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Veröffentlicht am 29.02.2020

Weimarer Republik - mehr als Geschichtsinformation

Quintus und der Feuerreiter
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Gleich zu Beginn wurde mir klar, warum die Leseprobe nicht auf der ersten Seite begann. Hier wird meiner Auffassung nach, viel geschichtliches Wissen vermittelt und manche bereits wieder vergessene Fakten ...

Gleich zu Beginn wurde mir klar, warum die Leseprobe nicht auf der ersten Seite begann. Hier wird meiner Auffassung nach, viel geschichtliches Wissen vermittelt und manche bereits wieder vergessene Fakten wach gerufen und aufgefrischt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass bei mir von all den Fakten, die Weimarer Republik betreffend, aus dem Geschichtsunterricht nicht viel hängen geblieben ist. Wenige Charaktere aus dem Roman sind mir wenigstens namentlich ein Begriff. Andere waren vollkommen neu (die wurden im offiziellen Geschichtswissen für uns ehemalige Schüler wirklich nicht erwähnt). Der große Politikmacher Schleicher wäre mir auf keinen Fall komplett in Vergessenheit geraten. Absolut interessant ist dargestellt, wie viele der politischen Spitzen (auch der große Hindenburg) die gefährliche Lage der Erstarkung der NSDAP unterschätzt haben. Damals wie heute wurden geheime Abkommen getroffen, Intrigen gesponnen, Verbündete fallen gelassen und am Ende ging die komplette Macht an einen Adolf Hitler über. Dieser hat es verstanden, die Masse der Menschen für sich zu gewinnen, indem er versprach Deutschland aus Armut und Verfall herauszuführen. Auch damals gab es eine Rechte und eine Linke. Die Parteien der Mitte glaubten sich unüberwindlich. Falsch! (Schauen wir heute auf Thüringen - wie viele Parallelen können wir ziehen?)
In all diesen Wirren schlägt sich unser Protagonist Quintus Schneefahl sehr erfolgreich bei seiner Arbeit durch die Jahre. Nach persönlichen Enttäuschungen - mit Frauen hat er kein Glück - macht er mit Hilfe seines überragenden Intellekts und seiner Familie Karriere. Er ist und bleibt Mensch. Zwei kleine Mädchen aus sehr armen berliner Arbeiterfamilien nimmt er bei sich auf. Er heiratet seine Jungendliebe. Sie war zwischenzeitlich mit einem älteren reichen Herrn verheiratet. Sein Tod macht sie wieder frei für Quintus. Nicht nur die Liebe hat hier gesiegt, sondern auch finanziell ist die junge Familie abgesichert. Das ist besonders wichtig, als Quintus nach der Machtübernahme der Nazis arbeitslos wird. Er hat das Glück im Ausland an einer Universität eine ausgezeichnete Stellung zu finden und so der anstehenden Verfolgung durch Hitlers Polizei zu entkommen. Herr Persdorf schildert dies alles glaubhaft, nachvollziehbar und absolut gut lesbar.
Lange habe ich erfolglos gegrübelt, wer denn nun der Feuerreiter sein soll. Blitzartig kam dann die Erleuchtung. Der Feuerreiter führte das deutsche Volk in ein Feuer aus Bomben und Elend. Dieser Feuerreiter kann nur ein Adolf Hitler sein.
Was mir am Roman auch sehr gut gefallen hat, waren die beiden gleichwertigen Seiten, die bearbeitet wurden. Einerseits die deutsche Geschichte - andererseits die persönliche Chronik von Quintus Schneefahl - sind gekonnt miteinander verbunden bearbeitet.
Hinter diesem Roman steckt auf jeden Fall viele Zeit für Geschichtsforschung und Bearbeitung von Faktenmaterial. Er ist daher keine Literatur für schnelles Lesen. Der Leser muss mitdenken! Gerade das hat mir viel Spaß gemacht.
Das Cover passt genau zum Thema.

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Veröffentlicht am 29.12.2019

Schicksale

Das Geheimnis von Westbury Hall
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Wie viele Geschichten über Menschen, die den 2. Weltkrieg direkt mit erlebt haben, mag es wohl noch geben. Ich denke unendlich viele Schicksale sind da noch ungeklärt. Kaum einer von den damals Betroffenen ...

Wie viele Geschichten über Menschen, die den 2. Weltkrieg direkt mit erlebt haben, mag es wohl noch geben. Ich denke unendlich viele Schicksale sind da noch ungeklärt. Kaum einer von den damals Betroffenen lebt noch. Und wenn doch, sind diese Menschen schon so alt, dass eine ungetrübte Erinnerung oft nicht mehr vorhanden ist. Umso schöner ist die Informationsübermittlung in diesem Roman durch einen alten selbst gedrehten Filmstreifen gelöst. Eine wunderschöne, alte Villa in Italien, die scheinbar keinen Eigentümer hat, steht neben der Protagonistin Brionys im Mittelpunkt. Hier haben englische Soldaten während des Krieges eine Weile gelebt. Was damals abgelaufen ist, wird Brionys sicherlich herausfinden. Ihr Interesse ist besonders groß, da auf dem Filmchen höchstwahrscheinlich ihr Großvater zu sehen ist. Sehr interessant und mitfühlend geschrieben, zwingt der Inhalt dem Leser geradezu das Gefühl auf, mehr über die jungen Männer von damals erfahren zu müssen . Der Krieg hat ihnen auf jeden Fall die Jugend, wenn nicht sogar das Leben genommen. Eine Generation, die unseren jungen Leuten und Kindern die Augen öffnen könnte, wie gut und behütet unser Leben heute ist.
Ich finde, "Das Geheimnis von Westbury Hall" ist ein wunderschöner, zum Denken anregender Roman, der seinen Leserkreis auf jeden Fall finden wird.

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Veröffentlicht am 09.12.2019

sehr gut

Bring Down the Stars
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Preston Jacob Turner ist sieben Jahre alt, als sein Vater die Familie verlässt und nie wieder auftaucht. Der Junge leidet sehr darunter und fühlt sich im Stich gelassen. Er vergleicht sich mit einer alten ...

Preston Jacob Turner ist sieben Jahre alt, als sein Vater die Familie verlässt und nie wieder auftaucht. Der Junge leidet sehr darunter und fühlt sich im Stich gelassen. Er vergleicht sich mit einer alten Socke. Preston ist ein talentierter Junge. Er kann sehr gut schreiben und gewinnt, fünf Jahre nachdem der Vater gegangen ist, ein Stipendium an einer Schule für Kinder reicher Eltern. Wie nicht anders zu erwarten, ist er ein Außenseiter, der ständig Hänseleien ausgesetzt ist. Hier lernt er, wenigstens ein wenig, seinen Jähzorn unter Kontrolle zu halten. Eines Tages trifft er auf einen der beliebtesten Schüler der gesamten Schule. Wie auch immer, die Beiden sind sich sofort sympathisch, werden beste Freunde für lange Zeit. Jefferson Drake ist ein Sportler. Seine Eltern sind reich, haben die Achtung vor Menschen, die hart arbeiten müssen, nicht verloren. Das hat sich auf Jefferson übertragen. Er und Preston leben zusammen fast wie Brüder. Bis hierhin gefällt mir der Roman mit seiner Problemstellung sehr gut. Ich würde ihn als ausnehmend gut bezeichnen und als TOP Lesestoff empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.11.2019

Historie pur

Borgia - Die Vergeltung
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Endlich wieder einmal ein historischer Roman. Die Autoren haben sich auch gleich an ein Stück italienischer Geschichte herangewagt, die bestimmend für das Land sein sollte. Die Borgia, eine der einflussreichsten ...

Endlich wieder einmal ein historischer Roman. Die Autoren haben sich auch gleich an ein Stück italienischer Geschichte herangewagt, die bestimmend für das Land sein sollte. Die Borgia, eine der einflussreichsten Familien im 15. Jahrhundert. Sie hatten Macht, Einfluss und waren skrupellos wenn es darum ging, ihre Interessen durchzusetzen, ihre Macht auszuweiten und zu stärken. Angesprochen wird es im Roman schon zu Beginn. Die Familie stellt einen Pabst. Zur damaligen Zeit ist die Kirche und ihr oberster Würdenträger die einflussreichste Macht. Aber auch Intrigen, Korruption ja sogar Mord waren als Mittel zum Zweck ständige Begleiter der Herrschenden. Da dies alles im Roman bisher schon angeklungen ist, kann der Leser darauf zählen, dass es spannend und eben auch historisch weiter gehen wird. Mir hat die Leseprobe sehr gut gefallen. Ich empfehle den Roman auf Grund dieser einleitenden Seiten auf jeden Fall als gute Literatur.

Veröffentlicht am 18.11.2019

Spitze

Die Höllenkrone
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Schon die Vorbemerkung zum historischen Hintergrund hat mich voll in ihren Bann gezogen. Da ich schon von diesem Smithsonian Castle gehört habe, war mein Interesse sofort geweckt. Zugegebener Weise sind ...

Schon die Vorbemerkung zum historischen Hintergrund hat mich voll in ihren Bann gezogen. Da ich schon von diesem Smithsonian Castle gehört habe, war mein Interesse sofort geweckt. Zugegebener Weise sind meine bisherigen Informationen hierzu nicht nur lückenhaft sondern fast gleich Null. Umso neugieriger war ich auf Erklärung zu diesem Thema. Was jetzt noch kommt kann nur erstklassig sein. Der Roman ist stilistisch einwandfrei. Das Lesen macht absolut viel Spaß. Die Handlung reißt mit. Was soll ich noch mehr sagen? James Rollins hat (einschränkend sei vermerkt: bis zum Ende der Leseprobe) einen tollen Roman abgeliefert.