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Veröffentlicht am 15.12.2019

Packender historischer Roman aus dem viktorianischen England

Hurentochter - Die Distel von Glasgow
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Schon der Prolog hat mich bei diesem ersten Teil der Trilogie sofort gefesselt und gepackt. Am Hafen von Glasgow wird eine unbekannte Frau schwer verletzt aufgefunden. Sie wird von der Bordellmutter des ...

Schon der Prolog hat mich bei diesem ersten Teil der Trilogie sofort gefesselt und gepackt. Am Hafen von Glasgow wird eine unbekannte Frau schwer verletzt aufgefunden. Sie wird von der Bordellmutter des hiesigen Hurenhauses aufgenommen und gesund gepflegt. Die unter Amnesie leidende Frau ist schwanger und bringt ein halbes Jahr später ein Mädchen zur Welt. Ihre Tochter Emily wächst im Hurenhaus auf, wo sie von allen viel Zuwendung und Liebe erhält, genauso wie Liam, der ebenfalls dort untergebracht ist. Beide helfen als Dienstboten aus. Emily möchte später auf keinen Fall selbst ein gefallenes Mädchen, sondern ein respektables Mitglied der Gesellschaft werden. Doch sie ist bereits gebranntmarkt und kaum jemand lässt ein Hurenkind als Dienstmädchen ins Haus. Als die alte Bordellmutter stirbt, zwingt die neue Besitzerin Emily zur Prostitution. Emily's Mutter hat das bereits vorhergesehen und für ihre Tochter, Liam und ihre Freundin Christine eine Fluchtmöglichkeit vorbereitet. Doch dann passiert ein großes Unglück....

Mit dem ersten Teil der "Flowers of Scotland" Reihe bekommt man einen wirklich spannenden historischen Roman aus dem viktorianischen Zeitalter, der mich von der ersten Seite an nicht mehr losgelassen hat. Emily ist eine starke junge Frau, die ihren eigenen Weg gehen und das Stigma der Hurentocher ablegen möchte. Sie erlebt viele Höhen und Tiefen und erreicht schlussendlich mit viel Fleiß und Tatkraft eine Stelle in einem noblen Herrenhaus zu bekommen. Doch die Vergangenheit und ein brutaler Mörder, der bereits ihre Mutter auf dem Gewissen hat, holen sie bald ein. Das Geheimnis rund um die Herkunft von Emily's Mutter wird auch für sie bald lebensbedrohlich. Nur ein Medaillon, das ihr von ihr geblieben ist, kann sie der Wahrheit näher bringen...

Der überaus bildgewaltige und fesselnde Schreibstil von Tabea Koenig lässt sich wunderbar lesen. Die
Standesdünkel und die gesellschaftlichen Konventionen der damaligen Zeit werden lebendig dargestellt. Die harten Lebendbedingungen der armen Bevölkerungsschicht und besonders die der Frauen, die oftmals ohne ihr zutun an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, werden sehr realistisch dargestellt.
Mit lebendigen Charakteren, die Ecken und Kanten aufweisen, schafft es die Autorin diese authentisch zu zeichnen. Ich konnte mit ihnen mitfühlen und mitleiden. Der gut durchdachte Plot glänzt ebenso mit überraschenden Wendungen. Detaillierte Stadt- und Landschaftsbeschreibungen und ein hoher Spannungsbogen runden diesen tollen Roman ab.
Ich habe auch bereits Band 2 verschlungen (Rezi folgt) und freue mich bereits auf den Abschlussband, der hoffentlich bei meinem nächsten Büchereibesuch schon auf mich wartet...

Fazit:
Ein spannender historischer Roman, dem ich auch Anfänger des historischen Genres ans Herz legen kann. Lebendige Charaktere, bildhafte Beschreibungen und ein gutes Gesellschaftsbild des viktorianischen Zeitalters in England haben mich an Band Eins der Trilogie gefesselt. Von mir gibt es eine Empfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.11.2019

Packender Roman

Der Fjord schweigt
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Wow - was für eine Geschichte! Ihr könnt euch gewiss sein, dass euch dieser Roman wie ein Thriller in Atem halten wird! Deswegen habe ich auch unter Genrebezeichnung noch "Spannungsroman" dazu geschrieben, ...

Wow - was für eine Geschichte! Ihr könnt euch gewiss sein, dass euch dieser Roman wie ein Thriller in Atem halten wird! Deswegen habe ich auch unter Genrebezeichnung noch "Spannungsroman" dazu geschrieben, denn für mich war dieses Buch eindeutig eine Mischung aus (Spannungs)Roman, Krimi und einem Funken Liebesroman. Außerdem enthält es ein Familiengeheimnis. Es ist mein erster Roman der Autorin und sicherlich nicht mein letzter!

Annika erfährt bei der Beerdigung ihres Vaters eine Neuigkeit, die ihr ganzes Leben auf den Kopf stellt. Ihr Vater hat ihr einen Brief und Fotos hinterlassen, die ihr zeigen, dass sie als Zwilling geboren wurde. Bei einem Norwegenurlaub ertrank ihr Bruder Dennis noch als Kleinkind. Annika ist fassunglos. Nun wird ihr auch klar, woher ihr Gefühl kommt, dass ihr etwas fehlen würde. Keine Beziehung füllte sie richtig aus. Als sie bei ihrer Mutter Kerstin nachfragt, schweigt diese weiterhin. Kurzerhand sagt Annika den Kroatienuurlaub mit ihren Freunden ab und fährt nach Norwegen. Sie quartiert sich in einem kleinen Ferienhaus im selben Ort ein, wo ihr Bruder damals ertrunken ist. Jan Sorensen, der das Ferienhaus vermietet, und sein Bruder Erik helfen Annika bald bei ihren Nachforschungen...

Vor 30 Jahren war auch ihre Mutter Kerstin mit ihrer damals besten Freundin Iris in diesem Dorf auf Urlaub. Die beiden jungen Frauen wollten einige kurze unbeschwerte Tage verbringen. Dabei lernten sie den attraktiven Morten kennen, der ein Auge auf Kerstin wirft. Sie hat jedoch keinerlei Interesse. Doch Morten sieht das anders und bedrängt Kerstin immer wieder aufs Neue. Sogar als sie zurück in Deutschland sind, spürt er ihr nach und lädt sie und Iris zu einer Party in Hamburg ein, wo er studiert. Bei dieser Fete lernt Kerstin Stefan kennen...

Der Roman wird abwechselnd in der Gegenwart durch Annika und in der Vergangenheit erzählt. Durch Rückblenden und Erzählungen von Kerstin erfahren wir was damals vor 30 Jahren geschehen ist. Durch die Distanz und immer wiederkehrenden Nachfragen von Annika via Skype erzählt Kerstin ihrer Tochter nach und nach von ihrer Vergangenheit. Dabei kommt es durch die wechselnden Handlungsstränge immer wieder zum Ansteigen der Spannungskurve. Meine Überlegungen was damals passiert sein könnte, mussten immer wieder aufs Neue verworfen werden, denn eine überraschende Wende jagte die nächste.

Die Geschichte fesselt durchgehend und vermittelt auch die Naturschönheiten Norwegens. Die bildhaften Landschaftsbeschreibungen lassen einem sehr bald von einem Norwegenurlaub träumen, wenn man nicht wie ich, sowieso schon jahrelang davon träumt dieses Land zu besuchen ;)
Die Charaktere sind lebendig und facettenreich und haben Ecken und Kanten. Ich konnte die Trauer und Verzweiflung von Annika am Anfang der Geschichte spüren, genauso wie den Verlust ihres Zwillingsbruders. Ebenso lernt man Kerstin mit der Zeit besser kennen und erkennt den unsäglichen Schmerz den sie mit sich herumschleppt und der schließlich ihre Ehe zerstörte. Am faszinierensten, aber auch am unverständlichsten, waren die menschlichen Abgründe, die uns Morten aufzeigt... Man bekommt richtig Gänsehaut beim Lesen!
Das Ende ist schlüssig und hat mich nach einem nervenzerreißenen Show-Down zufrieden zurückgelassen. Ich kann diesen Roman einfach nur weiterempfehlen!

Schreibstil:
Der lockere und flüssige Schreibstil lässt sich wunderbar lesen. Die Autorin versteht es den Leser an das Buch zu fesseln und schreibt nicht nur sehr lebendig und bildhaft, sondern konnte mich mit falschen Fährten in die Irre führen.

Fazit:
Ein toller und spannender Roman, der einen Liebesroman, einen Krimi, ein gut gehütetes Familiengeheimnis, etwas Drama und fast Thrillerelemente am Ende verbindet. Ich bin begeistert und spreche eine fette Empfehlung aus!

Veröffentlicht am 10.11.2019

Start einer mitreißenden Familiensaga in der Hamburger Speicherstadt

Der Duft der weiten Welt
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Mina Deharde hat den "Kaffee im Blut" und verbringt seit ihrer Kindheit viel Zeit im Kontor ihres Vaters in Hamburgs Speicherstadt. Trotzdem ist es ihr nicht möglich in seine Fußstapfen zu treten und den ...

Mina Deharde hat den "Kaffee im Blut" und verbringt seit ihrer Kindheit viel Zeit im Kontor ihres Vaters in Hamburgs Speicherstadt. Trotzdem ist es ihr nicht möglich in seine Fußstapfen zu treten und den Kaffeekontor eines Tages zu übernehmen. Wir schreiben nämlich das Jahr 1912, eine Zeit, in der Frauen an der Seite ihres Ehemannes oder unter der Obhut des Vaters stehen. Sie sind weder befugt ein Geschäft zu führen, noch die Handelskammer zu betreten. Doch Mina möchte weder heiraten, noch hinter einem Mann zurückstehen, sondern Medizin studieren oder den Kontor ihres Vaters übernehmen. Handarbeiten oder Haushaltsführung interessiert sie nicht die Bohne. Karl Deharde ist zwar ein eher moderner Mann, doch als Geschäftsführerin sieht er seine Tochter nicht und schickt sie auf ein Pensionat für höhere Töchter. Als Minas Vater erkrankt, sieht sie die Chance sich im Kontor noch mehr einzubinden und unersetzlich zu werden. Doch dann spitzen sich die Ereignisse zu und Mina steht vor einer großen Entscheidung...

Fenja Lüders gibt dem Leser einen interessanten Einblick in die Familiengeschichte der Dehardes, dem Kaffeehandel und den Konventionen der damaligen Zeit. Schonungslos zeigt sie auf, auf welche Rolle die Frau zu dieser Zeit reduziert wurde. Minas Wünsche sind uninteressant. Hauptziel ist die Heirat mit einem Geschäftsmann, der den Kontor weiterführen kann. Die damaligen Lebensumstände sind fundiert recherchiert und dargestellt. Als Leserin der heutigen Zeit wurde mir beim Lesen wieder sehr bewusst, wie froh wir über die Errungenschaften der letzten hundert Jahre sein können.
Ebenso bekommt man als Leser einen großartigen Einblick in die Welt des Handels und der Kaffeehändler zu dieser Zeit, sowie der Speicherstadt und dem Hafenviertel Hamburgs.

Charaktere:
Mina ist eine sehr sympathische Protagonistin, die in den gesellschaftlichen Konventionen dieser Zeit feststeckt und versucht daraus das Beste zu machen. Einige Schicksalsschläge lassen sie schneller erwachsen werden. Mina macht eine große Entwicklung durch und wird vom Backfisch zu einer jungen Frau mit hohem Verantwortungsbewusstsein.
Ihr Vater spielt eine wichtige Rolle in ihrem Leben. Er nennt sie liebevoll "sein Wunschmädchen". Minas jüngere Schwester Agnes ist im ersten Teil der Trilogie noch nicht sehr präsent. Sie ist der Liebling der strengen Großmutter, die nach wie vor an den alten Konventionen festhält und Anstand und Tugend predigt.
Aber auch die Nebenfiguren, wie Fräulein Brinkmann, die Hauslehrerin der beiden Mädchen oder Irma von Gusnar, Minas quirlige beste Freundin im Pensionat, sind wunderbar lebendig dargestellt. Von Irma hätte ich gerne noch mehr gelesen und hoffe sie im zweiten Teil wiederzutreffen.
Eine größere Rolle spielt hingegen Edo Blumenthal, der Minas Vater im Kontor zu Hand geht. Mit ihm verbindet Mina eine enge Freundschaft aus der Liebe wird. Edo sieht seine Zukunft jedoch in Amerika und möchte mit Mina auswandern.
Sein Ziehbruder Heiko, ein einfacher Arbeiter, sieht die Kluft zwischen Arm und Reich. Er unterstützt die Gedanken der Sozialdemokraten, die für mehr Gleichheit und Gerechtigkeit eintreten.
Mit Leutnant Frederik Lohmayer kommt ein weiterer spannender Charakter hinzu, der ebenfalls bei Karl Deharde in die Welt des Kaffees eingeführt wird. Der zweite Sohn eines Kaffeeplantagenbesitzers aus Guatemala erhofft sich Chancen bei Mina und ihrem Vater.

Schreibstil:
Fenja Lüders hat einen wunderbaren flüssigen Schreibstil, der mich von Anfang an gefesselt hat Man fliegt durch die Seiten. Auch wenn einige Handlungen leicht vorherhsehbar sind, gibt es immer wieder unerwartete Wendungen, die mich überraschten. Der Roman wird aus der Sicht von Mina in der 3. Person erzählt.
Die bildhaften Beschreibungen der Hamburger Speicherstadt, die ich selbst erst letztes Jahr mit eigenen Augen sehen durfte, sind absolut gelungen.

Fazit:
Der Start einer mitreißenden Familiensaga, die in der Hamburger Speicherstadt spielt und mich bereits mit Band 1 überzeugen konnte. Die stimmige Handlung, tolle Recherche und facettenreiche Charaktere, die sich alle weiterentwickeln, runden die Geschichte ab. Ich freue mich schon auf den Folgeband, auf den wir leider bis Juni 2020 warten müssen. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Thema
Veröffentlicht am 03.11.2019

Spannender und bittersüßer Roman, den ich gerne weiterempfehle!

Als wir den Himmel berührten
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Im Roman von Marie Leander, eine deutsche Autorin, die unter Pseudonym schreibt (leider habe ich keine Ahnung wer dahinter stecken könnte, sonst würde ich mir gleich auch ihre anderen Bücher holen), sind ...

Im Roman von Marie Leander, eine deutsche Autorin, die unter Pseudonym schreibt (leider habe ich keine Ahnung wer dahinter stecken könnte, sonst würde ich mir gleich auch ihre anderen Bücher holen), sind wir in Marseille in Südfrankreich.
Wir schreiben das Jahr 1940. Die Deutschen haben Paris eingenommen und Frankreich geteilt. Der Nord-Westen wurde besetzt, der Süden wird vom Vichy Regime verwaltet. Viele Menschen sind auf der Flucht Richtung Marseille, wo noch Schiffe nach Übersee auslaufen. Zu dieser Zeit sitzt der einheimische Maler Nicolas Guyot am Hafen und malt. Ihm fällt ein Pärchen auf, das zwischen den verzweifelten Menschen auf der Flucht, unbekümmert herum flaniert. Ihm fasziniert die bildhübsche junge Frau an der Seite eines etwas älteren Mannes. Umso überraschter ist Nicolas, als genau diese Frau am nächsten Tag plötzlich vor ihm steht und ihn bittet sie zu portraitieren. Seit dem Tod seiner Frau malt Nicolas keine Portraits mehr. Doch Juline lässt nicht locker, denn sie möchte das Bild ihrem Mann schenken. Noch ahnt Nicolas nicht, welches Geheimnis die beiden bewahren und wie schnell er Julines Charme erliegt...

Schon der Klappentext hat mein Interesse geweckt, jedoch muss ich zugeben, dass ich anfangs noch etwas skeptisch war. Hier kann alles mögliche drinnenstecken... Doch schon nach den ersten Seiten hat mich die Geschichte rund um Nicolas, Juline und ihrem Mann Georg gefangen genommen.
Marie Leander erzählt mit viel Herzblut über den nicht immer einfachen Lebensweg ihrer drei Protagonisten. Dabei spielt die Zeit des Romans eine große Rolle. Der historische Hintergrund und das Erstärken der nationalsozialsitischen Ideen im Süden Frankreichs, auch durch die eigenen Landsleute, wird unheimlich gut transportiert. Das Schicksal vieler Flüchtlinge, wie auch mutigen Fluchthelfern, ist nur eines der vielen Themen, die die Autorin hier aufbereitet, jedoch der rote Faden der Geschichte.
Aber auch das Künstlerleben und die damit verbundene Bohéme kommt nicht zu kurz und steht im krassen Gegensatz zu den Flüchtlingen. Hier spürt man allerdings schon die schleichende Einmischung der Parteimitglieder, die die Künstler in ihrer Form beschränken wollen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit ist hervorragend eingefangen.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil. Sie schreibt bildhaft und voller Dynamik. Man fliegt durch die fast 600 Seiten und man fiebert mit den Protagnisten mit. Die Charaktere sind sehr facettenreich und lebendig dargestellt. Man begleitet sie durch Höhen und Tiefen, zittert mit ihnen um ihr Leben und nimmt gemeinsam große Herausforderungen an. Ich lebte mit den Figuren richtig mit und fühlte mich direkt im Geschehen.

Das Schicksal der drei Hauptprotaginisten ist bittersüß. Nicolas widmet sich seit dem Tod seiner Frau Tag und Nacht der Malerei. Sie ist sein Antrieb und sein Halt im Leben. Nicolas ist aber auch der typische Künstler, der die Nacht zum Tag macht und oftmals vergisst seine Miete pünktlich zu zahlen. Das Angebot seine Bilder bei einer Vernissage auszustellen, soll ihm helfen seiner permanenten Geldnot Herr zu werden.
Juline ist eine sehr starke Persönlichkeit. Sie weiß was sie will und steht treu zu ihrer Gesinnung. Sie setzt sich als Widerstandskämpferin ein und riskiert dabei mehr als nur ihr Leben.
Georg ist mit Juline auf Hochzeitsreise, während in Paris die Deutschen die Stadt besetzt haben. Die Beiden können nicht mehr zurück, denn Georg lebt mit Schweizer Pass unter falscher Identität.
Die Nebencharaktere sind ebenfalls sehr ausdrucksstark gezeichnet. Vorallem die Besitzerin eines Nachtlokales und gute Freundin von Nicolas ist mir dabei sehr ans Herz gewachsen. Alle Figuren besitzen eine Vielfalt an Charaktereigenschaften.

Auch die Schauplätze rund um Marseille sind wunderbar eingefangen und sehr anschaulich beschrieben.
Dazu kommt eine bittersüße Liebesgeschichte, die jedoch ohne Kitsch auskommt. Eine gelungene Mischung aus Romantik, Spannung und Historie.
Im Nachwort erzählt die Autorin noch wie sie auf die Idee kam diesen Roman zu schreiben und über den historisch belegten Journalisten Varian Fry, der in Marseille ein Rettungsnetzwerk aufbaute, mit dem er vielen Menschen die Flucht aus Europa ermöglichte.

Fazit:
Der Roman von Marie Leander bietet dem Leser eine spannende Reise voller Emotionen und führt ihn in die Zeit des Zweiten Weltkrieges und der Erstärkung des Nationalsozialismusses im Süden Frankreichs. Tolle facettenreiche Figuren und ein lebendiger und bildhafter Schreibstil runden die Erzählung perfekt ab.
Dieser wunderbare Roman sollte noch viel mehr Leser und mehr Aufmerksamkeit erhalten! Ich empfehle ihn deshalb sehr gerne weiter!

Veröffentlicht am 13.10.2019

Der bisher beste Teil der Reihe

Stille Havel
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In seinem vierten Band rund um Hauptkommissar Toni Sanftleben geht Tim Pieper neue Wege. Erstmals gibt es einen Vergangenheitsstrang, der zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt.

Zuvor wird allerdings ...

In seinem vierten Band rund um Hauptkommissar Toni Sanftleben geht Tim Pieper neue Wege. Erstmals gibt es einen Vergangenheitsstrang, der zur Zeit des Zweiten Weltkrieges spielt.

Zuvor wird allerdings die Leiche des Kunsthändlers Helmut Lothroth im Potsdamer Park Sanssouci gefunden. Auf seinem Handy befinden sich Fotos eines Gemäldes, welches ein Frauenportrait mit Gesichtsschleier zeigt, das im Museum Barberini ausgestellt wird. Außerdem sind Bilder einer Villa an der Havel zu sehen. Welches Interesse hatte Lothroth am Gemälde und an der Villa? Und wer ist die Frau hinter dem Schleier?
Toni Sanftleben versucht Licht in den Mordfall zu bringen, jedoch ist sein Team rund um Phong und Gesa nicht wirklich gut aufeinander zu sprechen, was die Ermittlungen erschwert. Seit Phong versucht abzunehmen und sich nur mehr gesund ernährt, müssen die anderen mit seinen Launen klarkommen. Das macht die Ermittlungen nicht gerade einfacher, denn er verhält sich sogar Toni gegenüber äußerst anmaßend. Zusätzlich wird die Geschichte rund um Lothroth komplexer, der sich sehr für die Raubkunst aus dem Zweiten Weltkrieg zu interessieren schien. Als Toni Marie Hellström, die jetzige Besitzerin der Havelvilla kennenlernt, ist er von ihr fasziniert. Marie scheint die geheimnisvolle Frau auf dem Gemälde zu erkennen, gibt jedoch kaum etwas preis. Verschweigt sie etwas?
Verdächtig ist ebenfalls ein weiterer Kunsthändler, der sich in den heutigen rechtsextremen Kreisen herumzutreiben scheint und eine Museumsdirektorin, die sich hineter zwei verscheidenen Nachnamen zu verstecken scheint.

Im zweiten Handlungsstrang befinden wir uns im Jahre 1938 und lernen die junge Lydia kennen, die ein berühmter Filmstar werden möchte. Aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen möchte sie dem Mief der Kneipe ihrers Vaters entkommen. Deutsche Schauspielerinnen sind kurz vor dem Zweiten Weltkrieg gesucht, denn die UFA in Babelsberg nützt diese vorwiegend für Propagandafilmchen. Lydia fällt dabei Reichsminister Joseph Goebbles ins Auge, der kleinen Filmsterchen nur zur gerne weiterhilft, wenn sie sich erkenntlich zeigen. Die auf der einen Seite noch sehr naive Lydia weiß jedoch genau, dass sie nie wieder in die ärmlichen Verhältnisse von früher zurück will. Allerdings rechnet sie nicht mit all den weiteren Konsequenzen...

Der geschichtlche Hintergrund ist großartig recherchiert und obwohl ich sehr viele Romane aus dieser Zeit lese, habe ich auch in diesem Krimi von Tim Pieper wieder etwas Neues gelernt, nämlich dass Goebbels sehr wohl seine Finger bei der UFA im Spiel hatte bzw. diese nicht bei sich lassen konnte und die Besetzungen und den Status der Filmlieblinge teilweise in sein Gebiet fiel. Hier bekommt der Leser einen tollen Einblick in die Geschichte der UFA zur Zeit des Nationalsozialismus.
Der Wechsel zwischen den beiden Zeitsträngen wird gekonnt dargestellt. Die beiden Handlungsstränge halten sich dabei gekonnt die Waage.

Die Charaktere sind vielschichtig und fast jeder verdächtig. Alle Figuren scheinen zwei Gesichter zu haben - sogar Phong ;)
Toni hingegen hadert noch immer mit seiner Vergangenheit, versucht jedoch endlich frei davon zu werden. Ob es ihm glückt, müsst ihr selbst lesen!

Fazit:
Der beste Krimi von Tim Pieper und ein absoluter Pageturner, den ich nur empfehlen kann! Hervorragend durchdacht, kurzweilig, spannend und fesselnd! Großartig!