Teilweise etwas übertrieben
Night Academy - Die Begabte„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter ...
„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter Genaueres vorgestellt. Auch die Handlung im ersten Kapitel ist sehr unvermittelt und direkt, denn hier wird Dancia bereits von Mr Judan und Cameron Sanders für die Night Academy angeworben. Der Leser hat zu Beginn somit relativ begrenzte Möglichkeiten, sich an die Charaktere und vor allem die Handlung zu gewöhnen, da er direkt in die Geschichte hineingeworfen wird. Das gleicht sich im Verlauf des Buches aber aus, denn die Autorin nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und die Entwicklung der Handlung.
Natürlich kann Dancia gar nicht anders, als sich für eine Ausbildung an der Night Academy zu entscheiden. Dazu wird sie zwar von ihrer Großmutter, die übrigens großartig gezeichnet ist, etwas gezwungen, aber am Ende sieht sie selbst ein, dass es wohl das Beste für sie und vielleicht auch alle anderen ist. In der Schule angekommen, wird diese sehr bildhaft aus Dancias Sicht beschrieben. Lebendig wird die Night Academy vor allem durch ihre Schüler und Lehrer, die sehr anschaulich dargestellt werden. Es herrschen genaue Regeln, die es einzuhalten gilt, aber den Schülern wird auch Freiraum gegeben, sich zu entfalten. Offiziell sollen an der Night Academy hochbegabte Schüler und Schülerinnen ausgebildet werden, doch Dancia merkt nach einer gewissen Zeit, dass mehr dahinter stecken muss.
Darauf gebracht wird sie von Jack, der eher ein Außenseiter ist und seine Zeit alleine verbringt. Mit ihm freundet sich Dancia an und zwischen den beiden entwickelt sich eine tolle Freundschaft. Ob es dabei bleibt, ob sich mehr daraus entwickelt oder ob den beiden doch Cameron in die Quere kommt, der sich anscheinend sehr für Dancia zu interessieren scheint – das lest ihr am besten selbst! Die obligatorische Dreiecks-Geschichte fehlt natürlich auch in diesem Jugendbuch nicht, aber sie ist sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet und driftet nicht ins Kitschige ab.
Der Schulalltag an der Night Academy wird sehr detailliert beschrieben und zum Großteil konzentriert sich das Buch tatsächlich auf das Internatsleben. Dieses ist aber sehr abwechslungsreich gestaltet. Der Leser begleitet Dancia zu ihren Unterrichtsstunden, zu außerschulischen Aktivitäten, die teilweise sehr geheimnisvoll und mysteriös sind, und auf ihrer Suche nach Freunden. Zunächst wehrt sich Dancia dagegen, Freundschaften zu schließen – dafür hat sie auch einen triftigen Grund. Aber mit der Zeit lernt sie doch, wie schön es ist, Gleichgesinnte um sich zu haben, und es macht Spaß, sie als Leser gemeinsam mit anderen Mädchen – oder auch Jungs – zu erleben. Die Dialoge zwischen den Jugendlichen sind sehr frisch und spritzig und sorgen für einige Schmunzler.
Dancia ist ein toller Charakter, der sehr sympathisch gezeichnet ist und schnell das Herz des Lesers gewinnt. Sie hat eine sehr ansprechende Art und überzeugt durch ihre kleinen Fehler und Macken, die ihr Sorgen bereiten, die sie aber nur umso liebenswerter machen. Auch mit den Nebencharakteren hat sich Inara Scott sehr viel Mühe gegeben, auch wenn sie bei ihrer Gestaltung stellenweise zu offensichtlich mit Klischees spielt. Aber im Ergebnis ist die Stimmung, die von den Schülern des Internats ausgeht, passend.
Wirklich spannend wird das Buch erst zum Ende hin, wo den Leser ein großer Showdown erwartet. Bis dahin vermag „Night Academy. Die Begabte“ einfach durch seine sympathischen Charaktere und die interessante Handlungsumgebung zu überzeugen. Die Ereignisse am Ende des Buches sind teilweise vorhersehbar, teilweise etwas zu übertrieben. Das Ende des Buches ist kein echter Cliffhanger, aber es bleiben doch einige Fragen offen, die neugierig auf die Fortsetzung macht.
Mein Fazit:
„Night Academy. Die Begabte“ überzeugt durch seine farbenprächtige Handlungsumgebung und die sympathischen Charaktere, zum Ende hin trägt die Autorin aber etwas zu dick auf, wodurch die Handlung zu übertrieben wirkt.