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Veröffentlicht am 13.01.2020

Das Biest im Labyrinth

1794
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Am Ende des 18. Jahrhunderts gefällt sich der Mensch darin, des anderen Menschen Teufel zu sein. Ob die Adligen untereinander Intrigen spinnen oder ihre Untertanen versklaven, alles ist ein einziger Reigen ...

Am Ende des 18. Jahrhunderts gefällt sich der Mensch darin, des anderen Menschen Teufel zu sein. Ob die Adligen untereinander Intrigen spinnen oder ihre Untertanen versklaven, alles ist ein einziger Reigen aus Gewalt und Macht. 1794 wird der junge Adlige Erik auf die Karibikinsel Saint-Barthélemy geschickt, weil sein Vater verhindern möchte, dass er eine Bauerntochter ehelicht. Dort gerät er der Junge in die Fänge eines Monsters, was er lange nicht durchschaut. Und dann ist da in Stockholm noch Jean Michael Cardell, der seit dem Tod von Cecil Winge mehr denn je verkommt. Als Kriegsveteran hat er eigene Dämonen, die es zu jagen gilt, genauso wie der junge Mann, der ihm zu Hilfe kommt und aussieht, als wäre jemand aus dem Grab auferstanden ...

Wie schon im Vorgänger ist das Buch in die Jahreszeiten aufgeteilt, Frühling, Sommer, Herbst, Winter, außerdem erzählt wieder jemand seine eigene Geschichte in schriftlicher Form. Man mixe dazu einen relativ schwachbrüstigen Kriminalfall und jede Menge historischem Kolorit und voilá ist der neue Roman von Natt Och Dag fertig. Ich habe das Buch gern gelesen, hätte aber gern auch etwas mehr Veränderung gehabt, so kam es mir vor, als läse ich 1793 in der zweiten Auflage. Dazu kamen dann ab und zu Szenen, die mir wirklich Übelkeit bereitet haben, und ich halte mich nicht für zartbesaitet. Manchmal ist weniger mehr und so wird mir das Buch eher wegen meiner Abneigung gegen gewisse Ereignisse und die Art, sie darzustellen, in Erinnerung bleiben als aus wirklicher Faszination.

Veröffentlicht am 06.01.2020

Kristallklar

Falling Skye (Bd. 1)
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Amerika ist gläsern. Vor fünf Jahren, nach einigen katastrophalen Regierungsentscheidungen, wurde das durchgesetzt. Die Menschen werden in zwei Gruppen eingeteilt - die Rationalen und die Emotionalen. ...

Amerika ist gläsern. Vor fünf Jahren, nach einigen katastrophalen Regierungsentscheidungen, wurde das durchgesetzt. Die Menschen werden in zwei Gruppen eingeteilt - die Rationalen und die Emotionalen. Es heißt, dann gibt es nur noch diese beiden Klassen, kein Grund mehr, sich wegen Religion, Rasse oder Geschlecht zu bekämpfen. Die knapp sechzehnjährige Skye ist davon überzeugt, eine Rationale zu sein. Doch selbst sie ist nicht auf die psychologisch bösartigen Tests gefasst, die schließlich durchgeführt werden. Wenn ihr nicht einer der Testleiter helfen würde, sähe sie bald ziemlich schlecht aus. Doch was führt er im Schilde? Und was passiert mit all den Leuten, die es auf der Rangliste nicht nach oben schaffen? Als Skye dahinterkommt, muss sie sich entscheiden - für den einfachen oder den richtigen Weg.

Mir gefällt die Ausgangsbasis, denn die ist gar nicht mal so unrealistisch. Doch mit der Umsetzung bin ich nicht ganz glücklich. Ich finde, für das "große Geheimnis", das zum Schluss gelüftet wurde, hat man viel zu viel und vor allem finanziell übertriebenen Aufwand betrieben. Wenn man so eine Manipulation durchführen möchte, wäre das einfacher zu erreichen. Davon abgesehen gab es mir zu viel Teeniedrama, alles schon tausendmal gesehen und gelesen. Für so eine junge Autorin war der Schreibstil sehr gut, aber sie darf ruhig ein wenig mutiger werden und auf die gängigen Klischees verzichten.

Veröffentlicht am 31.12.2019

Die Drachentöterin und der Sklave

Iskari - Der Sturm naht
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Dass ihre Heimatstadt einst von Drachen und ihrem Feuer vernichtet wurde, ist allein Ashas Schuld. Sie hat sich als Kind immer hinausgeschlichen und den Drachen Geschichten erzählt. Mächtige, böse Geschichten, ...

Dass ihre Heimatstadt einst von Drachen und ihrem Feuer vernichtet wurde, ist allein Ashas Schuld. Sie hat sich als Kind immer hinausgeschlichen und den Drachen Geschichten erzählt. Mächtige, böse Geschichten, die nicht umsonst verboten waren, denn sie sind gefährlich. Um zu sühnen hat Asha daher die Aufgabe übernommen, Drachen zu jagen und zu töten, nur den einen, der dafür verantwortlich war, der böseste und älteste, Kozu, den hat sie nicht finden und besiegen können. Und jetzt stellt ihr Vater ihr auch noch ein Ultimatum: Entweder sie erlegt Kozu oder heiratet den von ihr verhassten Kommandanten Jarek, einen Sadisten, der die Truppen des Königs, ihres Vaters, anführt.

Einige Rezensenten meinten, die Protagonistin wäre dumm und hätte viel eher hinter all die Komplotte kommen müssen. Ausnahmsweise bin ich nicht der Meinung; sie bekam - als sie sich nicht erinnern konnte - eine Geschichte von jemandem erzählt, der keinen Grund hatte, sie anzulügen bzw. von dem sie das glaubte. Das zum ersten. Auch dass sie hochnäsig und gerade den Versklavten gegenüber ungnädig war, fand ich erziehungskonform. Wenn man so aufwächst, warum sollte man sich anders verhalten als Asha aka die Iskari? Nein, das war es gar nicht mal so, was mich störte. Vielmehr dass es wieder ein völlig vorhersehbares Loveinterest gab zum Beispiel. Und die üblichen Gut-gegen-Böse-Mächte. Aber was aus einer 3,5 - 4 Punktestory nur noch eine durchschnittliche Geschichte machte, war, wie sich die Drachen entwickelten. Zuerst die gefährlichen, gejagten, mächtigen Kreaturen wandeln sie sich nach kurzer Zeit zu sklavisch ergebenen fliegenden Hündchen. Fand ich traurig und auch nicht nachvollziehbar, gerade gegenüber Asha nicht. So war es zwar eine meist unterhaltsame, aber keine herausragende Lektüre.

Veröffentlicht am 18.12.2019

Immer der Nase nach

Shadowscent - Die Blume der Finsternis
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Im Kaiserreich Aramtesch haben Düfte Macht oder spielen eine besondere Rolle. Rakel, eine junge, arme Frau vom Land, versucht ihren Vater zu retten, der an einer fast unheilbaren Krankheit leidet. Dafür ...

Im Kaiserreich Aramtesch haben Düfte Macht oder spielen eine besondere Rolle. Rakel, eine junge, arme Frau vom Land, versucht ihren Vater zu retten, der an einer fast unheilbaren Krankheit leidet. Dafür setzt sie ihre besondere Gabe, das Erkennen von Düften ein. Doch sie gerät in eine Intrige und muss als Dienerin arbeiten. Genau zu dieser Zeit gelangen die Gesandten des Kaisers an, und nur kurze Zeit später werden Leute vergiftet aufgefunden, darunter auch der Kronprinz des Reiches. Da Rakel als Täterin vermutet wird, muss sie fliehen. Ihre einzige Chance ist es herauszufinden, wer dahinter steckt und ihr einziger Verbündeter dabei ist der Leibwächter des Prinzen, Ash.

Das exotische Setting hat mich gereizt und auch, dass Düfte eine Rolle spielen sollten. Doch tatsächlich ist deren Einfluss weniger markant als angenommen. Es gibt zwar scheinbar sogar Duftbeauftragte, aber welchen Job die wirklich haben, kommt nicht raus. Und wenn Rakel sich nicht mit der Vergiftung des Prinzen herumschlagen müsste, würde sie halt Parfüms herstellen. Aber natürlich beschäftigen sich Parfümhersteller mit Düften, doch genauso natürlich interessiert das den Rest der Welt weniger. So gab es hier die klassische Heldenreise, in der irgendwelche Abenteuer bestanden und Aufgaben gelöst werden mussten, aber Spannung wurde dabei selten aufgebaut. Die meiste Zeit langweilte mich die Suche nach den Zutaten zum Gegengift und wenn doch mal etwas passierte, wurde es zu einfach abgehandelt. Halbwegs fesselnd wurde es dann zum Schluss, wobei ich trotzdem nicht verstehe, wie das mit Ash funktioniert, mehr kann ich wegen der Spoilergefahr dazu nicht sagen. Wenigstens hielt sich das Liebesgedöns in Grenzen, das ist ja schon mal was. Alles in allem bin ich eher wenig geneigt, die Abenteuer von Ash und Rakel weiterzuverfolgen. Es war nicht schlecht, wirklich gut allerdings auch nicht.

Veröffentlicht am 07.12.2019

Mammontanz

Knochendiebin (Die zwölf Kasten von Sabor 1)
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In Sabor gibt es zwölf Kasten, von denen elf eine Art magisches Geburtsrecht besitzen. Nur die zwölfte, die der Krähen, hat nichts. Sie sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft, aber auch die Einzigen, ...

In Sabor gibt es zwölf Kasten, von denen elf eine Art magisches Geburtsrecht besitzen. Nur die zwölfte, die der Krähen, hat nichts. Sie sind die Ausgestoßenen der Gesellschaft, aber auch die Einzigen, die immun gegen die Sündenseuche, eine tödliche Krankheit, sind. Dazu kommt, dass sie regelmäßig gejagt und sogar abgeschlachtet werden, ohne dass irgendwer etwas dagegen unternimmt. Als der Flügelherr von Stur den künftigen König und dessen Leibwächter rettet, gerät sie in eine unhaltbare Situation: Sie muss seinen Eid erfüllen und die beiden sicher zu ihren Verbündeten bringen; gleichzeitig werden jedoch ihre Gefährten als Geiseln genommen und das oberste Gebot der Krähen lautet: Schütze die Deinen.

Vorneweg: Die Idee ist echt cool. Die Autorin entwirft hier eine originelle Welt mit seltsamen Sitten und Gebräuchen. Allerdings ist das Ganze nicht wirklich zu Ende gedacht worden nach meinem Empfinden. Wenn jeder weiß, dass er ohne die Krähen und ihren Job schneller stirbt, als er Sünde sagen kann, ergibt es keinen Sinn, dass sie sogar von den Dorfbewohnern nur mit Hass und Abscheu empfangen werden. Und dass gar Ritter auf sie Jagd machen und sie töten dürfen, noch viel weniger. Auch die Geiselnahme der Krähen ist völlig sinnlos: Warum so viele Leute mit sich schleppen, wenn man auf der Jagd ist? Zumal man sonst rechts und links nur Leichen hinterlässt. Und dann die obligatorische Lovestory. Anfangs ist Stur sehr taff und behauptet sich gegenüber ihrem Loveinterest, später ist sie ohne ihn geradezu verloren. Muss das sein? Hier passen einige Sachen nicht, ansonsten hätte aus diesem Buch ein ganz großer Wurf werden können. So bleibt eine originelle Idee, die sich in ewigen Wiederholungen, einer Art Fantasyroadmovie und der vorhersehbaren Liebesgeschichte verliert.