitz betrachten. Immerhin verwalten Adelige große Besitztümer und deren Söhne dienen in den diversen Armeen.

Großen Wert wird auf das „Geognostische Reisen“ gelegt - quasi Reisen mit allen Sinnen. Reisende unterschiedlichster Profession bestiegen die Berge, untersuchten Gesteine, Flora und Fauna - bekanntester Kaderschmiede war hier die Bergakademie Freiburg, die zahlreich Geognosten hervorbrachte.

Nach jedem Essay ist ein ausführliches Literaturverzeichnis angeführt. Ergänzt wird diese Sammlung von interessanten Beiträgen zur Kartografie um 1800 von 20 teils farbigen Abbildungen wie die Darstellung der Lehmann’schen Schraffenmethode (Abb. 6) oder die verschiedenen Instrumente zur Untersuchung von Gesteonen (Abb. 17) oder die verschiedenen Höhenprofile aus barometrischen Messungen (Abb. 18).

Zahlreiche Ausschnitte aus Originaldokumenten zeugen von penibler Recherche. ?

Fazit:

Ein Buch für Spezialisten, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Ein gelungenes Krimi-Debüt

Kopftuchmafia
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Das ist der erste Krimi von Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits.

Im burgenländischen Stinatz feiert man eine echt kroatische Hochzeit. Anna und Robert sind die Glücklichen. Das ganze Dorf ist ...

Das ist der erste Krimi von Schauspieler und Kabarettist Thomas Stipsits.

Im burgenländischen Stinatz feiert man eine echt kroatische Hochzeit. Anna und Robert sind die Glücklichen. Das ganze Dorf ist auf den Beinen und dann - die Katastrophe. Anna verschwindet während der üblichen Brautentführung spurlos und wird wenig später im Gebiss (zwischen den Messern) eines Mähdrescher halb zerstückelt aufgefunden.
Inspektor Sifkovits wird mit der Ermittlung beauftragt, scheint er doch als Stinatzer bestens dafür geeignet. Langsam tastet sich der Polizist durch die Geheimnisse des Dorfes. Unterstützt wird er dabei von der Kopftuchmafia, einem Trio von drei wackeren Frauen, die „mehr wissen als Facebook, Google und Amazon miteinander“ (S. 48). Denn den drei rüstigen Frauen, die tagaus, tagein vor der Gemischtwarenhandlung auf einer Bank sitzen, entgeht so gut wie gar nicht. Was sie nicht selbst erfahren, trägt ihnen der Gemischtwarenhändler zu.
Manchmal entbehren die Andeutungen der Kopftuchmafia, der auch Inspektor Sifkovits‘ Mutter Barbara angehört, zwar jeglicher Grundlage. Aber nur manchmal! Viel eher ist es, dass hinter dem Getratsche ein dickes Körnchen Wahrheit steckt.

Meine Meinung:

Wer gerne einen ruhigen Krimi, mit viel Lokalkolorit lesen will, ist hier genau richtig. Inspektor Sifkovits, genannt „Schiffi“ ist seinem großen Vorbild Columbo recht ähnlich. Meist in beige gekleidet, ohne Dienstwaffe und in einem altersschwachen Auto unterwegs, zieht er seine Schlüsse aus dem Gehörten. Da er selbst aus Stinatz ist, kennt er seine Pappenheimer und so manches Geheimnis.

Sehr gut gefällt mir, wie einfühlsam er mit der geistig zurückgeblieben Küchenhilfe Peter umgeht. Überhaupt scheint Sifkovits ein Händchen für Menschen zu haben. Er lässt sich auch von so aufgeplusterten Egos wie dem Bankdirektor nicht beirren.

Über seine Marotte zu jeder Zeit Käspappeltee zu trinken, musste ich ziemlich schmunzeln. Das hebt ihn von der großem Masse der alkoholabhängigen Ermittler ab. Mein Getränk wäre das zwar nicht, aber chacun à son goût! Nicht, dass Schiffi einem Uhudler oder Bier abgeneigt wäre, nein Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

Liebenswert sind auch die drei Mitglieder der Kopftuchmafia: allen voran natürlich Barbara Sifkovits, die ihren Sohn mit regionalen Spezilitäten bekocht. Auch die Resetarits Hilda und die dicke Grandits Resl tragen zur Aufklärung des Falles bei. Mir gefällt, dass hier lauter autochthone Familiennamen verwendet werden, die fast ausschließlich mit der kroatisch/eingedeutschen Endung -its enden.

Wir erfahren einiges über das Dorfleben, in dem die Jungen aus Arbeitsplatzmangel zu Wochenpendlern geworden sind, in dem Kirche und Küche eine hohe Tradition haben. Im Anschluss an den Krimi gibt es das Rezept von Baba Sifkovits‘ köstlichen Erdäpfelstrudel.

Gerne würde ich mehr Krimis mit Inspektor Sifkovits lesen.

Fazit:

Wer gerne einen ruhigen Krimi, mit viel Lokalkolorit lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich für dieses Krimi-Debüt 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.10.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Marionettenverschwörung
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Martin Merana befindet sich gerade in Hamburg, um ein paar Tage mit seiner neuen Freundin Jennifer zu verbringen, als er wegen des Mordes an der Puppenspielerin Lucy Salmira nach Salzburg zurückgerufen ...

Martin Merana befindet sich gerade in Hamburg, um ein paar Tage mit seiner neuen Freundin Jennifer zu verbringen, als er wegen des Mordes an der Puppenspielerin Lucy Salmira nach Salzburg zurückgerufen wird.

Noch bevor die möglichen Hintergründe beleuchtet werden können, wird Sibylle Lercher, die Lucys Leiche gefunden hat, getötet. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen den beiden Toten? Hängen die Morde mit den finanziellen Problemen des Salzburger Marionettentheaters zusammen? Oder steckt ganz etwas anderes dahinter?

Der Fall nimmt eine dramatische Wendung als man ausgerechnet Lucys Bruder tot aus der Salzach fischt, und dem LKA Salzburg die Ermittlungen aus der Hand genommen werden. Ausgerechnet die Leute vom BVT, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung, reißen sich den Fall unter den Nagel. Martin Merana und sein Team können 1 + 1 zusammenzählen: Hier geht es um brisante politische Verwicklungen. Doch werden sie locker lassen und den Fall weniger sorgfältig bearbeiten wie üblich?

Meine Meinung:

Manfred Baumann ist mit diesem, seinem 7. Fall für den sympathischen Martin Merana, ein bis zur letzten Seite fesselnder Krimi gelungen. Lange ist nicht ganz klar, wie der Tod der drei Menschen zusammenpassen. Der Leser wird immer wieder ein bisschen an der Nase herumgeführt.
Besonders spannend ist, dass dieser Krimi eine Zeitspanne von lediglich neun Tagen umfasst, in der gemordet, ermittelt und (natürlich) aufgeklärt wird.

Gekonnt ist die politische Situation im Innenministerium rund um willkürliche Ablösen von scheinbar unbequemen Führungskräften in die Handlung eingebettet. Wer kein oder das falsche Parteibuch hat, wird einfach seines Postens enthoben. Hier ist zu hoffen, dass mit dem nächsten Innenminister wieder Ruhe einkehrt.
Ein absolut tolle Idee ist es, die kleine Figur des Leandro, die Lucy in das Puppenspiel gebracht hat, eine wichtige Rolle bei der Aufklärung spielen zu lassen. Hat mir wirklich gut gefallen.

Über den Schreibstil von Manfred Baumann muss jetzt nicht allzu viel gesagt werden: Fesselnd erzählt, hoher Spannungsbogen und immer ein Auge auf die aktuellen Ereignisse in Österreich. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt. Im Gegensatz zu vielen anderen Krimis ist das Verhältnis von Martin Merana und seiner Truppe und dem Polizei-Chef ziemlich entspannt. So halten sie zusammen, als das Gerücht über eine mögliche Ablösung kommt.

Gut gefällt mir auch das unaufgeregt eingefügte Salzburger Lokalkolorit. Diesmal führt es uns in das bekannte Marionettentheater, dessen Besuch sich auf jeden Fall lohnt.

Fazit:

Wieder ein, bis zur letzten Seite fesselnder Krimi aus dem schönen Salzburg. Gerne gebe ich hier eine unbedingte Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.10.2019

Humoristisches Häferlgucken

Aufgedeckt!
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Nach „Wir sind super!“ (2016) und „Fröhliche Weihnachterl“ (2017) ist nun das dritte humoristische Buch von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker erschienen. Mit dabei ist auch Gerhard Haderer, der für ...

Nach „Wir sind super!“ (2016) und „Fröhliche Weihnachterl“ (2017) ist nun das dritte humoristische Buch von Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker erschienen. Mit dabei ist auch Gerhard Haderer, der für das Cover verantwortlich zeichnet.

Diesmal begeben sich die beiden Autoren und Kabarettisten wie weiland Sherlock Holmes und Dr. Watson auf einen Streifzug durch die österreichische Kulinarik. Neben Trinkgenuss und Tafelfreuden geht es, natürlich um politische Satire-Schmankerl, an denen es zur Zeit nicht wirklich mangelt.

Sie untersuchen dabei folgende Kapitel:

aktuelle kulinarische Trends
Nach Prominenten benannte Genüsse
Mystisches und Historisches
Multi-Kulti-Imbissstand
Statt eines Nachworts: Leserbriefe
Gedichte
Rezepte

In jedem Kapitel gibt es ausgewählte Rezepte vorzüglicher Speisen, die leicht nach zu kochen sind.

Über die (fiktiven)Leserbriefe im Anhang musste ich herzlich lachen. Manchmal sind die Rezepte auch mit böser Satire gewürzt.

Fazit:

Erwin Steinhauer und Fritz Schindlecker als Häferl guckende Detektive sind ein (im wahrsten Sinn des Wortes) köstlicher Einfall, dem ich gerne 5 Kochlöffel gebe. Guten Appetit!

Veröffentlicht am 27.10.2019

Faszination Wildtiere

Unser Wild
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Christoph Burgstaller, Berufsjäger und Fotograf, stellt in seinem neuem Buch 15 jagbare Tiere der Alpen der Alpen vor:

Gamswild
Adler
Feldhase
Schwarzwild
Steinwild
Ente
Rotwild
Murmeltier
Auerwild
Birkwild
Fuchs
Fasan
Rehwild
Schneehuhn
Dachs

Jede ...

Christoph Burgstaller, Berufsjäger und Fotograf, stellt in seinem neuem Buch 15 jagbare Tiere der Alpen der Alpen vor:

Gamswild
Adler
Feldhase
Schwarzwild
Steinwild
Ente
Rotwild
Murmeltier
Auerwild
Birkwild
Fuchs
Fasan
Rehwild
Schneehuhn
Dachs

Jede Tierart wird mittels Steckbrief vorgestellt, der neben Größe, Gewicht, Tragzeit etc., auch noch ein schematische Landkarte mit ihrer Verbreitung in den Ländern der Alpen beinhaltet. Damit bekommt der interessierte Leser einmal einen guten Überblick.

Anschließend erfährt man allerlei Wissenswertes über die Tiere. Die einen, extrem scheu, die anderen so neugierig, dass sie den Menschen bis in die Städte folgen und dort z.B. in Mülltonnen auf Nahrungssuche gehen.

Die einfühlsamen und informativen Texte unterstreichen die beeindruckenden Fotos.

Apropos Fotos: Einige Seiten beschäftigen sich mit der richtigen Ausrüstung. Und damit ist nicht nur die Wahl der Kamera oder des passenden Objektives gemeint, sondern auch das richtige Schuhwerk und das eine oder andere Accessoire zum Tarnen von Haut und Gerät. Wer stundenlang auf Fotopirsch ist, will sich seine Fotos nicht von einer plötzlichen Reflexion verpatzen lassen.

Christoph Burgstaller ist nicht nur Berufsjäger sondern leitet seit 2011 Jagdkurse im schönen Pinzgau. Für ihn ist das Jagern nicht sinnloses Ballern auf alles was sich bewegt, sondern dient zur Erhaltung der Arten.

Sein Buch ist auch eine Art Leitfaden für Wildbeobachter, denn

„Kenntnisse über das Verhalten der Tiere sind entscheidend. Nur wer weiß, wann und wo sie sich zeigen, kann vorhersehbar gute Aufnahmen machen.“ (S.33)

Das Buch ist im Servus-Verlag erschienen und aufwändig produziert. Sehr ungewöhnlich ist der Ausschnitt im Buchdeckel.

Fazit:

Ein wunderbares Buch für alle jene, die Wildtiere gerne beobachten, manchmal auch jagen und Freude an wunderschönen Fotos haben. Das Buch eignet sich perfekt als Geschenk. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.