Cover-Bild Die Wahrheit sagen
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23,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Gekko World
  • Themenbereich: Belletristik - Abenteuerroman: Krieg und Militär
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 477
  • Ersterscheinung: 04.04.2016
  • ISBN: 9788090635401
Formánek Josef

Die Wahrheit sagen

Brutaler Roman über die Liebe zum Leben

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.02.2020

Irrungen und Wirrungen

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In einer Straßenbahn geboren, beinahe nach Südamerika ausgewandert, immer von der Idee besessen, seine derzeitige Situation zu verbessern und im Leben etwas zu erreichen und zu bewegen. Einer aus früh ...

In einer Straßenbahn geboren, beinahe nach Südamerika ausgewandert, immer von der Idee besessen, seine derzeitige Situation zu verbessern und im Leben etwas zu erreichen und zu bewegen. Einer aus früh gemachten Erfahrungen gezogenen Lehre folgend ist er jemand, der stets die Wahrheit sagt. Was sein Leben allerdings nicht unbedingt einfacher macht.
Er zieht als SS-Mann in den Krieg, wobei er glücklicherweise irgendwie darum herum kommt, die SS-typische Blutgruppentätowierung zu erhalten. Später gerät er in Gefangenschaft, wird noch später Parteisekretär in der tschechischen KP und kommt wiederum in das Gefängnis, von wo er letztendlich durch Alt-Nazi-Beziehungen als der letzte Kriegsgefangene frei kommt.
Er sucht und findet seine Wurzeln, begreift, dass er trotz vieler widriger Umstände insgesamt gesehen seine Herkunft in Betracht ziehend großes Glück gehabt hat, und er begegnet seiner großen und sehr merkwürdigen Liebe, die leider nicht glücklich endet, ihn jedoch sein Leben lang bewegen wird.
Irgendwann lebt er auf einem Müllberg, wo er auf einen jungen Schriftsteller trifft, der an seinem ereignisreichen Schicksal Interesse zeigt, ihn befragt und nachhakt und genau zuhört. Und aufschreibt. Das Ergebnis sei dann eben dieses Buch. Was es mit dem "Die-Wahrheit-Sagen" auf sich hat, kam ja oben schon zur Sprache, aber ob das wirklich der optimale Titel zu diesem Buch ist, darüber kann man ganz bestimmt sehr unterschiedlicher Auffassung sein. Auch ist mir nicht ganz klar, was dem Leser mit dem Cover, was ich keinesfalls als hässlich bezeichnen würde, gesagt werden soll bzw. in welcher Beziehung es zum Buchinhalt stehen soll.
Ich habe das Buch interessiert gelesen, vor allem, da die dort geschilderten Dinge angeblich auf Tatsachen beruhen sollen, glaube aber nicht, dass es einen nachhaltigen Eindruck auf mich gemacht hat. Höchstens unter dem Aspekt, dass es aufzeigte, wie wirr das 20. Jahrhundert war, wie verrückt es die Menschen durcheinander rüttelte und als Papierschiffchen auf den Schicksalswellen Achterbahn fahren ließ, könnte ich es als gelungen ansehen.
Insgesamt lässt es mich etwas ratlos zurück.

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Veröffentlicht am 29.11.2016

Die Wahrheit sagen von Formánek Josef

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Inhalt:
Das Buch ist aufgeteilt in zwei Erzählstränge, die durch verschiedene Schriftarten gekennzeichnet sind.
Der eine Erzählstrang erzählt von einem Journalisten, der auf einen alten Mann, Bernhard ...

Inhalt:
Das Buch ist aufgeteilt in zwei Erzählstränge, die durch verschiedene Schriftarten gekennzeichnet sind.
Der eine Erzählstrang erzählt von einem Journalisten, der auf einen alten Mann, Bernhard Mares, auf einer Müllhalde trifft. Nach anfänglichen Problemen entschließt er das Leben des Mannes aufzuschreiben. Der zweite Erzählstrang erzählt dann das Aufgeschriebene des Journalisten.
Bernhard Mares wurde als Baby von seiner Mutter auf die Türschwelle einer Kirche gelegt, da sein Vater ihn nicht anerkennen lassen wollte und seine Mutter nicht heiraten wollte.
So wuchs Bernhard in einem Waisenhaus auf. Mit einem Freund plante er nach Südamerika auszuwandern, doch dieser wurde von seiner Mutter abgeholt.
So war Bernhard wieder alleine, als würde dies nicht reichen wurde er auch noch von einer Nonne missbraucht.
Sein weiteres Leben führte ihn in die SS, zu den Kommunisten, den Russen und anderen. Während seines Lebens hat er viel Gewalt gesehen, aber auch viele Frauen gehabt.
Dennoch verliebte er sich in eine Jüdin, doch das Leben trennte die beiden. Jedoch ist er noch im Alter in sie verliebt und sucht nach ihr. Auch der Journalist soll nach dieser suchen.

Meine Meinung:
Das Buch hat mir nur mittelmäßig gefallen. Es war ab und zu langatmig und einige Stellen empfand ich als sinnlos. Auch der Schreibstil war leider nicht meiner.
Die russischen Sätze waren leider oft falsch und haben zum Teil keinen Sinn gemacht, ob dies an der Übersetzung lag oder auch im Original so ist, kann ich nicht beurteilen. Dies fand ich schade, da der Blick eines Russisch-Deutschen gereicht hätte die Fehler nicht zu machen.
Die Geschichte enthielt mir zu oft Szenen, die mir persönlich als eklig und unpassend erschienen.
So an sich ist die Idee des Buches jedoch gut. Es fehlen bloß einige Verbesserungen und Auslassungen.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Die Wahrheit sagen

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Es ist eine verstörende Geschichte, die uns Josef Formánek hier erzählt. Ein dem Alkohol zugeneigter „nichtschreibender“ Schriftsteller trifft auf Bernhard Mares, der auf einer Müllkippe lebt und dort ...

Es ist eine verstörende Geschichte, die uns Josef Formánek hier erzählt. Ein dem Alkohol zugeneigter „nichtschreibender“ Schriftsteller trifft auf Bernhard Mares, der auf einer Müllkippe lebt und dort aufräumt. Sie kommen ins Gespräch und der Autor beschließt die Lebensgeschichte von Mares aufzuschreiben. Dafür erwartet Mares, dass der Autor für ihn Sophie sucht, die Liebe seines Lebens.
Das Leben von Bernhard Mares ist ein Leben voller schrecklicher Begebenheiten. Er wird unehelich in einer Straßenbahn geboren, ausgesetzt, in Pflege gegeben und dann doch ins Heim abgeschoben. Sein Freund dort verschwindet eines Tages aber auch aus seinem Leben. Er möchte Priester werden, doch das wird ihm verwehrt. Als frustrierter 16jähriger verpflichtet er sich bei der SS. Im KZ trifft er auf Sophie Rubinstein und verliebt sich in sie. Er verhilft ihr zur Flucht. Auch in seinem weiteren Leben geht vieles schief und er ist häufiger in Haft. Immer mal wieder begegnet ihm Sophie, aber ihm ist kein gemeinsames Leben mit seiner großen Liebe vergönnt. Aus ihm ist ein verbitterter Mensch geworden, der aber noch immer viel Zorn in sich trägt.
Mares will immer die Wahrheit sagen und so erzählt er seine Geschichte schonungslos direkt. Sehr ausführlich erfahren wir alles über sein Leben. Er hat so viel ertragen müssen, dass es für mehrere Menschenleben gereicht hätte. Doch seine Liebe zu Sophie lässt ihn das alles überstehen. Seine Erzählung ist schnörkellos und sehr direkt und die Sprache teilweise ordinär. Es ging mir zu viel um Sex in der Geschichte. Aber es gab auch immer wieder Stellen, die fast poetisch wirkten.
Zwischendurch erfahren wir auch einiges über den Autor, der für mich aber sehr blass blieb.
Ein ungewöhnliches Buch, das bestimmt seine Leser findet. Mich hat es nicht überzeugt.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Keine leichte Kost

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Der Autor erzählt in diesem Buch über seine Begegnung mit Bernhard Mares. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Formánek selbst an der Klippe zum unbrauchbaren Alkoholiker steht. Er sieht Mares in ...

Der Autor erzählt in diesem Buch über seine Begegnung mit Bernhard Mares. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, an dem Formánek selbst an der Klippe zum unbrauchbaren Alkoholiker steht. Er sieht Mares in eine Hütte auf der Müllkippe gehen und dort leben, die Müllkippe „aufräumen“ und wundert sich doch sehr. Formánek drängt sich Mares quasi schon fast auf. Die beiden spüren, dass sie einander auf gewisse Weise brauchen und so beginnt eine gemeinsame Zeit, die fast schon an Freundschaft grenzt. Mares fordert Formánek auf, seine Geschichte anzuhören und aufzuschreiben. Er will die Wahrheit sagen. Schonungslos.

Die Idee ist nicht schlecht – doch schnell merkt man, dass Wahrheit mal lustig, mal erschreckend, mal gut, mal schlecht sein kann. Die ganze Bandbreite von „Wahrheit“ prasselt auf den Leser nieder, ob der nun will oder nicht. Dabei wird Formánek (oder eigentlich Mares?) zwischendurch auch arg ordinär. Immer wieder geht es auch um Sex, der sicher nicht ganz so ausführlich hätte beschrieben werden müssen. Es geht um Krieg, um Hass, um Lieber – um das Leben in einer Zeit, die den Menschen nicht viele Chancen gelassen hat. Es geht auch darum, was solch ein Leben in solch einer Zeit für Folgen haben kann.

Die Kapitel sind oft kurz, diverse Einschübe von Formánek sind zudem noch kursiv gehalten. Das Buch ist also auf allen Ebenen vielschichtig und anders. Man liest es auch nicht einfach so hintereinander weg, dazu geht es zu tief. Man benötigt immer wieder Pausen, um das Gelesene verarbeiten zu können und mit dem Schrecklichen, das (nicht nur) Marek geschehen ist, umgehen zu können.

Mich hat das Buch sehr gefordert. Anfangs war es urkomisch, aber das Lachen ist mir sehr schnell vergangen. Zwar finden sich immer wieder witzige Stellen, doch grenzen die eher an Galgenhumor. Dafür gibt es aber auch philosophische Stellen in Mares‘ Ausführungen. Auch wenn es um eine Zeit geht, die längst vergangen ist, wirft diese noch immer Schatten auf unsere jetzige Zeit und auch uns, die wir damals noch gar nicht lebten.

Das Buch ist absolut beeindruckend, dennoch kann ich ihm nur drei Sterne geben. Vielleicht liegt es an der anderen Mentalität, aber Formánek und Mares konnten mich nicht so nahe an sich heranziehen, wie es hätte sein sollen. Trotzdem war dies ganz sicher keine verlorene Lesezeit.

Veröffentlicht am 30.04.2017

Zwitter aus Lebensgeschichte, Drastik & seltsamem Autor-Erzähler im Rausch

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Ich habe dieses Buch , nachdem ich mich durch rund zwei Drittel hindurchgequält hatte, bis zu einem etwas versöhnlicheren Schluss zwischendurch nur noch überflogen, um der Rezensionsaufgabe zu genügen ...

Ich habe dieses Buch , nachdem ich mich durch rund zwei Drittel hindurchgequält hatte, bis zu einem etwas versöhnlicheren Schluss zwischendurch nur noch überflogen, um der Rezensionsaufgabe zu genügen – und ich bedaure im Moment, so lange durchgehalten zu haben, was nur mit vielen Pausen ansatzweise zu ertragen war – ich mag keine fortgesetzten übersexualisierten Gewaltorgien um ihrer selbst willen ohne positive Aspekte.

Das vorliegende Buchverbindet folgendes:
Da wird eine Lebensgeschichte erzählt, die von Bernhard Mares, unehelich 1924 in Wien in einer Straßenbahn geborener Sohn einer mexikanischen Mutter aus wohlhabender Familie, abgelegt in einer Kirche, um die Schande zu verbergen, aufgewachsen in Tschechien – und fortan sein Lebensweg durch und in der tschechischen und europäischen Geschichte. Dieser Teil wird chronologisch erzählt, von einem allwissenden Erzähler, der über Mares als „er“ berichtet, sie führt über die Vorgeschichte bis zum Zweiten Weltkrieg inklusive SS und Konzentrationslager, in die kommunistische Frühzeit Tschechiens, durch diverse Gefängnisse.

Eingebettet sind diese fortschreitenden Episoden in solche, die aus der Sicht eines Ich-Erzählers geschrieben werden: dieser ist Schriftsteller, hat ein Alkoholproblem, heißt Josef (sic!) – und trifft zufällig auf ebendiesen Bernhard Mares, der ihm über einen längeren Zeitraum seine Lebensgeschichte erzählt.
In diesem Wechsel nun liegt für mich eine weitere Irritation begründet, denn wenn doch die gesamte Geschichte nur von Bernhard Mares an den Schriftsteller weitergegeben wird, dann gibt es keinerlei Möglichkeit, wie dieser von den Ereignissen VOR Mares‘ Geburt, von dessen Mutter, ihrer Herkunft hätte erfahren haben können. Belegt kann nur die Zeit ab der Ablage in der Kirche sein, maximal noch über Augenzeugenberichte die Geburt in der Straßenbahn. Aber nein, darüber setzt sich der Autor noch weiter hinweg, er erscheint als er selbst, zum Beispiel: „Als allwissender Erzähler stelle ich mir die Szene ungefähr so vor. Der Papst fragt seinen Sekretär: „Und was ist in diesem Fall?“ S. 69 Das mag ein gezielter Kunstgriff sein, um statt Identifikation beim Leser Reflexion durch Distanz einzufordern. Irgendwann wirkt es nur noch schräg auf mich.

Die interessant beginnende Lebensgeschichte Bernhard Mares gerät sehr bald in eine Art wilden Sog – durchsetzt von Vulgärsprache, zelebrierter Gewalt und Übersexualisierung (immerhin, eindeutig keine Verharmlosung des Zweiten Weltkrieges, gleich auf welcher Seite, von den Diktaturen des Jahrhunderts oder von Gefängnissen), irgendwie wirkt er wie eine Fliege, die in vollem Bewusstsein immer wieder in einen Insektenverdampfer fliegt - und liebend gerne über diese Erfahrung berichtet. Damit war dann auch der mögliche Sympathieträger für mich dahin. Den Ansatz, anhand des Lebens einer fiktiven Person, die durch skurile Zufälle der Geschichte genau diese über viele Jahre nachvollziehbar macht, fand ich reizvoll, die Idee des Schriftstellers mit seinen Problemen als Reflexionsfläche für die Geschichte fand ich nachvollziehbar – die Umsetzung jedoch empfinde ich als schwer zu ertragen. Ich will Bücher, die mich herausfordern, belehren, Fragen aufwerfen – das tut dieses Buch zwar, stößt mich dann aber regelmäßig durch widerwärtige Drastik ab.

Josef Formánek wird in Wikipedia als einer der erfolgreichsten Gegenwartsautoren Tschechiens geführt, das vorliegende Buch erschien dort bereits 2008. Diese Auflage ist gewissermaßen ein Experiment – der Verlag wurde vom Autor (mit ungenannten Unterstützern) selbst gegründet zur Verbreitung tschechischer Literatur, beginnend mit deutscher Übersetzung – und bislang ausschließlich mit eigenen Werken in der Planung; dieses ist sozusagen die „Erst (erstes Buch des Verlags)-Erst (erstes Buch von Formánek in deutscher Sprache)-Erst (Erstauflage des Romans)-Auflage“ in deutscher Sprache.

Beim Erscheinen war der Roman (zunächst) nur über den Verlag direkt zu beziehen, mutig anhand der wirklich ordentlich ausgestatteten Ausgabe mit festem Einband, Lesebändchen und auf vernünftigem Papier.

Als nächstes geplant ist „Das Lächeln der traurigen Männer“, in dem Formánek autobiographisch über den Alkoholentzug schreibt – ich erwähne das, weil das im Werk, auch in „Die Wahrheit sagen“, eine Rolle zu spielen scheint.

Leider wirkt dieser Roman auf mich wie im Rausch - allerdings erlebt in der Gosse. Während im Thriller selbst bei der Darstellung eines sadistischen Mörders der Autor irgendwann Mitleid mit seinem Leser hat - hier geht alles schier endlos weiter, vom erträglicheren kurzen allerersten und -letzten Teil abgesehen.